Wie ist das Publikum im Kontext der Öffentlichkeit in verschiedenen neueren systemtheoretischen Entwürfen verortet?

Zusätzlicher Bezug zu Journalismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff des Publikums
2.1 Journalismus und sein Publikum

3. Relevante systemtheoretische Begriffe
3.1 Ausdifferenzierte Gesellschaft
3.2 Kommunikation
3.3 Codes und Programme

4. Personen in Luhmanns Systemtheorie
4.1 Psychische Systeme
4.2 Massenmedien und sein Publikum
4.3 Kommunikation in Massenmedien

5. Neuere systemtheoretische Ansätze
5.1 Öffentlichkeit nach Gerhards
5.1.1 Publikum in der Öffentlichkeit
5.1.2 Kommunikation des Publikums im System
5.2 Öffentlichkeit nach Kohring
5.2.1 Publikum in der Öffentlichkeit
5.2.2 Kommunikation des Publikums im Syste
5.3 Öffentlichkeit nach Görke
5.3.1 Publikum in der Öffentlichkeit
5.3.2 Kommunikation des Publikums im System
5.4 Vergleiche und Unterschiede zwischen den Entwürfen

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jedes soziale System versucht Ordnung zu schaffen, indem es sich auf verschiedenen Ebenen konstituiert. Es ist zu definieren, „[…] wer und was dem System zugehören soll und was nicht, […] wer was zu tun hat, und […] wer wie viel gilt und was zu sagen hat“ (Gerhards/Neidhart, 1990, S. 29). Im Zuge dieser Arbeit wird die Fragestellung behandelt, wie das Publikum im Kontext der Öffentlichkeit in verschiedenen neueren systemtheoretischen Entwürfen verortet ist. Das Ziel dieser Arbeit ist es einen Vergleich zu schaffen, wie das Publikum in verschiedenen Ansätzen platziert ist und wie sich die Sichtweise der einzelnen Forscher in Laufe der Zeit entwickelt und verändert hat. Die Vorgehensweise bei der Auswahl der Befunde wird argumentativ untermauert und folgt der Entstehungszeit. Der Inhalt dieser Arbeit bezieht sich speziell auf die bilaterale Beziehung zwischen Publikum und Journalismus. Werbung, PR und Unterhaltung mit seinem Publikum werden nicht berücksichtigt. Es wird zusätzlich ein kurzer Überblick über die Kommunikation des Publikums innerhalb des (Teil-)Systems gesichtet

Luhmann modelliert den Journalismus (mit seinem Publikum) als Subsystem der Massenmedien. In den neueren Ansätzen, die auf Luhmann aufbauen, wird das Publikum anders verortet. Das Arenen-Modell von Gerhards und Neidhardt verortet Öffentlichkeit mit seinem Publikum auf mehreren Ebenen und ermöglicht damit den Zusammenhang von einfachen und komplexen Formen von Öffentlichkeit zu analysieren (vgl. Gerhards/Neidhardt 1990). Kohring, ähnlich wie Görke, sieht Journalismus und sein Publikum als Leistungssystem im Funktionssystem der Öffentlichkeit bzw. Publizistik. Diese Unterschiede sind auf der einen Seite auf verschiedene Beobachterperspektiven der Autoren, auf der anderen Seite auf die inkonsequente und ungenaue Anwendung der Systemtheorie (vgl. Scholl/ Weischenberg 1998, S.63) zurückzuführen.

