Die vorliegende Arbeit soll interreligiöse Problemstellungen in
Nigeria und Ansätze zur Konfliktlösung unter Einbeziehung des
Commonwealth of Nations beleuchten. Nigeria gilt als
multireligiöser Föderalstaat, mit zwei großen Religionsgruppen in der Bevölkerung: Muslimen im Norden und Christen im Süden des Landes. Zunächst erscheint es notwendig beide Religionen in die Historie Nigerias einzufügen.
Durch den Transsaharahandel kam der Norden Nigerias im 8.
Jahrhundert erstmals mit dem Islam in Kontakt. Jedoch erfolgte keine aktive Missionierung, vielmehr wurde der Norden Nigerias nur durch den Handelskontakt mit muslimischen Karawanen beeinflusst. Dies dauerte bis zum Ende des 18.Jahrhunderts an1. Die Islamisierung erfolgte in drei Etappen: im neunten und zehnten Jahrhundert gab es kulturelle Annäherung und Handel, gefolgt von islamischen Reichen im zehnten bis zwölften Jahrhundert und islamischen Philosophieschulen und Konventen im zwölften und
dreizehnten Jahrhundert. Zunächst konvertierten vor allem Händler und Personen, die mit den Handelskarawanen aus der Sahara Kontakt hatten. Sie konvertierten zum Islam jedoch zumeist nicht aus Überzeugung, sondern, um ihren Handelspartnern gleichgestellt zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurze Geschichte der Religionen in Nigeria
2. Nigeria unter britischer Kolonialherrschaft
3. Islam in Nigeria und politisch-soziale Diskurse nach 1960
3.1 Islamische Gesetzgebung
3.2 Christlich-muslimischer Dialog
3.3 Diskurse und Maßnahmen zur Friedensschaffung und -erhaltung in Nigeria im Rahmen des Commonwealth
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die interreligiösen Spannungen und Konfliktlösungsprozesse in Nigeria unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Commonwealth of Nations. Dabei wird analysiert, wie historische Prägungen, insbesondere die britische Kolonialherrschaft und die Islamisierung, die heutigen sozialen Strukturen und Konflikte beeinflussen.
- Historische Entwicklung der Religionen in Nigeria
- Einfluss der britischen „indirect rule“ auf das gesellschaftliche Gefüge
- Einführung und Auswirkungen der Schari'a in nordnigerianischen Bundesstaaten
- Methoden und Ansätze des interreligiösen Dialogs zur Friedensstiftung
- Die Rolle des Commonwealth of Nations bei der Demokratieförderung und Konfliktbewältigung
Auszug aus dem Buch
3. Islam in Nigeria und politisch-soziale Diskurse nach 1960
Im folgenden soll nun ein Blick auf Nigeria, den Islam in Nigeria und politisch-soziale Diskurse in Nigeria nach der Unabhängigkeit 1960 geworfen werden. Der Schwerpunkt soll hier auf interreligiösen Konflikten und Klärungsprozessen liegen.
Wie bereits im ersten Kapitel geschildert, ist war und ist der Norden Nigerias vornehmlich muslimisch geprägt, wohingegen der Süden christlich geprägt war und ist. Nach der Unabhängigkeit Nigerias kam es zu Rivalitäten zwischen Muslimen, Katholiken und Protestanten um Wählerstimmen. Die Religionsgruppen bezeichneten die eigene Religion als die einzig wahre und verurteilten die jeweils anderen. Die religiöse Freiheit führte zu einem Anstieg neuer Kirchengruppen in Nigeria wie der Aladura, Reformierten Kirchen, spiritualistischen Kirchen oder lutheranischen Gemeinden, zum Teil auch Gemeinden mit einer aggressiven Konversionspolitik. Ihre Mitglieder suchten diese Gruppen nicht nur im christlichen Süden des Landes, sondern auch im muslimischen Norden.
