Der Deutsche Orden - Herrschaftskonsolidierung in Preußen und Livland nach Innen und Außen


Essay, 2012

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vertragliche Legitimation des Ordensstaates durch die Goldbulle von Rimini, den Kruschwitzer Vertrag und die Bulle von Rieti

3. Militärische Absicherung der eroberten Gebiete durch die Errichtung eines Burgensystems, sowie das Erhalten von Subsidien und militärischer Unterstützung aus dem Reich aufgrund der Litauer-Kreuzzüge

4. Städte-, Siedlungspolitik und Einführung des Kulmer Rechts

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Deutsche Orden ist eine ca. 1190, während der Belagerung von Akkon[1] , gegründete Organisation, welche zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Ritterorden seiner Zeit aufstieg. Durch Schenkungen erlangte er Besitzungen im gesamten Mittelmeerraum, sowie im Heiligen römischen Reich deutscher Nation. Andere Territorien okkupierte der Orden durch kriegerische Handlungen gegen heidnische Völker, bis hin zur Errichtung eines eigenen Hoheitsgebietes im eroberten Preußen und Livland.

Das folgende Essay wird sich mit der Problematik beschäftigen, wie der Deutsche Orden es schaffte, eben jenen Ordensstaat nach innen und außen zu konsolidieren. Dazu werden drei verschiedene Aspekte untersucht, und zwar die vertragliche Legitimation des Ordensstaates, die militärische Absicherung des eroberten Gebietes und die Städte- und Siedlungspolitik.

Das Verlangen einer vertraglichen Legitimation des Ordensstaates resultierte aus negativen Erfahrungen mit König Andreas II. von Ungarn, welcher dem Orden für Hilfe im Krieg gegen die heidnischen Kumanen ein eigenes Territorium auf dem eroberten Boden in Aussicht stellte, später aber aus Angst vor einem wachsenden Einfluss der Ordensritter in seinem Hoheitsgebiet sein Versprechen brach und gegen sie intervenierte.[2] Dies machte es für den Orden unabdingbar, dass ihm die eroberten Gebiete vertraglich zugesichert wurden. Konrad I. von Masowien, welcher den Deutschen Orden im Winter 1225/1226 zu Hilfe gegen die Prussen rief[3] , stimmte einem solchen Kontrakt 1230 zu.[4] Der römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. garantierten dem Orden bereits 1226 in der Goldbulle von Rimini die Inbesitznahme der von den Heiden eroberten Gebiete.[5] Das im Entstehen begriffene Ordensland wurde 1234 in der Bulle von Rieti als weltlichem Herrscher Papst Gregor IX. unterstellt.[6]

Schon während der langwierigen Phase der Eroberung, die sich aufgrund von Aufständen der Prussen von 1231 bis 1283 hinzog[7] , begann der Orden das gewonnene Territorium durch ein Netz aus Burgen an strategisch wichtigen Knotenpunkten, Straßen und Flüssen militärisch zu sichern. Nach der Niederlage 1242 gegen Alexander Newski, dem Fürsten von Nowgorod, stoppte der Deutsche Orden seine Expansionspolitik im Nordosten am Peipus-See.[8] Diese Schlacht setzte die verschiedenen Einflusssphären für über 150 Jahre lang fest. Die eroberten Gebiete Preußens und Livlands wurden in der Mitte durch das Territorium der heidnischen Litauer getrennt.[9] In den folgenden Dekaden konnte der Orden seiner Hauptaufgabe, dem Heidenkampf, unbeirrt nachgehen, indem er gegen eben jene Litauer ins Feld zog.

