Das Bild des Lehrers im Wandel der Zeit. Aufgezeigt an ausgewählten Printmedien


Bachelorarbeit, 2012
47 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Lehrer in den 50er bis 90er Jahren
2.1 Die Nachkriegszeit
2.2 Die 1950er Jahre
2.3 Die 1960er Jahre
2.4 Die 1970er Jahre
2.5 Die 1980er Jahre
2.6 Die 1990er Jahre

3. Die Berichterstattung über Lehrer in den Jahren 1990 bis 2000.

4. Die Berichterstattung über Lehrer in den Jahren 2000 bis 2012.

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis.Seite
6.1 Bücher
6.2 Zeitungsartikel.Seite
6.3 Internet.Seite

7. Selbstständigkeitserklärung.

8. Anhang.
8.1 Digitalisierte Version der Bachelorarbeit.Seite

1. Einleitung

Einer in den Medien wohl unter den bekanntesten und im Zusammenhang mit Lehrern und Lehrerinnen[1] besonders gern zitierter Ausspruch ist wohl:

„Vormittags Recht und Nachmittag frei!“

Aus diesen und ähnlichen Sprüchen schöpft sich meine Motivation eine Bachelorarbeit über das Lehrerbild in der Öffentlichkeit zu schreiben. Sie entspringt zusätzlich aus dem Umstand, dass ich selbst das Ziel habe, in den Lehrerberuf einzutreten und in diesem Zusammenhang aus den meist gleichen Reaktionen von Mitmenschen außerhalb des Kreises meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen, wenn ich denen erzähle, Lehramt zu studieren. Dabei treten häufig die immer gleichen Phrasen über den Beruf des Lehrers auf, die sich mit dem vorne angeführten Zitat nahezu alle zusammenfassen lassen. Beispielhaft für Äußerungen dieser Art sind auch solche:

„Nicht schlecht, dann kannst du ja später immer lange in Urlaub fahren, mit den ganzen Ferien!“

Ganz selten, wenn nicht sogar kaum existent, sind Reaktionen, die zwar die Bedeutung der Arbeit anders einschätzen, allerdings darin nicht Gutes sehen und eher bemitleidend klingen, als anerkennend.

„Warum tust du dir das denn freiwillig an? Ist doch grausam bei den Schülern heutzutage!“

Es scheint also so zu sein, dass das Lehrerbild sehr stark polarisiert und es deshalb nur diese beiden extremen Standpunkte gibt, die von Außenstehenden wahrgenommen und vertreten werden. Die Möglichkeit, dass der Lehrerberuf eine Arbeit wie jeder andere Sozialberuf ist, in dem es mal Höhen und mal Tiefen gibt, wird wie mir scheint völlig ausgeblendet.

Die Zielsetzung dieser Bachelorarbeit ist deshalb, herauszuarbeiten ob es Entwicklungen im Lehrerbild der Öffentlichkeit gegeben hat und welchen Einfluss die Printmedien dabei gehabt haben könnten. Trifft diese Prämisse zu, soll des weiteren auf die Ursachen dieser Entwicklungen eingegangen werden. Dazu möchte ich versuchen, das Bild des Lehrer in der Öffentlichkeit, also was er dem Glauben der Öffentlichkeit nach ist und macht, über die Jahre hinweg aufzuzeigen.

Dafür werde ich zu Beginn die Entwicklung des Lehrerbildes von 1950 bis 1990 vor dem Hintergrund der jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen im Verlauf darstellen. Als Grundlage für die Darstellungen dienen dabei vor allem die Forschungen von Carla Schelle und jene von Sabina Enzelberger sowie Berthold Gerner.

Für die Abschnitte der Zeiträume von 1990 bis 2000 sowie 2000 bis 2012 habe ich Artikel und Onlinebeiträge diverser Zeitungshäuser gesichtet und geordnet. Auf dieser Basis wird das Lehrerbild, welches sich mit dargestellt hat, aufgezeigt und mit den Quellen argumentativ untermauert. Auf eine vollständige Erfassung aller Quellen kann ich dabei keinen Anspruch erheben, da dies im vorgegebenen zeitlichen und formalen Rahmen nicht möglich gewesen wäre. Zusätzlich habe ich für letzteren Abschnitt, von 2000 bis 2012, Vergleiche mit den jeweils zu dieser Zeit aktuellen Allensbach-Studien angestellt.