2. Begriff des Publikums

Der Begriff Massenkommunikation entstammt der Übersetzung des englischen Ausdrucks „mass communication“. Dies kann jedoch Irritationen hervorrufen, so können beispielsweise „[…] Rezipienten massenmedial verbreiteter Aussagen mit der „Masse“ gleichgesetzt [werden], also einem sozialem Aggregat, wie es etwa von Le Bon (1895) am Beispiel der Spontanmasse beschrieben wurde“ (Burkart Roland, 2002, S. 167). Demgegenüber soll diese Bezeichnung deutlich machen, dass die vermittelnden Aussagen an eine Vielzahl von Menschen gerichtet sind. Diese Vielzahl von Menschen, die sich medialen Inhalten zuwendet wird angemessener als Publikum bezeichnet. Maletzke verwendet hierfür den Terminus „disperses Publikum“ (Maletzke, 1963, S.28), das sich auf Individuen und kleine Gruppen bezieht, mit dem Bindeglied der Zuwendung an massenmediale Aussagen. Hierbei handelt es sich um keine überdauernden sozialen Konstrukte. Sie entstehen „[…] von Fall zu Fall dadurch, dass sich eine Anzahl von Menschen einer Aussage der Massenkommunikation zuwendet“ (Maletzke, 1963, S.28). Zwischen den Mitgliedern eines solchen Publikums bestehen keine direkten interpersonellen Beziehungen. Diese sind üblich räumlich voneinander getrennt und anonym, wobei sie reflektieren, dass andere Rezipienten ebenfalls jene Aussagen wahrnehmen (vgl. Maletzke, 1963, S.29). Zusätzlich ist dieses Publikum durch Strukturlosigkeit, Unorganisiertheit und Inhomogenität gekennzeichnet. Die einzelnen Individuen setzen sich aus verschiedenen sozialen Schichten zusammen, ihre Lebensstille und Einstellungen ähneln sich nicht. Massenkommunikation wird nach Maletzke als ein Prozess verstanden, bei dem Aussagen öffentlich, indirekt und einseitig, durch technische Verbreitungsmittel an ein disperses Publikum vermittelt werden (vgl. Maletzke, 1963, S.32). Öffentliche Aussagen sind Aussagen, die sich an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern richten. Mit indirekt ist eine räumliche (und/oder) zeitliche Distanz zwischen den Kommunikationspartnern gemeint. Einseitigkeit deutet auf einen fehlenden Rollenwechsel zwischen Rezipient und Kommunikator hin.

2.1 Journalismus und sein Publikum

„Der Journalismus hat s/ein Publikum und er benötigt s/ein Publikum, dem er seine Publikationsleistungen als Kommunikationsangebot zur Verfügung stellt“ (Scholl, 2004, S. 517). Jedoch ist es unzureichend vom Journalismus oder Publikum per se zu sprechen. Denn der Journalismus und das Publikum lassen sich (unter)teilen, so dass Differenzen zwischen dem Publikum und Journalismus entstehen, aber auch Binnendifferenzen innerhalb des Journalismus und des Publikums auftreten.

Der Publikumsbegriff wird primär auf der makroanalytischen Ebene untersucht. Die mikroanalytische Ebene, wie sie in der persönlichkeitstheoretischen Publikumsforschung auftritt, wird in einem mittelern Maße berücksichtigt. Das Publikum wird auf der makroanalytischen Ebene als eine gesellschaftliche Referenzgröße, welche Öffentlichkeit konstituiert, gesehen (vgl. Scholl, 2004, S. 524). So wird die öffentliche Meinung als Ausdruck der Öffentlichkeit und nicht als Aggregat einzelner und privater Meinungen von Individuen definiert (vgl. Luhmann 1999, S. 23f zitiert durch Scholl, 2004, S. 524).

Jedes System kann nach Leistungsanbieter und –empfänger differenziert werden, wobei beide Rollen grundlegend für die Systemoperationen und –bildung sind. Journalismus ist in dieser Hinsicht in der Anbieterrolle für öffentliche Kommunikationsleistungen vertreten, die erst durch das Publikum in Erwägung gezogen werden. Erst auf dieser Basis kann Öffentlichkeit entstehen. So wird das Publikum als „[…] alle kommunikativen Rezeptionen des Journalismus“ (Scholl, 2004, S. 528), und nicht als einzelne Individuen aufgefasst. Unter kommunikativen Rezeptionen wird auch die Rezeption der Inhalte durch Wirtschaft, Politik, Kultur etc. verstanden, also alle gesellschaftlichen Systeme, die in Interaktion mit Journalismus und die durch diesen hergestellte Öffentlichkeit treten. „Das Publikum wird in Form von Erwartungserwartungen und als in die Selbstreferenz professioneller Normen und Rollenselbstverständnisse eingebaute Fremdreferenz in das System inkludiert“ (Scholl, 2004, S. 529). Mit den Erwartungserwartungen ist die reflexive Struktur gemeint, die nicht die wahre Publikumserwartung wiederspiegelt, sondern die journalistischen Erwartungen von dem, was das Publikum vom Journalismus erwartet. Die Fremdreferenz ist die Ausrichtung auf die externen Erwartungen, die sich auf das Publikum beziehen. Die Fremdreferenz unterbricht die Selbstreferenz, also die Orientierung an eigenen kommunikativen/ beruflichen Normen, Zielen und Regeln. Journalismus orientiert sich an dem Publikum, ist jedoch nicht an dieses gebunden oder durch dieses determiniert, weil das Publikum nicht selbst der journalistischen Tätigkeit nachgeht. So kann man, laut Scholl (2004), feststellen, dass der Journalismus sich sein eigenes Publikum konstruiert. Dies kann so aufgefasst werden, dass bestimmte Aspekte des Journalismus zu einem bestimmten Publikum passen. Man kann diese Anpassung als strukturelle Kopplung betrachten, um eine einseitige kausale Richtung zu vermeiden und um die wechselseitige Abhängigkeit der zwei Elemente zu verdeutlichen. Es ist unsicher, ob erst „[…] das betreffende Bedürfnis bzw. spezifische Kommunikationserwartung des Publikums zur Ausbildung des dazu passenden Journalismussegments führte oder ob umgekehrt das spezifische Bedürfnisverständnis bzw. die Kommunikationsabsichten des Journalismus zur Ausbildung eines dazu passenden Publikumssegments führten“ (Scholl, 2004, S. 531).

