Eisenhüttenstadt – die erste sozialistische Planstadt der DDR

Eine Analyse zur Umsetzung der 16 Grundsätze des sozialistischen Städtebaus


Examensarbeit, 2011

140 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die sozialistische Planstadt
2. 1 Das Prinzip des Stadttyps Planstadt
2. 2 Leitbild der „sozialistischen Stadt“
2. 3 Phasen der Entwicklung des städtebaulichen Leitbildes

3. Gründungsanlass und Voraussetzungen
3. 1 Industriestandort im „Dritten Reich“
3. 2 Vision des Neubeginns - wirtschaftliche und politische Notwendigkeit
3. 3 Standortwahl

4. Eisenhüttenstadt - Eine sozialistische Stadt nach „Sechzehn
Grundsätzen“
Präambel und 1. Grundsatz
2. Grundsatz
3. und 4. Grundsatz
5. Grundsatz
6. und 9. Grundsatz
7. Grundsatz
8. Grundsatz
10. Grundsatz
11. Grundsatz
12. Grundsatz
13. Grundsatz
14. Grundsatz
15. Grundsatz
16. Grundsatz

5. Resümee

Anhang

Verzeichnis der Dokumente, Abbildungen und Tabellen

Dokumente

Abbildungen

Tabellen

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit Eisenhüttenstadt ist eine Vorstellung verbunden, die sich neben dem Eisen- und Stahl- standort eng an das Bild von Bauten aus der Nachkriegszeit anlehnt. Ein relativ kurzer Zeitabschnitt prägte die Stadt nachhaltig und hat eine gewisse Einmaligkeit im Städtebau und der Architektur in Deutschland hervorgebracht. Eisenhüttenstadt ist eine junge Stadt, deren Struktur auf dem Reißbrett geplant und deren Größe berechnet wurde. Im August 1950 entstand an der Oder nahe der Kleinstadt Fürstenberg1 die erste Planstadt der Deut- schen Demokratischen Republik unter sozialistischen Vorzeichen. Mit der Vision dieser neuen Stadt setzte man zugleich ein politisches Zeichen im zerstörten Nachkriegsdeutsch- land.

Vordergründig und gleichzeitig Ausgangspunkt für die neue Stadt war das Entstehen des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO), das für den wirtschaftlichen Aufbau der DDR zentralen Stellenwert besaß. Aus den zunächst provisorischen Wohnunterkünften entstand die Wohnstadt des Eisenhüttenkombinats Ost. Im Verlauf dieses Entstehungsprozesses entwickelte sich das Werk zum metallurgischen Zentrum der DDR. Es war das größte einzelne Projekt des ersten Fünfjahrplans.

In der DDR blieb dieser Akt der kompletten Neugründung einer Stadt einmalig. Mit dem Neubeginn sollte der ideologische Anspruch einer sozialistischen Gesellschaft des „Arbeiter- und Bauernstaates“ in die Wirklichkeit übertragen werden. 1952 erfolgte die Benennung als „erste sozialistische Stadt Deutschlands“ für die Wohnstadt - und die Verleihung des Namens „Stalinstadt“ im Jahr darauf unterstrich die Verbundenheit mit der Sowjetunion. Erst infolge der Entstalinisierung erhielt die Stadt 1961 ihren heutigen Namen. Aus gestalterischer Sicht stellte die Planung und Erbauung einer „Stadt neuen Typus“2, einer sozialistischen Planstadt, eine immense Herausforderung dar. Als Leitbild der „kompakten Stadt“ dienten sowjetische Vorbilder, deren Geltung für die DDR in den „Sechzehn Grundsätzen des Städtebaus“3 festgeschrieben war.

Als Planungsgrundlage für die neue Stadt beschloss der Ministerrat im April 1951 nach einem Entwurf des Architekten Kurt W. Leucht die Errichtung der Wohnstadt. Die Kom- paktheit der Wohnkomplexe spielt in dieser Konzeption eine zentrale Rolle, da sie sich in dem Zusammenwirken von Wohnen, Arbeiten und Leben qualitativ widerspiegelt.

Mit dem Beschluss der Regierung auf dem III. Parteitag der SED am 20. Juli 19504 ein Hüttenwerk an der Oder zu errichten, waren die verschiedensten Inhalte zu klären. An ers- ter Stelle stand der Aufbau des Werkes, aber gleichzeitig musste eine neue Stadt mit all ihren Strukturen und nicht nur eine Industriesiedlung geschaffen werden. Zur Realisierung dieser Strukturen nutze man die Grundsätze des Städtebaus. Unter den Bedingungen der Nachkriegszeit stellte sich die Realisierung der Vorhaben von Werk und Stadt als große Herausforderung dar.

Den Rahmen der Planung bildeten die 16 Grundsätze des Städtebaus, die von der Regierung der DDR am 27. Juli 1950 beschlossen wurden. In diesen Grundsätzen zeigten sich nicht nur die Visionen für die neue sozialistische Planstadt - sie waren auch Richtlinie für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Städte in Ostdeutschland.

In dieser Arbeit wird die These vertreten, dass sich in der Gründung von Werk und Stadt die Vision des sozialistischen Neubeginns verwirklichen sollte, wobei die 16 Grundsätze dabei als Grundlage dienten. Neben der wirtschaftlichen Notwendigkeit sollte die neue Planstadt vor allem auch ein politisches Symbol für den Neubeginn des jungen Staates darstellen.

Bei den 16 Grundsätzen handelt es sich um ein Grundsatzdokument, das die Form und Bedeutung der Stadt und ihrer Weiterentwicklung auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR bezieht. Die Stadt wird als „wirtschaftlichste und kulturreichste Siedlungsform“5 der Gesellschaft bezeichnet. Sie repräsentiert die gesellschaftlichen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen und ist Gegenstand der Stadtplanung.

„Damit ist ein staatlicher Anspruch auf die Gestaltung der Städte festgelegt, ein keineswegs selbstverständlicher Anspruch, denn Stadtplanung und Städtebau waren zuvor meist kommunale Aufgabe, die erst im späten 19. Jahrhundert schrittweise und fragmentarisch von den Städten gegen die Interessen der Bodenbesitzer und der Industrie durchgesetzt worden war.“6

Allerdings sind Städte nicht allein repräsentative Siedlungsform. Die 16 Grundsätze des Städtebaus definierten Industrie, Verwaltung und Kultur als „städtebildenden Faktoren“. „Ziel der Stadtplanung ist nach diesen Grundsätzen eine gestufte Stadtorganisation mit einem Zentrum, das die wesentlichen administrativen und kulturellen Funktionen wahr-nimmt und einer Peripherie der Wohngebiete.“7 Die Organisation in Wohnkomplexen soll-te vor allem die Bedürfnisse der Bewohner angemessen befriedigen. Neben der funktiona- len Bedeutung des Stadtzentrums sollte seine Architektur hervorgehoben und durch die Stadtplanung gestaltet sein und die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Ausdruck bringen. Eisenhüttenstadt, als politische Vision des Neubeginns, sollte selbstverständlich diese formulierten Inhalte der Grundsätze in seiner Stadtkonzeption ver- einen.

Es gilt daher zu untersuchen, inwieweit sich die Vision des Neubeginns in Eisenhüttenstadt verwirklicht hat. Ziel der Analyse ist die Beantwortung der Frage, was bei der Planung und dem Aufbau von Eisenhüttenstadt gemäß der 16 Grundsätze des Städtebaus wirklich berücksichtigt und umgesetzt wurde, und welche Grundsätze folglich vernachlässigt beziehungsweise nicht berücksichtigt wurden oder werden konnten - und inwieweit letztlich Anspruch und Wirklichkeit dieser Vision übereinstimmen.

Um diese Zielstellung zu erfüllen, ist die Arbeit in drei Kapitel gegliedert. Das 2. Kapitel gibt einen deskriptiven Überblick zum Begriff der sozialistischen Planstadt und deren Charakteristika. Grundlegend hierfür ist das Prinzip des Stadttyps Planstadt. Unter diesem Punkt wird deutlich, wodurch sich eine Planstadt auszeichnet und wie sie sich von anderen Stadttypen unterscheidet. Da es sich bei Eisenhüttenstadt um die „erste sozialistische Stadt“ handelt, ist es notwendig, das Leitbild der sozialistischen Stadt näher zu betrachten, um zu verstehen, welche Prinzipien diesem Leitbild zu Grunde liegen. Für die Anwendung der 16 Grundsätze ist es wichtig, nachzuvollziehen, wie sich diese entwickelt haben.

Nachdem die Begrifflichkeiten erklärt sind, stehen im 3. Kapitel der Gründungsanlass und die Voraussetzungen für Werk und Stadt im Fokus. Um die Thematik historisch einzuordnen und zu beschreiben, ist es notwendig, den Industriestandort im „Dritten Reich“ und die Voraussetzungen der Stadtgründung hervorzuheben. Zu diesen Voraussetzungen gehören die politische und wirtschaftliche Ebene sowie die Standortfrage.

Den eigentlichen Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet das 4. Kapitel, in dem die 16 Grundsätze im Einzelnen benannt, kommentiert und anschließend anhand von Eisenhüttenstadt analysiert werden. Die Darstellung der Grundsätze und deren Verwirkli- chung werden aus verschiedenen Perspektiven, die sich wiederum aus den Grundsätzen ergeben, nachgezeichnet. Besondere Beachtung erhält dabei die tatsächliche Realisierung der Vorhaben in Eisenhüttenstadt. Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung im Resümee zusammengefasst.

In der Arbeit wird bei Bedarf auf verschiedene Dokumente, Abbildungen und Tabellen verwiesen, die sich im Anhang nach Medienart geordnet wiederfinden.

In der Fachliteratur sind die 16 Grundsätze veröffentlicht und kommentiert.8 In der vorliegenden Arbeit wird die Textfassung nach Leucht zitiert.9 Es ist in Fachkreisen auch bekannt, wie es zu diesen kam und wer die Autoren waren. Zu dieser Thematik hat das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) 1995 eine kritisch kommen- tierte Quellenedition zur neueren Planungsgeschichte unter dem Titel „Reise nach Moskau“ veröffentlicht. Diese Quellenedition beinhaltet umfangreiche Dokumente zur Erklärung von Motiven, Entscheidungsstrukturen und Umsetzungskonflikten für den ersten städtebaulichen Paradigmenwechsel in der DDR und zum Umfeld des „Aufbaugesetzes“ von 1950.10

Interessant ist hingegen die Frage, was bei der Planung und dem Aufbau von Eisenhüttenstadt wirklich berücksichtigt und umgesetzt wurde oder welche Grundsätze vernachlässigt bzw. nicht berücksichtigt wurden. Die Forschung liefert keine ganzheitliche Betrachtung der 16 Grundsätze anhand von Eisenhüttenstadt und es liegen bisher auch kei- ne Veröffentlichungen vor. Lediglich Teilaspekte wurden bisher unter anderen Fragestel- lungen in der Literatur bearbeitet. Die vorliegende Arbeit soll diese Lücke schließen und stützt sich dabei auf ein Interview mit der Architektin und Stadtplanerin Gabriele Hau- bold11 sowie grundlegende Forschungsarbeiten, die im Folgenden kurz vorgestellt werden. Sowohl Architektur und Städtebau als auch das sozialistische Leitbild genossen bis heute breite Aufmerksamkeit in der Forschung und wurden mehrfach zum Diskussionsgegen- stand. 1987 thematisierte Klaus von Beyme in einer vergleichenden Gegenüberstellung des deutschen Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg auch die Entwicklung des Städtebaus in der DDR.12 Ins Zentrum seiner Ausführungen stellte der Politologe die Abhängigkeit des Städtebaus von politischen Vorgaben.

