Hinsichtlich der Alkoholprävention bei Jugendlichen geraten seit geraumer Zeit verhältnispräventive Ansätze zur Einschränkung des Erwerbs von Alkohol durch Jugendliche ins Blickfeld der Betrachtungen. Studien fordern eine strikte Überwachung bzw. strengere Kontrollen, da vor allem die Verfügbarkeit alkoholischer Getränke Einfluss auf das tatsächliche Konsumverhalten hat. Dieses führt letztlich wiederum zu riskanten Verhaltensweisen bei Jugendlichen.
Um die Verfügbarkeit alkoholischer Getränke für Minderjährige einzuschränken, bedarf es einer genaueren Betrachtung der Abgabepraxis im Handel, in der Gastronomie sowie an Tankstellen und Kiosken. Zur Überprüfung dieser Praxis haben Polizei und Verwaltungsbehörden auf Forderungen nach einer Verstärkung des kontrollierend-ordnungsrechtlichen Jugendschutzes reagiert. Als erstes Bundesland führte Niedersachsen die sogenannten Alkoholtestkäufe ein.
Bei Alkoholtestkäufen werden Jugendliche durch Behörden im Einzelhandel eingesetzt, um alkoholische Getränke, die für sie nach dem Jugendschutzgesetz nicht zugelassen sind, zu erwerben. Dabei wird seitens der Verantwortungsträger die Wirksamkeit dieser Maßnahmen betont. Tatsächlich sind die Quoten, bei denen jugendliche Testkäufer Alkohol gesetzeswidrig erhielten, landesweit kontinuierlich gesunken. Inwieweit dies jedoch Auswirkungen darauf hat, ob Jugendliche tatsächlich Alkohol erhalten oder nicht, ist nicht klar. Auch lässt sich ein Zusammenhang zwischen der verstärkten Kontrolle der Alkoholabgabe auf der einen Seite und der Reduzierung von Straftaten unter Alkoholeinfluss nicht unmittelbar herstellen. Testkäufe werden daher auch nur als ein Mosaikstein im Maßnahmenbündel ergänzender Präventionsprojekte gegen Alkoholmissbrauch Minderjähriger gesehen. Die vorliegende Untersuchung hat die Auswirkungen der Alkoholtestkäufe auf die Kaufpraxis Jugendlicher sowie die Verkaufspraxis im Handel in der Region Hannover zum Gegenstand. Sie liefert eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Die Studie stellt im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche u.a. die aktuelle rechtliche Diskussion sowie Fragen zur Wirksamkeit von Testkäufen dar. Darüber hinaus wurden insgesamt 94 Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums befragt sowie sechs Verkäuferinnen des Einzelhandels wie auch Behördenvertreter interviewt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
1.1. Problemdarstellung
1.2. Untersuchungsfragestellung und forschungsleitende Annahmen
1.3. Untersuchungsanlage und methodisches Vorgehen
2. ALKOHOLPRÄVENTION IN DER PRAXIS
2.1. Gesetzliche Bestimmungen zur Abgabe von Alkohol an Jugendliche
2.2. Aktuelle Maßnahmen zur Alkoholprävention bei Minderjährigen in Deutschland
2.3. Betrachtungen auf internationaler Ebene
2.4. Alkoholtestkäufe in Niedersachsen
2.4.1. Konzeptionelle Richtlinien für Polizei und Jugendämter
2.4.2. Ein Überblick über Testkäufe in Niedersachsen
2.4.3. Alkoholtestkäufe in der Region Hannover
3. STAND DER FORSCHUNG
3.1. Rechtspositionen zum Einsatz von Testkäufern
3.2. Untersuchungen zu Alkoholtestkäufen und deren Wirksamkeit
4. UNTERSUCHUNGSDESIGN UND -METHODE
4.1. Leitfadengestützte Interviews mit behördlichen Vertretern
4.1.1. Entwicklung des Leitfadens
4.1.2. Rekrutierung der Interviewpartner
4.1.3. Interviewdurchführung
4.1.4. Aufbereitung und Auswertung des Interviewmaterials
4.2. Leitfadengestützte Interviews mit Verkaufspersonal
4.2.1. Entwicklung des Leitfadens
4.2.2. Rekrutierung der Interviewpartner