3. Relevante systemtheoretische Begriffe

Im Zuge dieser Arbeit erfolgt die Erläuterung der relevanten systemtheoretischen Begriffe in einer sehr komprimierten Form, da mit dieser Arbeit nicht ein ganzheitlicher Blick über die Systemtheorie dargestellt werden soll.

3.1 Ausdifferenzierte Gesellschaft

Die Ausgangsfrage der funktional-strukturellen Systemtheorie ist die Frage nach der Möglichkeit sozialer Ordnung. Das wesentliche Bezugsproblem dieser Frage ist die Komplexität der Umwelt, die soziale Ordnung (zunächst) unmöglich macht. Doch die Unwahrscheinlichkeit sozialer Ordnung wird minimiert, indem soziale Systeme gebildet werden, die zur Erfassung und Reduktion von Komplexität führen (vgl. Luhmann, 1984, S. 242 ff). So existiert ein Komplexitätsgefälle zwischen dem System und der Umwelt, wobei die Umwelt komplexer ist. Luhmann differenziert die Gesellschaft. „Eine Gesellschaft kann als funktional differenziert bezeichnet werden, wenn sie ihre wichtigsten Teilsysteme im Hinblick auf spezifische Probleme bildet, die dann in den jeweils zuständigen Funktionssystemen gelöst werden müssen“ (Luhmann, 2005, S. 36). Die primäre Differenzierung bezieht sich auf die Aufteilung der Gesellschaft in gleiche, nicht hierarchische Teilsysteme (vgl. Luhmann, 1997, S. 634). Funktionen werden in einer ausdifferenzierten Gesellschaft nur einmal abgesichert. Funktionale Differenzierung beschreibt also die Basisstruktur der Gesellschaft (vgl. Gerhards, 2001, S. 163).

3.2 Kommunikation

Mit der stetig steigenden Komplexität der Umwelt, die durch die zunehmende Ausdifferenzierung der Gesellschaft verursacht wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit der gelingenden Kommunikation. Dem folgen zusätzlich Schwierigkeiten, die behoben werden müssen, damit überhaupt Kommunikation stattfinden kann. Erstens kommt die Frage auf, ob überhaupt jemand versteht was gemeint ist. Zweitens ist es zu berücksichtigen, ob der Kommunikationspartner erreicht wird. Drittens ist festzustellen, ob es zum Erfolg der Kommunikation kam, also der Annahme der Kommunikation (vgl. Luhmann 1984, S. 193ff).

3.3 Codes und Programme

Luhmann entwickelt den Begriff der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, die durch binäre Codes definiert werden, mit der Funktion „[…] reduzierte Komplexität übertragbar zu machen und für Anschlussselektivität auch in hochkontingenten Situationen zu sorgen“ (Luhmann, 1991, S. 174). Als Beispiel dient: Geld (Wirtschaft), Recht (Rechtssystem) oder Wahrheit (Wissenschaft). Ein System ist so im Stande durch die Anwendung des binären Codes die System-Umwelt-Grenzen zu bestimmen. Dieser dient zusätzlich der Orientierung der Kommunikation innerhalb eines Teilsystems. So kommuniziert das Rechtssystem nicht mit dem Code zahlen / nicht zahlen, weil es dem Wirtschaftssystem zugeordnet ist. Die operative Geschlossenheit eines Systems ist hiermit gesichert, wobei gleichzeitig Programme eine Öffnung des Systems sichern. „[…] Codes sind zu abstrakt und lassen einen allzu großen Spielraum offen, um Handlungen zu strukturieren“ (Gerhards, 2001, S. 164). Aufgrund dessen gibt es Programme , die die Codes spezifizieren und so Handlungserwartungen festlegen. Am Beispiel des Rechtssystems sind es Gesetze jeglicher Art, die die Anknüpfung von Tatbeständen an das Rechtssystem ermöglichen.