Die Beschaffung der Quellen ist, durch die gute Zugänglichkeit bedingt, im größten Teil durch Recherche in den Onlinearchiven von beispielsweise, ZEIT, SPIEGEL, SÜDDEUTSCHE, STERN und FOCUS erfolgt. Auch an dieser Stelle habe ich eine Einschränkung vorgenommen, denn ich habe ausschließlich mit den folgenden Suchbegriffen in diversen sinnvollen Kombinationen gearbeitet:

„Lehrer“; „Lehrerbild“; „Wandel“; „Öffentlichkeit“; „Zeit“

Aus der großen Vielzahl an Treffern, die sich aus dieser Art der Suche ergab, habe ich der Zielsetzung entsprechende Selektionen der Ergebnisse vorgenommen. Zusätzlich dazu, habe ich nur Artikel einbezogen, die Rückschlüsse auf ein Lehrerbild im allgemeinen zugelassen haben, beziehungsweise auf eine Intention der jeweiligen Quelle Ausschluss gaben. Einzelfälle in Zusammenhang mit Missbrauch an Schutzbefohlenen, Gewalt gegen Lehrer oder Schülern und ähnlichem wurden bewusst außen vor gelassen, da dies den Rahmen des für die Bachelorarbeit leistbaren überschritten hätte. Die Leitfrage dieser Bachelorarbeit ist somit am besten mit einem Zitat aus Karl Jaspers Werk „Wohin treibt die Bundesrepublik?“ aus dem Jahr 1966 zusammenzufassen:

„Es ist das Schicksal eines Volkes, welche Lehrer es hervorbringt und wie es seine Lehrer achtet.“

2. Der Lehrer in den 1950er bis 1990er Jahren

Vor dem eigentlichen Hauptteil, der Betrachtung der Jahre 1990 bis 2012, soll ein kurzer Rückblick auf den Wandel des Lehrerbildes von den 1950er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre vorangestellt sein. Dabei werden kurz die jeweiligen gesellschaftlichen Umstände, dass vorherrschende Lehrerbild oder bedeutende Neuerungen und Veränderungen in diesem Zusammenhang dargestellt.

Wie bereits erwähnt, dienten dabei dir Arbeiten von Carla Schelle (Daraus Herbert Gudjons und Ulrich Herrmann) und jene von Sabina Enzelberger sowie Berthold Gerner als Grundlage.

2.1 Die Nachkriegszeit

Die Voraussetzungen und Umstände, welche sich nach dem Zweiten Weltkrieg an nahezu allen deutschen Schulen darboten, waren alles in allem äußerst ungünstig. Das deutsche Bildungswesen litt sehr an einem „[…] materiellen und auch geistigem Notstand“.[2]

Dieser „materielle Notstand“ ist dabei nach Enzelberger besonders an der Ausstattung der Schulgebäude zu erkennen, sofern diese überhaupt noch standen oder verwendbar waren. Dazu kam, dass auch die Schüler, sowie die Lehrer nicht ausreichend mit Schul- und Unterrichtsmaterial ausgestattet waren, um nach den damaligen Standards angemessen zu unterrichten. So mussten Lehrer sich glücklich schätzen, wenn ein Schüler überhaupt etwas zu schreiben dabei hatte. „Manche Lehrer griffen zu Selbsthilfe und verteilten Tüten, unbedruckte Ränder von Zeitungen, einseitig beschriebene Geschäftsbriefe und Zeitschriften, sowie leere Kalenderblätter als Schreibpapier an die Schüler und Schülerinnen.“ [3] Erst mit Inkrafttreten der Währungsreform waren wieder Hefte und Schreibutensilien erhältlich und bezahlbar.

