Nabokov's Ironie

Lolita vs. Maschenka


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 VladimirNabokov

3 Ironie in der Literatur
3.1. Ironie bei Nabokov

4 Darstellung der beiden Romane
4.1. Maschenka
4.2. Lolita

5 Gegenüberstellung
5.1. Vergleich auffallender Merkmale bei Maschenka und Lolita
5.2. Untersuchung der beiden letzten Begegnungen

6 Schlussfolgerung

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vladimir Nabokov ist unumstritten einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Durch seinen komplexen und eloquenten Stil fallt er sowohl seinen Lesern als auch seinen Kritikern als brillianter Ironiker ins Auge. Da seine Werke vielen durch die sich immer wiederholenden sprachlichen Muster, durch inhaltliche Kernthemen und mehr oder weniger versteckte Querverweise auf andere schriftstellerische Meisterwerke des Literaturkanons miteinander verbunden scheinen, wird das Ziel dieser Hausarbeit sein, die Romane Maschenka und Lolita einander gegenüberzustellen und anhand vorher abgegrenzter Episoden zu vergleichen. Für ein besseres Verständnis Nabokovs finde ich es hilfreich über ein größeres Wissen hinsichtlich der Biographie des Schriftstellers zu verfügen, daher werde ich zu Beginn kurz aufjene eingehen, dann die für Nabokov so typische Verwendung von literarischer Ironie eingehender beleuchten, bevor ich anschließend die Handlung der beiden zu betrachtenden Romane kurz zusammenfassen werde.

Als abschließende Aufgabe habe ich es mir zum Ziel gemacht, herauszufinden, ob sich in Nabokovs Welterfolg Lolita ironische Anspielungen auf seinen Erstlingsroman Maschenka finden lassen.

Ich hoffe, in der Schlussfolgerung diese Frage dann beantworten zu können.

2. Vladimir Nabokov

Vladimir Vladimirovich Nabokov erblickte wahrscheinlich am 23. April 1899 in St. Petersburg, Russland, das Licht der Welt. Seine Eltern, welche finanziell ausgesprochen angenehm situiert waren, enstammten der russischen Aristokratie und galten als hochgebildet. Sein Vater, Vladimir Dmitrievich Nabokov, war ein bekannter und angesehener liberaler Politiker, während seine künstlerisch begabte Mutter adliger Herkunft war. Im Hause Nabokov wurde eine Melange aus drei Sprachen gesprochen - Französisch, Englisch und Russisch - was dazu führte, dass Nabokov sich später als „vollkommen normales trilinguales Kind aus einer Familie mit einer umfangreichen Bibliothek“1 beschrieb. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er vornehmlich in St.Petersburg, wobei er die Sommermonate regelmäßig auf dem familieneigenen, 50 Meilen südlich von St.Petersburg gelegenem Landsitz in Wyra verbrachte.2 Die liberale, westlich geprägte Stimmung im Nabokov'schen Haushalt, der Einfluss multilingualer Tutoren sowie ausgedehnte und häufige Reisen ins Ausland - z.B. nach Berlin, Paris oder an die Adria - hatten einen prägenden und stimulierenden Einfluss auf den Geist des jungen Vladimir3 und spielten in seiner späteren Entwicklung als Künstler eine wichtige Rolle.4 Nabokov entwickelte sich als Kosmopolit und hatte eigenen Aussagen nach - weder als Kind noch als Erwachsener - ein Interesse an Literatur mit moralischer Vorbildsfunktion oder am Kommentieren der sozial immer schwieriger werdenden Situation in Russland.5 In der Schule distanzierte er sich von seinen Mitschülern; er galt als hochmütig, und nahm sogar auf dem Fußballfeld die Einzelkämpferrolle des Torwarts ein.6 Zu seiner Familie hatte er ein enges Verhältnis; speziell mit dem früh verstorbenen Vater, mit dem er die Leidenschaft für die Schmetterlingskunde teilte, verbrachte er so viel Zeit wie möglich.7 Mit Anbruch der Februarrevolution 1917 verließ die Familie Nabokov Russland und siedelte über Jalta im Jahr 1919 nach Berlin, während Vladimir nach Camebridge ging, um dort zuerst Fischkunde und später Französische und Russische Literatur zu studieren. Nach Erlangen seines Abschlusses, zog auch er nach Berlin und sicherte sich dort mit vielen verschiedenen Nebenjobs ein dürftiges Überleben. Unter dem Namen ,,Vl. Sirin“ beginnt VN in der russischen Emigrantenzeitschrift Rul', für die sein Vater für geraume Zeit als Redakteur gearbeitet hatte, einige erste Schriften zu publizieren. An der Namensgebung seines Pseudonyms zeigt sich bereits Nabokovs Vorliebe für versteckte Hinweise, denn mit „Sirin“ verweist er auf die Sagengestalten aus dem russichen Volksglauben, die Vögel des Kummers, welche Zwitterwesen aus Eulen und Frauen sind.8