4. Personen in Luhmanns Systemtheorie

„Auf die Frage, woraus soziale Systeme bestehen, geben wir mithin die Doppelantwort: aus Kommunikation und aus deren Zurechnung als Handlung. Kein Moment wäre ohne das andere evolutionsfähig gewesen […]“ (Luhmann, 1984, S. 240). Draus folgt, dass das Grundelement sozialer Systeme Kommunikation ist, ein „[…] direkt beobachtbarer Zugang zu sozialer Realität über den Zugriff auf die Akteure“ (Löffelholz, 2004, S.181), wobei eine Zurechnung von Handlungen zu Personen besteht.

Luhmann hat spezifische Rollen, die die Handlungsrationalitäten eines Systems zum Ausdruck bringen, als Leistungsrollen eines Systems definiert (vgl. Luhmann/Schorr, 1979, S. 29-34). Funktionale Differenzierung meint auch, dass die Menschen einer Gesellschaft nicht auf Teilsysteme aufgeteilt werden, sondern grundsätzlich alle an allen Teilsystemen partizipieren können, wenn sie die jeweilige Rationalität zur Grundlage ihrer Sinnorientierung machen. Politiker, Juristen, Sportler oder Künstler sind Berufsrollenträger innerhalb eines jeweiligen Teilsystems, die die Handlungsrationalitäten zum Ausdruck bringen und so strukturell absichern. Spezifische Berufsrollen der jeweiligen Teilsysteme sind auch in Organisationen eingelassen, so erhalten die Teilsysteme eine zusätzliche und weitere Verfestigung (vgl. Gerhards, 2001, S. 165). „[…] Teilsysteme im Luhmannschen Sinn sind als handlungsprägende Systeme zu verstehen, die Handlungsmöglichkeiten von Organisationen und Rollen (handlungsfähige Systeme) einengen“ (Gerhards, 2001, S. 165).

4.1 Psychische Systeme

Psychische Systeme oder Personen können – laut der Systemtheorie – nicht kommunizieren. Damit Kommunikation gelingt, werden die Kommunikationen als Handlungen einzelnen Personen zugerechnet (vgl. Luhmann, 1995, S. 113-124; vgl. Luhmann 1984, S. 240). Der Mensch ist in dem systemtheoretischen Ansatz nicht enthalten. Menschen sind also keine Systeme, so gesehen sind auch mehrere Menschen kein System. „Der Mensch mag für sich selbst und für Beobachter als Einheit erscheinen, aber er ist kein System. Erst recht kann aus einer Mehrheit von Menschen kein System gebildet werden“ (Luhmann, 1984, S. 67f). Der Mensch hat vielmehr Anteil an verschiedenen Systemtypen. Der Körper des Menschen ist ein biologisches System, und sein Bewusstsein ein psychisches. Soziale Systeme sind aus menschlichen Handlugen zusammengesetzt. Es gibt jedoch kein Systemtypus der all diese Systeme vereinen kann. Ohne bestimmte neuronale, organische und psychische Zustände wäre Kommunikation überhaupt nicht möglich. Obwohl der Mensch als Subjekt der Kommunikation ausgeklammert wird, ist er für die Selbsterhaltung der Kommunikation nicht wegzudenken.