Die Entstehung des „geistigen Notstandes“ führt Enzelberger, in Berufung auf Köhle 1990, darauf zurück, dass der größte Teil des Lehrkörpers überaltert war und ein noch größerer Teil von nahezu 90% im Rahmen der Entnazifizierung als „verwendungsunfähig“ eingestuft worden war.[4] Ein Umstand, der noch erschwerend dazu kam, war, dass das Vorhandensein von Schulbüchern vergleichbar selten war, wie bei den Schreibutensilien.[5] Als bildungspolitisch interessant galten nach der Befreiung vom Nationalsozialismus vor allem die Ideen der durch das Regime unterdrückten Gruppierungen. So strebten SPD, KPD und bestimmte Lehrerverbände in der Folge gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle, ein Einheitsschulsystem und vor allem den Abbau des nationalsozialistischen Gedankenguts bei Lehrern und Schülern an. Das übergreifende Ziel dieser, durch die Alliierten unterstützten Reformbewegung, war „[…] eine grundlegende Demokratisierung des deutschen Schulsystems, die auf Dauer eine aggressive, expansionistische und faschistische deutsche Politik verhindern helfen sollte“. [6]

Viele Lehrer wurden zu dieser Zeit in Folge ihrer Erlebnisse mit dem Nationalsozialismus und der Entnazifizierung regelrecht apathisch und resignierten. Aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit durch die Einschätzung als „[…] nicht mehr verwendungsfähig“ verarmten im Anschluss viele von ihnen.[7]

2.2 Die 1950er Jahre

Nachdem 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft trat, verringerte sich auch der Einfluss der Alliierten auf die deutsche Bildungspolitik. Durch das sogenannte Wirtschaftswunder kam es zu dieser Zeit allerdings erst einmal zu einer Stagnation der Reformbewegung, da an die „[...] Qualifikationen der Arbeitskräfte und das Schulwesen keine besonderen Anforderungen gestellt wurden“.[8] Dies wirkte sich dementsprechend auch auf die Anforderungen an die Lehrer und Lehrerinnen der fünfziger Jahre aus. Es gab keinerlei Anlass sich zu beschweren oder Ursachen für gesellschaftliche Probleme zu suchen, da Deutschland zu dieser Zeit wirtschaftlich sehr gut aufgestellt war und zeitweise sogar Vollbeschäftigung erreicht wurde.[9]

In den fünfziger Jahren galt der Lehrerberuf noch als gut bezahlter Halbtagsjob, er genoss ein hohes Ansehen und es bestanden keinerlei Zweifel an seiner Autorität. Dessen ungeachtet gab es damals schon Abstufungen im Ansehen, abhängig von der Schulform. So lag das Ansehen eines Volksschullehrers vom Prestige her unter der Spitzengruppe aus Professoren, Ärzten und Regierungsräten, aber beispielsweise über kaufmännischen Berufen und technischen Angestellten sowie Fachschulingenieuren. Ein Gymnasiallehrer allerdings wurde durchaus am unteren Rand der Spitzengruppe gesehen und stand im Ansehen somit um einiges höher als ein Volksschullehrer. Daraus geht hervor, dass „[...] der Volksschullehrer in den 1950er Jahren nicht viel weiter als im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhundert“ war.[10] Das höhere Sozialprestige der Gymnasiallehrer gegenüber den Volksschullehrern ist vor allem durch die Tatsache zu begründen, dass damals die Ausbildung der Gymnasiallehrer, im Gegensatz zu der von Grundschullehrern auf einem wissenschaftlichem Studium an einer Universität aufbaute und anschließend eine zweite, praktische Ausbildungsphase folgte.[11]

2.3 Die 1960er Jahre

Gegen Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre waren nahezu alle Kriegsschäden beseitigt und das Bildungssystem in seiner alten Form war wieder hergestellt, sodass ein geregelter Schulablauf wieder möglich war.[12]