In den 1980er Jahren waren muslimische Gruppen nicht durch eine gemeinsame Gruppenidentität geprägt. Ähnlich wie bei den christlichen Gruppen, gab es auch unter den diversen muslimischen Gruppen Rivalitäten.
Zum Ende der 90er Jahre erklärten sich zwölf nordnigerianische Bundesstaaten zu Staaten, in denen die Schari'a, das islamische Rechtswesen, gelten solle. Vorangetrieben wurde dies unter anderem durch islamische Gruppen wie der Qadiriyya, Tijaniyya, Izala, der muslimischen Studentenvereinigung oder der Muslimbruderschaft. Diese Gruppen strebten nicht nur nach religiösem, sondern auch nach politischem Einfluss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurze Geschichte der Religionen in Nigeria: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Religionen in Nigeria, von den Anfängen des Islam durch den Transsaharahandel bis zur christlichen Missionierung und der Etablierung des Kalifats von Sokoto.
2. Nigeria unter britischer Kolonialherrschaft: Hier wird analysiert, wie die britische Politik der „indirect rule“ das Rechtssystem und die gesellschaftliche Struktur Nigerias durch die Einbindung islamischer Strukturen nachhaltig prägte.
3. Islam in Nigeria und politisch-soziale Diskurse nach 1960: Das Kapitel behandelt die postkolonialen Spannungen, die Einführung der Schari'a in nordnigerianischen Staaten sowie verschiedene staatliche und nicht-staatliche Ansätze zur Friedenssicherung und zum interreligiösen Dialog.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die historischen und politischen Ursachen der religiösen Konflikte in Nigeria und reflektiert die begrenzte Wirksamkeit des Commonwealth in diesem Kontext.
Schlüsselwörter
Nigeria, Islam, Christentum, Commonwealth of Nations, Kolonialherrschaft, Indirect Rule, Schari'a, Interreligiöser Dialog, Demokratie, Konfliktlösung, Religionskonflikte, Friedensschaffung, Minderheitenschutz, Sozialer Diskurs, Nordnigeria.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Islams und die damit verbundenen religiösen Auseinandersetzungen in Nigeria, wobei sie den Einfluss der britischen Kolonialgeschichte und die Rolle des Commonwealth of Nations bei der Konfliktbewältigung untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Geschichte der Religionen in Nigeria, die Folgen der britischen Kolonialverwaltung, die Einführung der Schari'a sowie verschiedene Initiativen zum interreligiösen Dialog.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, wie das Commonwealth of Nations durch Programme und Strukturen einen Beitrag zur Konfliktvorbeugung und zum Frieden in Nigeria leisten kann und inwieweit Demokratisierungsprozesse dabei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Dokumenten (u.a. Berichte des Commonwealth) basiert.
Was wird im Hauptteil der Publikation behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die historische Genese der religiösen Lager, die Auswirkungen der „indirect rule“, die politischen Diskurse nach 1960 sowie die praktische Arbeit von Organisationen wie dem Interfaith Mediation Centre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Nigeria, Islam, Christentum, Kolonialismus, Schari'a, Commonwealth und interreligiöser Dialog.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Commonwealth in Nigeria?
Das Commonwealth agiert in Nigeria hauptsächlich indirekt über allgemeine Programme wie Wahlbeobachtungen oder wirtschaftliche Förderungen; ein direkter Einfluss auf die interreligiösen Konflikte ist aufgrund mangelnder Feldstudien schwer nachweisbar.
Welche Bedeutung kommt der Einführung der Schari'a in Nigeria zu?
Die Einführung der Schari'a in nordnigerianischen Bundesstaaten wird als wesentlicher identitätsstiftender, aber auch konfliktgeladener Prozess beschrieben, der zu Spannungen zwischen säkularem Verfassungsanspruch und religiösem Recht führt.
- Arbeit zitieren
- Robert Schönrok (Autor:in), 2012, Die Rolle des Islam in Commonwealth-Ländern. Auseinandersetzungen und Klärungsprozesse am Beispiel Nigerias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201050