4.2 Massenmedien und sein Publikum

Luhmann (1996) vereint Journalismus, Unterhaltung, PR und Werbung als Programmbereiche des Begriffs Massenmedien- die als Funktionssystem fungieren.[1] Öffentlichkeit wird als „Reflexion jeder gesellschaftsinternen Grenze“ (Luhmann, 1996, S. 184) bezeichnet. Damit meint Luhmann, dass jedes System, beispielsweise Wirtschaft, nur innerhalb seiner eigenen Grenzen operieren kann und reflektiert, dass es von außen beobachtet werden kann „[…] im Medium der Öffentlichkeit“ (Luhmann, 1996, S. 185). Die Massenmedien repräsentieren die Öffentlichkeit. Massenmedien beobachten also die Prozesse in Funktionssystemen und formen sie zu Nachrichten, Reportagen, Fotos etc. Dann finden diese Eingang von außen nach innen des jeweiligen Systems. Luhmann sieht in den Massenmedien ein Verbreitungsmedium, wobei alle transportierten Inhalte zu berücksichtigen sind. Da aber Unterschiede zwischen Inhalten der Werbung, Unterhaltung und Journalismus sichtbar sind, sind in Sinndimensionen Zusammenhänge zu suchen. Luhmann sieht Werbung, Unterhaltung, Nachrichten und Berichte als Programmbereiche des Funktionssystems Massenmedien mit einer Sinndimension des Funktionssystems die durch den Code: Information vs. Nichtinformation definiert wird (vgl. Luhmann, 1996, S. 36). Die Funktion der Massenmedien wird durch Luhmann folgend definiert: Sie „[…] liegt im Dirigieren der Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems“ (Luhmann, 1996, S. 173). Hinzu kommen noch: Die Irritationsfunktion (vgl. Luhmann, 1996, S. 150), der Einbau von Realitätstest (vgl. Luhmann, 1996, S. 160) und die Öffentlichkeitsrepräsentation. Zu beachten ist, dass „[…] keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfänger stattfinden kann“ (Luhmann, 1996, S. 10f).

Im Funktionssystem Massenmedien wird als Empfänger das passive Publikum verstanden: „[…] Hinter den viel diskutierten Eigenarten modernen Zeitstrukturen wie Dominanz des Vergangenheit/Zukunft-Schemas, Uniformisierung der Weltzeit, Beschleunigung, Ausdehnung der Gleichzeitigkeit auf Ungleichzeitige stecken also vermutlich neben der Geldwirtschaft die Massenmedien. Sie erzeugen die Zeit, die sie voraussetzen, und die Gesellschaft passt sich dem an“ (Luhmann 1996, S. 44).

Das Publikum wird auch als Abnehmer ohne Feedbackfunktion definiert: „[…] Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten, aber nicht entgegenwirkend. Das Quantum an Präsenz kann bezeichnet und interpretiert werden, aber nicht über Kommunikation rückvermittelt“ (Luhmann 1996, S. 33).

4.3 Kommunikation in den Massenmedien

Luhmann unterscheidet zwei Instanzen in der massenmedialen Kommunikation: Alter (für Sender) und Ego (für Empfänger). Massenmedien dienen der „Verbreitung von Kommunikation“ (Luhmann 1996, S.10, 13). Es kommt zu Kommunikation zwischen Sendern und Empfängern, jedoch zu keiner „[…] Interaktion unter Anwesenden“ (Luhmann 1996, 10f).

5. Neuere systemtheoretische Ansätze

Gerhards, Kohring sowie Görke beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema des Publikums und dessen Platzierung in der Öffentlichkeit. Alle drei Wissenschaftler beziehen sich auf die Systemtheorie nach Luhmann. Sie übernehmen einige Aspekte der Luhmannschen Theorie, als Beispiel dafür dient die funktionale Differenzierung der Gesellschaft, heben jedoch unterschiedliche Aspekte hervor. Andere Bestandteile der Theorie werden außen vor gelassen und individuelle Konzeptionen hinzugefügt. Manchmal beziehen sich die Forscher aufeinander, und erweitern so ihre Theorie. Um die Sichtweisen der jeweiligen Forscher näher zu betrachten, folgt die Vorstellung der jeweiligen Ansätze. Abschließend wird ein Vergleich herangezogen, um die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Entwürfen deutlich zu machen.

[...]


[1] Laut Görke ist das die Einheitsperspektive von Öffentlichkeit (vgl. Görke 2008, S.174).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wie ist das Publikum im Kontext der Öffentlichkeit in verschiedenen neueren systemtheoretischen Entwürfen verortet?
Untertitel
Zusätzlicher Bezug zu Journalismus
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Kommunikationswissenschaften )
Veranstaltung
Öffentliche Kommunikation
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V200980
ISBN (eBook)
9783656269878
ISBN (Buch)
9783656271017
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luhmann, Görke, Publikum, Journalismus, Systemtheorie, Gerhards Neidardt, Kohring, Systeme
Arbeit zitieren
Sonia Robak (Autor), 2010, Wie ist das Publikum im Kontext der Öffentlichkeit in verschiedenen neueren systemtheoretischen Entwürfen verortet? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200980

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