In den Jahren 1964 bis 1969 wurde darüber hinaus die Volksoberschule zur Hauptschule aufgewertet um, statt einer Schule die nur für untere Bildungsschichten gedacht war, „[...] eine Schule des gesamten Volkes zu bieten“. Dazu kam eine Verwissenschaftlichung und Verlängerung der Dauer der Volksschullehrerausbildung, wobei auch die Besoldung angehoben wurde, aber weiter hinter der eines Studienrates zurückblieb. Ziel der Reform war es, sich von den „[…] kulturkritischen, volkstümlichen, überalterten und am praktischen Tun orientierten Bildungsidealen durch theoretisch-wissenschaftliche Inhalte den Anforderungen der Gymnasien und Realschulen anzunähern“.[13] Aus der Erkenntnis heraus, dass das traditionelle Begabungskonzept den Ansprüchen der fortschreitenden Modernisierung der modernen Lebens- und Arbeitswelt nicht mehr gerecht würde, wurden altertümliche Bildungsinhalte durch neue theoretisch wissenschaftliche Bildungsinhalte in allen Schulformen ersetzt.[14] Zusätzlich durch den enormen sozialen Anstieg der letzten Jahrzehnte, ist mit den 1960er Jahren ein neuer Typ Volksschullehrer entstanden, der nicht mehr als „armer Dorfschulmeister“ zu sehen ist, sondern als „[...] angesehener und gut situierter Berufsinhaber in einer gesicherten beamtenrechtlichen Position“. [15]

Im Vergleich mit den Jahren davor, beginnt das Ansehen der Lehrer zu dieser Zeit trotz aller Verbesserungen zu schwinden. Erstmals wird der Studienrat nicht mehr am unteren Rand der Spitzengruppe gesehen, sondern ganz außerhalb der Oberschichtberufe (Arzt, Professor, Pfarrer ) eingeordnet. Doch auf der anderen Seite genossen die Volksschullehrer erstmals sogar ein höheres Ansehen als die Gymnasiallehrer.[16]

2.4 Die 1970er Jahre

In den 70er Jahren, wurde eine neue Zielsetzung der Bildung festgelegt, die beinhaltete, dass alle sozialen, regionalen, konfessionellen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten abgebaut werden sollten. Dazu kamen noch Demokratisierung, Humanisierung, Wissenschaftsorientierung und eine Anhebung des gesamten Ausbildungsniveaus, sowie eine Veränderung von einem vertikalem zu einem horizontalen Schulsystem.[17] Ein vertikales Schulsystem, wie wir es in Deutschland zum Beispiel haben, differenziert sich nach der vierten Klasse in verschiedene Schultypen auf, wohingegen das horizontale, wie in den USA, keine Unterscheidung vornimmt und alle Schüler gleichen Alter die selbe geregelte Schulreihenfolge durchlaufen. Die meisten dieser Ansätze scheiterten allerdings an der Finanzierung, oder wurden wegen dringenderen Themen der Politik hinten angestellt. Exemplarisch für politische Themen mit höherer Priorität sind Arbeitslosen-und Renten- sowie Energie und Umweltpolitik.

Doch die 70er Jahre zeichneten sich auch dadurch aus, dass durch den „Pillenknick“ die Schülerzahlen einbrachen und der Bedarf an Lehrern somit gesättigt war.[18] Diejenigen die eine Anstellung hatten, konnten sich über gute Resonanz in der Bevölkerung freuen. In einer repräsentativen Umfrage im Jahre 1975 stellte sich heraus, dass dem Lehrer an sich eine Reihe von durchaus positiven Eigenschaften zugesprochen wurden. Es scheint, dass er „[...] für seine schwierige Aufgabe durchaus gut gerüstet zu sein scheint“.[19] Hinsichtlich des Prestiges war der Volksschullehrer in den Umfragen noch immer vor dem Studienrat platziert, wenn auch sowohl der Volksschullehrer als auch der Studienrat, erstaunlicherweise trotz der guten Resonanz in der Öffentlichkeit, beide stark abgerutscht waren.

