Aufgrund des heute auf vielen Märkten herrschenden Wettbewerbs ist die Qualität neben Innovationskraft und Produktivität zu einem wichtigen strategischen Unternehmensziel für Unternehmungen geworden, die Güter und Dienstleistungen produzieren.
Der Zusammenhang zwischen der Qualität der Produkte eines Unternehmens und dessen Erfolg ist leicht einsehbar, weil qualitativ ungenügende Produkte am Markt oft nicht absetzbar sind. Dieser intuitiv einsichtige Zusammenhang wird auch durch die bekannte PIMS-Studie des Stategig Planning Instituts bestätigt.
Aufgrund der Wichtigkeit der Qualität für den Unternehmenserfolg sollte jede Unternehmung bestrebt sein Qualitätsmängel an den Produkten zu vermeiden. Die Produktion und die Sicherstellung von Qualitatät ist natürlich mit Kosten verbunden. So erfordert das Überprüfen von Qualität durch eine Qualitätskontrolle zusätzliche Zeit und Personalkosten. Aber auch das Nichtvorhandensein von Qualität kann mit Kosten verbunden sein. Dies ist z.B. der Fall, wenn aufgrund nicht ausreichender Qualität Nachbesserungen erforderlich sind, Kunden abspringen (entgangene Deckungsbeiträge), oder wenn aufgrund von Mängeln oder Fehlern Regreßansprüche seitens des Kunden geltend gemacht werden.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit sind Qualitätsmängel und besonders die daraus resultierenden Folgekosten. Es sollen Antworten auf die Fragen gegeben werden, warum Qualitätsmängel auftreten, welche Strategien es gegen dieselben gibt, und welche Kosten mit der Produktion von Qualität bzw. von Nicht-Qualität verbunden sind. Außerdem werden Ansätze aufgezeigt, wie Folgekosten in Form externer Fehlerkosten quantifiziert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Qualitätsmängel
2.1 Ursachen von Qualitätsmängeln
2.2 Strategien gegen Qualitätsmängel
3 Qualitätskosten und Qualitätsfolgekosten
3.1 Systematisierung der Qualitätskosten
3.2 Kritik an der beschriebenen Gliederung der Qualitätskosten
4 Quantifizierung von Folgekosten aufgrund von Qualitätsmängeln
4.1 Am Beispiel eines Ansatzes zur Quatifizierung externer Fehlerkosten
4.2 Am Beispiel eines Ansatzes zur Quantifizierung entgangener Deckungsbeiträge
5 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Qualitätsmängeln in der Produktion und den daraus resultierenden finanziellen Folgekosten für Unternehmen. Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie diese oft schwer quantifizierbaren externen Fehlerkosten und entgangenen Deckungsbeiträge betriebswirtschaftlich erfasst werden können, um eine rationale Entscheidungsgrundlage für Qualitätsmanagement-Maßnahmen zu schaffen.
- Analyse der Ursachen und Entstehungsformen von Qualitätsmängeln in Produktionsprozessen
- Systematisierung und betriebswirtschaftliche Einordnung von Qualitätskosten
- Kritische Würdigung bestehender Kostenmodelle zur Qualitätsbewertung
- Methoden zur Quantifizierung externer Fehlerkosten und Opportunitätskosten
- Strategische Implikationen des Total Quality Managements (TQM) für den Unternehmenserfolg
Auszug aus dem Buch
4.1 Am Beispiel eines Ansatzes zur Quatifizierung externer Fehlerkosten
Wildemann schlägt einen pragmatischen Ansatz zur Quantifizierung externer Fehlerkosten aufgrund verlorener Stammkunden vor. Diese externen Fehlerkosten setzen sich zusammen aus verlorenen Deckungsbeiträgen durch qualitätsbedingte Abwanderung von Stammkunden zuzüglich den Kosten für Verkaufsförderungsmaßnahmen zur Kompensation qualitätsbedingter Abwanderungen.
Zur Quantifizierung der entgangenen Deckungsbeiträge bedarf es einer Kundenbefragung, um die Abwanderungsmotive der Kunden zu ermitteln. Sind weiterhin die Deckungsbeiträge je Produkteinheit bekannt, so lassen sich die Deckungsbeiträge pro abgewandertem Kunden ermitteln.
