Regimegeförderte Architektur - Speers Großbauprojekte


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Albert Speers

3. Speers Großbauprojekte
3.1. Das Nürnberger Reichsparteitaggelände
3.1.1. Das Zeppelinfeld
3.1.2. Das Märzfeld und die Luitpoldarena
3.1.3. Analyse
3.2. Die Neue Reichskanzlei
3.3. Die Neugestaltung Berlins
3.3.1. Der Triumphbogen und die große Straße
3.3.2. Die große Halle
3.3.3. Analyse

4. Die Kehrseite Speers Großbauprojekte

5. Baupolitische Ideologie im Dritten Reich

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Als nach dem Tod des Führers ersten Architekten Paul Ludwig Troost Albert Speer am 21. Januar 1934 seinen Posten übernahm, konnte der damals Neunundzwanzigjährige sich bei weitem nicht ausmalen, welche architektonischen Großbauprojekte der Führer Adolf Hitler mit dem jungen Künstler im Sinn hatte. Schon früh erkannte die Führung der Nationalsozialisten, allen voran Josef Goebbels, dass ausnahmslose Talent Speers, Wünsche und Vorstellungen detailgetreu umzusetzen. Nachdem er 1934 mit dem Projekt des Nürnberger Reichsparteitaggelände betraut wurde, drei Jahre später zum Generalinspekteur für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin ernannt wurde, gipfelte seine Arbeiten in der Planung der Welthauptstadt Berlin. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Großbauprojekte Speers unter der Ägide des Hakenkreuzes zu untersuchen. Hitler sah in den Bauwerken seiner Zeit nicht nur stilechte Gebäude, sondern vor allem machtpolitische Propaganda. In ihnen sollte das Nationalbewusstsein des Volkes wieder erstarken und den nachkommenden Generationen die Stärke und Größe Deutschlands veranschaulichen.[1] Es sollen die folgenden Bauprojekte beleuchtet werden: Das Nürnberger Reichsparteitaggelände, Hitlers Reichskanzlei sowie die Planung und Umgestaltung Berlins zu einer Welthauptstadt. Daran anschließend wird zur Analyse der Werke übergegangen. Anhand dieser drei Hauptwerke soll die nationalsozialistische Architektur unter dem Licht der Repräsentativbauten erläutert werden. Wie stark trug Hitlers Ideologie maßgeblich zur Gestaltung der Bauten bei und inwieweit flossen sie mit ein in die Politik mit.

2. Biografie Albert Speers

Als Sohn liberaler Eltern kam Albert Speer am 19. Mai in Mannheim zur Welt.

Nach mehrmaligem Studienortwechsel von Karlsruhe über München und schlussendlich nach Berlin, verblieb er nach Abschluss seines Architekturdiploms in der Hauptstadt als Assistent des Professors Heinrich von Tessenow an der Technischen Universität.[2] Durch eine Rede Hitlers in der Berliner Hasenheide mitgerissen, trat er 1931 der NSDAP bei. Nachdem er im Auftrag der Berliner Gauleitung eine Villa in der Voßstraße zu deren Hauptbüro um modellierte, fand er schnell Anschluss an die Parteispitze, sodass er zum technischen Assistenten Paul Ludwig Troosts, des Führers erster Baumeister, aufstiegt.[3] Nach dessen Tod konnte er die Gunst Hitlers erringen und übernahm die Funktion seines verstorbenen Chefs. Im selben Jahr noch beauftragte Hitler ihn mit dem Neubau des Nürnberger Reichsparteitaggeländes. Drei Jahre später zog er mit seiner Familie auf den Obersalzberg in die Nähe des Führers und wurde ein paar Monate später, am 1. September, zum Generalbauinspekteur zur Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin und anderer deutscher Städte ernannt. Auf Drängen Adolf Hitlers schaffe er es, innerhalb 362 Tagen die neue Reichskanzlei in der Voßstraße zu errichten und begann nebenher mit der Umgestaltung Berlins zu einer Welthauptstadt – ein Projekt, was aufgrund des Krieges nicht zu Ende geführt werden konnte. Während des zweiten Weltkrieges wurden er zunächst zum Minister für Bewaffnung und Munition, ein Jahr später, 1943, zum Rüstungsminister ernannt. Nach seiner Gefangennahme in Glücksburg am 22.5 1945 verbüßte er eine zwanzigjährige Haftstrafe in den Gefängnissen von Nürnberg und Berlin – Spandau und brachte nach seiner Freilassung den Bestseller „ Erinnerungen“ auf den Markt. Während einer Reise starb Albert Speer im Alter von 76 Jahren, am 1. September 1981, in London.

