In den letzten Jahren haben die deutschen Bundesländer eigene Gesundheitsziele entwickelt. Hessen steht noch am Anfang dieses Prozesses. Bislang wurden hier drei inhaltliche Schwerpunkte definiert: (1) Versorgungsstruktur, (2) Prävention von Volks-krankheiten, (3) Hospiz- und Palliativversorgung. Die vorliegende Arbeit zeigt an einem fiktiven Beispiel, wie sich die hessische Hochschule Z., vertreten durch eine dort im Fachbereich "Pflege und Gesundheit" lehrende Professorin mit einem Argumentarium konstruktiv an diesem Entwicklungsprozess beteiligen könnte. Ihr Ziel ist es dabei, die Berücksichtigung von Chancengleichheit und soziokulturellen Kontexten bei der Entwicklung der hessischen Gesundheitsziele nachdrücklich unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
I. Ausgangslage
II. Argumente zur Berücksichtigung von Chancengleichheit und soziokulturellen Kontexten bei der Entwicklung der hessischen Gesundheitsziele
III. Literatur:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Hessische Sozialministerium davon zu überzeugen, das Prinzip der gesundheitlichen Chancengleichheit sowie die Berücksichtigung soziokultureller Kontexte explizit in die Entwicklung der hessischen Gesundheitsziele – insbesondere im Schwerpunkt „Prävention von Volkskrankheiten“ – zu integrieren. Es wird ein wissenschaftlich fundiertes Argumentarium vorgelegt, das die Notwendigkeit dieser Verankerung für eine nachhaltige Präventionspolitik unterstreicht.
- Sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen
- Prävention von Volkskrankheiten (insb. Adipositas)
- Bedeutung soziokultureller Kontexte
- Integration nationaler und internationaler gesundheitspolitischer Strategien
- Ökonomische und gesellschaftliche Relevanz der Prävention
Auszug aus dem Buch
Argumentarium zur Verankerung des Ziels der Verringerung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen bei der Entwicklung von Gesundheitszielen im Bundesland Hessen, insbesondere im inhaltlichen Schwerpunktbereich ´Prävention von Volkskrankheiten`
Hessen hat bei der Entwicklung eigener Gesundheitsziele einen Schwerpunkt im Bereich Prävention von Volkskrankheiten gesetzt. Nach Aussagen der WHO (2009) ist die sich derzeit weltweit epidemieartig verbreitende Adipositas die Hauptursache für chronische Erkrankungen und in deren Folge für die Erwerbsunfähigkeit der betroffenen Personen. In Deutschland sind 60% der Männer und 43% der Frauen übergewichtig, 16% der Männer und 14% der Frauen sogar adipös (Destatis 2010). Hier gehören Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Durchblutungsstörungen und Arthrose, bei deren Auslösung Adipositas und Bewegungsmangel eine entscheidende Rolle spielen, zu den häufigsten chronischen Krankheiten („Volkskrankheiten“; RKI 2011). Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zudem in Deutschland wie in der EU zu den drei häufigsten Todesursachen (Eurostat 2009). Vor allem aufgrund der sich ändernden Alterstruktur der Bevölkerung werden diese Krankheiten in Deutschland bis zum Jahr 2050 noch weiter und zum Teil erheblich zunehmen (Beske et al. 2009).
Wie stark soziokulturelle Faktoren das Auftreten von Übergewicht insbesondere bei Kindern beeinflussen, zeigen die Ergebnisse der KiGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Schaffrath Rosario, Kurth 2006). Kinder aus Familien mit niedrigem sozialem Status sind häufiger adipös als Kinder aus Familien mit mittlerem oder gar hohem Sozialstatus. Auch Kinder aus Migrantenfamilien sind zu einem höheren Prozentsatz stark übergewichtig, insbesondere wenn ihre Familien aus dem türkisch-arabischen Raum stammen. Diese Kinder und Jugendlichen haben also aufgrund ihrer familiären Herkunft nicht die gleichen Chancen wie andere Kinder und Jugendliche in Deutschland, gesund aufzuwachsen. Die sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit nimmt in Deutschland - ebenso wie in vielen unserer Nachbarländern - aber auch in anderen Bereichen derzeit weiter zu (Kunst et al. 2005).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Ausgangslage: Dieses Kapitel erläutert den aktuellen Stand des Gesundheitszielprozesses in Hessen und beschreibt die Motivation des Fachbereichs Pflege und Gesundheit, durch ein fundiertes Argumentarium Einfluss auf die politische Zielsetzung zu nehmen.
II. Argumente zur Berücksichtigung von Chancengleichheit und soziokulturellen Kontexten bei der Entwicklung der hessischen Gesundheitsziele: Hier werden die zentralen wissenschaftlichen und politischen Argumente dargelegt, warum soziale Faktoren und Chancengleichheit bei der Prävention von Volkskrankheiten zwingend berücksichtigt werden müssen, um langfristig gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen.
III. Literatur:: Dieses Kapitel listet alle in der Arbeit verwendeten Quellen, Studien und offiziellen Dokumente auf, die die Argumentation stützen.
Schlüsselwörter
Gesundheitsziele, Chancengleichheit, Soziokulturelle Kontexte, Hessen, Prävention, Volkskrankheiten, Adipositas, Gesundheitsförderung, Sozialstatus, Migrationshintergrund, Öffentliche Gesundheit, Public Health, Soziale Ungleichheit, Gesundheitsbericht, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des Ziels der gesundheitlichen Chancengleichheit in die gesundheitspolitischen Strategien des Bundeslandes Hessen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Verringerung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen, die Prävention von Adipositas und damit verbundener Volkskrankheiten sowie die Berücksichtigung soziokultureller Faktoren in der Gesundheitsförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Dokuments?
Das primäre Ziel ist es, ein Argumentarium zu liefern, welches das Hessische Sozialministerium dazu bewegen soll, Chancengleichheit als festen Bestandteil bei der Formulierung der hessischen Gesundheitsziele zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für das Argumentarium verwendet?
Es handelt sich um eine auf aktueller Literatur, Studien (wie der KiGGS-Studie) und internationalen Leitlinien der WHO und EU basierende Argumentationsanalyse zur Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl epidemiologische Daten zur Verbreitung von Adipositas und Volkskrankheiten als auch die gesundheitspolitische Notwendigkeit erläutert, soziokulturelle Kontexte in Präventionsmaßnahmen einzubeziehen, um deren Wirksamkeit und Gerechtigkeit zu steigern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesundheitsziele, Chancengleichheit, Adipositas, Soziokulturelle Kontexte, Prävention und Soziale Ungleichheit charakterisiert.
Warum spielt die KiGGS-Studie in diesem Kontext eine wichtige Rolle?
Die KiGGS-Studie wird angeführt, um empirisch zu belegen, dass soziokulturelle Faktoren und der soziale Status maßgeblich das Adipositasrisiko bei Kindern und Jugendlichen beeinflussen.
Welche Rolle spielen ökonomische Aspekte bei der Argumentation?
Die Arbeit argumentiert, dass frühzeitige Investitionen in Gesundheitsförderung bei benachteiligten Gruppen langfristig Kosten durch vermiedene Folgeerkrankungen und den Erhalt der Erwerbsfähigkeit einsparen können.
- Citation du texte
- Dr. med. Lotte Habermann-Horstmeier (Auteur), 2011, Verankerung von Chancengleichheit und Berücksichtigung soziokultureller Kontexte in den Gesundheitszielen des Bundeslandes Hessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200975