Speziell auf Eisenhüttenstadt bezogen, wurden bereits 1957 von dem Generalprojektanten Kurt W. Leucht Planungsgrundlagen und -ergebnisse vom Aufbau der neuen Stadt veröffentlicht. Leucht beschreibt die Entwicklung der Anfangsjahre der Stadt und reflektiert diese optimistisch. Mithilfe von abgedruckten Bebauungsplänen, Schemata, Diagrammen und Berechnungen, die bis heute als grundlegend in der Fachliteratur gelten, spiegelt Leucht einen erfolgreichen Neubeginn unter Berücksichtigung der entstandenen Defizite in Planung und Ausführung.

Die erste monographische Darstellung der Planungs- und Ausführungsgeschichte von Eisenhüttenstadt legte Günter Fromm 1981 vor.13 Zeitlich auf die ersten fünf Jahre begrenzt, werden von Fromm die wichtigsten Planungsschritte, soweit sie aus den zugänglichen Veröffentlichungen zu entnehmen waren, zusammengestellt.

Werner Durth, Niels Gutschow und Jörn Düwel beschäftigen sich seit Ende der 1980er Jahre mit einem breit angelegten, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt zum Städtebau der DDR. 1998 wurde das Ergebnis eines langjährigen Forschungs- projektes veröffentlicht.14 Das opulent gestaltete zweibändige Überblickswerk über Archi- tektur und Städtebau der DDR hebt Eisenhüttenstadt als Neugründung besonders hervor. In Bezug auf die Planungs- und Ausführungsgeschichte des städtebaulichen Gesamtkonzepts, die anhand von Dokumenten detailliert nachvollzogen und an Dokumenten belegt werden, kommen die Autoren weitgehend zu den gleichen Ergebnissen wie Elisabeth Knauer- Romani in ihrer Arbeit. Beide Werke beschreiben nicht nur den Planungsprozess ausführ- lich, sie arbeiten auch deutlich die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit her- aus. Der ausführliche, detaillierte Überblick zu Grünplanung, Wohnungsbau, den öffentlichen Gebäuden etc. macht die Arbeit von Knauer-Romani zu einem wichtigen Bei- trag innerhalb der Forschungsliteratur. Jedoch erfolgt die Analyse hier nicht mit Hinblick auf die Grundsätze.

Die 1997 veröffentlichte Forschungsarbeit von Jenny Richter, Heike Förster und Ulrich Lakemann15 untersucht die Entwicklung der Stadt unter soziologischen Gesichtspunkten. Der städtebaulichen Konzeption widmet das Buch nur ein kurzes Kapitel ohne zu neuen Ergebnissen zu kommen. Interessant ist die gelungene Darstellung der Stadtgeschichte anhand abgedruckter Dokumente.

Im gleichen Jahr wurde vom Deutschen Historischen Museum Berlin ein Buch zur Ausstellung „Aufbau West - Aufbau Ost“ herausgegeben. Dieses stellt Planung und Ent- wicklung von Eisenhüttenstadt dem städtebaulichen Konzept Wolfsburgs gegenüber. Die Buchbeiträge nähern sich dem Rahmenthema mit unterschiedlicher Fragestellung. Bei- spielsweise stellt Werner Durths einführender Beitrag zur Geplantheit der beiden Städte das Konzept von Eisenhüttenstadt in den Horizont des Themas „Städtebau und Weltan- schauung“.16 Thomas Topfstedt thematisiert in einem zusammenfassenden Überblick die Stadtentwicklung nach 1955.17

Jörg Roesler hingegen betrachtet den städtebildenden Faktor der Industrie näher. Als Gründe für den Aufbau des Werkes betont er sowohl die wirtschaftliche Notwendigkeit als auch die politische Entscheidungsperspektive.18

Gottfried Korff legt die politische Dimension der Namensgebung dar und verweist in einem zweiten Beitrag auf die politische Symbolik von Orten und Ordnungen, die Eisenhüttenstadt gänzlich durchzogen.19

In den letzten 15 Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit dem 50jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2000, wurden zahlreiche Publikationen und wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Architektur- und Baugeschichte der Wohnkomplexe I-IV veröffentlicht. Auch die Wohnkomplexe V, VI und VII sind inzwischen beliebter Gegenstand von Diplom- und Seminararbeiten und Dissertationen.20 In diesen Forschungszusammenhang reiht sich die Diplomarbeit von Ruth May.

1999 erschienen verschiedenste Beiträge zur Vorgeschichte der Stadt, den Pionierjahren (1950-60), aber auch über den Alltag, herausgegeben von der Arbeitsgruppe Stadtge- schichte.21 Diese Zusammenstellung dokumentiert wissenschaftliche Ergebnisse sowie individuelle Erfahrungen und vor allem möglichst konkrete Beschreibungen vom Leben in der Stadt.

Historiker Andreas Ludwig, ebenfalls Autor der ebengenannten Arbeitsgruppe, verweist in seiner Darstellung aus dem Jahr 2000 auf verschiedene Aspekte der Herausbildung der Stadt während der vergangenen 50 Jahre. Beginnend mit der Vorgeschichte der Region, (Rückblick auf Fürstenberg; Rüstungsindustrie im Krieg) bis hin zur politischen Wende, zeichnet er die Symbiose von Werk und Stadt nach. Er greift auch die 16 Grundsätze in Teilaspekten („Nationale Bautradition, Zentrum und Wohnkomplex) auf, beleuchtet diese näher und formuliert interessante Thesen.

Der hier benannte Forschungsstand stellt lediglich einen zentralen Ausschnitt der Literatur zur „ersten sozialistischen Planstadt der DDR“ dar. In Eisenhüttenstadt befindet sich Quellenmaterial unterschiedlichen Charakters an unterschiedlichen Orten. Zum Beispiel verfügt der Bereich Stadtentwicklung / Stadtumbau der Stadtverwaltung über bis jetzt noch unbearbeitete Bestände von Planungsunterlagen unterschiedlichster Art. Hier befinden sich u.a. ebenfalls Originalskizzen von den Kopfbauten der Magistrale. Auch Aspekte und Gut- achten der „Grundakte Stalinstadt“22, die ebenfalls dort liegt, fließen in diese Arbeit ein. Unterlagen zur Stadtgeschichte werden generell im Stadtarchiv gesammelt. Die Betriebs- geschichte des Werkes ist im Firmenarchiv der EKO-Stahl GmbH dokumentiert und eben- falls zum Stadtjubiläum 2000 in einer sehr umfangreichen, mit Quellen angereicherten Darstellung23 veröffentlicht worden. Materialien zur Rezeptionsgeschichte finden sich in den Städtischen Museen Eisenhüttenstadts und in der Stadtbücherei.

2. Die sozialistische Planstadt

2. 1 Das Prinzip des Stadttyps Planstadt

Bei der Planstadt handelt es sich um eine Stadt, deren Grundriss auf einen deutlich erkennbaren Plan zurückzuführen ist. Dieser Stadttyp bezeichnet weniger die Funktion der Stadt in ihrem jeweiligen Umfeld als vielmehr die Art ihres Entstehens.

In der historischen Stadtentwicklung fällt auf, dass es Planstädte in vielen Epochen der Geschichte gab und dass ihr Ursprung in der Antike zu verorten ist. Angelehnt an die griechische Polis, haben sich römische Städte nach einer festen Struktur - in Form von geometrischen Stadtgrundrissen und orthogonaler Straßenraster - herausgebildet und wei- terentwickelt.24 Die frühneuzeitlichen Planstädte25 zeigen uns einen Typ von Stadt der im Spannungsfeld zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Verwirklichung ange- siedelt war. Eine Planstadt war vor ihrer Errichtung am Reißbrett bzw. Zeichentisch ent- standen.26 Beispielsweise wurden Hauptwege mit den entsprechenden Stadttoren, der Ver- lauf der Stadtmauer, öffentliche Plätze sowie die Lage öffentlicher Bauten festgelegt.

Bei vielen Neugründungen wurde die Gelegenheit genutzt, eine ideale Stadt nach den Vor- stellungen der Zeit zu bauen. Die Idealstadt27 ist eine „Sonderform“ der Planstadt, bei der unter einheitlichen Gesichtspunkten wie wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Organisation eine Stadt entworfen wird. Dies war häufig mit einem utopischen Anspruch verbunden.28

Im Zuge des Industriezeitalters entsteht der stadtgeographische Begriff „New Town“29. Dieser Begriff steht für eine nach modernen funktionalen Gesichtspunkten geplante und neu erbaute Stadt. Diese kann sich auch an eine schon bestehende Siedlung anlehnen. Ihre Aufgabe ist hauptsächlich die Entlastung der großen Ballungszentren. Besondere Umstän- de im 20. Jahrhundert führten sogar zur Gründung von Planhauptstädten30, welche sich oft durch ihre Größe und ihre besondere Funktion31 von gewöhnlichen Planstädten unterscheiden. In Bezug auf das Thema verdichten Apolinarski und Bernhardt ihren Be- fund in folgender These: „In einer epochenübergreifenden Typologie der „new towns“, die in Deutschland unter anderem die zwei großen Gründungswellen des 13. Jahrhunderts und der Residenzstädte des 17. und 18. Jahrhunderts sowie international weitere Fallgruppen wie die Kolonialstädte, Hauptstädte […] kennt“, gehört Eisenhüttenstadt „der Periode der nachholenden sozialistisch-industrialistischen Urbanisierung nach dem Muster der Sowjet- union und damit dem Typus Magnitogorsk an. Dabei entspricht aber Eisenhüttenstadt […] diesem sowjetischen Typus - Industrialisierung und Urbanisierung dünn besiedelter Räu- me - sehr viel stärker“32. Planstädte kann es in jedem politischen System geben. Bei Ei- senhüttenstadt handelt es sich logischerweise um eine industrielle Planstadt im Sozialismus bzw. um eine sozialistische Planstadt mit Industriekern.

2. 2 Leitbild der „sozialistischen Stadt“

Bei dem Begriff der „sozialistischen Stadt“ handelt es sich eher um ein Schlagwort als um einen Fachterminus. In der Fachliteratur sind Synonyme hierzu weitere Bezeichnungen wie „neue Stadt“33 und „Stadt im Sozialismus“34. Architekturhistorisch etabliert sich der Begriff seit den 1920er Jahren.

Harald Bodenschatz und Christiane Post beschreiben die „Suche nach der sozialistischen Stadt“ in der Sowjetunion zwischen den Jahren 1929 und 1935 als einen städtebaulichen Paradigmenwechsel mit internationaler Bedeutung.35 Bei der sozialistischen Stadt handelt es sich folglich um einen Stadttyp, der aus den Gegebenheiten der Gesellschaftsformen und politischen Systeme des 20. Jahrhunderts - also unter dem unmittelbaren Einfluss kommunistischer Lehre und Ideologie - entstanden ist. Seit der Oktoberrevolution im Jahre 1917 sollte die sozialistische Stadt in idealtypischer Weise den städtischen Siedlungsraum der Menschen nach den ideologischen Grundprinzipien gestalten und somit ein weiterer Baustein zur Verwirklichung sozialistischer Ziele sein.

Zur Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 stand die Suche nach einem spezifisch sozialistischen Leitbild des Städtebaus zunächst noch nicht im Vordergrund. Es galt zuerst neue Machtstrukturen einzurichten und zu festigen. Die besondere Stellung, die Architek- tur und Städtebau in der DDR einnehmen sollten, zeigte sich allerdings schon wenige Wochen später. Zunächst äußerte sich der Minister für Aufbau Lothar Bolz zum Jahresen- de 1949, das dem Ministerium angegliederte Institut für Städtebau und Hochbau würde „Richtlinien für die Generalbebauungspläne der Städte“36 erarbeiten. Auf der „Deutschen Bautagung“ in Leipzig im März 1950 sprach der Minister bereits von einer Anknüpfung „an unsere besten nationalen Traditionen“ und davon, dass das „Aufzubauende einen edlen Inhalt und ein festes Fundament bekommen“ soll: „Weder Kasernen noch Wechselstuben sollen das Bild unserer Städte prägen, sondern die großen gesellschaftlichen Bauten des schaffenden Menschen, die ihn als Herrn des politischen, des Wirtschafts- und Kulturlebens seiner Heimat zeigen.“37 Das waren bereits klare politische Vorgaben, doch wurde nicht deutlich, wie sich das Bild der Städte entwickeln würde.

