Luxus im Alltag des antiken Roms

Römische Thermen


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Luxus
2.1 Definitionsansätze
2.2 Luxus in der römischen Antike

3. Römische Thermen
3.1 Entwicklung
3.2 Die Caracallathermen

4. Die Kaiserthermen Roms - ein alltäglicher Luxus?

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema Luxus im Alltag wirft verschiedene Fragen auf, die es im Kontext der römischen Antike zu klären gilt. Was ist überhaupt Luxus, wie spiegelt er sich in der Antike wider, und wie zeigt er sich im alltäglichen Leben der Menschen?

Am Beispiel der Entwicklung einfacher Bäder hin zu den römischen Kaiserthermen möchte ich im Folgenden zeigen, wie man sich in Dimension und Ausstattung der Thermen, in ihrem Verbrauch, ihrer Benutzung und ihrem Zweck immer weiter von der ursprünglichen Idee entfernte und ein fast alltägliches Luxusgut schaffte.

Dabei dienen sowohl die Beschreibungen erhaltener Ruinen und Grundrisszeichnungen der antiken Badelandschaften1 als auch die Schilderungen zeitgenössische Dichter und Schriftsteller als Grundlage meiner Untersuchungen.

Thermalbäder, die als Heilbäder genutzt wurden und deren Zweckmäßigkeit daher außer Frage steht, werden bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.

2. Luxus

2.1 Definitionsansätze

Der Begriff Luxus stammt etymologisch vom lateinischen Wort luxuria und bedeutet Üppigkeit oder Schwelgerei.2 Ursprünglich bezeichnete es reichhaltiges Wachstum und Fruchtbarkeit im botanischen Kontext.3 Im Laufe der Zeit wurde der Begriff jedoch zunehmend negativ konnotiert.

Was genau man unter Luxus und Luxusgütern versteht ist abhängig von Ort und Zeit und befindet sich daher in einem stetigen Wandel mit unklaren Grenzen. Entscheidende Faktoren sind beispielsweise Ökonomie, Werte und Normen der Gesellschaft sowie der eigene Standpunkt des Betrachters. Im Allgemeinen bezeichnet Luxus verschwenderischen, den normalen Rahmen übersteigenden, nicht notwendigen, nur zum Vergnügen betriebenen Aufwand. Max Weber fasst ihn daher als „Ablehnung zweckrationaler Orientierung des Verbrauchs“4 zusammen.

2.2 Luxus in der r ö mischen Antike

Luxus spielte im römischen Reich eine sehr große Rolle. In der durch die Oberschicht geprägten Republik, sei es von Patriziern oder dem neuen Amtsadel, zeigte man durch offizielle und inoffizielle Statussymbole seine Schichtzugehörigkeit.1 Dieser Prestigegedanke förderte die Stabilität des auf das Zensussystem gestützten Staates und der Gesellschaft. In der Kaiserzeit repräsentierte der Kaiser durch Zurschaustellen des eigenen Reichtums seine Macht, begann aber auch die breite Gesellschaft am Luxus teilhaben zu lassen, um so das Wohlwollen des Volkes zu erlangen. Ob in Form von Statuen, Arenen, Spielen, Festen oder Bädern ermöglichte er nahezu jedem römischen Bürger den Zugang zu öffentlichem Luxus. Dieser manifestierte sich im Alltag der Menschen und war zumindest in Rom stetig präsent. Aber auch im Privatem schmückten sich die, die es sich leisten konnten, mit Luxus. Mit Villen, Mosaiken oder kostbarem Schmuck trug man den eigenen Reichtum zur Schau. Die Entwicklung der Luxusgüter, die sich dabei vollzog, ist beachtlich. Zum einen wurde Alltägliches zu Perfektion und Prunk getrieben, wie die komplexen Thermenbauten der Kaiserzeit beweisen. Zum anderen erweiterte sich mit dem Wachstum des Reiches auch das Angebot an Luxusgütern. Sie reichten von Tafelluxus mit seltenen, kostbaren Speisen aber auch wertvollem Tafelsilber oder Gläsern über Kunstgegenstände und Kleider aus kostbaren Geweben wie Seide oder Purpur hin zu Schmuck und Parfum.2 Wichtige Einflussfaktoren waren dabei technisches Wissen, Fähigkeiten und ausreichend Rohstoffe und Arbeitskräfte. Die wohl stärkste Ablehnung des Luxus findet sich in der Literatur. Historiographen wie Sallust oder Livius, aber auch Philosophen wie Seneca schreiben von einem engen Zusammenhang zwischen luxuria und avaritia und sehen in diesem Sittenverfall sogar die direkte Ursache des Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius im 1 Jh. v. Chr.3

