Der chinesische Energiesektor. Struktur, Probleme und Chancen


Seminararbeit, 2008
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Grundlagen zur Energiefrage, Marktnachfrage und Preisregulierungen
1. Naturwissenschaftliche Grundlagen
a) Physikalische Grundlagen
b) Systematik der Energiekette
2. Wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen
a) Marktgleichgewicht
b) Preissteigerungen durch Nachfrageausdehnung bei elastischen und unelastischen Angebot
c) Die Auswirkungen von Preisregulierungen

III. Rahmenbedingungen, Konsequenzen und Probleme des chinesischen Energie- und Stromsektors
1. Politische und gesetzliche Rahmenbedingungen am Beispiel
Der Preisbildung für Kohle, Erdöl und Strom
2. Strukturelle Rahmenbedingungen
a) Primärenergiesektor
b) Der Stromsektor
3. Konsequenzen und Probleme einer gesicherten Energieversorgung bei stetig wachsender Nachfrage nach Energieträgern im allgemeinen
4. Konsequenzen und Probleme einer gesicherten Energieversorgung bei stetig wachsender Nachfrage nach Strom im speziellen 18

IV. Auswirkungen des Nachfragewachstums und der staatlichen Regulierungen auf die Preise für Primärenergieträger und Strom
1. Nachfrage-Preisbeziehungen und staatliche Eingriffe auf dem Energiemarkt
2. Nachfrage-Preisbeziehungen und staatliche Eingriffe auf dem Strommarkt

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

VII. Abkürzungsverzeichnis

VIII. Verzeichnis chinesischer Wörter/Begriffe

IX. Graphik-/Tabellenverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Thema „Der chinesische Energiesektor – Struktur, Probleme und Chancen“. Die verwendete Umschrift für die chinesischen Schriftzeichen ist Hanyu-Pinyin (漢語拼音). Da es sich um eine auf China bezogene Arbeit handelt, werden die wichtigsten Begriffe in chinesischen Schriftzeichen als Klammereintrag genannt.

Diese Arbeit ist in ihrem Kern (Hauptteil) in drei aufeinander aufbauende Kapitel unterteilt. In Kapitel II erfolgt eine Betrachtung der wichtigsten energiebezogenen Definitionen sowie des theoretischen Hintergrundes für Nachfrage-Preiszusammenhänge und staatliche Eingriffe auf einem Markt. Kapitel III beschreibt die Rahmenbedingungen auf dem chinesischen Energie- und Stromsektor und die sich ergebenden Konsequenzen sowie Probleme des Energiemarktes der Volksrepublik China (中華人民共和國). Das IV. Kapitel beinhaltet eine Analyse der Zusammenhänge von Nachfragewachstum und Preissteigerung sowie den Auswirkungen von Höchstpreissetzungen in der Volksrepublik China. Den Schluss dieser Hausarbeit bildet das Kapitel V mit einem persönlichen Fazit des Autors. Ziel dieser Hausarbeit ist es zum einem, dem Leser ein tieferes Verständnis für die aktuelle Situation des chinesischen Energiemarktes zu vermitteln, und zum anderen die Zusammen-hänge zwischen Nachfragewachstum und Preissteigerungen sowie der staatlichen Preis-regulierungen auf dem Energie- und Strommarkt zu erläutern. Zu dem Seminararbeitsthema lässt sich die folgende These aufstellen: Der chinesische Strom- und Energiesektor ist von einem unelastischen Angebot an Strom und Energie gekennzeichnet, welches auf einem Markt ohne staatliche Höchstpreissetzung, bei steigender Nachfrage zu hohen Preissteiger-ungen führen kann.