Die als fix betrachteten Kosten für Verkaufsförderungsmaßnahmen werden den loyalen und neugewonnenen Kunden zugerechnet. Derjenige Anteil von Neukunden, der dem Anteil der abgesprungenen Kunden entspricht, wird als der Kompensationsbetrag für Kundenneugewinnung angesetzt.
Die beiden ermittelten Beträge addieren sich zum Kostenblock der externen Fehlerkosten. Dieser Ansatz von Wildemann hilft Folgekosten von Qualitätsmängeln zu quantifizieren. Für den Ansatz spricht die einfache Handhabbarkeit der Datenerhebung. Die notwendigen Informationen können durch Umfragen erhoben werden oder aus dem Controllingsystem der Unternehmung abgeleitet werden. Aber der Ansatz weist auch einige konzeptionelle Schwächen auf. Wildemanns Ansatz ignoriert zum einen diejenigen Deckungsbeiträge die aufgrund eines schlechten Qualitätsimages gar nicht erst realisiert werden. Außerdem handelt es sich um ein statisches einperiodisches Modell, weil die bei einem Weiterbestehen der Kundenbeziehung zusätzlich anfallenden Deckungsbeiträge nicht berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die strategische Bedeutung der Qualität für den Unternehmenserfolg ein und definiert die Problemstellung sowie den Untersuchungsrahmen.
2 Qualitätsmängel: Es werden die Ursachen von Qualitätsmängeln analysiert und Strategien zur Vermeidung von Fehlern, einschließlich des Total Quality Managements (TQM), vorgestellt.
3 Qualitätskosten und Qualitätsfolgekosten: Dieses Kapitel systematisiert die verschiedenen Arten von Qualitätskosten und übt Kritik an der traditionellen betriebswirtschaftlichen Gliederung.
4 Quantifizierung von Folgekosten aufgrund von Qualitätsmängeln: Hier werden spezifische Ansätze zur quantitativen Bestimmung externer Fehlerkosten und entgangener Deckungsbeiträge detailliert dargelegt.
5 Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Notwendigkeit der ständigen Qualitätssicherung zusammen und weist auf die Grenzen aktueller quantitativer Modelle hin.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Qualitätskosten, Fehlerkosten, Deckungsbeitrag, externe Fehlerkosten, Produktionsprozess, Kundenbeziehung, Qualitätssicherung, Total Quality Management, Opportunitätskosten, Kundenzufriedenheit, Produktqualität, Fehlermöglichkeitsanalyse, Prozessoptimierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der betriebswirtschaftlichen Problematik von Qualitätsmängeln und den daraus resultierenden finanziellen Folgen für ein produzierendes Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Ursachenanalyse von Qualitätsmängeln, die Kategorisierung von Qualitätskosten und die Methoden zur Quantifizierung von Folgekosten durch Kundenabwanderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unternehmen fundierte Ansätze zur Messung von Fehlerkosten an die Hand zu geben, damit rationale Entscheidungen zwischen Fehlervermeidung und Fehlerakzeptanz getroffen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Darstellung sowie methodische Erweiterung spezifischer betriebswirtschaftlicher Kostenrechnungsmodelle (u.a. von Wildemann und Fröhling).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse von Mängeln, eine Systematisierung der Qualitätskosten und die Vorstellung komplexer quantitativer Modelle zur Berechnung von entgangenen Deckungsbeiträgen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Qualitätskosten, externe Fehlerkosten, Deckungsbeitragsrechnung und Total Quality Management geprägt.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Fröhling von dem von Wildemann?
Fröhling erweitert das statische, einperiodische Modell von Wildemann zu einem mehrperiodigen Ansatz, der die Lebensdauer der Kundenbeziehung und künftige Deckungsbeiträge explizit einbezieht.
Warum ist die Quantifizierung von Folgekosten für das Management so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der unsicheren Datengrundlage und der Tatsache, dass externe Effekte wie entgangene Deckungsbeiträge oder Imageverluste nicht unmittelbar im Standard-Controlling erfasst werden.
- Arbeit zitieren
- Klaus-Martin Meyer (Autor:in), 1996, Qualitätsmängel und Folgekosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20113