Aus der dringenden gesellschaftlichen Notwendigkeit heraus, das Niveau der Volksschullehrerausbildung anzugleichen, wurde begonnen die Ausbildung der Volksschullehrer in die Universitäten zu integrieren. Dieser Prozess war bis zum Ende der 1980er Jahre beendet und die Volksschullehrerausbildung war von nun an vergleichbar mit dem Niveau der Ausbildung eines Gymnasiallehrer.[20]

2.5 Die 1980er Jahre

Die Arbeitsbedingungen für Lehrer in den 1980er Jahren waren vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es in erster Linie schon mal schwer war, überhaupt eingestellt zu werden. Denn die in den 1970ern begonnene Lehrerarbeitslosigkeit hatte sich in den folgenden Jahren noch weiter verstärkt. In der Konsequenz mussten sich viele mit Zeitverträgen abfinden, die sie zwar die gesamte Verantwortung tragen ließen, aber kaum genug Geld einbrachten, sodass sich die soziale Lage nahe zu wieder auf das Niveau des „[…] armen Schulmeisters“ senkte.[21] Aber auch diejenigen die einen Arbeitsplatz bekamen hatten es nicht bedeutend leichter. So betrug die Arbeitsstundenzahl einer Woche nicht selten 45 oder 48 Stunden.[22] War der Beruf also in den 1950er Jahren tatsächlich noch ein gut bezahlter Halbtagsjob, sah die Situation, die Arbeitszeiten betreffend, 1980 bereits ganz anders aus.

Durch die restriktive Einstellungspraxis, die bereits in den 1970ern betrieben wurde, zeichnete sich schon in den 1980er ein Problem ab, welches uns bis heute noch Sorgen bereitet und damals ebenfalls für Unmut sorgte. Denn durch den Einstellungsstopp, beziehungsweise die sehr geringe Einstellung von neuen Lehrern, entstanden Lehrerkollegien, die sich durch abnehmende Reformbereitschaft auszeichneten und nicht selten einen Altersdurchschnitt von 45 bis 55 Jahren hatten. „Die Kinder und Jugendlichen hatten es überwiegend mit einer Art 'Großeltern-Generation' zu tun, die eine produktive Auseinandersetzung unterschiedlicher Generationen nahezu unmöglich machten.“ [23]

Auch waren die Anforderungen, die an einen Lehrer gestellt wurden, bereits in den achtziger Jahren sehr umfangreich.[24]

„[...] Die Tätigkeiten sind überkomplex, sie reichen vom gleichzeitigen Anspruch der Förderung und der Auslese über Stoffvermittlung, Erziehen, Motivierung, Disziplinierung, Individualisierung bis hin zur Steuerung von Gruppenprozessen, - dies alles bei einem mit hohen Selbstanforderungen versehenen beruflichen Status, der im Vergleich mit anderen akademischen Berufsgruppen allenfalls eine mittlere Position in der Rangreihe einnimmt[...]“. [25]

Eine weitere Veränderung war, dass seit Beginn der 1980er die Lehrerpersönlichkeit nun als „[...] vernachlässigbare Größe in der Erziehung galt“.[26] Der Trend ging damit weg von den Versuchen die perfekte Lehrerpersönlichkeit als „[…] Bündel komplexer Persönlichkeitseigenschaften“ zu finden hin zu der Idee vom „[…] kompetenten Fachmann mit nur begrenzten Einfluss“.[27]

Das Ansehen, welches der Lehrerberuf in den 1980ern für sich beanspruchen konnte, war nur sehr gering, denn das Bild vom typischen Lehrer, das in der Öffentlichkeit grassierte, führte sogar dazu, dass viele Lehrer angaben, nicht gerne als Lehrer erkannt zu werden. Sie wurden klischeehaft oft als „[...] besserwisserisch und belehrend, als verknöchert, lebensabgewandt oder hart und schließlich als beruflich wenig engagiert gesehen“. [28]