Deshalb unternahm der Minister mit einer Gruppe von fünf Architekten und Funktionären am 12. April 1950 für sechs Wochen eine „Studienreise“ in die Sowjetunion, um sich ein Bild vom sowjetischen Städtebau zu machen. Dort besuchte die DDR-Delegation Städte wie Moskau, Stalingrad, Kiew und Leningrad. Das Programm beinhaltete beispielsweise Besichtigungen von Baustellen und kulturellen Einrichtungen sowie Fachtagungen zu Architektur und Städtebau. Im Ergebnis der „Reise nach Moskau“ wurde am 27. April 1950 ein Entwurf der „Grundsätze für den Städtebau“ an das Ministerium für Städtebau übergeben.38 Dieser Entwurf ist das Ergebnis von Vorträgen und gemeinsamen Diskussio- nen und setzt sich aus 16 Punkten zusammen. Diese wurden unmittelbar nach dem III. Par- teitag der SED am 27. Juli 1950 als die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ verabschie- det und mit dem „Aufbaugesetz“39 verbindlich.

In der Begründung des Aufbaugesetzes betonte Lothar Bolz: „Das Ziel dieser Grundsätze ist die schöne deutsche Stadt.“ Als „hervorstechende Merkmale dieser Grundsätze des Städtebaus“ bezeichnete er zwei Kriterien: „Planmäßigkeit“ und „Städtebau als Kunst“.40 Die Tatsache, dass die 16 Grundsätze von der Staatsregierung erlassen und damit Gesetz werden konnten, ist einerseits deutlicher Ausdruck des politischen Zentralismus, dem der Städtebau in der DDR unterworfen war. Andererseits wird auch deutlich, welchen hohen politischen (und gesellschaftlichen) Stellwert Städtebau und Architektur in den Anfangsjahren der DDR hatten.

In den 16 Grundsätzen sind die ersten konstitutiven Prinzipien der Stadtentwicklung und Stadtgestaltung verankert. Sie stellen die wissenschaftlich-theoretische Basis des Aufbau- gesetzes dar, welches die Rechtsgrundlage der Städtebaupolitik war. In Anlehnung an das Ideal der übergreifenden gesellschaftlichen Zielsetzungen des sozialistischen Städtebaus wurde eine eigenständige, auch auf regionale bzw. lokale Traditionen abzielende Entwick- lung der Städte in der DDR angestrebt.41 Die Anwendung dieser Prinzipien geschah in be- wusster Abgrenzung zur kulturellen Entwicklung der Städte Westdeutschlands.

Die Fachliteratur bezeichnet die 16 Grundsätze häufig als Gegenstück zur Charta von Athen, gleichwohl sie einige ihrer Grundgedanken enthalten.42 Die Charta von Athen ist ein städtebauliches Manifest, das 1933 auf einem internationalen Städtebaukongress in Athen als Thesen- bzw. Forderungskatalog vom „Congrès Internationaux d’Architecture Moderne“ (CIAM)43 unter der Leitung von Le Corbusier44 entwickelt wurde. Die in 95 Paragraphen untergliederte Charta von Athen wurde als Leitbild für den Städtebau der Zukunft verfasst und 1943 von Le Corbusier als Konzept „der funktionalen Stadt“ veröffentlicht.45 Luft, Licht und Sonne waren die zentralen Begriffe, welche durch Archi- tekten zu plakativen Schlagwörtern avancierten. Ziel war die Aufteilung der modernen Stadt in Zonen gemäß ihren Hauptfunktionen Wohnen, Arbeit, Freizeit und Verkehr, d.h.

eine systematische Gliederung der Stadt in räumlich klar getrennte Funktionsbereiche.46 Jede dieser Schlüsselfunktionen ist planerisch einzelnen Vierteln zuzuordnen.47 Die Be- deutsamkeit der Charta zeigten insbesondere die städtebaulichen Leitbilder der 1950er - die gegliederte und aufgelockerte Stadt - und der 1960er Jahre - die autogerechte Stadt -, die sich zu großen Teilen aus ersterer entwickelten. Obwohl die Charta von Athen in der theoretischen Diskussion lange als Ideal galt, kam es ab Mitte der 1980er, aufgrund der negativen Folgen der Funktionstrennung, zur Abkehr von diesen Vorstellungen.48

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den 16 Grundsätzen des Städtebaus und der Charta von Athen fasst der Architekturtheoretiker Bruno Flierl pointiert zusammen:

„Der Unterschied der sechzehn Grundsätze zur Charta von Athen ist ein ganz lapidarer. Die sechzehn Grundsätze bauen natürlich auf der Charta von Athen auf, sie sind aber nicht einfach eine Variante, sondern ein richtiges Gegenmo- dell, und zwar ein gesellschaftliches. Sie rechnen mit einer anderen Gesell- schaft, und sie rechnen mit etwas, was die Charta von Athen nicht gehabt hat. Die Charta von Athen hat mit der Differenzierung der städtischen Funktionen die Auflösung und Kompaktheit und das Chaos der alten Stadt sortieren wollen und hat die Funktionen auch im Raum nebeneinandergesehen. Und man wirft der Charta von Athen und den modernen Architekten vor, sie hätten die Stadt kaputt gemacht. Die sechzehn Grundsätze des Städtebaus gehen von der grund- sätzlichen Akzeptanz oder Neuschaffung der Stadt als einer Einheit aus, in der alle Funktionen existieren und wo die Funktionen auch nicht sortiert sind.“49

Flierl nennt noch einen weiteren wesentlichen Unterschied:„Die CIAM-Charta ist eine Beschwörung der Architekten der Welt an die Re- gierungen, doch Vernunft anzunehmen; und hier war es eine Verordnung der Regierung an die Genossen und Kollegen Architekten, nun endlich einmal et- was Vernünftiges zu bauen und nicht in den Individualismus auszuweichen.“50

Die Auflösung der Stadt wird abgelehnt, stattdessen soll sie kompakt mit einprägsamen monumentalen Formen gebaut werden, die ein „Gegenkonzept zum genossenschaftlich und subsistenzwirtschaftlich strukturierten ‚Stadtdorf‘“51 bildet.

Aus der Perspektive eines Stadtplaners in der frühen DDR, und zugleich dem Generalpro-jektanten von Stalinstadt, kennzeichnet Kurt W. Leucht die „sozialistische Stadt“ folgendermaßen:„Das hervorragendste Merkmal des sozialistischen Städtebaus liegt darin, daß die sozialistische Stadt die Vorzüge der sozialistischen Planwirtschaft widerspiegelt; die Struktur und Komposition der Stadt, ihre Funktionen und Gebäude werden nicht im Interesse des kapitalistischen Profits, sondern für die Gesamtheit der Gesellschaft geplant und gebaut.“52

2. 3 Phasen der Entwicklung des städtebaulichen Leitbildes

Genau wie das städtebauliche Leitbild in der BRD einem Wandel unterlag, kann man auch in der DDR verschiedene Phasen in der Entwicklung dieses Leitbildes festmachen. Diese Entwicklung soll kurz nachgezeichnet werden und einen Überblick geben, um die Einord- nung von Eisenhüttenstadt in den städtebaulichen Kontext der DDR zu ermöglichen. Eng verknüpft mit der Neugründung einer „sozialistischen Stadt“ ist auch der Paradigmen- wechsel hinsichtlich leitender Grundsätze im Städtebau. Anhand von Eisenhüttenstadt las- sen sich die entsprechenden Merkmale des jeweiligen Leitbildes wiederfinden und am Stadtbild ablesen.

Die städtebaulichen Entwicklungen und deren Leitvorstellungen in der Sowjetunion hatten Vorbildfunktion für die DDR. Nach deren Gründung hatten sowjetische Planungs- und Baumethoden einen starken Einfluss, der sich bis weit in die 1960er Jahre hinein gehalten hat. Erst danach, in den 1970er/80er Jahren, traten städtebauliche Entwicklungen auf, die in dieser Form zuvor auch nicht in der Sowjetunion zu beobachten waren und somit den schwindenden Einfluss der Sowjetunion im Städtebau der DDR belegen.

Rückblickend wird der Zeitraum zwischen 1945 und 1949 in der DDR als „antifaschistisch-demokratischer Umwälzungsprozeß“53 bezeichnet. Bis 1949 ist in der sowjetischen Besatzungszone keine städtebauliche Leitvorstellung erkennbar. Die Hauptaufgabe bestand zunächst in der Beseitigung von Kriegsschäden sowie Trümmern und in der Bereitstellung von nutzbaren Wohnungen.

In der Gründungsphase der DDR 1949 lassen sich verschiedene städtebauliche Leitbilder und Entwicklungsphasen erkennen. Klaus von Beyme unterscheidet für das Leitbild des Städtebaus drei Phasen:

(1) Anknüpfung an nationale Bautraditionen (1949 bis 1955)
(2) industrialisierter Städtebau (1955 bis 1970/75)
(3) qualitativer Stadtumbau (ab Mitte der 1970er Jahre)54.

(1) Die Phase der Anknüpfung an nationale Bautraditionen kennzeichnet die Grundlagen- schaffung der Rechtsinstrumente und Leitbilder für einen „sozialistischen Städtebau“. Das Aufbaugesetz sollte die „rechtliche Basis für die Überwindung von Bodenspekulation und ausufernder Mietentwicklung“ bilden, die „Beseitigung sozialer Zonierung in den Städten“ und eine „architektonisch ansprechende Gestaltung der Städte“55 ermöglichen. Mit dem Aufbaugesetz wurden umfassende Enteignungsinstrumente eingeführt, die die Umstruktu- rierung der Städte erst ermöglichten. Zusammen mit den 16 Grundsätzen des Städtebaus, die den gesellschaftlichen Auftrag und die Grundlagen der Stadtplanung umrissen, wurde in dieser Phase der Kern des städtebaulichen Instrumentariums geschaffen.

Bestimmt wurde die erste Phase durch den Siegeszug der „nationalen Tradition“ (auch abwertend als „Zuckerbäckerstil“ bzw. „Staatsbarock“ bezeichnet), der durch die Baupolitik Stalins geprägt wurde.56 Die architektonischen Formen dieser Zeit sind durch ihre künstlerische Gestalt und ihrer Orientierung an der Epoche des Klassizismus gekennzeichnet. Diese fanden ihren Ausdruck besonders in der Entstehung neuer Stadtzentren, „denen der sozialistische Stolz noch heute anzumerken ist: Stalinstadt (heute Eisenhüttenstadt), sowie die zentralen Plätze und Zentrumsgestaltung in fast allen größeren Städten, z.B. die Stalinallee (Karl-Marx-Allee) in Berlin, die Lange Straße in Rostock, der Roßplatz in Leipzig, der Altmarkt in Dresden.“57

(2) In der Phase des industrialisierten Städtebaus, die Mitte der 1950er einsetzte, begann die Dominanz der industriellen Bauproduktion, welche unter anderem auch auf den starken sowjetischen Einfluss zurückzuführen ist. 1954, ein Jahr nach Stalins Tod, hatte Nikita Chruschtschow vor der sowjetischen Bauakademie eine Rede „Über die Nutzlosigkeit der Architektur“ gehalten, welche die Abkehr vom aufwendigen konventionellen Bauen pro- klamierte. Er propagierte die Hinwendung zu einem „modernen industrialisierten Wohnungsbau ohne Zuckerbäckerei und Fassaden.“58 Angesichts der großen Wohnungsnot zielte der neue Kurs darauf ab, die Voraussetzungen für eine Steigerung der Bauproduktion zu schaffen.

