Deviantes Verhalten auf einer Station zur Behandlung Abhängiger

Die Anomietheorie


Hausarbeit, 2012

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Definition zentraler Begriffe

3.) Das ätiologische Paradigma
3.1) Die Anomietheorie von Robert K. Merton

4.) Die Anomietheorie in der Praxis
4.1.) Hypothese
4.2.) Bedingungsanalyse
4.3.) Die kulturelle und soziale Struktur in der Praxis
4.3.1.) Die kulturelle und soziale Struktur vor stationärer Aufnahme
4.3.2.) Die kulturelle und soziale Struktur nach stationärer Aufnahme
4.3.3.) Die kulturelle und soziale Struktur nach stationärer Entlassung
4.4.) Neue Handlungsfelder für das Stationsteam

5.) Fazit

6.) Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Nach meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus habe ich drei Jahre auf einer Station zur Behandlung von illegalen Abhängigkeitserkrankungen gearbeitet. In dieser Zeit hatte ich sehr tiefe Einblicke in das Verhalten von Drogenabhängigen erhalten. Diese Einblicke möchte ich im Rahmen dieser Arbeit nutzen, um die Behandlung von Suchterkrankten in Deutschland kritisch zu hinterfragen, bzw. Alternativen im Umgang mit diesen Menschen aufzuzeigen. So stelle ich mir die Frage, warum Patienten im stationären Umfeld nur wenige Schwierigkeiten mit Normen und Regeln haben, nach der Entlassung aber wieder schnell in ihr altes Verhaltensmuster fallen. Und wie kann das behandelnde Team diesen „Rückfall“ vermeiden, bzw. vorbeugen? Mit diesen Fragen werde ich mich in dieser Arbeit beschäftigen und mich aufgrund der Vielseitigkeit dieses Themas auf die Anomietheorie von Robert K. Merton stützen. Ich möchte prüfen, ob diese in der Behandlung von Suchterkrankten häufig genutzte Theorie das Pflegepersonal in seiner Arbeit „befruchten“ kann. Aufgrund der vielseitigen Theorien zu „Devianz“ werde ich mich in dieser Arbeit jedoch ausschließlich mit der Anomietheorie von Robert K. Merton auseinandersetzen. Natürlich gibt es auch noch weitere Theorien und Erklärungsversuche für abweichendes Verhalten auf die ich aber wegen der strukturellen Vorgaben nicht weiter eingehen werde.

Im ersten Teil der Arbeit werde ich verschiedene Definitionen aufführen, auf die ich mich im weiteren Teil der Arbeit beziehen werde. Auch stelle ich die Anomietheorie von Merton zusammengefasst vor.

Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann den Praxisbezug herstellen und die Anomietheorie auf ihre praktische Anwendung und Nutzbarkeit für den Bereich der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen prüfen.

2. Definition zentraler Begriffe

Im Laufe der Arbeit werde ich mich immer wieder auf verschiedene Definitionen berufen. Diese werde ich im Folgenden zunächst vorstellen.

Normen:

„Normen sind Verhaltensregeln, die in Gruppen oder Gesellschaften Geltung haben. Normen beziehen sich nicht nur auf Verhalten, sondern auch auf Denken und Wahrnehmen, ja auch auf bewusst gesteuerte Körpervorgänge oder Gefühle.“ ( Feldmann, 2006, S. 73)

Abweichendes Verhalten - Devianz:

Zu dem Thema Devianz gibt es verschiedene Definitionen. Ich werde mich in dieser Arbeit auf Folgende Definitionen berufen und diese diskutieren:

Abweichendes Verhalten/ Devianz bezeichnet Verhaltensweisen, die gegen die in einer Gesellschaft oder einer ihrer Teilstrukturen geltenden sozialen Normen verstoßen und im Falle der Entdeckung soziale Reaktionen hervorrufen, die darauf abzielen, die betreffende Person, die dieses Verhalten zeigt, zu bestrafen, zu isolieren, zu behandeln oder zu bessern (vgl. Peuckert, 2000, S. 103)

Merton definiert Devianz als Ausdruck von Anomie (Norm- Regellosigkeit) als Folge übersteigerter Erwartungshaltungen in der Gesellschaft. Devianz entsteht als Reaktion auf gesellschaftlicher Zwänge (vgl. Peuckert, 2008, S.115)

Soziale Kontrolle:

Strukturen, Prozesse, Mechanismen, um Mitglieder dazu zu bringen, Normen Folge zu leisten.

- Externe soziale Kontrolle:

Sozialer Druck der Umwelt, negative Sanktionen

- Interne soziale Kontrolle:

In Persönlichkeitssystem und Gewissen verlagerte soziale Kontrolle

- Dient der sozialen Integration

(Vgl. Peuckert, 2008, S. 103)

3. Das ätiologische (Lehre der Ursachen) Paradigma

Zum traditionellen Ansatz der Erklärungsversuche von abweichenden Verhalten gehört das ätiologische Paradigma. Dieses basiert auf der Grundannahme, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen Abweichlern und Konformen gibt. Das Modell beschäftigt sich damit, Faktoren aufzudecken, die abweichende Personen psychisch, physisch und sozial von Konformen unterscheiden (vgl. Hess, 1978).