Die Städte- und Siedlungspolitik basierten vor allem auf dem Verteilen von Privilegien, wie einer zeitlich begrenzten Befreiung von Abgaben und Steuern für neue Siedler aus dem Reich und auf der Einführung des Kulmer Rechts, welches auf dem Magdeburger Recht basierte. So konnte mit neuen Siedlern von Außerhalb und in den Ordensstaat eingegliederten einheimischen Prussen eine Vielzahl neuer Städte und Siedlungen gegründet werden.[10]

2. Vertragliche Legitimation des Ordensstaates durch die Goldbulle von Rimini, den Kruschwitzer Vertrag und die Bulle von Rieti

Der Deutsche Orden bestand als eine kirchliche Institution und der Hochmeister gehörte zwar dem geistlichen Stande, aber nicht dem engeren Kreis der Reichskirche an, was dazu führte, dass man ihn nicht mit Lehen versehen konnte, zumal dies 1215 ausdrücklich vom Papst verboten worden war.[11] Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II., der eine sehr hohe Meinung vom Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza, hatte[12] , bestätigte daher 1226 in der Goldbulle von Rimini, dass dem Hochmeister für seine Dienste gestattet war „das Kulmer Land und ein anderes angrenzendes Land, das der polnische Hzg. Konrad von Masowien und Kujawien zur Bekehrung der Preußen dem Dt. Orden schenken will, sowie alles in Preußen zu gewinnende für (…) den Dt. Orden in Besitz zu nehmen“.[13] Zudem erlangte der Orden die Besitzrechte an jedweder Art von Bodenschätzen, das Münzrecht und das Versprechen, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Der Ordensstaat wurde durch diese Urkunde ein eigenständiger und souveräner Staat, der hoheitsrechtlich vom restlichen Reich getrennt sein sollte.[14]

Der Kruschwitzer Vertrag legte 1230 fest, dass der polnische Herzog Konrad I. von Masowien dem Deutschen Orden „das Kulmer Land sowie alle künftigen Eroberungen in Preußen mit allen zugehörigen Rechten als Schenkung übertragen“[15] sollte und erfüllte so, was sich der Orden 1226 in der Goldbulle von Rimini hatte versprechen lassen. Sein Wortlaut legt die Vermutung nahe, dass er von einem Ordensmitglied verfasst wurde. Durch den Kruschwitzer Vertrag wurde dem Orden, anders als beim gescheiterten Versuch in Siebenbürgen, rechtsgültig ein eigenes Territorium garantiert. Man betrachtete ihn als legitime Erlaubnis zur Errichtung eines autonomen Staates in Preußen.[16]

1234 verfügte Papst Gregor IX. in der Bulle von Rieti, dass „das dem Orden bereits gehörende Land und alle künftigen Eroberungen in Preußen unter dem Schutz des Apostol. Stuhles“[17] standen. Faktisch machte ihn die Bulle zum weltlichen Herr über den Ordensstaat, weshalb er sich die beispielsweise das Auferlegen eines jährlichen Zinses vorbehielt.[18]

Der Wert der Goldbulle von Rimini liegt darin, dass sie den verfassungsrechtlichen Rahmen zur Gründung des Ordensstaates bildete, dessen Souveränität garantierte und ihn vom Reich unabhängig machte. „Die historische Wirkung der G.B. findet nicht zuletzt ihre Erklärung darin, dass der Orden schon 1233 dieses Privileg durch die Kulmer Handfeste folgerichtig ergänzte und damit das Magdeburger Stadtrecht für die Ostsiedlung auch in Preußen wirksam werden ließ.“[19] Die Urkunde ist jedoch laut C. A. Lückerath „in der Historiographie retrospektiv einer mehrfachen Überdeutung unterworfen gewesen“[20] , da sie beispielsweise von Erich Caspar als „Zukunftsprogramm“[21] oder von den Forschern Heimpel und Patze als „Staatsgründungsurkunde“[22] bezeichnet wurde. Der Kruschwitzer Vertrag weist, ebenso wie die Bulle von Rimini, gewisse Ungereimtheiten auf. Zum einen beherbergen beide einige formale und inhaltliche Probleme, zum anderen wird ihre Echtheit, insbesondere die des Kruschwitzer Vertrages, von Historikern wie M. Perlebach[23] oder Helmut Kluger[24] , angezweifelt, während Forscher wie A. Seraphim[25] der Authentizität des Kontraktes Glauben schenken. Diese Echtheitskontroverse, die bis heute andauert, hat dahingehend Bedeutung, da, bei einem Fälschungsfall, die rechtliche Basis der Entstehung des Ordensstaates in von heidnischen Prussen erobertem Gebiet hinfällig wäre.