4.2.3. Interviewdurchführung, -analyse und -auswertung
4.3. Standardisierte Befragung von Jugendlichen
4.3.1. Pre-Test und Finalisierung des Instruments
4.3.2. Stichprobenbildung
4.3.3. Durchführung der Online-Befragung
5. UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
5.1. Leitfadengestützte Interviews mit behördlichen Vertretern
5.1.1. Wahrnehmungen zum Alkoholkonsum
5.1.2. Das Kauf- bzw. Beschaffungsverhalten Jugendlicher
5.1.3. Alkoholprävention in der Praxis
5.1.4. Alkoholtestkäufe in der Region Hannover
5.1.5. Auswirkungen auf Verkaufspersonal und Gewerbetreibende
5.1.6. Auswirkungen der Testkäufe auf das Kaufverhalten Jugendlicher
5.1.7. Bewertung von Alkoholtestkäufen
5.1.8. Erkannter Handlungsbedarf
5.1.9. Zusammenfassende Betrachtung
5.2. Leitfadengestützte Interviews mit Verkaufspersonal
5.2.1. Die Bedeutung des Alkohols im Einzelhandel
5.2.2. Das Beschaffungsverhalten Jugendlicher
5.2.3. Die Kontrolle der Alkoholabgabe an Jugendliche in der Praxis
5.2.4. Alkoholtestkäufe und deren Auswirkungen
5.2.5. Die Bewertung von Alkoholtestkäufen
5.2.6. Erkannter Handlungsbedarf
5.2.7. Zusammenfassende Betrachtung
5.3. Standardisierte Befragung von Jugendlichen
5.3.1. Das Freizeitverhalten Jugendlicher
5.3.2. Angaben Jugendlicher zur Konsumverbreitung
5.3.3. Freizeitverhalten und Alkoholkonsum
5.3.4. Erfahrungen Jugendlicher bei der Beschaffung hochprozentigen Alkohols
5.3.5. Die Alterskontrollen des Verkaufspersonals
5.3.6. Auswirkungen der Alkoholtestkäufe durch Polizei und Verwaltung
5.3.7. Sonstige Anmerkungen zur Abschlussfrage im Fragebogen
5.3.8. Ausgewählte Verknüpfungen zum Forschungsstand
5.3.9. Zusammenfassende Betrachtung
6. DISKUSSION DER FORSCHUNGSERGEBNISSE
6.1. Ergebnisse der Untersuchungsfragestellung
6.2. Die Bewertung von Alkoholtestkäufen durch Polizeibeamte und Mitarbeiter des gesetzlichen Jugendschutzes
6.3. Kenntnisse des Verkaufspersonals über Testkäufe und Auswirkungen auf das Verkaufsverhalten
6.4. Kenntnisse Jugendlicher über Testkäufe und Auswirkungen auf ihr Kauf- bzw. Beschaffungsverhalten
6.5. Stärken und Schwächen der Untersuchung
7. FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Auswirkungen von Alkoholtestkäufen auf das Kaufverhalten Jugendlicher sowie die Verkaufspraxis im Einzelhandel innerhalb der Region Hannover. Dabei wird erforscht, wie die rechtlichen Vorgaben umgesetzt werden und wie diese Kontrollmaßnahmen von den beteiligten Akteuren (Polizei, Jugendschutz, Verkaufspersonal, Jugendliche) bewertet werden.
- Wirkung und Bewertung von Alkoholtestkäufen
- Beschaffungs- und Kaufverhalten Jugendlicher bei alkoholischen Getränken
- Kontrollpraxis und Altersüberprüfung im Einzelhandel
- Juristische und praktische Herausforderungen beim Einsatz von Testkäufern
- Präventionsstrategien und Handlungsempfehlungen für den Jugendschutz
Auszug aus dem Buch
1. Einführung in das Thema
Übermäßiger Alkoholkonsum bei Jugendlichen oder sogenanntes „Komasaufen“ sind Themen, die in den letzten Jahren wiederkehrend in den Medien diskutiert werden. Schlagzeilen wie „13-jährige Betrunkene nicht mehr ansprechbar: Alkoholräusche führen zu einer Vielzahl von Polizeieinsätzen“ (Sokoll, 2012) suggerieren ein eklatantes, vor allem jugendspezifisches Problem im Umgang mit Alkohol. So titelte beispielsweise FOCUS Online im Jahr 2008 „Komasaufen statt Hausaufgaben“ und machte damit auch auf die gestiegene Anzahl an Krankenhauseinlieferungen jugendlicher Alkoholisierter in Deutschland aufmerksam.
