Britannien unter der Herrschaft des Claudius


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Britannien in der Zeit vor der römischen Invasion im Jahr 43 n. Chr.

3. Der Britannienfeldzug des Claudius

4. Britannien unter der Statthalterschaft von Aulus Plautius und Publius Ostorius Scapula

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die fast 400 Jahre währende römische Herrschaft stellt einen bedeutsamen Teil der Geschichte Britanniens dar. Zum einen entwickelte sich in diesem Zeitraum eine ganz eigene römisch-britannische Kultur.1 Zum anderen begann erst mit den Eroberungsversuchen durch die Römer die eigentliche Geschichte Britanniens, da erst ab diesem Zeitpunkt schriftliche Quellen überliefert sind.2

Die Grundlagen der römischen Herrschaft wurden von Kaiser Claudius gelegt. Denn unter seiner Regentschaft gelang es, einen bedeutenden Teil Britanniens zu unterwerfen und zu einer römischen Provinz zu machen.3 Claudius war jedoch nicht der erste römische Kaiser, der die Eroberung Britanniens anstrebte. Bereits Caesar hatte den Versuch unternommen, Britannien unter römische Kontrolle zu bringen. Die zwei zu diesem Zweck in den Jahren 55 und 54 v. Chr. durchgeführten Invasionen scheiterten aber und Britannien blieb außerhalb des römischen Einflussbereiches. Auch Caesars Nachfolger Augustus fasste die Annexion Britanniens ins Auge, konnte sie aber letztlich ebenso wenig umsetzen wie sein Adoptivvater.4 Gleichermaßen waren auch die folgenden Kaisern nicht in der Lage, die britannische Insel zu erobern. Während Tiberius schlichtweg kein Interesse an einer Invasion hatte, unternahm Caligula 40 n. Chr. zwar den Versuch der Überfahrt nach Britannien, scheiterte aber an der Angst seiner Soldaten vor einer zu diesem Zeitpunkt wenig bekannten Welt.5 Erst unter Claudius gelang es römischen Truppen ab dem Jahr 43 n. Chr., Britannien zumindest teilweise zu unterwerfen und dem römischen Weltreich einzuverleiben. Da dem Kaisertum von Claudius also große Bedeutung für die britannische Geschichte zukommt, befasst sich diese Arbeit mit den Geschehnissen in Britannien während der Zeit seiner Herrschaft. Dabei beschränken sich die folgenden Ausführungen aber auf die Jahre von 43 bis 52 n. Chr..

Ausgehend von einer kurzen Darstellung der vorrömischen Verhältnisse in Britannien, sollen besonders der Britannienfeldzug des Claudius und die Entwicklung Britanniens unter den Statthaltern Aulus Plautius und Publius Ostorius Scapula im Mittelpunkt stehen. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der dargestellten Ereignisse. Die Arbeit stützt sich vor allem auf Auszüge der von Cassius Dio verfasste Römischen Geschichte und der Annalen des Tacitus.

2. Britannien in der Zeit vor der römischen Invasion im Jahr 43 n. Chr.

Zum Zeitpunkt der Landung der römischen Invasionsarmee wurde Britannien von ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen bewohnt. Im Norden waren vor allem die Stämme beheimatet, die später von den Römern als Pikten bezeichnet werden sollten. Diese hatten wohl zunächst ganz Britannien beherrscht, waren aber später aus dem Süden der Insel vertrieben worden. Den südlichen und mittleren Teil Britanniens bewohnten überwiegend belgische und gallische Stämme keltischen Ursprungs, die vom Festland nach Britannien übergesiedelt waren und sich dann bis ins Landesinnere ausgebreitet hatten.6

Die damalige britannische Gesellschaft war in ihrer Struktur stark von einer Stammesordnung geprägt. Bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. waren die britannischen Stämme eher klein und wurden von lokalen Anführern befehligt. In den darauffolgenden hundert Jahren kam es dann vor allem in Südbritannien zu einem strukturellen Wandel und aus den kleinen Stämmen entwickelten sich größere Stammesgemeinschaften.7 Die Führung innerhalb dieser Stammesverbände hatten wohl überwiegend einzelne Stammesfürsten inne. Zwar gibt es auch Hinweise auf Herrschaftsformen, bei denen sich die Macht auf mehrere Personen verteilte, in den meisten Fällen lag die Befehlsgewalt wohl aber in der Hand eines Einzelnen. Diese allein herrschenden Stammesführer wurden als Rex bezeichnet, was soviel wie König bedeutet. Bemerkenswert ist hierbei, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen als Stammesführer fungierten. Berühmt wurde besonders Cartimandua, die mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor der römischen Invasion durch Claudius zur Anführerin des britannischen Stammes der Briganten ernannt wurde.8