Der durchschnittlich informierte Bürger dürfte sich inzwischen bewusst sein, dass ein aufstrebendes China im Rahmen der Globalisierung für die nationale und internationale Energienachfrage(能需求) und Energieversorgung (能供电) eine immer bedeutsamere Rolle spielt. Erwähnt man in einer Diskussion die Schlagwörter „Energie“ und/oder „Strom“ (電流) im Zusammenhang mit der Volksrepublik China, so fallen den meisten Anwesenden als erstes Begriffe wie Wirtschaftswachstum, Energiehunger, Drei-Schluchten-Staudamm, Streit um Gaspipelines mit Japan oder die chinesischen Aktivitäten auf dem afrikanischen und südamerikanischen Kontinent ein. Und ganz selbstverständlich ist natürlich auch China mit an den hohen Sprit- und Rohölpreisen schuld, was einem spätestens an der nächsten Tankstelle oder beim Heizölkauf wieder in Erinnerung gerufen wird. Die wenigsten Menschen aber wissen um die Bedingungen und Probleme des chinesischen Energiemarktes, und auch nicht um die Auswirkungen des stetig wachsenden Bedarfs an Energie in Bezug auf Luftverschmutzung (空氣污染), Wassermangel (缺水), Umweltzerstörung (環境破壞), Bodenerosion (水土流失), Wirtschaftswachstum (经济增长)und Preisfindung (定价)innerhalb der VR China. Galt die Volksrepublik Anfang der 90er Jahre noch zu einem großen Teil als Selbstversorger mit Energie, und konnte den Energiebedarf mit eigenen Erdölquellen, den weltweit größten Steinkohle-vorkommen, großen Wasserkraftkapazitäten und Bio-Energie (生物能源) decken. So überstieg schon im Jahre 1999 der Verbrauch fossiler Energie um 30 Millionen Tonnen die Förderung aus eigenen Energiequellen. Für das Jahr 2010 wird derzeit mit einer Steigerung von 160 Mio. Tonnen (1999) auf 300 Mio. Tonnen (2010) gerechnet.[1] ,[2] Auf der einen Seite ist die Volksrepublik inzwischen nach den Vereinigten Staaten von Amerika der zweit größte Energiemarkt, was vor allem mit dem enormen Wirtschaftswachstum begründet wird. Andererseits ist der private Zuwachs an Energie (pro Kopf) nach internationalen Maß-stäben auch heute noch eher gering einzustufen. Eine Studie von BP (British Petroleum) ergibt, dass der Energieverbrauch pro Kopf, in China in der niedrigsten Kategorie liegt, während beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland in der mittleren Kategorie zu finden ist.[3] Wie aber wirkt sich der Nachfragezuwachs auf dem chinesischen Energie und Stromsektor aus? Mit welchen Preissteigerungen ist zu rechnen?

II. Die Grundlagen zur Energiefrage, Marktnachfrage und Preisregulierungen

1. Naturwissenschaftliche Grundlagen

a) Physikalische Grundlagen:

Dieser Abschnitt erläutert in möglichst kurzer und verständlicher Form die notwendigen naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, welche in der physikalischen Chemie bzw. in der Physik auch als „Wärmelehre“ bekannt sind. Alle Regelungen, Gesetze, Verordnungen, Märkte, Handel und Produktion im Bezug auf Energie unterliegen letztendlich auf der ein oder anderen Art und Weise diesen fundamentalen Grundsätzen. Die drei Hauptsätze der Thermodynamik[4] :

- Energieerhaltung (能量守恒定律 )- 1. Hauptsatz der Thermodynamik: Die innere Energie eines abgeschlossenen Systems ist konstant. Das heißt, dass Energie nur von einer Form in eine andere Form umgewandelt werden kann. Energie kann damit nicht geschaffen oder vernichtet werden.

- Entropie (眼瞼內翻症) - 2. Hauptsatz der Thermodynamik: Bei einer freiwilligen Zustandsänderung nimmt die Entropie eines abgeschlossenen Systems zu. In jedem abgeschlossenen System wird durch einen Umwandlungs-prozess eine höhere Energieform in eine niedrigere Energieform umgewandelt wobei ein Teil der nutzbaren Energie verloren geht. Dieser Vorgang geht solange, bis eine vollkommene Gleichverteilung von Ordnungszuständen erreicht wird. In diesem Zustand ist die Entropie eines Systems maximal. Man nennt es auch den „Kältetod“ eines Systems, da alle Energie in Niedertemperatur umgewandelt wurde.

- Nullpunkt (零點) - 3. Hauptsatz der Thermodynamik: Es ist unmöglich, den absoluten Nullpunkt der Temperatur in einer endlichen Anzahl von Schritten zu erreichen. Dieser Hauptsatz ist ein Ergebnis der ersten beiden Hauptsätze und sagt aus, dass ein System nicht auf den absoluten Nullpunkt herunter gekühlt werden kann.

b) Systematik der Energiekette:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 1: Energieumwandlungskette, eigene Darstellung[5]

Die Energie, die letztendlich beim Verbraucher eingesetzt wird, ist die sogenannte Endenergie. Diese Form der Energie ist durch Umwandlungsverluste und Transport-verluste auf einen energetisch niedrigeren Niveau als Primär- oder Sekundärenergie.

2. Wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen

a) Marktgleichgewicht (需求与供应):

Das folgende Modell und ist eines der grundlegenden Modelle der Makroökonomik.

