In dieser Proseminararbeit aus dem Bereich der Rechtsvergleichung im öffentlichen Recht werden Fragen des Rechtstransfers/ der Rechtstransplantate behandelt. Besonders wird auf die Relevanz gesellschaftlicher Aspekte für den Erfolg eines Rechtstransplantats eingegangen. Die Arbeit entwickelt ihre Ergebnisse ausgehend von Aussagen des Rechtsvergleichers Alan Watson (Legal Transplants: An Approach to Comparative law, Scottish Academic Press, Edinburgh 1974).
Inhaltsverzeichnis
A. Rechtstransplantate als einfaches Hilfsmittel der Gesetzgebung?
B. (Successful) transplanting of law is (socially) easy“ – Diskussion einer These
I. Transplanting of Law – Das Rechtstransplantat
1. Begriff
2. Motivation
II. Successful Transplanting? – Nachhaltigkeit als oberstes Ziel
1. Formeller und materieller Erfolg eines Rechtstransplantats
a. Das Transplantat als formell geltendes Recht
b. Anerkennung als eigenes Recht und Weiterentwicklung
2. Bewertung und Blickwinkel
III. (Socially) Easy? – so schwierig wird es
1. Auswahl des Rechtstransplantats
2. Gesellschaft, juristische Elite oder organisierte Interessen
3. Stellungnahme: Nachhaltiger Erfolg ist sozialer Erfolg
IV. Nahtloses Einfügen? – Was für den Erfolg getan werden muss
C. „Far reaching free trade in legal ideas“? – Entwicklung zum universellen Recht der besten Ideen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit diskutiert kritisch die These von Alan Watson, dass die Transplantation von Recht zwischen verschiedenen Rechtssystemen gesellschaftlich betrachtet ein einfacher Prozess sei. Dabei wird untersucht, unter welchen Bedingungen Rechtstransplantate erfolgreich sind, welche Rolle gesellschaftliche Faktoren dabei spielen und ob eine universelle Rechtsangleichung als „Freihandel mit Rechtsideen“ realistisch ist.
- Analyse des Begriffs und der Motivation von Rechtstransplantaten
- Unterscheidung zwischen formellem und materiellem Erfolg
- Bedeutung der gesellschaftlichen Umwelt und ihrer Akteure
- Rolle der juristischen Elite als Multiplikatoren
- Herausforderungen beim Transfer rechtlicher Regelungen
Auszug aus dem Buch
1. Begriff
Watsons Begriffe „transplanting legal rules“ und „legal transplants“ definiert er selbst als Übergang einer Regelung oder eines ganzen Normensystems von einem Land oder Volk auf ein anderes. Dieser ist auf vielfältige Weise möglich. Von Land zu Land etwa durch die Kolonisation neuer Gebiete und die folgende Etablierung des den Siedlern aus der Heimat bekannten Rechtssystems oder von Staat zu Staat, wenn eine Hegemonialmacht ihre Satellitenstaaten zur Rechtsvereinheitlichung zwingt, wie es Athen durch Zwang zur Einheitswährung im Attisch-Delischen Seebund tat. Solche Rechtsbewegungen können als Parallelen zu Wanderungsbewegungen stattfinden oder die freiwillige Entscheidung eines Volkes oder Staates darstellen. In unserer modernen Zeit laufen solche Rezeptionen meist ohne eine Wanderungs- und Siedlungswelle ab. So will Dupré das „legal transplant“ als generelle Bezeichnung für den grenzüberschreitenden Einfluss von Recht auf die Gesetzgebung in anderen Staaten verstanden wissen. Diese Ansätze sollen hier als „transplanting of law“ ganzheitlich als Verpflanzung von Recht, Gesetz, Rechtsprechung und rechtswissenschaftlicher Dogmatik verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Transplanting of Law – Das Rechtstransplantat: Dieses Kapitel definiert den Kernbegriff des Rechtstransplantats als grenzüberschreitenden Übergang von Normensystemen und erörtert die Motive für eine solche Rechtsübernahme.
II. Successful Transplanting? – Nachhaltigkeit als oberstes Ziel: Hier wird der Erfolg eines Rechtstransplantats in eine formelle Übernahme und eine materielle Anerkennung in der neuen Rechtsordnung unterteilt.
III. (Socially) Easy? – so schwierig wird es: Dieses Kapitel analysiert die Abhängigkeit des Erfolgs von gesellschaftlichen Faktoren, der Auswahl des Transplantats und dem Einfluss von Interessengruppen sowie der juristischen Elite.
IV. Nahtloses Einfügen? – Was für den Erfolg getan werden muss: Der Abschnitt gibt praktische Hinweise zur Risikovermeidung und zur Steigerung der Erfolgschancen bei der Umsetzung von Rechtstransplantaten.
C. „Far reaching free trade in legal ideas“? – Entwicklung zum universellen Recht der besten Ideen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Vision einer globalen Rechtsangleichung durch einen Wettbewerb der Rechtsordnungen und die mögliche Entstehung eines universellen Rechts.
Schlüsselwörter
Rechtstransplantat, Rechtsvergleichung, Rechtsreform, Rechtsangleichung, Rechtskultur, Alan Watson, Oliver Kahn-Freund, Gesetzgebung, Rechtsübernahme, materieller Erfolg, formeller Erfolg, juristische Elite, soziale Faktoren, Rechtsdogmatik, globaler Rechtstransfer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtsvergleichenden Analyse von „Rechtstransplantaten“, also dem Transfer von Rechtsnormen oder ganzen Rechtssystemen von einem Staat in einen anderen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition von Rechtstransplantaten, die Voraussetzungen für deren Erfolg, die Bedeutung der sozialen Umwelt und die Rolle der Akteure bei der Implementierung fremden Rechts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, die von Alan Watson aufgestellte These zu diskutieren, dass der Transfer von Recht gesellschaftlich einfach („socially easy“) sei, und zu prüfen, ob dieser Prozess tatsächlich so unproblematisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtsvergleichende und theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung einschlägiger rechtswissenschaftlicher Literatur zum Thema Rechtstransfer basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Differenzierung zwischen formellem und materiellem Erfolg sowie die kritische Untersuchung der Faktoren, die ein „sozial einfaches“ Gelingen ermöglichen oder erschweren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rechtstransplantat, Rechtsreform, soziale Prozesse, Rechtsangleichung und der Einfluss von Interessengruppen auf die Gesetzgebung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen formellem und materiellem Erfolg so wichtig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine rein gesetzgeberische Übernahme (formeller Erfolg) noch nicht bedeutet, dass das Recht in der Praxis des aufnehmenden Staates auch wirklich angewandt oder akzeptiert wird (materieller Erfolg).
Welche Rolle spielt die juristische Elite beim Rechtstransfer?
Die juristische Elite fungiert als entscheidender Multiplikator; sie erkennt Defizite, wirkt am Transfer mit und ist maßgeblich dafür verantwortlich, ob das neue Recht durch dogmatische Einpassung mit Leben gefüllt wird.
Wie ist die kritische Position des Autors zur These von Watson?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die These nur dann „relativ richtig“ ist, wenn man die komplexen sozialen Unwägbarkeiten und die notwendige Anpassungsarbeit berücksichtigt, da ein einfaches, aufwandsarmes Hilfsmittel für den Gesetzgeber in der Realität meist nicht existiert.
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- Johannes Eichelsdörfer (Author), 2012, „(Successful) transplanting of law is (socially) easy“ – Diskutieren Sie diese Aussage Watsons!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200960