1. Einleitung
„Der Non-Profit-Sektor bleibt ein weißer Fleck auf der Landkarte der modernen Gesellschaften, unsichtbar für Politiker, Wirtschaftsführer und sogar für
viele Angehörige des Sektors selbst.“
Der sogenannte Dritte Sektor bezeichnet Non-Profit-Organisationen, die eine Stellung zwischen Markt und Staat einnehmen. Diese befinden sich in einem stetigen Wachstum; sei es als bedeutende Wirtschaftskraft, aus arbeitsmarktpolitischer Sicht oder aber durch ihre Beiträge zum politischen und sozialen Leben.
Allein im Jahr 1995 wurde in diesem Sektor 3,9 % des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Zudem waren im Jahr 1995 ca. 2,1 Mio. Menschen in Deutschland im Non-Profit-Sektor beschäftigt, was wiederum ca. 5 % der Gesamtbeschäftigung in der BRD ausmacht.
Im deutschen Dritten Sektor dominieren vor allem Wohlfahrtsverbände, die insbesondere im Bereich der sozialen Dienste tätig sind, die den größten Anteil des Dritten Sektors ausmacht. Allein die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasverband, Paritätischer Gesamtverband, Deutsches Rotes Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Diakonisches Werk der EKD) und die ihr angeschlossenen Träger und Einrichtungen tragen ca. drei viertel der sozialen Dienste und werden dabei vor allem durch die öffentlichen Hand finanziert. Die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege stehen jedoch als Anbieter sozialer Dienste vor erheblichen Herausforderungen, da der Markt ständigen Veränderungen ausgesetzt ist. Zum einem führen demografische und gesellschaftliche Entwicklungen zu einer steigenden Nachfrage nach sozialen Diensten und zum anderen werden diese nicht mehr von den knappen Finanzmitteln der öffentlichen Haushalte finanzierbar sein.
Aus diesem Grund ist das Ziel dieser Arbeit, die Auswirkungen des Aufbaus und der Struktur der Diakonie als größter Einrichtungsträger im Bereich sozialer Dienste im Hinblick auf deren Finanzierung zu analysieren. Die Arbeit soll aufzeigen welche Finanzmittel der Diakonie aufgrund ihrer Struktur und ihrem Aufbau zur Verfügung stehen. Denn erst durch die Ermittlung des Istzustandes im Hinblick auf deren Aufbau, Struktur und Finanzierung ist es möglich, zukünftige Entwicklungen vor allem in Bezug auf Finanzierungsprobleme zu prognostizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen und Träger sozialer Dienste
2.1. Allgemeine Definitionsansätze sozialer Dienste
2.2. Charakterisierung sozialer Dienste
2.3. Träger und Anbieter sozialer Dienste
2.3.1. Öffentliche Träger
2.3.2. Privatgewerbliche Träger
2.3.3. Träger der freien Wohlfahrtspflege
2.4. Zwischenfazit
3. Organisationsstruktur der Diakonie als größter Träger sozialer Dienste
3.1. Struktur des Diakonischen Werkes der EKD
3.1.1. Elemente des Verbands
3.1.1.1. Aufgabe als Spitzenverband
3.1.1.2. Stellung als Spitzenverband und die Auswirkung auf die Organisation
3.1.2. Element der Kirche
3.1.2.1. Verhältnis von Diakonie und evangelischer Kirche
3.1.2.2. Auswirkung auf die Struktur der Diakonie
3.1.3. Element des Vereins
3.1.3.1. Rechtsform „eingetragener Verein“