Mit der Losung „Besser, schneller und billiger Bauen“59 folgte im April 1955 auf der ersten Baukonferenz der DDR der entsprechende Kurswechsel. Auf der Konferenz und in den „Beschlüssen für den zweiten Fünfjahresplan wurde auf die Industrialisierung der Bauprozesse und Errichtung von Bauten auf der Basis von Typenprojekten der Großblock- und Plattenbauweise orientiert.“60 Die Umsetzung des neuen Paradigmas setzte vor allem mit dem Siebenjahrplan 1959 bis 1965 ein. Walter Ulbricht gab „1959 bekannt, daß 691000 Neubauwohnungen geplant waren. Nur 81000 davon sollten durch Umbau und Ausbau gewonnen werden“61.

Die Typenbauweise stand im Vordergrund der Bemühungen der zweiten Phase. Im März 1956 wurde das Ziel verkündet, bis 1960 90 Typen für alle Bauten zu entwickeln und dadurch die Baukosten um 25 Prozent zu senken.62 Die angestrebten Ziele des zweiten Fünfjahrplans wurden bis 1960 nicht erreicht.

In die Realität umgesetzt wurde die industrialisierte Bauweise 1957 beim Aufbau von Hoyerswerda. In dieser Phase wird besonders deutlich, dass die Architekturkonzeption der nationalen Bautradition abgewertet und eine weiträumige Bebauung propagiert wurde. Dieser Wandel sollte zu großzügigen Raumbildungen führen, woraus eine Mischung zwi- schen dem Konzept der „aufgelockerten Stadt“ und massiven Kompaktanlagen hervor- ging.63

(3) In der Forschung wird die Phase des qualitativen Stadtumbaus zeitlich zwischen 1970/75 bis 1989 eingeordnet.64 Die dritte Phase war weit weniger durch die Wandlungen in der Sowjetunion gekennzeichnet als die ersten beiden. Sie begann 1970 mit dem Pro- gramm, die „Wohnungsfrage als soziales Problem“ lösen zu wollen. Dahinter steht die Absicht Honeckers, die Legitimität des sozialistischen Systems durch sozialpolitische Maßnahmen zu festigen. Diese letzte Phase ist durch die absolute Dominanz des „anti-urbanistischen“65 Wohnbausystems (WBS 70)66 geprägt, mit dem riesige Neubaugebiete an den Peripherien der Städte errichtet wurden. Bruno Flierl kommentiert diesen Prozess mit „Wohnungsbau statt Städtebau“67. Ab Mitte der 1970er Jahre begannen die Arbeiten für die größten Wohngebiete, die in der DDR entstanden: Berlin-Marzahn und Leipzig- Grünau.

„Die Baumaßnahmen der 70er Jahre in den Zentren waren auf die Umwandlung von Altstadtbereichen in Fußgängerzonen und die Errichtung einzelner gesellschaftlicher Gebäude konzentriert. Im Rahmen der angestrebten Deckung des Konsumbedarfes entstanden Kaufhallen, Warenhäuser und Stadthallen, die fortan zentrale Gebäude der Bezirksstädte bildeten.“68

Die qualitative Aufwertung der Altstädte kennzeichnet diese dritte Phase ebenfalls. Eine flächendeckende Umsetzung der Sanierung kollidierte jedoch immer wieder mit der wirt- schaftlichen Entwicklung in der DDR und den daraus resultierenden Finanzierungsschwie- rigkeiten.

Die dargestellten städtebaulichen Entwicklungsstränge sind maßgeblich für die Entwick- lung der Städte in DDR verantwortlich. In welcher Form sich das in Eisenhüttenstadt - der ersten sozialistischen Planstadt der DDR - spiegelt, wird die Untersuchung in Kapitel 4 zeigen.

3. Gründungsanlass und Voraussetzungen

3. 1 Industriestandort im „Dritten Reich“

Das heutige Siedlungsgebiet von Stadt und Werk wurde mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zu einem Standort der Rüstungsindustrie.69 Die Standortwahl für die Rüstungsbetriebe gründete auf mehreren Ursachen. Zum einen war das Gebiet Fürsten- berg (Oder) wirtschaftlich wenig entwickelt und die Kleinstadt an einem Aufschwung sehr interessiert.70 Der damalige Bürgermeister Georg Mertsch beschrieb 1937 eine perspektiv- reiche Zukunft:

„Während vor der Machtergreifung insbesondere Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe leider allzu oft den Besitzer wechselten, haben sich die wirt- schaftlichen Machtverhältnisse nach der Machtübernahme […] in den letzten fünf Jahren grundlegend geändert und gefestigt. Konkurse sind heute in glei- chem Maße Seltenheiten wie sie seinerzeit zur Tagesordnung gehörten. Der verantwortungsbewusste Kaufmann und Unternehmer kann wieder auf lange Zeit disponieren und die Angst, das Geld im Unternehmen, auf der Bank oder auf der Sparkasse zu verlieren, gehört einer hässlichen Vergangenheit an.“71

Zum anderen wurde die großräumige Industrieansiedlung durch die Rüstungspolitik der Nationalsozialisten forciert. 1936 forderte Adolf Hitler in einer geheimen Denkschrift, in vier Jahren die deutsche Armee einsatz- und die deutsche Wirtschaft kriegsfähig zu machen.72 Das wirtschaftliche Ziel des im September 1936 ausgerufenen Vierjahresplanes war es, „die Auslandsabhängigkeit bei strategisch wichtigen Roh- und Grundstoffen durch den raschen Aufbau einer Ersatzstoffproduktion zu vermindern“73.

Weitere Faktoren für die Industrieansiedlung sind wichtige geologische und infrastruktu- relle Ausgangsbedingungen. Die vorhandenen Braunkohlevorkommen in der Umgebung gewährleisteten eine stetige Bereitstellung von Energie für die Industrie. Die Baugrundbe- dingungen westlich von Fürstenberg, bildeten ideale Voraussetzungen für zukünftige In- dustrien. Mit dem vorhandenen Wasserstraßennetz wie der Oder und dem Oder-Spree- Kanal und der Eisenbahnlinie Berlin-Breslau waren optimale Verkehrsanbindungen gege- ben.74 Bereits 1891 wurde der Oder-Spree-Kanal in Betrieb genommen. Fürstenberg ent-wickelte sich mit dem Bau des Kanals zum Verkehrsknotenpunkt und Zentrum der Oder-schifffahrt.75

Um den Bedarf an Arbeitskräften für die Rüstungsindustrien bereitzustellen, wurden Kriegsgefangene eingeplant. Hierfür gründete die Wehrmacht am 6. Dezember 1939 am Rande von Fürstenberg das Kriegsgefangenenlager Stalag III B76. Zunächst war das Lager für 10.000 Insassen ausgelegt, welche vor allem aus polnischen und 1940 aus französischen Kriegsgefangenen bestanden. Mit dem Beginn des Krieges gegen die Sow- jetunion und der daraus resultierenden steigenden Kriegsgefangenzahl kam es zu einer großen Überbelegung mit bis zu 44.000 Gefangenen verschiedenster Nationalitäten. Sie stammten aus der Sowjetunion, den USA, Polen, Frankreich, Holland, Belgien, Rumänien, Jugoslawien, Italien und Großbritannien.77 Die Kriegsgefangenen „wurden als billige Arbeitskräfte für Degussa, Rheinmetall-Borsig, aber auch für all die anderen mittleren und kleineren Betriebe der Stadt, die Gewerbetreibenden und Landwirte“78 gebraucht.

Am 21. November 1939 wandte sich der Direktor der Degussa AG79 mit einem Schreiben an die Fürstenberger Stadtverwaltung80, indem die Fabrikationsstätten „auf Anweisung des Wehrwirtschaftsstabes und der „Reichsstelle für Wirtschaftsaufbau“ kriegswichtige Pro- duktionen seines Unternehmens an „Ausweichfabrikationsstätten in wehrwirtschaftlich günstiger Lage“ umzusiedeln sind“81. Am 30. April 1940 kaufte die Degussa AG am Oder- Spree-Kanal „1.204.764 Quadratmeter Industrieansiedlungsland mit privaten und staatlichen Flächenanteilen für 975.000 Reichsmark“82 - damit war die größte wirtschaftliche Ansiedlung realisiert.

Nach Hübner geht aus einem Gutachten vom 25. Juli 1940 der Anstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene in Berlin-Dahlem hervor, dass in Fürstenberg „Ausgangsstoffe für hoch- brisanten Sprengstoff, unter anderem Hexamethylentetramin für Nitramine, aber auch mas (Hrsg.): Schönheit und Typenprojektierung. Der DDR-Städtebau im internationalen Kontext (REGIO Transfer, 5), Erkner 2005, S. 259-290. Hier S. 260-262.

Blausäure produziert werden sollten“83. Aus den vorliegenden Unterlagen konnte in der Forschung bisher nicht geklärt werden, inwieweit die Blausäure zur Weiterherstellung von Zyklon B gedient hat. Bis Kriegsende konnte in Fürstenberg nur das FO-Gebäude zur Pro- duktion von Formaldehyd fertiggestellt werden. Im Aufbau befanden sich eine Carbidfabrik, das He-Gebäude, das N-Gebäude, sowie das Amoniak-Gebäude und weitere Betriebe. Die geplante Herstellung von Chemikalien wie Amoniak, Carbid und Formaldehyd waren wichtige Ausgangstoffe für die Produktion kriegswichtiger Mittel. Jedoch wurden die Produktionsstätten aufgrund des Kriegsverlaufs nie fertiggestellt und konnten folglich nicht produzieren.

In einer Übersicht des Wehrwirtschaftsministeriums Frankfurt aus dem Jahre 1943 findet sich eine Dokumentation der nach Fürstenberg ausgelagerten Rüstungsbetriebe.84 Danach produzierte ein Zweigbetrieb der Rheinmetall-Borsig AG unter dem Namen OderGerätebau AG Flugzeugbordlafetten und automatische Waffensysteme.85 Die gleichen Produkte wurden auf dem Gelände der Neuen Glashütte in Fürstenberg hergestellt. Ein weiteres Werk für die Fertigung von Gewehrläufen war geplant.

Ebenfalls bestand laut dieser Übersicht eine Fertigungsstätte der Argus-Motorenwerke Berlin-Reinickendorf über die sich nichts Näheres aussagen lässt. Am Oder-Spree-Kanal befand sich auch ein Lager für schwedischen Granit, der in Berlin bzw. der geplanten Feldherrenhalle verbaut werden sollte.86

Nach dem Krieg wurde diese Vielzahl der Rüstungsbetriebe teilweise demontiert oder gesprengt. Nur durch die Kriegsgefangenen des Stalag III B konnte gewährleistet werden, dass die Rüstungsbetriebe produzieren konnten.

„Es entwickelte sich binnen weniger Jahre eine auf Zwangsarbeit beruhende Rüstungsindustrie. […] Nach Kriegsende wurden in der Nähe des Lagers Massengräber gefunden, in denen die Leichen von 4112 Gefangenen lagen, die meisten aus der Sowjetunion.“87

Paradoxerweise sollte wenige Jahre nach dem Untergang des Dritten Reiches auf den Mauern dieser Diktatur die Vision der ersten sozialistischen Stadt und „ein Werk des Volkes und des Friedens“88 umgesetzt werden.

3.2 Vision des Neubeginns - wirtschaftliche und politische Notwendigkeit

Mit der Planung von Werk und Stadt setzte man ein Zeichen des Neubeginns und doku- mentierte in erster Linie politische Absichten und natürlich auch gesellschaftspolitische Repräsentation.

Die wirtschaftliche Situation im Nachkriegsdeutschland bildete jedoch den eigentlichen Hintergrund für die Neugründung eines Stahlwerkes im Osten Deutschlands und damit auch der Stadt Eisenhüttenstadt. Nachdem Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt wurde, gehörten zu den wirtschaftspolitischen Grundsätzen im Potsdamer Abkommen die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands und das Prinzip einer zonenbezogenen Reparationsentnahme.89 Die Reparationspolitik der Sowjetunion führte im Osten Deutschlands zu enormen Verlusten an industriellen Kapazitäten.