Kennzeichen für die am Struktur-Funktionalismus orientierte UrsachenTheorie sind nach Keupp (1976):

seine absolutistische Perspektive:

- objektiv vorgegebenes Wertesystem
- Außenstehender erkennt sofort, ob abweichendes Verhalten vorliegt oder nicht

seine Täterzentriertheit:

- Fundamentaler Unterschied Täter und Nicht- Täter
- Suche nach Ursachen, die Täter zum Normbruch veranlasst haben

sein Korrekturinteresse:

- Häufig Interesse an Prävention, Behandlung, Korrektur
- Abbau, Vermeidung unerwünschter Verhaltensweisen

3.1 Die Anomietheorie von Robert K. Merton

Robert K. Merton formulierte seine Anomietheorie erstmals 1938 und überarbeitete diese dann 1957. Sie war jahrzehntelang die forschungs- leitende Theorie für abweichendes Verhalten. Erst in den 1960er Jahren bekam die Theorie durch den Labeling- Ansatz Konkurrenz auf ihrem Gebiet. Mertons Anomietheorie beschäftigt sich mit der Ausgangsfrage, auf welche Weise einige sozialstrukturelle Gegebenheiten bestimmte Personen so unter Druck setzen, dass diese sich eher abweichend als konform verhalten. Devianz ist nach Merton, wie unter Punkt 2 dieser Arbeit definiert, der Ausdruck von Anomie als Folge übersteigerte Erwartungshaltungen in der Gesellschaft. Devianz entsteht als Reaktion auf gesellschaftliche Zwänge. (vgl. Peuckert, 2008, S. 114 ff.)

Merton führte zwei handlungsorientierte gesellschaftliche Strukturen in seine Analyse, ein um seine Ausgangsfrage zu beantworten:

1. Die kulturelle Struktur:

„Das erste Element besteht aus kulturell festgelegten Zielen, Absichten und Interessen, die allen oder unterschiedlich platzierten Mitgliedern der Gesellschaft als legitime Zielsetzungen dienen (Merton, 1979, S. 208). Das zweite Element der kulturellen Struktur sind die regulativen Normen. Diese bestimmen, regulieren und kontrollieren die erlaubten Wege zum Erreichen des Ziels. Anomie entsteht nach Merton dann, wenn Ziele und Normen unterschiedlich betont werden (vgl. Peuckert,2008, S. 115).

2. Die soziale Struktur:

Die soziale Struktur benennt nach Merton die Stellung des Einzelnen im sozialen Ungleichheitsgefüge. In seiner Hypothese geht Merton davon aus, „dass abweichendes Verhalten als Symptom für das Auseinanderklaffen von kulturell vorgegebenen Zielen und von sozial strukturierten Wegen, auf denen diese Ziele zu erreichen sind, betrachtet werden kann“ (Merton, 1979, S. 289). Der Druck zum Abweichen ist also besonders bei der Unterschicht sehr stark. Merton sieht Anomien als „normale Reaktion“ benachteiligter Personen in der Gesellschaft (vgl. Peuckert, 2008, S. 115). Anomie definiert Merton zusammenfassend „als Zusammenbruch der kulturellen Struktur, zu dem es insbesondere dann kommt, wenn zwischen den kulturellen Normen und Zielen und den sozial strukturierten Fähigkeiten der Gruppenmitglieder zu einem normkonformen Handeln eine scharfe Trennung besteht.“ (Merton, 1985, S. 156)

Neben der Devianz nennt Merton noch weitere Reaktionsweisen auf Anomie. So untersuchte er, wie sich Menschen an die normativen Regeln anpassen und welche Formen ihre Abweichungen annehmen. Daraus leitete er fünf Typen abweichenden Verhaltens ab:

1. Konformität:

- Ziele und Mittel werden anerkannt.

2. Innovation:

- Ziele werden anerkannt, eigene Mittel werden angewandt.

3. Ritualismus

- Ziele sind nicht erwünscht, jedoch Anwendung der Mittel.

4. Apathie:

- Ziele und Mittel werden verworfen, Personen werden apathisch.

5. Rebellion:

- Ziele und Mittel werden abgelehnt, neue Ziele und Mittel werden gesucht, um die Machtstruktur zu ändern.

4. Die Anomietheorie in der Praxis

4.1 Hypothese

Die Hypothese habe ich von Mertons Ausgangsfrage abgeleitet. Diese lautet: „ Auf welche Weise setzen einige sozialstrukturelle Gegebenheiten bestimmte Personen in der Gesellschaft einem Druck aus, sich eher abweichend als konform zu verhalten?“ (vgl. Peuckert, 2008, S. 114 ff.) Ich habe diese Ausgangsfrage für die Mikroebene, die Entgiftungsstation umformuliert und stelle folgende zwei Fragen:

[...]

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Details

Titel
Deviantes Verhalten auf einer Station zur Behandlung Abhängiger
Untertitel
Die Anomietheorie
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V200918
ISBN (eBook)
9783656279112
ISBN (Buch)
9783656279297
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deviantes, verhalten, station, behandlung, abhängiger, anomietheorie
Arbeit zitieren
Dominik Dautzenberg (Autor), 2012, Deviantes Verhalten auf einer Station zur Behandlung Abhängiger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200918

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