Aktuelle Berichterstattungen über vermeintliche Trends, bei denen der Alkohol mittels sogenannter Eyeball-Shots (Davies, 2010) oder Wodka-Tampons (Domgörgen, 2011) direkt über die Schleimhäute in den Körper gelangt, lassen eine gewisse Dramatisierung nicht verkennen. Hinzu kommen verschiedene Situationsbeschreibungen jugendlichen Alkoholkonsums in der Literatur, die mit Titeln wie „Generation Wodka: Wie unser Nachwuchs sich mit Alkohol die Zukunft vernebelt“ (Büscher, Siggelkow & Mockler, 2011) auf sich aufmerksam macht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Themas Alkoholkonsum Jugendlicher und definiert die Zielsetzung sowie die Hypothesen der vorliegenden Masterarbeit.
2. ALKOHOLPRÄVENTION IN DER PRAXIS: Hier werden die rechtlichen Grundlagen und bestehende Präventionsmaßnahmen, insbesondere Alkoholtestkäufe in Niedersachsen, detailliert dargestellt.
3. STAND DER FORSCHUNG: Dieser Abschnitt fasst die aktuelle Rechtslage zum Einsatz von Testkäufern sowie wissenschaftliche Studien zu deren Wirksamkeit zusammen.
4. UNTERSUCHUNGSDESIGN UND -METHODE: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, welches Experteninterviews und eine standardisierte Befragung von Jugendlichen umfasst.
5. UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten aus den Interviews mit behördlichen Vertretern, dem Verkaufspersonal und der Online-Befragung der Jugendlichen.
6. DISKUSSION DER FORSCHUNGSERGEBNISSE: Die Ergebnisse werden hier kritisch analysiert, die Hypothesen überprüft sowie Stärken und Schwächen der Untersuchung reflektiert.
7. FAZIT UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und konkrete Empfehlungen für Politik und Praxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Alkoholprävention, Alkoholtestkäufe, Jugendschutzgesetz, Minderjährige, Kaufverhalten, Verkaufspraxis, Region Hannover, Alkoholkonsum, Komasaufen, Alterskontrolle, polizeiliche Prävention, Jugendschutz, Alkoholverkauf, Beschaffungsverhalten, Wirksamkeitsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Effektivität von Alkoholtestkäufen als Instrument des Jugendschutzes in der Region Hannover und deren Einfluss auf das Verhalten von Jugendlichen und Verkaufspersonal.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet die Umsetzung rechtlicher Vorgaben bei Testkäufen, das tatsächliche Beschaffungsverhalten Jugendlicher sowie die Sensibilisierung und Kontrolle im Einzelhandel.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Auswirkungen von Alkoholtestkäufen auf die Kaufpraxis Jugendlicher und die Verkaufspraxis im Handel sowie nach der Bewertung dieser Maßnahmen durch die beteiligten Akteure.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine Kombination aus Literaturanalyse, qualitativen leitfadengestützten Interviews mit Experten aus Polizei, Verwaltung und Einzelhandel sowie einer standardisierten Online-Befragung von Jugendlichen gewählt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Alkoholprävention, den Stand der Forschung, das Untersuchungsdesign sowie die detaillierten Ergebnisse der Befragungen und Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Alkoholprävention, Testkäufe, Jugendschutzgesetz und das Beschaffungsverhalten von Minderjährigen geprägt.
Warum wurde die Region Hannover als Untersuchungsgebiet gewählt?
Die Region Hannover verfügt über eine umfassende Datenbasis und mehrjährige Erfahrung im Umgang mit Testkäufen, was eine fundierte Analyse ermöglicht.
Wie lautet die zentrale Schlussfolgerung zur Wirksamkeit von Testkäufen?
Testkäufe sind zwar ein geeignetes Instrument zur behördlichen Überprüfung der Abgabe, hindern Jugendliche jedoch nur bedingt an der Beschaffung, da diese bei verweigertem Verkauf auf alternative Quellen ausweichen.
- Citation du texte
- Thorsten Massinger (Auteur), 2012, Jugendliche und Alkoholbeschaffung - Welche Auswirkungen haben Alkoholtestkäufe auf das Kauf- und Verkaufsverhalten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200950