„Bis auf die Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn, die bis zum Gebiets- austausch zwischen den alliierten Siegermächten im Sommer 1945 zur Ameri- kanischen Besatzungszone gehörten und deshalb von Demontagen verschont blieb, wurden die bestehenden stahlproduzierenden Betriebe als ehemalige Rüstungsbetriebe oder deren Zulieferer von der Sowjetischen Besatzungsmacht abgebaut. Betroffen hiervon waren die Stahlwerke Brandenburg, Gröditz, Döhlen, Henningsdorf und Riesa. Das waren 80 Prozent der Kapazität.“90

Die Teilung des gemeinsamen Wirtschaftsraumes Deutschland war ebenfalls eine schwer- wiegende Kriegsfolge für die ostdeutsche Wirtschaft. Mit dem Ruhrgebiet verfügte die zukünftige Bundesrepublik über das Kernland der deutschen Schwerindustrie mit großen Steinkohlevorkommen und der fast gesamten deutschen Eisen- und Stahlerzeugung. Auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) lagen die Zentren der Fertigwaren- produktion wie das hochindustrialisierte Sachsen mit der Maschinenbau- und Fahrzeugin- dustrie, einem Hauptabnehmer für Stahlprodukte. Andreas Ludwig schlussfolgert, dass die „historische Standortverteilung zwischen Stahlproduzenten und Stahlverbrauchern höchst ungleich war.“91 Außerdem verfügte die SBZ lediglich über drei Prozent der deutschen Steinkohle, über 0,9 Prozent des Kokereikokses, über 1,6 Prozent des Roheisens und über 7,6 Prozent des deutschen Rohstahls.92

Die industriellen und rohstoffbezogenen Standortverteilungen führten dazu, dass die SBZ in wichtigen Bereichen von Lieferungen aus den Westzonen abhängig war. Diese Abhängigkeiten betrafen Grund- und Rohstoffe wie Steinkohle, Roheisen und Walzstahl sowie auch den Schwermaschinenbau, z. B. für Ersatzteile und Komponenten von Industrieanlagen. Der Interzonenhandel war jedoch von Anfang an gestört und prekär.

„Bereits 1947 wurden nur zwei Drittel der vereinbarten Stahllieferungen in die Sowjetische Besatzungszone auch tatsächlich geliefert und im November 1947 kam es zu einer gravierenden Preiserhöhung. Mit der Währungsreform im Frühjahr 1948 und der Blockade von Berlin, die eine Gegenblockade der Westmächte gegenüber der Sowjetischen Besatzungszone zur Folge hatte, gingen die Stahllieferungen weiter zurück. Vor 1945 hatten die monatlichen Lieferungen von Roheisen und -stahl an die mitteldeutsche Industrie 167000 Tonnen betragen, nach Kriegsende sanken sie rapide von zunächst noch 30000 Tonnen auf schließlich im Mai 1948 gerade noch 8500 Tonnen.“93

Die Zerrissenheit des Landes, die daraus resultierenden Behinderungen und Schwierigkeiten des Handels mit dem Westen94 und die wirtschaftliche Mangelsituation in der SBZ führten vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden „Kalten Krieges“ zu einer Orientierung des Außenhandels mit dem Osten, der schon durch Reparationslieferungen indirekt erzwungen wurde. „So entwickelte sich mit den Lieferungen ein Rahmen für den Aufbau von Handelsbeziehungen mit der UdSSR.“95

Um den Aufbau der DDR zu gewährleisten, bestand die wirtschaftliche Notwendigkeit ein metallurgisches Zentrum zu errichten. Diese Zielstellung war das Ergebnis einer Varian- tendiskussion für die entsprechenden Möglichkeiten einer eigenen Stahlproduktion.96

„Was blieb, war fast zwangsläufig eine dritte Entwicklungsvariante, die den Aufbau einer eigenen Roheisenproduktion in der DDR vorsah. Diese Variante bedingte den Bau von Hochofenkapazitäten und den Import von Eisenerz und Koks als Rohstoffe.“97

Auf dem III. Parteitag der SED vom 20. bis 24. Juli 1950 wurde festgelegt, dass die wirt- schaftspolitischen Entscheidungen über den Aufbau einer eigenen Industrie zu realisieren sind. In dem dort beschlossenen 1. Fünfjahrplan legte man bestimmte Etappen zum Aufbau der Industrie zeitlich fest.98 Das Ziel war vor allem, die Abhängigkeit vom Westen zu ver- ringern und zugleich die industrielle Produktion gegenüber dem Stand von 1936 zu ver- doppeln.99 Walter Ulbricht verkündete: „Die Produktion der metallurgischen Industrie ist so zu steigern, daß die maximale Versorgung des Maschinenbaus mit Metall aus eigener Erzeugung gesichert wird.“100

Die Errichtung des EKO war das größte Investitionsvorhaben des Fünfjahrplans auf dem Gebiet der DDR. Neben der beschriebenen wirtschaftlichen Notwendigkeit gaben aber vor allem politische Gründe für den Aufbau einer eigenständigen, eisenerzeugenden Industrie durch das EKO den Ausschlag.

Zunächst erfolgte im Juli 1950 durch das „Görlitzer Abkommen“101 die Festlegung und Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze zwischen der DDR und Polen.

„Die - bewusste - Wahl des Standortes an der Grenze sollte die Glaubwürdig- keit der ‚friedliebenden Außenpolitik‘ der DDR untermauern und war letztlich eine Demonstration staatlicher Selbständigkeit gegenüber der Bundesrepub- lik.“102

Der Aufbau eines Hüttenwerks an der „Oder-Neiße-Friedensgrenze“103 und der in der Propaganda benutzte Slogan „Sowjetisches Erz und polnischer Koks zu deutschem Friedenstahl“104 hatten einen hohen symbolischen Wert für die Politik der DDR. Diese Symbolik wurde eingesetzt, um die Verbundenheit und Freundschaft zu den Brüderländern des Sozialismus zu demonstrieren.105

Einen weiteren politischen Grund bezeichnet Jenny Richter mit dem „Ziel der ‚Einbin-dung‘ der Vielzahl von Umsiedlern in das öffentliche- (und ‚Arbeits-‘) Leben“106. In Hinblick auf den zunehmenden Arbeitskräftebedarf, der für die Errichtung von Werk und Stadt essentiell war, kann dieser politische Grund als sehr wichtiges Moment in der Vision des Neubeginns rückblickend angenommen werden.

Mit der Errichtung eines metallurgischen Zentrums wollte die SED eine wirtschaftliche Abhängigkeit von der Bundesrepublik vermeiden, ihre Abgrenzung durch Selbstständigkeit zur BRD demonstrieren und damit ihre Autarkiebestrebungen gegenüber dem Westen unterstreichen. Nach der Eingliederung der BRD in das westliche Bündnis und dem Scheitern einer gemeinsamen Deutschlandpolitik kam es in der DDR zu einem Wechsel - die SED beschloss im Juli 1952 den „Aufbau des Sozialismus“.107

„Mit dem grundlegenden Neuaufbau eines Werkes und einer Stadt sollten erstmals mit Hilfe sowjetischer Erfahrungen auch die neuesten Erkenntnisse der Technologie und Arbeitsorganisation in Wirtschaft und die Ideologie einer sozialistischen Stadtplanung umgesetzt werden. So konnte exemplarisch im großen Maßstab anhand eines ‚Demonstrationsobjektes‘ auch ein ‚Umschwenken‘ in der Politik gezeigt werden.“108

Mit diesem Demonstrationsobjekt - der ersten sozialistischen Planstadt der DDR - sollte auf politischer Ebene eine Vision des Neubeginns verkörpert werden.

3. 3 Standortwahl

Das Industrieministerium projektierte mit dem ersten Fünfjahrplanentwurf „ein Werk, in dem der Hochofenbetrieb mit einem Stahlwerk, drei Walzstraßen, Gießereien und einer Großschmiede kombiniert war“109. Wichtig dabei war, dass die Kapazitäten der einzelnen Werksteile zu einem späteren Zeitraum beliebig erweitert werden können. Vorgesehen war zugleich eine Zementfabrik, in der die anfallende Hochofenschlacke verarbeitet wird.110 Nachdem das Ziel, der Inhalt und die Methode beschrieben und definiert waren, ging es um die Bedingungen.

Bei der Standortsuche mussten drei Bedingungen berücksichtigt werden:111

1. Wichtig war eine große Industriefläche mit geeigneten Baugrundverhältnissen und ausreichenden Reserveflächen, um das Hüttenwerk später erweitern zu können. Zusätzlich war eine ständige Kühlwasserversorgung notwendig.

2. Die günstige Lage und infrastrukturelle Anbindungen - also der Transport via Schiff und Bahn - zu den Lieferanten der Rohstoffe und Abnehmern der Produkte war eine wichtige Voraussetzung. Gemäß der Planung sollten für die Eisenhütte Kohle aus Polen und Roheisen aus der Sowjetunion importiert werden. Die Lage des Werkes musste es außerdem ermöglichen, seine Produkte (Eisen und Stahl) günstig in die weiterverarbeitenden Industriezentren112 der DDR zu befördern.

3. Eine letzte Bedingung für den Standort des Werkes bestand in der Notwendigkeit der Schaffung von Wohnungen und Infrastrukturen für den entstehenden großen Arbeitskräftebedarf. Die Industrieansiedlung sollte am Rande einer Stadt liegen, damit bereits vorhandene Infrastrukturen genutzt werden konnten.

Diese Anforderungen an den zukünftigen Standort führten zu einer vergleichenden Unter- suchung fünf möglicher Standorte. Im Sommer 1950 schlug das Ministerium für Aufbau folgende Städte vor: Ueckermünde, Eberswalde, Küstrin-Kietz, Frankfurt (Oder) und Fürs- tenberg (Oder). Diese fünf Orte lagen nahe der polnischen Grenze und waren per Schiff vom Überseehafen Szczecin Stettin) in der Odermündung erreichbar. Bei der Standortwahl für das neue Hüttenkombinat wurden nicht nur geographische, sondern auch politische Überlegungen einbezogen. Anfang August hatten die Planungsbe- hörden Ueckermünde am Oderhaff, einen Standort an der Ostsee, favorisiert. Der Standort verfügte über mehrere Vorteile.

„Für den Erztransport aus dem ukrainischen Kriwoi Rog wäre der Weg über sowjetische Schwarzmeerhäfen zum Oderhaff mit 20 DM je Tonne vergleichsweise billig gewesen. Der polnische Hüttenkoks aus Oberschlesien hätte über die Oder gleichfalls direkt per Schiff bis zum Verarbeitungsstandort Uekermünde gebracht werden können.“113

Einen weiteren Standortvorteil sah man in einer möglichen Verwendung von Erz aus Schweden, welches durch Seeschiffe direkt an das Hüttenwerk hätte transportiert werden können.

