Eine Untersuchung des Krugmotivs in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug"


Seminararbeit, 2003
8 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

1. Einleitung

„[…] Denn der zerbrochene Krug ist nichts anderes als der Titelheld dieses Dramas und als solcher in besonderem Maße unserer Aufmerksamkeit würdig […].[1]

Nicht umsonst bezeichnet Graham den zerbrochenen Krug als Titelhelden des Dramas, denn das Motiv des Kruges stellt eine wesentliche Rolle im Stück dar und fordert somit eine intensive Auseinandersetzung mit ihm geradezu heraus. Viermal ist der zerbrochene Krug Herrscher einer Szene: In dem einleitenden Streit über den rechtlichen Aspekt seines Bruches, in der Beschreibung von Frau Marthe, in ihrer Darstellung seiner Geschichte und schließlich, wie es einem Titelhelden gebührt, in den Schlussworten des Stückes.[2] Ganz von selbst stellt sich nun die Frage, was es mit diesem so bedeutenden Krug auf sich hat.

Der Leitfaden für diese Arbeit soll das zentrale titelgebende Krugmotiv sein, wobei hauptsächlich seine poetologischen, geschichtstheoretischen und medialen Aspekte untersucht werden sollen.

2. Zur Entstehung des Lustspiels Der zerbrochene Krug

Zuerst erscheint es als sinnvoll zu klären, wie es zu der Entstehung des Lustspiels Der zerbrochene Krug von Heinrich von Kleist kam.

In seiner Vorrede zum Zerbrochenen Krug schreibt Kleist Folgendes:

„Ich nahm die Veranlassung dazu aus einem Kupferstich, den ich vor mehreren Jahren in der Schweiz sah.“[3]

Hierbei handelt es sich um den Kupferstich mit dem Titel „Le juge ou la Cruche cassée“[4] von Jean Jacques Le Veau.[5] Jedoch ging dessen Original nicht, wie Kleist am Schluss seiner Vorrede vermutet, auf ein Bild eines niederländischen Meisters zurück (ZK 3), sondern auf ein Ölgemälde des französischen Malers Louis Philibert Debucourt (1755 - 1832).[6]

Das Stück verdankt seine Entstehung demnach einem Wettstreit zwischen den Freunden Heinrich von Kleist, Heinrich Zschokke und Ludwig Wieland.[7] Jeder von ihnen versprach „[…] seine eigentümliche Ansicht [über dieses Gemälde] schriftlich auszuführen“.[8] Für Wieland sollte diese Aufgabe zu einer Satire, für Kleist zu einem Lustspiel und für Zschokke zu einer Erzählung werden.[9]

Ohne Zweifel hat Kleists Lustspiel die berühmteste Ausgestaltung dieses Bildes geschaffen.

Eine weitere Quelle für das Lustspiel entnahm Kleist dem König Ödipus des Sophokles (Vgl. HK 3), und wird demnach auch als „analytisches Drama“ oder „Enthüllungsdrama“ bezeichnet.[10]

3. Analyse des Lustspiels Der zerbrochene Krug im Hinblick auf das Krugmotiv

3.1. Der poetologische Aspekt des Kruges

Das Stück Der zerbrochene Krug von Heinrich von Kleist umfasst dreizehn sehr unterschiedlich lange Auftritte. Auch wenn Kleist auf die Einteilung in Akte verzichtet hat, lässt sich das Stück in die typischen fünf Akte gliedern.[11] Folglich beginnt der zweite „Akt“ ab dem 6. Auftritt, nämlich dann, wenn der zerbrochene Krug ins Spiel kommt, der auch das Problem des Stückes darstellt (vgl. ZK 21).[12]

Hierbei geht es nicht um ein simples Gefäß, welches zerbrochen ist; hinter diesem Krug steckt vielmehr. Er wird im Laufe des Stücks zu einem Symbol erhoben, und widerspiegelt die Beziehung sprachlicher Zeichen und dessen, worauf sie verweisen.[13]

Das zentrale Geschehen des Stücks stellt der zerbrochene Krug dar, der ohne große Abschweifungen und Nebenhandlungen behandelt wird. Der Ort, die Gerichtsstube, wechselt nicht und die Handlung vollzieht sich kontinuierlich und umfasst wahrscheinlich nur wenige Stunden. Somit befolgt Kleist mühelos die Aristotelische Forderung nach den „drei Einheiten der Handlung, des Ortes und der Zeit“.[14]

[...]


[1] Ilse Graham: Der zerbrochene Krug - Titelheld von Kleists Komödie. In: Wege der Forschung. Heinrich von Kleist. Hrsg. von Walter Müller - Seidel. Darmstadt 1967, S. 272.

[2] Vgl. ebd., S.276.

[3] Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Durchgesehene Aufl. Stuttgart: Reclam 2001, S. 3. Im Folgenden werden Zitate unter der Verwendung der Sigel „ZK“ im Text nachgewiesen.

[4] Übersetzt „Der Richter oder der zerbrochene Krug“

[5] Auf diesem Kupferstich waren der „gravitätisch auf dem Richterstuhl sitzende Richter, eine alte Frau mit dem zerbrochenen Krug, der Beklagte, ein junger Bauernkerl, ein Mädchen und der Gerichtsschreiber abgebildet“. (Vgl. dazu: Vorrede in Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug. S. 3.)

[6] Vgl. Helmut Sembdner: Heinrich von Kleist. Der zerbrochene Krug. Erläuterungen und Dokumente. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausg. Stuttgart: Reclam 1982, S. 70.

[7] Heinrich Zschokke ( 1771 – 1848), deutscher Schriftsteller und Ludwig Wieland (1777 – 1819), deutscher Dichter.

[8] Vgl. Helmut Sembdner: Heinrich von Kleist. Der zerbrochene Krug, S. 73

[9] Vgl. ebd., S.73.

[10] Vgl. Jochen Schmidt : Hein

rich von Kleist. Studien zu seiner poetischen Verfahrensweise. Max Niemeyer Verlag. Tübingen 1974, S. 226.

[11] Vgl. Bernhard Asmuth : Einführung in die Dramenanalyse. 4., verbesserte und ergänzte Aufl. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler 1994, S. 37.

[12] Vgl. Jochen Schmidt : Heinrich von Kleist. Studien zu seiner poetischen Verfahrensweise, S. 115.

[13] vgl. Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Hrsg. von Charles Balley, Albert Sechehaye. Unter Mitw. von Albert Riedlinger. Übers. Von Herman Lommel. 3. Aufl.. Berlin, New York: de Gruyter, 2001.

[14] Aristoteles: Poetik. Griechisch/ Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart: Reclam 1982.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Eine Untersuchung des Krugmotivs in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Einführung in die Neue Deutsche Literatur
Note
2,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
8
Katalognummer
V201377
ISBN (eBook)
9783656281757
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, untersuchung, krugmotivs, heinrich, kleists, krug
Arbeit zitieren
Laura R. (Autor), 2003, Eine Untersuchung des Krugmotivs in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201377

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