Aufgrund der keltischen Herkunft großer Bevölkerungsteile der britannischen Insel war die dortige Kultur starken keltischen Einflüssen unterworfen. Das spiegelte sich besonders in der Sprache wieder. Die keltischen Sprachen Britanniens wurden allerdings nur gesprochen und nicht geschrieben, weshalb kaum Schriftzeugnisse dieser Zeit vorhanden sind und sich die Betrachtungen zur vorrömischen britannischen Kultur

vor allem auf nichtschriftliche Quellen stützen.9 Die Betrachtung dieser Quellen lässt den Schluss zu, dass die Kultur Britanniens auch schon vor der römischen Herrschaft stark vom Mittelmeerraum beeinflusst worden war. Denn zahlreiche archäologische Funde weisen darauf hin, dass bereits in dieser Zeit große Mengen an mediterranen Waren nach Britannien eingeführt wurden und dass es so zum Kontakt der dortigen Bevölkerung mit der südländischen und besonders der römischen Kultur kam. Darüber hinaus scheinen sich einige der britannischen Herrscher bewusst an der römischen Kultur orientiert zu haben. Das lässt sich zum Beispiel daran ablesen, dass sie für die Prägung eigener Münzen die lateinische Sprache verwendeten und zudem auch von der römischen Symbolik Gebrauch machten.10

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass die Römer im Jahr 43 n. Chr. auf ein von belgischen, gallischen und piktischen Stämmen bewohntes, von Königen regiertes und von der römischen Kultur durchaus schon beeinflusstes Britannien trafen.

3. Der Britannienfeldzug des Claudius

Bei der Betrachtung der Ereignisse rund um den von Claudius veranlassten Feldzug nach Britannien stellt sich zunächst die Frage nach den Gründen für die Invasion. Als Anlass für das römische Eingreifen in Britannien wird von Cassius Dio die Flucht des britannischen Fürsten Bericus benannt . Es wird berichtet, dass dieser aufgrund eines Aufstandes aus Britannien vertrieben worden war und nun Zuflucht bei Claudius suchte, um den Kaiser zu einem Eingreifen in Britannien zu bewegen. Cassius Dio zufolge hatte Bericus mit diesem Vorhaben Erfolg und Claudius entschloss sich, Soldaten nach Britannien zu schicken.11 Dafür war aber wohl weniger das Gesuch des britannischen Fürsten ausschlaggebend, als vielmehr Claudius' Streben nach einem militärischen Triumph und der damit verbundenen Ansehenssteigerung. Denn um sein Prestige zu erhöhen, konnte es für Claudius nach Ansicht von Sueton kaum ein lohnenderes Ziel als Britannien geben, da seit Caesar kein Kaiser mehr ein römisches Heer nach Britannien geführt hatte: „und [er] wollte auch die Auszeichnung des richtigen Triumphes besitzen.

[...]


1 Vgl. R. Hobbs/ R. Jackson, Britannien, 7.

2 Vgl. ebd., 66.

3 Vgl. K. Brodersen, Das römische Britannien, 72.

4 Vgl. E. Hübner, Britanni, 863-867.

5 Vgl. K. Brodersen: Das römische Britannien, 54-56.

6 Vgl. W. Meid, Kelten, 69-72

7 Vgl. J. Fries-Knoblauch, Kelten, 49.

8 Vgl. R. Hobbs/ R. Jackson, Britannien, 23.

9 Vgl. ebd. 66.

10 Vgl. ebd. 23, 26.

11 Vgl. Cass. Dio. 60, 19, 1.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Britannien unter der Herrschaft des Claudius
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Das iulisch-claudische Herrscherhaus. Rom zwischen Augustus und Nero.
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V201313
ISBN (eBook)
9783656273905
ISBN (Buch)
9783656277033
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
britannien, herrschaft, claudius
Arbeit zitieren
Samuel Kunze (Autor), 2012, Britannien unter der Herrschaft des Claudius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201313

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