3.1.3.2. Auswirkung auf die Organisation der Diakonie
3.2. Mitglieder des Diakonischen Werkes und deren Strukturen
3.2.1. Unmittelbare Mitglieder
3.2.1.1. Die evangelische Kirche in Deutschland
3.2.1.2. Die Freikirchen und die freikirchlichen Diakonischen Werke
3.2.1.3. Landesverbände
3.2.1.4. Fachverbände
3.2.2. Mittelbare Mitglieder
3.3. Organisationsaufbau und Verbandsgliederung
3.3.1. Regionalprinzip
3.3.2. Fachprinzip
3.4. Organe des Diakonischen Werkes
3.4.1. Diakonische Konferenz
3.4.2. Diakonischer Rat
3.4.3. Vorstand
3.5. Hauptgeschäftsstelle
3.5.1. Tätigkeiten der Hauptgeschäftsstelle
3.5.2. Organigramm
3.6. Aufgabenbereiche und Mitarbeiter
3.6.1. Aufgaben in Deutschland
3.6.2. Aufgaben International
3.6.3. Mitarbeiter
4. Finanzierung der sozialen Dienste in der Diakonie
4.1. Öffentliche Finanzierung
4.1.1. Allgemeine Rahmenbedingungen
4.1.1.1. Prinzip der Sozialstaatlichkeit
4.1.1.2. Prinzip der Pluralität der Trägerschaft
4.1.1.3. Prinzip der Subsidiarität
4.1.2. Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis
4.1.3. Finanzierungsformen
4.1.3.1. Zuwendungsfinanzierung
4.1.3.1.1. Vollfinanzierung
4.1.3.1.2. Teilfinanzierung
4.1.3.2. Zuwendungsvertrag
4.1.3.3. Leistungsentgelt
4.1.3.4. Leistungsvertrag
4.2. Eigenmittel
4.2.1. Kirchensteuer
4.2.2. Spenden
4.2.3. Sonstige Eigenmittel
4.2.3.1. Kirchliche Kollekte
4.2.3.2. Mitgliedsbeiträge
4.2.3.3. Bußgelder
4.2.3.4. Finanzierung aus Spielbanken und Lotterien
4.2.3.5. Sozio-Sponsoring
4.2.3.6. Wohlfahrtsmarken
4.2.3.7. Fundraising
4.3. Zwischenfazit
5. Perspektiven und alternative Finanzierungsmodelle
5.1. Zukünftige Herausforderungen der Diakonie
5.1.1. Demografischer Wandel
5.1.2. Wandel in der Arbeitergesellschaft
5.1.3. Verschärfung der sozialen Spaltung zwischen Arm und Reich
5.2. Ursachen der Finanzierungsprobleme
5.3. Alternative Finanzierungsmodelle
5.3.1. Förderprogramme der KfW-Bankengruppe
5.3.1.1. Grundlagen der Kreditvergabe
5.3.1.2. Einsatz in der Sozialwirtschaft
5.3.2. Mezzanine-Kapital
5.3.2.1. Merkmale und Grundlagen
5.3.2.2. Einsatzmöglichkeiten in der Sozialwirtschaft
5.3.3. Investor-Betreiber-Modell
5.3.3.1. Grundlagen des Investor-Betreiber-Modells
5.3.3.2. Einsatz des Investor-Betreiber-Modells in der Sozialwirtschaft
5.3.4. Immobilienfonds
5.3.4.1. Grundlagen
5.3.4.2. Einsatzmöglichkeiten in der Sozialwirtschaft
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert den Aufbau und die Organisationsstruktur des Diakonischen Werkes der EKD als einen der größten Träger sozialer Dienste in Deutschland. Ziel ist es, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse zur Struktur zu untersuchen, wie sich diese auf die Finanzierung der diakonischen Angebote auswirkt und welche Herausforderungen sowie alternativen Finanzierungsmodelle für die Zukunft bestehen.
- Strukturelle Analyse der Diakonie als Spitzenverband, Teil der Kirche und Verein.
- Untersuchung der Finanzierungsformen diakonischer Einrichtungen (öffentliche Mittel vs. Eigenmittel).
- Bewertung zukünftiger Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und der sozialen Spaltung.