[...]


[1] Tumler, Der Deutsche Orden, S. 26.

[2] Ibidem, S. 193.

[3] Caspar, Hermann von Salza, S. 5.

[4] Boockmann H., Art. Deutscher Orden, in: Lexikon des Mittelalters, Band III, 1986, Sp. 771.

[5] Kluger, Hochmeister Hermann von Salza und Kaiser Friedrich II., S. 57 – 58.

[6] Boockmann H., Art. Deutscher Orden, in: Lexikon des Mittelalters, Band III, 1986, Sp. 771.

[7] Kinder, Hermann, dtv-Atlas Weltgeschichte, S. 199.

[8] Boockmann H., Art. Deutscher Orden, in: Lexikon des Mittelalters, Band III, 1986, Sp. 773.

[9] Kinder, Hermann, dtv-Atlas Weltgeschichte, S. 198.

[10] Boockmann H., Art. Deutscher Orden, in: Lexikon des Mittelalters, Band III, 1986, Sp. 773.

[11] Lückerath, C. A., Art. Goldene Bulle v. Rimini, in: Lexikon des Mittelalters, Band IV, 1989, Sp. 1541.

[12] Tumler, Der Deutsche Orden, S. 35.

[13] Lückerath, C. A., Art. Goldene Bulle v. Rimini, in: Lexikon des Mittelalters, Band IV, 1989, Sp. 1541.

[14] Ibidem.

[15] Lückerath, C. A., Art. Kruschwitzer Vertrag, in: Lexikon des Mittelalters, Band V, 1991, Sp. 1553.

[16] Löwener, Die Einrichtung von Verwaltungsstrukturen in Preußen durch den Deutschen Orden bis Mitte des 13. Jahrhunderts, S. 31.

[17] Lückerath, C. A., Art. Rieti, Bulle v., in: Lexikon des Mittelalters, Band VII, 1995, Sp. 842.

[18] Löwener, Die Einrichtung von Verwaltungsstrukturen in Preußen durch den Deutschen Orden bis Mitte des 13. Jahrhunderts, S. 85 – 87.

[19] Lückerath C. A., Art. Goldene Bulle v. Rimini, in: Lexikon des Mittelalters, Band IV, 1989, Sp. 1541.

[20] Ibidem.

[21] Caspar, Hermann von Salza, S. 13.

[22] Lückerath, C. A., Art. Goldene Bulle v. Rimini, in: Lexikon des Mittelalters, Band IV, 1989, Sp. 1541

[23] Lückerath, C. A., Art. Kruschwitzer Vertrag, in: Lexikon des Mittelalters, Band V, 1991, Sp. 1553.

[24] Kluger, Hochmeister Hermann von Salza und Kaiser Friedrich II., S. 54 – 55.

[25] Lückerath, C. A., Art. Kruschwitzer Vertrag, in: Lexikon des Mittelalters, Band V, 1991, Sp. 1553.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Orden - Herrschaftskonsolidierung in Preußen und Livland nach Innen und Außen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar "Das 13. Jahrhundert"
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V201518
ISBN (eBook)
9783656275404
ISBN (Buch)
9783656276302
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsche, orden, herrschaftskonsolidierung, preußen, livland, innen, außen
Arbeit zitieren
Thomas Weber (Autor), 2012, Der Deutsche Orden - Herrschaftskonsolidierung in Preußen und Livland nach Innen und Außen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201518

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