3. Speers Großbauprojekte

3.1. Das Nürnberger Reichsparteitaggelände

Nachdem Albert Speer die Funktion des verstorbenen Paul – Ludwig Troosts übernahm, betraute Hitler ihm mit dem Neubau der Nürnberger Reichsparteitagkulisse. Geplant waren vier Gebäudekomplexe auf einem Areal von 16,5 km2, wovon nur zwei, die Luitpoldarena und das Zeppelinfeld, zu Ende geführt wurden. Die anderen Projekte mussten aufgrund des Kriegsausbruchs 1939 eingestellt werden.[4] Gefordert war ein Areal, auf dem eine Millionen Menschen einmal jährlich zu den Parteitagen Platz finden konnten, um Aufmärsche, Reden von Politikern, sowie militärische Vorführungen zu bestaunen. Hitler wollte sich ein Forum schaffen, wo er seinem Volk, aber vor allem der internationalen Staatengemeinschaft seine ganze Macht zum Ausdruck bringen konnte. Speer hatte den Auftrag, die Gebäude architektonisch so zu konzipieren, dass einerseits möglichst viele Menschen darauf Platz finden konnte, andererseits diese gleichzeitig von den Ereignissen vereinnahmt und beeinflusst werden. Insgesamt bestand das Reichsparteitaggelände aus vier Gebäudekomplexen: Dem Zeppelinfeld, der Luitpoldarena, dem Märzfeld sowie der Kongresshalle. Ein Großteil des Märzfeldes sowie der Kongresshalle konnten nie vollends zu Ende gebaut werden.[5] Des Weiteren war noch die Deutsche Arena geplante, die zur damaligen Zeit das größte Stadion der Welt hätte werden sollen. Insgesamt hätte das Stadion, bei Vollendung des Projekts, knapp 400.000 Zuschauer gefasst und wäre mit einer Höhe von 100 und einer Länge von 540 Metern das größte Gebäude auf dem Gelände geworden. Selbst der Circus Maximus, mit einer Kapazität von 150.000 Zuschauern, hätte demgegenüber dürftig ausgesehen. Von Norden nach Süden führte entlang der Gebäude eine zwei Kilometer lange Paradestraße, die mit Granitplatten bepflastert war. Diese diente vornehmlich zur Darbietung militärischer Aufmärsche sowie zur psychologischen Vereinnahmung des Einzelnen in das große Geschehen.