3. Römische Thermen

3.1 Entwicklung

Der Ursprung der Thermen liegt in Griechenland. Dort zu Beginn als θερμ ὸ ν λουτρόν bezeichnet wurde das Adjektiv später von den Römern übernommen, substantiviert und als geläufiger Begriff für Badekomplexe rücküberführt. Aus dem 5. Jh. v. Chr. sind sehr bescheidene griechische Badeanlagen überliefert, die häufig nur aus einfachen Sitzbädern oder runden Schwitzräumen bestanden.1 Dabei erhitzte ein schlichter Holzkohleherd den Raum. Anschließend kühlte man sich mit kaltem Wasser ab. Die einzelnen Becken wurden meist noch mit Eimern und anderen Gefäßen befüllt2 und dienten primär der Gesundheit und Hygiene. Frühe Bäder sind zum Beispiel für Olympia, Eretria oder Aigina überliefert. Die ersten römischen Bäder entwickelten sich in Kampanien, da dort römische und griechische Kultur erstmals aufeinander trafen, sich vermischten3 und zusätzlich die Warmwasserquellen genutzt werden konnten.4 Sie orientierten sich an den griechischen Bädern und waren meist nicht mehr als einzelnen Räume mit Waschbecken und Sitzwannen. In der späten Republik im 2. Jh. v. Chr. etablierten sie sich in privaten Villen der Oberschicht, wie der Casa del Fauno oder der Villa dei Misteri in Pompeji. Mit den Stabianer Thermen entstanden hier um 150 v. Chr. auch die ersten öffentlichen Thermen.5 Der Aufbau dieser ursprünglichen Bäder findet sich bei Plinius sehr detailliert beschrieben und stellt seit der späten Republik einen verbindlichen Typus dar.6 In seinem Brief an Domitius Apollinaris beschreibt er die Raumfolge seiner Villa in Etrurien, deren Badetrakt dem Grundbauprogramm der meisten römischen Thermen entsprach.7 Da sich dieses Konzept aus der Benutzung der Anlagen ergab, liefert es auch Aufschluss über den Ablauf eines Thermenbesuchs.

Dem Apodyterium, dem Auskleideraum, folgte ein Kaltbaderaum, der ein geräumiges Becken beinhaltete. Danach durchschritt man einen Raum mit mittlerer Temperatur, das Tepidarium, um schließlich in den Warmbaderaum, das sogenannte Caldarium, zu gelangen. Für Ballspiele und andere körperliche Ertüchtigungen stand eine Palästra bereit.8

An diesem festen Aufbau hat sich in der weiteren Entwicklung der Thermenanlagen nichts Wesentliches geändert. Durch verschiedene Anordnung und gegebenenfalls der Verdopplung einzelner oder mehrerer Räume kristallisierten sich bestimmte Thermentypen heraus, auf die hier im Einzelnen nicht eingegangen werden soll.9

Das Prinzip einer jeden Therme ist eine Art Kreislauf, ein Wechsel zwischen warmen und kalten Räumen, der damals wie heute als gesundheitsfördernd gilt. Bei dem antiken Arzt Galenos von Pergamon findet sich eine Schilderung des Badeablaufes und der heilenden Wirkung.1 Zusätzlich kam durch das Waschen ein nicht zu unterschätzender hygienischer Aspekt hinzu, um Krankheiten vorzubeugen.

Mit der weiträumigeren Einführung des Hypokaustum im 2. / 1. Jh. v. Chr. wurde ein technischer Schritt erreicht, der die Entwicklung der Thermen ungemein förderte und den Badebetrieb grundlegend änderte.2 Die Räume wurden nun nicht mehr durch große Feuerbecken erwärmt, sondern indirekt über Fußboden und Wände geheizt.3 Dabei wurde der Boden des Raumes durch Hypokaustenpfeiler aus Naturstein oder Ziegeln erhöht, auf denen zuerst die Bipedales, zwei Fuß große Ziegel, verlegt wurden und dann Estrich aufgetragen wurde. Dieser teilweise über 20 cm dicke Fußboden war in der Lage, die Wärme äußerst lange zu speichern.4 Im dabei entstandene Hohlraum unterhalb dieser schwebenden Böden, auch Suspensurae genannt, wurde eine Feuerstelle eingerichtet, das Praefurnium. Die Hitze breitete sich durch den Heizkanal im gesamten Raum aus. Je nach Baumaterial erreichte so die Fußbodenoberfläche eine Temperatur von 30-40 °C.5 Die Heizgase verbrannten bei geschickter Befeuerung fast rückstandslos.6 Die im 1. Jh. n. Chr. erfundenen Tubuli, in der Wand verbaute Hohlziegel, konnten neben der Nutzung der Abwärme zum zusätzlichen Beheizen der Wände auch als Schlot dienen.7 Außerdem isolierten sie die Räume nach außen und „verhinderten dadurch eine Schwitzwasserbildung, die das Gewölbe und die Stuckornamente gefährdet hätte.“8