2.6 Die 1990er Jahre

Die Rolle der Lehrer hat sich in den 1990er Jahren erstmals bedeutend verändert. Diese Veränderungen resultierten aus der Forderung nach einem neuen Lehrerleitbild, welches wiederum durch die bereits in den 1970ern beginnende Bildungsexpansion und den neuen Sozialisations- und Lebensbedingungen Notwendigkeit erlangte. Aufgrund der neuen und andersartigen Zusammensetzung der Schülerschaft, stiegen die didaktischen und erzieherischen Ansprüche an die Lehrer sehr stark an. Von den Lehrern wurde erwartet, dass sie soziale, regionale, geschlechtsspezifische und ethnische Ungleichheiten, die neu entstanden waren, entgegenwirken.[29] Die Aufgabenbereiche des Lehrers waren zwar in der ersten Linie noch immer zu unterrichten, allerdings kamen nun zur Wissensvermittlung auch Bereiche wie Erziehen, Beraten und Beurteilen dazu.[30]

Die neunziger Jahre zeichneten sich vor allem aber auch dadurch aus, das die Idee der Lehrerrolle von einer stark autoritären Persönlichkeit hin zur Idee eines kompetenten Fachmannes wechselte, dessen zwar sehr begrenzter Einfluss auf Schüler stark an Bedeutung gewinnt.

Was das Prestige angeht, so lag seitdem es die Volksschule seit dem Hamburger Abkommen von 1964 formal nicht mehr gab (an ihre Stelle trat die Kombination von Grund- und Hauptschule), der Grundschullehrer im Prestige vor dem Gymnasiallehrer.[31] Ursachen für den anhaltenden Imageverlust der Gymnasiallehrer sind in der Bildungsexpansion zu finden. Durch die höherer Durchlässigkeit des Schulsystems und die somit gestiegenen Schülerzahlen an Gymnasien und die damit verbundenen erhöhten Abschlusszahlen, verliert die Öffentlichkeit die Ansicht vom Gymnasium als elitäre Einrichtung.[32]

Das Gymnasium wandelte sich von einer „[…] exklusiven Schulform der männlichen Elitebildung“ der 1950er zu einer „[…] quantitativ und qualitativ sehr bedeutsamen Schulform“ der 1990er Jahre.

Die für viele Lehrkräfte wohl bemerkbarste Veränderung, ist die seit den 1990er Jahren stark zunehmende und im weiteren Verlauf der Arbeit dargestellte, „Lehrerschelte“ in den Medien.[33]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abschließend lässt sich für die Jahre 1950 bis 1990 festhalten, dass das Lehrerprestige in diesem Zeitraum einen dramatischen Niedergang erlitten hat. Anhand der folgenden Tabelle[34] ergibt sich, dass dies sowohl für den Grundschullehrer, als auch für den Studienrat gilt. Auffallend ist dabei, das der Grundschullehrer, wie bereits erwähnt, seit den 1960er Jahren in Umfragen durchgehend über dem Studienrat platziert ist. Während der Studienrat seit den 1990er Jahren auch weiterhin an Prestige verloren hat, steigerte sich das des Grundschullehrers erstmals wieder und erreicht etwa die Werte aus den 1960er Jahren.

3. Die Berichterstattung über Lehrer in den Jahren 1990 bis 2000

Der Eindruck den man von der Berichterstattung der 1990er Jahre über den Lehrer bekommen konnte, war stark abhängig von den Quellen die man dazu betrachtet hat. Die ZEIT und die SÜDDEUTSCHE beispielsweise, zeichneten sich durch eine liberalere Herangehensweise aus als der SPIEGEL und der FOCUS. Sie hinterfragten oft die Umstände während, wenn man der Berichterstattung von SPIEGEL und FOCUS glauben schenkte, Deutschlands Bildung sowie das Lehreransehen zu dieser Zeit nahezu keine Zukunft mehr hatte.