- Erläuterung alternativer Finanzierungsmodelle für den investiven Bereich der Sozialwirtschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1. Struktur des Diakonischen Werkes der EKD
Das Diakonische Werk der EKD ist eingetragener Verein, einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und Teil der evangelischen Kirche in Deutschland zugleich. Damit ist es ein sehr kompliziertes Rechtsgebilde. Die Stellung des Diakonischen Werks der EKD kann nur bei einer gleichzeitigen Betrachtung dieser drei Elemente staatlich und kirchlich eingeordnet werden. Aus diesem Grund werden im Folgenden diese drei Elemente genauer beschrieben, wobei aufgezeigt wird, wie sich diese Elemente auf die Organisationstruktur des Diakonischen Werks auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Non-Profit-Sektors und definiert das Ziel der Arbeit, die Zusammenhänge zwischen der Struktur der Diakonie und deren Finanzierung zu analysieren.
2. Grundlagen und Träger sozialer Dienste: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis durch die Definition und Charakterisierung sozialer Dienste sowie einen Überblick über die unterschiedlichen Trägerarten.
3. Organisationsstruktur der Diakonie als größter Träger sozialer Dienste: Der Hauptteil untersucht detailliert die hybride Struktur der Diakonie als Spitzenverband, kirchliche Einrichtung und Verein sowie deren interne Gliederung.
4. Finanzierung der sozialen Dienste in der Diakonie: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Finanzierungsströme, unterteilt in öffentliche Finanzierung und Eigenmittel, und stellt das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis dar.
5. Perspektiven und alternative Finanzierungsmodelle: Das Kapitel diskutiert zukünftige Herausforderungen und stellt innovative Finanzierungsmodelle für den investiven Bereich wie Mezzanine-Kapital oder Investor-Betreiber-Modelle vor.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und reflektiert die Frage, wie die Diakonie ihre Finanzierungsformen künftig am effektivsten einsetzen kann.
Schlüsselwörter
Diakonie, Soziale Dienste, Dritter Sektor, Finanzierung, Freie Wohlfahrtspflege, Organisationsstruktur, Subsidiarität, Evangelische Kirche, Sozialstaat, Gemeinnützigkeit, Fundraising, Investitionsfinanzierung, Sozialimmobilien, Mezzanine-Kapital, demografischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Organisationsstruktur der Diakonie in Deutschland und der Frage, wie diese Struktur die Finanzierung ihrer vielfältigen sozialen Dienste beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Organisationsprinzipien der Diakonie (als Spitzenverband, Kirche und Verein), den rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Finanzierung sozialer Arbeit sowie Zukunftsperspektiven und neuen Finanzierungsmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, den Ist-Zustand von Aufbau und Finanzierung der Diakonie zu ermitteln, um darauf aufbauend mögliche Finanzierungsprobleme zu identifizieren und alternative Modelle zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Istanalyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Satzungen, Berichten und sozialrechtlichen Grundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Organisationsstruktur der Diakonie (Abschnitt 3) und eine umfassende Darstellung der Finanzierungsformen (Abschnitt 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Diakonie, Soziale Dienste, Finanzierung, Subsidiarität, Gemeinnützigkeit und alternative Finanzierungsmodelle.
Warum spielt die Rechtsform des "eingetragenen Vereins" eine Rolle?
Die Rechtsform ermöglicht dem Diakonischen Werk größere Handlungsspielräume und Steuerbefreiungen, während es gleichzeitig an die kirchliche Grundordnung gebunden bleibt.
Warum gewinnen alternative Finanzierungsmodelle an Bedeutung?
Aufgrund knapper öffentlicher Mittel und der Umstellung von Objekt- auf Subjektförderung stehen Träger vor der Herausforderung, Investitionskosten vermehrt über alternative Wege wie KfW-Förderung oder Investor-Betreiber-Modelle zu decken.
- Citar trabajo
- Necla Özdogan (Autor), 2012, Analyse von Aufbau und Struktur der Diakonie unter besonderer Berücksichtigung der Finanzierung sozialer Dienste, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201016