3.1.1. Das Zeppelinfeld

Auf dem Zeppelinfeld, das 290 mal 310 Meter große war, fanden ungefähr 250.000 Besucher Platz.Dem Feld vorgelagert wurde die aus Jurakalk bestehende Zeppelintribüne erbaut, welche 390 Meter lang und 25 Meter hoch war. Die symmetrisch, neoklassizistisch angelegte Tribüne fasste weitere 70.000 Menschen.[6] Nach oben hin wurde sie durch eine lange Pfeileranlage abgeschlossen und von beiden Seiten von zwei Ecktürmen flankiert, auf denen sich ewig brennende Flammen befanden. In der Mitte stach die Ehrentribüne heraus, auf der neben hohen Parteifunktionären Hitler saß.[7] Das Zeppelinfeld ist der erste Komplex Speers, welcher nach der Ruinenwerttheorie erbaut wurde. Wie man aus seinem Werk „Erinnerungen“ lesen kann, meinte der Architekt damit die Verwendung qualitativ einwandfreier Materialien, die unter Berücksichtigung statischer Gegebenheiten dafür sorgen sollten, dass die Gebäude noch hunderte Jahre später im alten Glanz erstrahlen sollten.[8] Weiterhin gilt Speer als Vorreiter der Lichtarchitektur, da er rund um das Zeppelinfeld, in Abständen von 12 Metern Flakscheinwerfer aufstellen lies, deren Lichtstrahl bis zu acht Kilometer in die Luft streute und somit den Effekt eines Lichtdoms erzeugte. Speer wollte damit der Menschenmassen das Gefühl einer gläubigen Menschenmasse indoktrinieren.[9]

3.1.2. Das Märzfeld und die Luitpoldarena

Benannt wurde das 611 mal 913 Meter große Gelände auf der einen Seite nach dem Kriegsgott Mars, auf der anderen Seite nach dem Monat, indem Hitler die Wehpflicht wieder eingeführt hatte. Dort sollte die Wehrmacht zur Unterhaltung der Zuschauer Übungen inszenieren und ihre militärische Stärke darbieten. Das Märzfeld war festungsartig ausgerichtet, da es sich nur zur Paradestraße hin einen Spalt öffnete, ansonsten von einer Tribüne umgeben war, die von 24 Türmen aus Travertin gegliedert wurde. Wie schon auf dem Zeppelinfeld war auch hier eine Ehrentribüne angedacht, die von einer 60 Meter hohen Skulptur gekrönt werden sollte, die die Freiheitstatue oder Neros Kolossalfigur in den Schatten gestellt hätte. Hierbei zeigt sich gut, dass Hitler mit seinen Monumenten alle zuvor Errichteten andere Herrscher übertreffen wollte.[10] Insgesamt hätten 150 000 Zuschauer auf den Tribünen die Spektakel der Wehrmacht betrachten können. Auch hier sollte der festungsartige Charakter die Macht des Regimes verdeutlichen sowie disziplinierend auf die Menschenmengen einwirken.[11]

[...]


[1] Vgl. Lane, Barbara Miller, Architektur und Politik in Deutschland 1918 – 1945, Braunschweig 1986, S. 180.

[2] Vgl. Speer, Albert, Architektur. Arbeiten 1933 – 1942, Frankfurt 1978, S. 10.

[3] Vgl. Speer, Architektur, S. 113.

[4] Vgl. Petsch, Joachim, Baukunst und Stadtplanung im Dritten Reich. Herleitung, Bestandsaufnahme, Entwicklung, Nachfolge, München 1976.

[5] Vgl. Petsch, Stadtplanung, S. 94 f.

[6] Vgl. Dietzfelbinger, Eckart, Reichsparteitagsgelände Nürnberg. Restaurieren – Nutzen – Vermitteln, in: Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz ( Hrsg. ), Architektur und Städtebau der 30er/40er Jahre., Bd. 48, Bonn 1994, S.64.

[7] Vgl. Petsch, Stadtplanung, S.94.

[8] Vgl. Speer, Albert, Erinnerungen, München 2005, S. 69.

[9] Vgl. Petsch, Stadtplanung, S.94 f.

[10] Vgl. Weihsmann, Helmut, Bauen unterm Hakenkreuz. Architektur des Untergangs, Wien 1998, S. 37.

[11] Ebd. S. 95.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Regimegeförderte Architektur - Speers Großbauprojekte
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Kunstgeschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V201354
ISBN (eBook)
9783656273622
ISBN (Buch)
9783656274285
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regimegeförderte, architektur, speers, großbauprojekte
Arbeit zitieren
Hans-Egmont Seerhausen (Autor:in), 2011, Regimegeförderte Architektur - Speers Großbauprojekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201354

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