Stellvertretend für den Stil der Magazine SPIEGEL und FOCUS war der Artikel „Projekte am Teich“ aus SPIEGEL ONLINE[35] aus dem Jahr 1990. Die Hauptthese des Beitrages war, „Jede vierte Unterrichtsstunde fällt aus, weil Lehrer sich so viele Freistunden nehmen dürfen.“

Das Wort führte das Magazin allerdings nicht selber, sondern verwies auf Otto Rundel in seiner Rolle als Präsident des Rechnungshofes von Baden-Württemberg. Dieser hätte sich gefragt, was die Pflege eines Schulteiches mit den Pflichten eines Lehrers zu tun hätte und warum Lehrer das Stundenpensum gekürzt bekommen, „[…] nur weil sie einen Fotokurs betreuen oder den Schlüssel für die Turnhalle verwahren.“

In diesem System des „[…] Freizeit-Ausgleichs der Pädagogen“ sei „[...] kaum verständlich, dass den Lehrern Stunden erlassen würden, wenn sie etwa die Schülerzeitung, eine Theatergruppe oder das 'Bemalen des Schulhofs' betreuten.“

Als Folge daraus, koste dies allein den baden-württembergischen Steuerzahler beinahe 700 Millionen Mark. Den Lehrer, so Rundel weiter, störe das kaum denn „[…] viele Lehrerkollegien haben sich offenbar an einen großzügigen Stundenerlaß für Nichtigkeiten gewöhnt und betrachten ihn schon als sozialen Besitzstand.“

Zum Schluss des Artikels lässt das Magazin den Kultusminister von Nordrhein-Westfalen Hans Schwier mit folgendem Zitat zu Wort kommen:

„Wer glaubt, Zuwendung zu Kindern und Jugendlichen sofort in Entlastungsstunden umrechnen zu müssen, der hat den Beruf verfehlt.“

Damit erweckt der Artikel den Anschein, als könnte sich ein Lehrer so viele Stunden vom Hals schaffen wie er will, wenn er nur andere Tätigkeiten, die vom SPIEGEL als Freizeit oder Nichtigkeiten bezeichnet werden, annimmt. Damit, so die Quintessenz, wäre dem Lehrer ein Mittel an die Hand gegeben mit dem er sich erfolgreich und ohne Reue, auf Kosten der Steuerzahler vorm Unterrichten drücken könne. Damit stieß er allen Lehrern vor den Kopf, die sich nicht aus böser Absicht, sondern aus Spaß an der Sache Schülerprojekten annahmen.

[...]


[1] In der Folge wird der Einfachheit halber das generische Maskulinum verwendet.

[2] Enzelberger S.188.

[3] Ebd. S. 188.

[4] Vgl. Ebd. S.189.

[5] Ebd. S. 188ff

[6] Ebd. S. 189.

[7] Ebd. S. 190.

[8] Ebd. S. 193.

[9] Ebd. S. 203.

[10] Enzelberger S. 199-200.

[11] Ebd. S.197.

[12] Ebd. S. 195.

[13] Ebd. S. 201-202.

[14] Ebd. S. 325-327.

[15] Ebd. S. 329.

[16] Ebd. S. 224.

[17] Ebd. S.205.

[18] Ebd. S. 209.

[19] Barz, Heiner; Singer Thomas In: Die Deutsche Schule S. 444.

[20] Enzelberger S.325-327.

[21] Ebd. S. 209.

[22] Vgl. Schelle S. 33.

[23] Vgl. Ebd. S. 39.

[24] Vgl. Ebd. S. 33.

[25] Zitiert nach Gudjons, In: Schelle S.36.

[26] Vgl. Schelle S. 41.

[27] Vgl. Ebd. S. 46.

[28] Zitiert nach: Enzelberger S. 227.

[29] Vgl. Enzelberger S. 328.

[30] Ebd. S. 275.

[31] Ebd. S. 226.

[32] Ebd. S. 238.

[33] Ebd. S. 280.

[34] Internet 1: http://www.gew-hb.de/

[35] Internet 2: SPIEGEL ONLINE „Projekte am Teich“.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Das Bild des Lehrers im Wandel der Zeit. Aufgezeigt an ausgewählten Printmedien
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1.3
Autor
Jahr
2012
Seiten
47
Katalognummer
V201308
ISBN (eBook)
9783656629337
ISBN (Buch)
9783656629306
Dateigröße
1170 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, lehrers, wandel, zeit, aufgezeigt, printmedien
Arbeit zitieren
Simon Steuer (Autor), 2012, Das Bild des Lehrers im Wandel der Zeit. Aufgezeigt an ausgewählten Printmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201308

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