Bei der Planung der Thermenanlagen wurde darauf geachtet, dass die zu beheizenden Räume möglichst nahe zusammen lagen, um sie mit wenigen Praefurnia befeuern zu können.9 Im Laufe der Zeit lösten sich die Römer von den Traditionen der Griechen, optimierte die eingesetzte Technik und etablierte eigenen Badegewohnheiten. So hatte man im 1. und frühen 2. Jh. n. Chr. die beheizten Suspensurae soweit verbessert, dass das Caldarium durch die hohe Raumtemperatur bei kleineren Bädern den Schwitzraum, das Sudatorium, vollkommen ersetzte10 und dieser schon bald als veraltet galt.11

[...]


1 Sofern nicht anders angegeben dient D. Krencker - E. Krüger - H. Lehmann - H. Wachtler, Die Trierer Kaiserthermen (Trierer Grabungen und Forschungen 1), Augsburg 1929 als Referenzwerk der Grundrisszeichnungen.

2 W. Pfeifer u.a., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 1989, 1039.

3 Glare, P. G. W. (Hg.), Oxford Latin Dictionary, Oxford 1968-1982, 1054.

4 M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 659.

1 K.-W. Weeber, Luxus im alten Rom, 7.

2 Vgl. P. Veyne, Brot und Spiel, 217-219.

3 Vgl. Sall. Catil. 5, 8; Liv. 34, 4, 3; Sen. epist. 90, 36.

1 T. Hölscher, Klassische Archäologie Grundwissen, 152.

2 Ebd.

3 I. Nielsen, DNP 12/1, 2002, 417.

4 W. H. Gross, KlP 5, 1975, 741.

5 C. Krause, LAW 3, 1990, 3060.

6 Apotyterium - Frigidarium - Tepidarium - Caldarium vgl. T. Hölscher, Klassische Archäologie Grundwissen, 152.

7 Plin. epist. 5, 6, 25.

8 Plin. epist. 5, 6, 25 frei wiedergegeben nach der Übersetzung von H. Kasten, Zürich 71995.

9 Für eine Übersicht der einzelnen Typen siehe D. Krencker, in: Die Trierer Kaiserthermen, 177-180.

1 Gal. meth. therap. 11, 10.

2 Der ältestes Fund einer Hypokauste stammt aus Gortys um 300 v. Chr., T. Hölscher, Klassische Archäologie, 152.

3 C. Krause, LAW 3, 1990, 3061.

4 W. H. Heinz, Römische Thermen, 187, 189.

5 Angaben nach S. Grunauer, Thermen und öffentlicher Badebetrieb, 52.

6 W. H. Heinz, Römische Thermen, 187.

7 C. Krause, LAW 3, 1990, 3061. Seneca. Epist. 90, 25.

8 S. Grunauer, Der altsprachliche Unterricht 20, 3, 1977, 52.

9 Vitr. 5, 10, 1.

10 W. H. Heinz, Römische Thermen, 189.

11 Strab. 3,154.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Luxus im Alltag des antiken Roms
Untertitel
Römische Thermen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften )
Veranstaltung
Basismodul Alte Geschichte: Technik in der Antike
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V201205
ISBN (eBook)
9783656296782
ISBN (Buch)
9783656296843
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Am Beispiel der Entwicklung einfacher Bäder hin zu den römischen Kaiserthermen wird gezeigt, wie man sich in Dimension und Ausstattung der Thermen, in ihrem Verbrauch, ihrer Benutzung und ihrem Zweck immer weiter von der ursprünglichen Idee entfernte und ein fast alltägliches Luxusgut schaffte.
Schlagworte
luxus, alltag, roms, römische, thermen
Arbeit zitieren
Christoph Kehl (Autor), 2010, Luxus im Alltag des antiken Roms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201205

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