Aber die politischen Bedenken waren vor dem Hintergrund des Kalten Krieges letztlich stärker als wirtschaftliche Kriterien. Um das Erz zu transportieren, hätten die sowjetischen Schiffe den Bosporus, die Straße von Gibraltar und den Nordostseekanal passieren müssen. Diese Meerengen beziehungsweise Wasserstraßen wurden jedoch von den NATO-Mächten kontrolliert. Es hätte die Gefahr bestanden, dass die lebenswichtigen Zulieferungen, die für die Ankurbelung der ostdeutschen Wirtschaft notwendig waren, Opfer des Ost-West- Konfliktes geworden wären. Die Sowjets, wie auch Industrieminister Fritz Selbmann „befürworteten deshalb den Antransport des Erzes über einen kombinierten See-, Fluß- und Bahnweg: über das Schwarze Meer, die Donau und die Eisenbahnstrecke von Bratislava über Kosel an die Oder. Fürstenberg war der erste auf dem Boden der DDR in Frage kommende Standort an diesem Transportweg und zugleich 250 km von der Grenze zur Bundesrepublik entfernt“114. Obwohl die Anlieferung des Erzes mehr als doppelt so teuer war wie nach Ueckermünde, fiel die Entscheidung auf Fürstenberg.115

Nachdem der Standort auf dem Gebiet der DDR feststand, musste man sich nun auf seine Präzisierung im Umfeld von Fürstenberg einigen. Dabei wurden wieder fünf mögliche Varianten in Betracht gezogen.116 Schließlich fiel die Entscheidung gemäß des Beschlusses des Ministerrats der DDR vom 17. August 1950 auf den „Standort längs des Oder-Spree- Kanals nördlich der Verbindungsstraße zwischen Fürstenberg und Schönfließ“117, welcher alle drei Ausgangsbedingungen an das künftige Eisenhüttenkombinat erfüllte. Als „Standort der Wohnstadt wurde durch Ministerratsbeschluss vom 14.11.1950 das Gelände südlich der Straße F 246 zwischen Fürstenberg und Schönfließ festgelegt.118

4. Eisenhüttenstadt - Eine sozialistische Stadt nach „Sechzehn Grundsätzen“

„Diese Grundsätze bildeten den Ausgangspunkt bei der Aufgabenstellung für die neue Stadt des Eisenhüttenkombinates J. W. Stalin, Stalinstadt.“119

Die folgende Analyse der 16 Grundsätze wird vorrangig an den Wohnkomplexen I-V er- folgen, denn die Errichtung des VI. und VII. Wohnkomplexes (WK) war an andere städte- bauliche Regeln120 gebunden. Da die beiden letzten Wohnkomplexe aber ebenfalls in der DDR-Zeit erbaut wurden und definitiv die Stadtgeschichte prägten, sollen diese trotz des Analyseschwerpunktes (WK I-V) anhand der Grundsätze in der Untersuchung eine Rolle spielen. Um die Analyse sinnvoll zu strukturieren, werden bei inhaltlichen Überschneidun- gen zwei oder mehrerer Grundsätze zusammen abgehandelt. Die Schwierigkeit in der fol- genden Analyse liegt darin, wie es Ruth May auf den Punkt bringt, dass der Text der Grundsätze „stellenweise sehr präzise, an anderen Stellen eher offen [ist], die Grundsätze sind auslegbar, man kann auf dieser Grundlage streiten“121. Die Grundsätze des Städtebaus wurden von der DDR-Regierung mit folgender Präambel beschlossen.

Präambel und 1. Grundsatz

„Die Stadtplanung und die architektonische Gestaltung unserer Städte müssen der gesellschaftlichen Ordnung der Deutschen Demokratischen Republik, den fortschrittlichen Traditionen unseres deutschen Volkes sowie den großen Zielen, die dem Aufbau ganz Deutschlands gestellt sind, Ausdruck verleihen. Dem dienen die folgenden Grundsätze:

1. Die Stadt als Siedlungsform ist nicht zufällig entstanden. Die Stadt ist die wirtschaftlichste und kulturreichste Siedlungsform für das Gemeinschaftsleben der Menschen, was durch die Erfahrung von Jahrhunderten bewiesen ist. Die Stadt ist in Struktur und architektonischer Gestaltung Ausdruck des politischen Lebens und des nationalen Bewußtseins des Volkes.“122

Als Ausgangspunkt aller folgenden enthält der 1. Grundsatz entscheidende Thesen, die aber auch als Forderungen an eine Stadt verstanden werden müssen. Die Feststellung, dass „die Stadt als Siedlungsform nicht zufällig entstanden ist“, enthält die Forderung, sie als etwas historisch Gewordenes zu begreifen. Eisenhüttenstadt entstand nicht etwa zufällig,sondern aus der Notwendigkeit im Staatsgebiet der DDR eine unabhängige Metallurgie zu schaffen. Die wirtschaftliche Autarkie war essenziell für den Aufbau einer neuen (sozialis- tischen) Gesellschaftsordnung in der jungen DDR. Der erste Fünfjahrplan forderte für den anzulegenden Industrieschwerpunkt „Eisenhüttenkombinat“ auch den Bau einer neuen Stadt.

Die Gründung und Planung der Stadt erfolgte nicht „im Stile der herkömmlichen Industrieansiedlungen mit ein- und zweigeschossiger Wohnbebauung“123, sondern bewusst als „wirtschaftlichste und kulturreichste Siedlungsform für das Gemeinschaftsleben der Menschen“ mit allen Einrichtungen der materiellen, sozialen und kulturellen Versorgung. Die gesellschaftliche Aufgabe allseitiger Befriedigung wirtschaftlicher und kultureller Bedürfnisse der Bewohner war entscheidend für ihre Entstehung der Stadt, sie wurde „von der Industrie für die Industrie gebaut“124.

Die Betonung der Bedeutung, die das politische Leben und das „nationale Bewusstsein des Volkes“ für die Struktur und architektonische Gestaltung der Stadt haben, ist ein zentrales Moment im sozialistischen Städtebau und suggeriert die Vorrangstellung der Politik. Das Hauptaugenmerk liegt demnach auf der politischen Dimension, zumal der Stadtplanung die Aufgabe übertragen wird, dem neuen politischen Leben und den neuen Machtverhältnissen Ausdruck zu verleihen.

Für Eisenhüttenstadt selbst ist diese Aussage sehr zutreffend. Als „erste sozialistische Stadt“ der DDR war sie politisch symbolträchtig und eng verknüpft mit Sozialismusidealen wie keine andere Stadt.125 Diese politische Symbolik äußert sich besonders an der Namensgebung der Stadt - „Stalinstadt“ -, des Werkes - „Eisenhüttenkombinat J. W. Stalin“126 - und der Straßen. Die Straßen wurden 1954 auf Beschluss der Stadtverordneten ihrer stadträumlichen Bedeutung entsprechend z. B. nach Lenin, Thälmann, Marx, Engels, Liebknecht und Luxemburg - also den Gründervätern und „Helden“ der kommunistischen Bewegung - benannt.

Aber auch „von der politischen Klasse der Sowjetunion geschätzte Wissenschaftler wie Iwan Pawlow und „linke“ Dichter wie Bertolt Brecht und Heinrich Heine, den man als Kritiker eines politisch konservativen Deutschland für den Sozialismus vereinnahmte“127,wurden zu Namensgebern von Straßen in Eisenhüttenstadt.

Für alle Bewohner der Stadt zugängige Gebäude (öffentliche Gebäude) wurden durch ihre exponierte Stellung, ihre Gestaltung und/oder Monumentalität zu Propagandaobjekten der neuen Gesellschaftsordnung. Im deutschen Klassizismus des 18. und 19. Jahrhundert sah die politische Führung die positiven nationalen Bautraditionen, die auch dem Arbeiter oder Bauer etwas bedeuteten.128 Schon mit dem „Agitationslokal der Nationalen Front“129, dem ersten explizit politischen Bau Eisenhüttenstadts, wurde die politische Dimension der Stadt manifestiert. Insgesamt betrachtet, gehörte „der Aufbau des EKO und der dazugehörigen Wohnstadt zum zentralen Teil der heroischen Propagandakultur der DDR“130.

2. Grundsatz

„2. Das Ziel des Städtebaus ist die harmonische Befriedigung des menschli- chen Anspruches auf Arbeit, Wohnung, Kultur und Erholung. Die Grundsätze und Methoden des Städtebaues fußen auf den natürlichen Gegebenheiten, auf den sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen des Staates, auf den höchsten Er- rungenschaften von Wissenschaft, Technik und Kunst, auf den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und auf der Verwendung der fortschrittlichsten Elemente des Kulturerbes des Volkes.“131

In der städtebaulichen Konzeption von Eisenhüttenstadt bildet der 2. Grundsatz die Ausgangslage für alle weiteren Maßnahmen. Die Vereinigung der Grundfunktionen Arbeit, Wohnen, Kultur und Erholung diente als Planungsgrundlage und stellte das Ziel der stadtplanerischen Arbeit dar. Aus der Zielstellung der hier verkündeten Harmonie ergibt sich aber auch die Forderung nach einer Abstimmung aller Bedürfnisse aufeinander. Dementsprechend waren auf der Grundlage der Planwirtschaft gleichzeitig mit den Wohnungen die Arbeitsstätten für die kommunale Versorgung, die Einrichtungen für Bildung, Kultur, Hygiene, Sport, Erholung und Verkehr zu schaffen.

Nachdem das Ziel einer „kompakten Stadt“ definiert ist, legt der 2. Grundsatz nun die Ausgangspunkte für die Methoden des Städtebaus fest. Dass dabei mit den natürlichen Gegebenheiten begonnen wird, ist mit Hinblick auf die Standortplanung und die Lage begreiflich. Das heißt „die größtmögliche Einordnung in die Struktur der Landschaft“ und „die Einbeziehung der vorhandenen baulichen und sonstigen Substanz in die städteplanerische Konzeption ist eine der wichtigsten Aufgaben“132.

Wie bereits in Kapitel 3.3 beschrieben, wurde als Standort für das Hüttenkombinat die Fürstenberger Region - ehemaliger Rüstungsstandort im Zweiten Weltkrieg - gewählt, da sie verkehrsgünstig zu den Hauptlieferanten der Rohstoffe Eisenerz (aus der UdSSR) und Kohle (aus Polen) lag und zudem die wichtigsten infrastrukturellen Voraussetzungen, wie Wasser- und Schienenwege und darüber hinaus ein für die Industrieansiedlung vorbereitetes Gelände, gegeben waren.

Von großer Bedeutung sind auch die sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen des Staates, d.h. vor allem die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, die Eigentumsverhältnisse an den Betrieben und die Wirtschaftsplanung. In Eisenhüttenstadt kommen diese „im Aufbauprogramm der Stadt, in der Anzahl, Größe und Art der Wohnungen, der Folgeeinrichtungen für die materiellen, kulturellen und hygienischen Lebensansprüche der Bevölkerung zum Ausdruck“133. Nach § 14 des Aufbaugesetzes kam es auch auf dem Planungsgebiet der zukünftigen Stadt zu Enteignungen von privatem Eigentum. „Die damaligen Bodenbesitzer - Bauern aus Fürstenberg und Umgebung - wurden, wenn auch spät, ausgezahlt und die Werksflächen der DEGUSSA fielen sowieso dem Staat zu.“134

Die volkswirtschaftliche Planung (vgl. Fünfjahrplan) als materielle Grundlage, stellt einen Grundpfeiler des Städtebaus dar. Jede Form der städtebaulichen Planung sowie Umsetzung in Eisenhüttenstadt war von der Planwirtschaft der DDR abhängig. Probleme, die daraus hervorgingen, werden in der weiteren Untersuchung anhand von Beispielen aufgezeigt. Der Städtebauer muss sich gemäß dem Grundsatz der höchsten Errungenschaften von Wis- senschaft, Technik und Kunst bedienen. Er muss also auch hier eine Harmonie zwischen den drei genannten Elementen finden und diese in der Umsetzung der Stadt vereinen und „damit den Städtebau wieder aus einer Angelegenheit der Statistik und der Technik zu ei- nem Werke wahrer Kunst machen“135. Die zweckmäßige Verwendung des Fortschritts in den wissenschaftlichen Elementen und der Technik bezieht sich insbesondere auf die stadt- technischen Anlagen des Versorgungsnetzes, den Verkehr, die wirtschaftliche Anwendung der besten Bauweise und die Hygiene.