Es beschreibt das Marktgleichgewicht für eine Nachfragekurve (需求曲线) mit negativer Steigung und einer Angebotskurve (供给曲线) mit positiver Steigung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 2: Marktgleichgewicht für ein Gut, eigene Darstellung[6]

Die Nachfragekurve (D) ist die graphische Darstellung für den Preis eines Gutes und der vom Konsumenten nachgefragten Menge eines Gutes. Die Angebotskurve (S) zeigt demnach den Zusammenhang von Preis und angebotener Menge eines Gutes. Das Marktgleichgewicht ergibt sich im Schnittpunkt (GG) und spiegelt die Gleich-gewichtsmenge (X0) und den Gleichgewichtspreis (P0) für ein Gut wieder.

b) Preissteigerungen durch Nachfrageausdehnung bei elast. und unelastischen Angebot:

Die beiden folgenden Modelle sind eine Ergänzung des unter II 2.a) vorgestellten Grundlagenmodells der Makroökonomie. In folgenden beiden Modellen wird von einer identischen Nachfrageerhöhung ausgegangen mit jeweils unterschiedlichen Elastizitäten der Angebotsfunktion(供给弹性).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 3: Nachfrageerhöhung bei elastischen Angebot, eigene Darstellung[7]

Die Erhöhung der Nachfrage zum Beispiel aufgrund eines höheren Gesamtein-kommens führt zu einer Verschiebung der Nachfragekurve (D) nach Rechts auf das höhere Nachfrageniveau (D`). Es entspricht einer Erhöhung des Gleichgewichts-preises von P0 nach P1 und der Gleichgewichtsmenge von X0 nach X1. Das neue Marktgleichgewicht verschiebt sich von Punkt A nach Punkt B.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 4: Nachfrageerhöhung bei unelastischen Angebot, eigene Darstellung[8]

Graphik Nr. 4 zeigt im Grunde einen analogen Effekt wie schon Graphik Nr. 3. Der Unterschied ist, dass in Graphik Nr. 4 zusätzlich eine unelastische(re) Angebots-funktion (z. B. Angebot an Strom) eingefügt wurde, aber weiterhin von der gleichen Nachfrageänderung (siehe Abbildung Nr. 3) ausgegangen wird. Bei Betrachtung der unelastischen Angebotskurve S` und der erhöhten Nachfrage D` ergibt sich ein neuer Schnittpunkt im Punkt C und somit ein neues Marktgleichgewicht. Es ist ersichtlich, dass dieses neue Gleichgewicht zu einem höheren Preis (P2) bei höherer Nachfrage (X2) führt. Während die Preise bei gestiegener Nachfrage und unelastischer Ange-botsfunktion höher sind als bei einer elastischer Angebotsfunktion (Vergleich P2 und P1) ist die Nachgefragte Menge geringer (Vergleich X2 mit X1). Zum besseren Verständnis soll erwähnt werden, dass diese Theorie für den kurzen Zeitraum gilt, da langfristig (fast) alle Angebotsfunktionen elastisch sind.[9]

c) Die Auswirkungen von Preisregulierungen (价格管制):

In den meisten Industrieländern sind die Märkte trotz Marktwirtschaft nicht völlig frei von staatlichen Eingriffen in das Marktgeschehen. Zu den staatlichen Eingriffs-möglichkeiten zählen insbesondere Steuern und Subventionen aber auch Preis- bzw. Mengenregulierungen. In diesem Kapitel soll ausschließlich der Mechanismus von Preisregulierungen anhand der folgenden Graphik und der zugehörigen Erläuter-ungen dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Anmerkung: Die Aussage bezieht sich vor allem auf die leicht und mittelschwer zu fördernden Rohstoffe

[2] Scheer, Herman: Solare Weltwirtschaft – Strategie für die ökologische Moderne (chin. Ausgabe), 2002, Seite 1

[3] vgl. Quantifying Energy – BP Statistical Review of Word Energy June 2006, in: http://www.bp.com/liveassets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/reports_and_publications/statistical_energy_review_2006/STAGING/local_assets/downloads/pdf/statistical_review_of_world_energy_full_report_2006.pdf, o. O., 24.04.2008, 19:56 Uhr.

[4] Aktins, Peter w.: Physikalische Chemie, VCH Verlag, Weinheim, 1996, S. 56 ff.

[5] Göllinger, T.: Strategien für eine nachhaltige Energiewirtschaft, Shaker Verlag, Aachen, 2001, S.75

[6] Mankiw, N. Gregory: Angebots- und Nachfragekurve, in: Makroökonomik, Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart, 2000, Seite 9

[7] Mankiw, N. Gregory: Angebots- und Nachfragekurve, in: Makroökonomik, Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart, 2000, Seite 10

[8] Anmerkung: Ableitung des Modells von Graphik Nr. 3 für eine unelastische(re) Angebotsfunktion

[9] vgl.: Mankiw, N. Gregory: Angebots- und Nachfragekurve, in: Makroökonomik, Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart, 2000, Seite 9 ff.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Der chinesische Energiesektor. Struktur, Probleme und Chancen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Ostasienwissenschaften: Sektion Wirtschaft Ostasien)
Veranstaltung
Seminar: Allgmeine Wirtschaftsorndung Ostasien
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V201182
ISBN (eBook)
9783656281375
ISBN (Buch)
9783656648475
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Energiesektor, Probleme, Chancen, Primärenergieträger, Struktur, Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie, Energie, Energiepolitik, China
Arbeit zitieren
Stephan Ackerschott (Autor), 2008, Der chinesische Energiesektor. Struktur, Probleme und Chancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201182

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