Diese Arbeit gibt einen Überblick über Kafkas Leben, Schaffensphasen und reißt die wichtigsten Werke des Autors an. Genauer eingegangen wird dann auf Kafkas "Der Steuermann", das dem Spätwerk entstammt. In der Interpretation werden Erzählform und Erzählverhalten sowie erzählte Wirklichkeit analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Steuermann
2. Textanalyse
2.1 Erzählform, Erzählverhalten und erzählte Wirklichkeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit bietet eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Interpretation von Franz Kafkas Parabel "Der Steuermann", wobei insbesondere die erzähltechnischen Mittel und die psychoanalytischen Aspekte des Textes untersucht werden, um das zentrale Motiv der existentiellen Machtlosigkeit des Individuums zu beleuchten.
- Analyse des Erzählverhaltens und der Erzählperspektive
- Untersuchung der Parabelstruktur und ihrer Symbolik
- Verbindung zwischen Kafkas Lebensgeschichte und dem literarischen Werk
- Diskussion des Wege-Topos (Navigatio vitae) als Daseinsmetapher
- Interpretation der Figurenkonstellation als Ausdruck innerpsychischer Konflikte
Auszug aus dem Buch
Erzählform, Erzählverhalten und erzählte Wirklichkeit
Der erste Satz des mit „Der Steuermann“ überschriebenen Prosastückes lautet: „Bin ich nicht Steuermann?“ rief ich.“ Mit dieser rhetorischen Frage betritt die eine der beiden erzählten Figuren den Schauplatz des erzählten Geschehens und stellt sich als Steuermann und somit als Hauptperson der Handlung vor. An der Inquit-Formel „rief ich“ erkennt man, dass Kafka hier nicht die Er-Erzählform gewählt hat, bei welcher der Erzähler nicht von sich selbst, sondern von einer anderen Person berichtet, die in der 3. Person Singular als ER auftritt. Kafka bedient sich hier der Ich-Erzählform: der Erzähler berichtet von sich selbst, das ICH kann sowohl erzählendes Medium als auch handelnde Figur/ Person sein.
Jochen Vogt, dessen Terminologie ich in meinem Unterricht verwendet habe, hat in seinen „Aspekten erzählender Prosa“ die verwirrende Vielfalt der bis dahin von den einzelnen Schulen verwendeten Grundbegriffe verständlich reduziert, wenn er sagt, „von Ich-Erzählung [solle] nur gesprochen werden, wenn die Erste Person der Grammatik den Erzähler und eine mit ihm identische Handlungsfigur – oft, aber nicht notwendigerweise die Hauptfigur – bezeichnet.“ Da die Ich-Form „sowohl den Erzähler […] wie auch eine Handlungsfigur [bezeichnet]“, kann es zwei verschiedene Ichs geben: „Ein „Ich“, das einst gewisse Ereignisse erlebte, und ein anderes, das sie nach mehr oder weniger langer Zeit erzählt.“
Zusammenfassung der Kapitel
Der Steuermann: Eine inhaltliche Einordnung der Parabel in das Spätwerk Kafkas unter Berücksichtigung biografischer Schreibphasen.
Textanalyse: Eine detaillierte Untersuchung der erzähltechnischen Struktur sowie eine Deutung der Parabel als Ausdruck existenzieller Entfremdung und Machtlosigkeit.
Schlüsselwörter
Franz Kafka, Der Steuermann, Parabel, Erzähltheorie, Ich-Erzähler, Navigatio vitae, Lebensfahrt, Motiv, Machtlosigkeit, Scheitern, Literaturanalyse, Psychoanalyse, Existenz, Interpretation, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Parabel "Der Steuermann" von Franz Kafka und beleuchtet sowohl die erzählerische Struktur als auch die tiefere symbolische Bedeutung des Textes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Erzähltechnik, das Verständnis von Parabeln, der Topos der Lebensreise sowie die psychoanalytische Deutung der Machtkonflikte innerhalb des Textes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die "Bildhälfte" der Parabel zu entschlüsseln und das "Tertium comparationis" – den übertragenen Sinn – in Bezug auf die menschliche Existenz und das Gefühl des Scheiterns zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textimmanente Analyse in Verbindung mit literaturwissenschaftlicher Topos-Forschung und biographisch-psychoanalytischen Interpretationsansätzen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der erzählerischen Wirklichkeit, des Erzählverhaltens und eine umfassende Deutung des Werks vor dem Hintergrund von Kafkas persönlicher Biografie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Parabel, Steuermann-Topos, existentielle Krise, Ich-Identität und erzählerische Vermittlung charakterisiert.
Warum spielt das Motiv der Lebensreise eine so wichtige Rolle?
Das Motiv der Navigatio vitae dient als Daseinsmetapher, die Kafkas eigene Erfahrung der Ziellosigkeit und des falschen Weges in einer existentiellen Weise widerspiegelt.
Wie wird das Verhalten der Mannschaft interpretiert?
Die Mannschaft wird als amorphe Masse gesehen, die den ursprünglichen Steuermann im Stich lässt und sich stattdessen einer unklaren, fremden Macht unterwirft, was die soziale Entfremdung des Protagonisten verdeutlicht.
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- M.A. Gerd Berner (Autor), 2012, Versuch einer Interpretation: Franz Kafka "Der Steuermann", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201007