Nach Leucht war „die kritische Anwendung der fortschrittlichen Elemente aus dem Kul-turerbe des Volkes ein wesentlicher Ausgangspunkt für die Planung“ von Eisenhüttenstadt. Was aber waren die „fortschrittlichen Elemente des Kulturerbes“ des deutschen Volkes? Hinter dieser Formulierung verbirgt sich, ausgehend von der Kapitalismuskritik bzw. in klarer Abgrenzung vom Kapitalismus, zuerst die Anlehnung und Orientierung an den dies- bezüglichen Erfahrungen der Sowjetunion. Dies zeigte sich letztlich „in der Übernahme der in der sowjetischen Architektur propagierten Anwendung des sozialistischen Realis- mus in der Architektur, der verbunden mit der Ablehnung formalistischen Bauens war“136. Als Ergebnis einer vehement geführten Formalismusdebatte wurde die Spezifik des sozia- listischen Realismus in der Architektur137 der DDR definiert. Seine Beschreibung erfolgte vornehmlich als Gegenbewegung zum Historismus, als Gegenbewegung zum Eklektizis- mus, vor allem aber als Gegenbewegung zum Konstruktivismus und zum (modernistischen) Formalismus.138

Die ersten beiden Grundsätze zeigen deutlich die Präferenz für die „kompakte Stadt“ und bilden gleichzeitig den städtebaulichen Rahmen für die Planung und Umsetzung in der DDR - und somit auch in der ersten sozialistischen Planstadt. Sie formulieren zunächst die Forderungen an eine sozialistische Stadt, definieren das Ziel und beschreiben die Ausgangspunkte für die Methoden des Städtebaues.

3. und 4. Grundsatz

„3. Städte „an sich” entstehen nicht und existieren nicht. Die Städte werden in bedeutendem Umfange von der Industrie für die Industrie gebaut. Das Wachs- tum der Stadt, die Einwohnerzahl und die Fläche werden von den städtebilden- den Faktoren bestimmt, das heißt von der Industrie, den Verwaltungsorganen und den Kulturstätten, soweit sie mehr als örtliche Bedeutung haben. In der Hauptstadt tritt die Bedeutung der Industrie als städtebildender Faktor hinter der Bedeutung der Verwaltungsorgane und der Kulturstätten zurück. Die Be- stimmung und Bestätigung der städtebildenden Faktoren ist ausschließlich An- gelegenheit der Regierung.

4. Das Wachstum der Stadt muß dem Grundsatz der Zweckmäßigkeit unterge- ordnet werden und sich in bestimmten Grenzen halten.

[...]


1 Im Weiteren sind bei Fürstenberg und Frankfurt jeweils die an der Oder liegenden Städte gemeint.

2 Knauer-Romani, Elisabeth: Eisenhüttenstadt und die Idealstadt des 20. Jahrhunderts, Weimar 2000, S. 11.

3 Im Weiteren werden die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“, wie in der Fachliteratur mit „16 Grundsät- zen des Städtebaus verkürzt bezeichnet. „16 Grundsätze des Städtebaus“ siehe Dokument 1 im Anhang.

4 Vgl. May, Ruth: Planstadt Stalinstadt. Ein Beitrag zu Grundlagen und Intentionen stadtplanerischer Absichten in der frühen DDR. Diplomarbeit, Dortmund 1998, S. 35.

5 Leucht, Kurt W.: Die erste neue Stadt in der Deutschen Demokratischen Republik. Planungsgrundlagen und -ergebnisse von Stalinstadt, Berlin 1957, S. 84.

6 Ludwig, Andreas: Eisenhüttenstadt. Wandel einer industriellen Gründungsstadt in fünfzig Jahren, Potsdam 2000, S. 41.

7 Ebd.

8 Vgl. Bolz, Lothar: Von deutschem Bauen, Berlin 1951.

9 Vgl. Leucht 1957, S. 84-86.

10 Vgl. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (Hrsg.): Reise nach Moskau. Quellenedition zur neueren Planungsgeschichte (Dokumentenreihe des IRS Nr. 1), Erkner 1995.

11 Das Interview fand in mehreren Sitzungen statt. Da diese sehr umfangreich waren, wurden die Informationen und Erkenntnisse lediglich in Notizen vom Autor fixiert und auf ein Protokoll verzichtet.

12 Vgl. Beyme, Klaus v.: Der Wiederaufbau. Architektur und Städtebaupolitik in beiden deutschen Staaten, München 1987.

13 Vgl. Fromm, Günter: Die Planung, der Aufbau und die Entwicklung Stalinstadts (Eisenhüttenstadts) in den Jahren 1950-1955. Historische Diplomarbeit an der Humboldt-Universität Berlin 1981, unveröffentlichtes Typoskript (Stadtarchiv Eisenhüttenstadt).

14 Vgl. Durth, Werner / Düwel, Jörn / Gutschow, Niels: Architektur und Städtebau in der DDR, Bd. 1: Ost- kreuz. Personen, Pläne, Perspektiven; Bd. 2: Aufbau. Städte, Themen, Dokumente, Frankfurt/Main / New York 1998.

15 Richter, Jenny / Förster, Heike / Lakemann Ulrich: Stalinstadt - Eisenhüttenstadt. Von der Utopie zur Gegenwart. Wandel industrieller, regionaler und sozialer Strukturen in Eisenhüttenstadt, Marburg 1997.

16 Vgl. Durth, Werner: Städtebau und Weltanschauung. In: Beier, Rosmarie (Hrsg.): Aufbau West - Aufbau Ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt in der Nachkriegszeit. Buch zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums vom 16. Mai bis 12. August 1997, Ostfildern-Ruit 1997, S. 35-50.

17 Vgl. Topfstedt, Thomas: Abschied von der Utopie. Zur städtebaulichen Entwicklung Eisenhüttenstadts seit Mitte der fünziger Jahre. In: Ebd., 89-98.

18 Vgl. Roesler, Jörg: „Eisen für den Frieden“. Das Eisenhüttenkombinat Ost in der Wirtschaft der DDR. In: Ebd., S. 149-158.

19 Vgl. Korff, Gottfried: Mentalität und Monumentalität im politischen Wandel. Zur öffentlichen Namengebung in Wolfsburg und Eisenhüttenstadt. In: Ebd., S. 227-238. Und: Korff, Gottfried: Koordinatensysteme. Zur politischen Symbolik von Orten und Ordnungen in zwei neuen Städten. In: Ebd., S. 261-272.

20 Vgl. Interview Gabriele Haubold.

21 Vgl. Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Eisenhüttenstadt. „Erste sozialistische Stadt Deutschlands“, Berlin 1999.

22 Ministerium für Aufbau (Hrsg.): Begründung, Beschlußentwurf und Erläuterungsbericht zur grundlegenden städtebaulichen Planung der Stadt Stalinstadt, Berlin 16. 11. 1953.

23 EKO Stahl GmbH (Hrsg.): Einblicke - 50 Jahre EKO Stahl, Eisenhüttenstadt 2000.

24 Vgl. Fassmann, Heinz: Stadtgeographie I. Allgemeine Stadtgeographie, Braunschweig 2009, S. 83-90.

25 Beispiele hierfür sind Karlsruhe, Annaberg, Freudenstadt, Hanau-Neustadt oder Saarlouis.

26 Der Begriff der Planstadt bezieht sich nicht nur auf Stadtneugründungen, sondern auch für die meisten Stadtumbauten oder Stadterweiterungen in der Frühen Neuzeit.

27 Mit dem Begriff der Idealstadt ist immer die Verbesserung der Städte gemeint.

28 In der frühen Neuzeit erschien diese Verknüpfung zwischen der Idee der idealen Stadt und der Vorstellung der vollkommenen Gesellschaft erstmals in der „Utopia“ des Thomas Morus 1516. Er hatte sein Utopia als „Nicht-Ort“ konstruiert, ein Inselstaat, der fernab und unabhängig von der Realität all das verkörperte, was seiner Idealvorstellung einer Gesellschaft entsprach. Vgl. Schölderle, Thomas: Utopia und Utopie. Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff, München 2010. In Verbindung mit der Wiederentdeckung antiker Architekturvorstellungen in der Renaissance mündeten die utopischen Ord- nungs- und Harmoniegedanken in streng geometrische Stadtentwürfe mit quadratischen, kreisförmigen oder polygonalen Grundrissen. Die Straßenzüge waren häufig im Schachbrettmuster angelegt.

29 Beispiele für deutsche „New Towns“ sind Eisenhüttenstadt, Wolfsburg, Hochdahl und Sennestadt.

30 Exemplarisch hierfür stehen Brasília in Brasilien, Chandigarh in Indien und Canberra in Australien.

31 Damit ist die Funktion der Hauptstadtverlagerung gemeint.

32 Apolinarski, Ingrid / Bernhardt, Christoph: Entwicklungslogiken sozialistischer Planstädte am Beispiel von Eisenhüttenstadt und Nova Huta. In: Barth, Holger (Hrsg.): Grammatik sozialistischer Architekturen. Lesearten historischer Städtebauforschung zur DDR, Berlin 2001, S. 53f.

33 Leucht 1957, S. 9.

34 Hartmut Häußermann argumentiert: „da die meisten Städte in den sozialistischen Staaten auf einem ‚kapi- talistischen Erbe‘ aufbauten, traten ihre sozialistischen Charakteristika selten in reiner Form auf. Die Städte in der DDR wären daher genauer als ‚Stadt im Sozialismus‘ zu bezeichnen, denn die Gleichzeitigkeit von historischen (‚kapitalistischen‘) und neuen (‚sozialistischen‘) Strukturen war die Regel - wie sich generell in Städten mit langer historischer Tradition typischerweise Strukturen aus verschiedenen gesellschaftlichen Formationen überlagern. Häußermann, Hartmut: Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus. In: Häußermann, Hartmut / Neef, Rainer (Hrsg.): Stadtentwicklung in Ostdeutschland. Soziale und räumliche Tendenzen, Opladen 1996, S. 5.

35 Vgl. Bodenschatz, Harald / Post, Christiane (Hrsg.): Städtebau im Schatten Stalins. Die internationale Suche nach der sozialistischen Stadt in der Sowjetunion 1929-1935. Berlin 2003, S. 38.

36 Minister Lothar Bolz in einem Interview mit der National-Zeitung am 31. Dezember 1949, abgedruckt in: Bolz, Lothar: Von deutschem Bauen, Berlin 1951, S. 8.

37 Rede von Lothar Bolz auf der deutschen Bautagung in Leipzig am 8. März 1951, S. 15-31.

38 Vgl. Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung 1995, S. 38.

39 „Aufbaugesetz“ siehe Dokument 2 im Anhang.1950, abgedruckt in: Bolz

40 Bolz. 1951, S. 32.

41 Vgl. ebd.

42 Beyme 1987, S. 282.

Simone Hain bezeichnet die 16 Grundsätze sogar als „Charta von Moskau“, denn sie waren auf der Reise nach Moskau formuliert worden. Vgl. Hain, Simone: Die andere „Charta“. In: Michel, Karl Markus / Spengler, Tilman (Hrsg.): Städte bauen. Kursbuch 112, Berlin 1993, S. 47-62. Hier S. 60.

43 Im Deutschen „Internationaler Kongress für neues Bauen“.

44 Charles-Édouard Jeanneret-Gris, der unter dem Pseudonym Le Corbusier bekannt ist, lebte von 1887 bis 1965. Der Schweizer war einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts und gilt als Vordenker des modernen Städtebaus.

45 Vgl. Bähr, Jürgen / Jürgens, Ulrich: Stadtgeographie II. Regionale Stadtgeographie, Braunschweig 2009,S. 119f.

46 Man kann an dieser Stelle auch von Funktionalismus im Städtebau bzw. einer funktionalen Stadtgliederung sprechen.

47 Diese Zielstellung der funktionellen Stadt, die u.a. im Gartenstadtmodell von E. Howard bereits 1898 Berücksichtigung findet, führt nach 1945 zu einer starren Zuordnung von Funktionen und Flächen. Vgl. Heineberg, Heinz: Grundriß Allgemeine Geographie: Stadtgeographie, Paderborn u. a. 1986, S. 80.

48 Vgl. Lampugnani, Vittorio Magnago: Die Stadt im 20. Jahrhundert, Bd. 2: Visionen, Entwürfe, Gebautes, Berlin 2010, S. 407-425. Zur Vertiefung der Thematik: Hilpert, Thilo (Hrsg.): Le Corbusiers ‚Charta von Athen‘. Texte und Dokumente, Braunschweig / Wiesbaden 1984. Le Corbusier: Vom Sinn und Unsinn der Städte, Zürich / Köln 1974.

49 Interview Bruno Flierl abgedruckt in: May 1998, S. 342.

50 Ebd.

51 Hain 1993, S. 53.

52 Leucht 1957, S. 9.

53 Palutzki, Joachim: Architektur in der DDR, Berlin 2000, S. 11.

54 Vgl. Beyme 1987, S. 286. Auch andere wie Häußermann schließen sich der Einteilung in drei Phasen an. Vgl. Häußermann 1999, S. 11.

55 Ebd., S. 12.

56 Pehnt, Wolfgang: Deutsche Architektur seit 1900, München 2005, S. 287-289.

57 Häußermann 1999, S. 13f.

58 Beyme 1987, S. 291.

59 Durth / Düwel / Gutschow 1998, Bd. 2, S. 76.

60 Palutzki 2000, S. 114.

61 Beyme 1987, S. 292.

62 Ulbricht, Walter: Der zweite Fünfjahrplan und der Aufbau des Sozialismus in der DDR. Neues Deutschland 26. 3. 1956 Sonderbeilage.

63 Vgl. Durth / Düwel / Gutschow 1998, Bd. 2, S. 526.

64 Joachim Palutzki bezeichnet diese Phase als „Baupolitik in der Ära Honecker 1971-1989“. Vgl. Palutzki 2000, S. 290.

65 Staufenbiel, Fred: Wohnen ohne Urbanität - zu Stärken und Grenzen der Stadtsoziologie. In: Marcuse, Peter / Staufenbiel, Fred (Hrsg.): Wohnen und Stadtpolitik im Umbruch, Berlin 1991, S. 11-31. Hier S. 20.

66 Mit der Einführung des neuen Plattenbausystems „Wohnbauserie 70“ wurde eine Senkung der Kosten und Verkürzung der Bauzeiten erzielt. Vgl. Hannemann, Christine: Entdifferenzierung als Hypothek - Differen- zierung als Aufgabe: Zur Entwicklung der ostdeutschen Großsiedlungen. In: Häußermann, Hartmut / Neef, Rainer (Hrsg.): Stadtentwicklung in Ostdeutschland. Soziale und räumliche Tendenzen, Opladen 1996, S. 87- 106. Hier S. 89.

67 Flierl, Bruno: Stadtgestaltung in der ehemaligen DDR als Staatspolitik. In: Marcuse, Peter / Staufenbiel, Fred (Hrsg.): Wohnen und Stadtpolitik im Umbruch, Berlin 1991, S. 49-65. Hier S. 52.

68 Palutzki 2000, S. 291.

69 Siehe Abb. 1 im Anhang.

70 Mit günstigen Bodenpreisen seitens der Stadt bemühte man sich um die Ansiedlung neuer Industrie.

71 Adressbuch für Fürstenberg/Oder, Ausgabe 1937. Fürstenberg/Oder 1937, S. XI, zitiert nach: EKO Stahl GmbH 2000, S. 24.

72 Vgl. Müller, Helmut M.: Schlaglichter der deutschen Geschichte, Mannheim 2002, S. 275.

73 EKO Stahl GmbH 2000, S. 24.

74 Vgl. Drieschner, Axel / Schulz, Barbara: „Ein Mittelpunkt kriegswichtiger Industrien …“ Zur Vorge- schichte des Industriestandorts Eisenhüttenstadt im „Dritten Reich“. In: Bernhardt, Christoph / Wolfes, Tho-

75 Fürstenberg wurde Sitz mehrerer Reedereien. Außerdem gab es viele Schiffer, die im Familienbetrieb arbeiteten, von denen einige eine Schiffsgenossenschaft gründeten.

76 Als zweites Stammlager (Stalag), das im Wehrkreis III (Berlin-Brandenburg) aufgestellt wurde, erhielt es das Kürzel „Stalag III B“.

77 Vgl. Ludwig 2000, S. 14.

78 Hübner, Joachim: Rüstungsbetriebe in Fürstenberg. In: Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Eisenhüttenstadt. „Erste sozialistische Stadt Deutschlands“, Berlin 1999, S. 26-36. Hier S. 29.

79 Bei der Degussa AG handelt es sich um die Deutsche Gold- und Silber- Scheideanstalt aus Frankfurt/Main, die am 28. Januar 1873 gegründet wurde.

80 Schreiben an die Fürstenberger Stadtverwaltung siehe Dokument 3 im Anhang.

81 EKO Stahl GmbH 2000, S. 27.

82 Hübner 1999, S. 26.

83 Ebd., S. 27.

84 Vgl. Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 16.

85 Die Firma Rheinmetall-Borsig wählte das benachbarte Dorf Schönfließ (siehe Abbildung 1) als Ausweich- quartier für eine Rüstungsfabrik. Vgl. Drieschner, Axel / Schulz, Barbara: Zur Einführung: Das Stalag III B in der Geschichte und Erinnerung Eisenhüttenstadts. In: Drieschner, Axel / Schulz, Barbara (Hrsg.): Stalag III B. Fürstenberg (Oder). Kriegsgefangene im Osten Brandenburgs 1939-1945, Berlin 2006, S. 12.

86 Vgl. Hübner 1999, S. 33.

87 Ludwig 2000, S. 14. Die hohe Zahl der verstorbenen Rotarmisten in den Massengräbern, könnte auf die besonders schlechte Behandlung durch die Soldaten zurückzuführen sein. Bei den westallierten Kriegsgefangenen kam es im Wesentlichen „zur Einhaltung humanitärer Mindeststandards“, entscheidend bedingt durch die Genfer Konvention von 1929. Vgl. Drieschner / Schulz 2006, S. 13-15.

88 Tägliche Rundschau vom 20.8.1950, bei Cerny, Jochen: Der Aufbau des Eisenhüttenkombinats Ost. Dissertation, Jena 1972, S. 78.

89 Vgl. Müller 2002, S. 209.

90 Ludwig 2000, S. 22f.

91 Ebd., S. 23.

92 Vgl. Heyl, Friedrich v.: Der innerdeutsche Handel mit Eisen und Stahl. Deutsch-deutsche Beziehungen im Kalten Krieg, Köln 1997, S. 43.

93 Ludwig 2000, S. 25.

94 Ab März 1948 verfügten die Westallierten Handelsbeschränkungen zwischen der Ost- und Westzone, mit der „Berlin-Krise“ zwischen Sommer 1948 und Frühjahr 1949 kam der Interzonenhandel durch Blockade und Gegenblockade zum Erliegen. Vgl. Roesler 1997, S. 150.

95 May, Ruth: Planstadt Stalinstadt. Ein Grundriss der frühen DDR - aufgesucht in Eisenhüttenstadt, Dortmund 1999, S. 28.

96 Diese drei Varianten für ein metallurgisches Zentrum werden in der Diplomarbeit von Ruth May diskutiert. Vgl. May 1998, S. 32.

97 Ludwig 2000, S. 26; Vgl. Roesler 1997, S. 151.

98 Der Fünfjahrplan umfasste den Zeitraum 1951-1955. Große Priorität hatte in den ersten zwei Jahren die Roheisenproduktion, um darauf aufbauend den Maschinenbau sowie die Energiewirtschaft zu fördern.

99 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 18.

100 Protokoll der Verhandlungen des III. Parteitages des Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 20. bis 24. Juli 1950, 1. - 3. Verhandlungstag, Berlin 1951, S. 356.

101 Mit dem „Görlitzer Abkommen“ ist die Unterzeichnung des „Abkommens über die Markierung der festgelegten und bestehenden deutsch-polnischen Staatsgrenze“ gemeint, welche am 6. Juli 1950 durch die Ministerpräsidenten Grotewohl und Cyrankiewicz vollzogen wurde.

102 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 20.

103 Siehe Abb. 2 im Anhang.

104 Siehe Abb. 3 im Anhang.

105 Vgl. ebd. Dieser Symbolwert durchzieht die Aufbauphase von Werk und Stadt und „wird als anhaltend in der späteren Bedeutung von Eisenhüttenstadt bewertet.“ Ludwig 2000, S. 29.

106 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 20. Im Dezember 1945 lebten 1,2 Millionen Menschen mehr im Gebiet der SBZ als 1939, im Oktober 1946 sogar 3,4 Millionen mehr als 1939. „Einschneidende demographische Umschichtungen gab es sowohl wegen der Evakuierungen, als auch wegen des Flüchtlingsstromes aus den Ostgebieten oder der großen Zahl von Kriegsgefangenen, die noch festgehalten wurden.“ Weber, Hermann: Die DDR 1945-1990, München 1993, S. 11.

107 Vgl. May 1998, S. 26.

108 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 21.109 May 1998, S. 38.

110 Ebd.

111 Vgl. Ludwig 2000, S. 27f.; May 1998, S. 38.

112 Die abnehmende Industrie befand sich bei Berlin, Magdeburg und im sächsischen Raum. Vgl. Abb. 2 im Anhang.

113 Roesler 1997, S. 152.

114 Ebd.

115 Vgl. Schultz, Helga: Oderregion in wirtschafts- und sozialhistorischer Perspektive. In. Schultz, Helga / Nothnagle, Alan: Grenze der Hoffnung, Potsdam 1996, S. 79-113. Hier S. 97f.

116 Diskussion der möglichen Standorte siehe Dokument 4 im Anhang.117 Ludwig 2000, S. 29f.

118 Leucht 1957, S. 16. Siehe Abb. 4 im Anhang.

119 Leucht 1957, S. 9.

120 Gemeint sind z. B. Komplexrichtlinien für die städtebauliche Planung und Gestaltung von Wohngebieten. in der jeweils geltenden Fassung.

121 May 1998, S. 99.

122 Ebd., S. 84.

123 Leucht 1957, S. 10.

124 Vgl. 3. Grundsatz.

125 Vgl. Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 105.

126 Stalin starb am 5. März 1953. Am 7. Mai desselben Jahres erhielt die Stadt in einem Festakt den Namen Stalinstadt und das EKO wurde in „Eisenhüttenkombinat J.W.Stalin“ (EKS) umbenannt. „Damit erhielt die neue Stadt den in dieser Zeit ehrenvollsten Namenspatron zugesprochen.“ Ludwig 2000, S. 51. 1961 im Zuge der Entstalinisierung erhielt die Stadt ihren heutigen Namen Eisenhüttenstadt.

127 Knauer-Romani 2000, S. 192f.

128 Vgl. 14. Grundsatz.

129 Ebd., S. 134.

130 Ebd., S. 193.

131 Leucht 1957, S. 84.

132 Ebd., S. 11.

133 Ebd.

134 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 250.

135 „Die Sechzehn Grundsätze des Städtebaues vom 27. Juli 1950 mit Erläuterungen von Lothar Bolz“ abgedruckt in: Durth / Düwel / Gutschow 1998, Bd. 2, S. 84.

136 Richter / Förster / Lakemann 1997, S. 90.

137 Vgl. 14. Grundsatz.

138 Vgl. Lampugnani 2010, Bd. 2, S. 563.

Ende der Leseprobe aus 140 Seiten

Details

Titel
Eisenhüttenstadt – die erste sozialistische Planstadt der DDR
Untertitel
Eine Analyse zur Umsetzung der 16 Grundsätze des sozialistischen Städtebaus
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Neueste Geschichte)
Veranstaltung
DDR-Geschichte
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
140
Katalognummer
V201339
ISBN (eBook)
9783656292111
ISBN (Buch)
9783656293224
Dateigröße
17698 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Thema wurde in dieser Art das erste Mal bearbeitet, veröffentlicht und fand bei allen Lesern und Kennern (z.B. Stadtplanungsamt Eisenhüttenstadt, Dozenten der Uni usw.) eine sehr gute Bewertung / Kritik.
Schlagworte
sozialistischer Städtebau, 16 Grundsätze des Städtebaus, Architektur der DDR, Eisenhüttenstadt, Stalinstadt, Planstadt DDR
Arbeit zitieren
Marco Schmidt (Autor), 2011, Eisenhüttenstadt – die erste sozialistische Planstadt der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201339

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