In Berlin lernt er auch seine Frau Véra Slonim kennen, hier wird geheiratet und hier kommt auch der einzige Sohn Dmitri zur Welt. 1937 flieht Vladimir mit seiner Frau und dem Sohn vor dem Nazi-Regime nach Paris, wo er seinen ersten Roman auf Englisch verfasst und insgesamt 3 Jahre bleibt, bevor er 1940 nach Amerika übersiedelt. Seinen ersten Job findet er in New York im Museum of Natural History, wo er als passionierter Lepidopterologe für das Klassifizieren von Schmetterlingen bezahlt wird. Seine Liebe für die Schmetterlingskunde lässt er auch in Form diverser sprachlicher Muster und Metaphern in seine Schriften einfließen. Nach 15 Jahren als Schmetterlingskundler, Literaturprofessor und Übersetzer veröffentlichte er 1955 den für die damalige Zeit skandalösen Liebesroman Lolita, der ihm zu Weltruhm verhalf und ihm erlaubte, sich für den Rest des Lebens von seinen Anstellungen an den verschiedenen Universitäten zu verabschieden, und mit seiner Frau nach Montreux in der Schweiz umzusiedeln, wo er sich auf sein eigenes literarisches Schaffen konzentrierte. Nabokov und seine Frau bleiben bis zu ihrem Lebensende in Montreux, wo er am 02. Juli 1977 an einem mysteriösen Lungenleiden verstirbt.9

3. Ironie in der Literatur

Der Begriff der Ironie entstammt ursprünglich der Philosophie und wird seit der Antike eingehend von den Gelehrten studiert. In ihrer einfachsten Definition bedeutet „Ironie“, dass man etwas sagt, aber eigentlich das Gegenteil meint.

Ironie lässt sich traditionell in zwei grobe Formen, welche jeweils in diverse Unterformen zerlegt werden können, einteilen. Die Ironie, die wir in unserem Alltag nutzen, verbalisieren wir üblicherweise als rhetorische Trope. Dies geschieht entweder nach dem Schema des „simultatio“, also so tun als ob, oder als „dissimultatio“, dem so tun als ob nicht. Die zweite Form von Ironie wäre die „Fiktionsironie“, die Form der Ironie, die sich durchgängig durch einen gesamten Text zieht, und somit einen literarischen Stil markiert.10

Die Voraussetzung für das Funktionieren von Ironie ist ein gewisses Grundwissen beim Leser - ein Weltwissen, dass „sich niederschlägt in sprachlicher Kompetenz, kulturellem Verständnis und literarischem Weitblick“11, welches vorhanden sein muss, damit der Leser in der Lage ist, die Ironie in dem von ihm gelesenen Text innerhalb dieses Weltwissens einordnen zu können.

Die verschiedenen Formen von Ironie können nun auf unterschiedlichste Weise eingesetzt werden, so ist es z.B. möglich, dass ironische Wendungen einfach aus der Freude an der Ironie selbst heraus angewendet werden; sozusagen als eine Art fortgeschrittenes Wortspiel. In anderen Fällen benutzt man Ironie als ein Mittel der Ästhetisierung. Dies könnte auf Themen zutreffen, denen eine gewisse Trivialität nachgesagt wird, wie z.B. 'das Wetter'.12 Die sprachliche Kompetenz, die bei der Ironie Voraussetzung ist, fasst ein triviales Thema in sprachlich anspruchsvolle Formen und mildert oder überwindet so die dem Thema anhaftende Belanglosigkeit. Ein ähnliches Ergebnis kann die Ironisierung tabuisierter Themen erwirken: ein z.B. gesellschaftliches Tabu wird mittels der Ironie sprachlich künstlerisch umrissen und somit in die Welt der Ästhetik umgelagert, wo es dann eigenständig und ungezwungener beleuchtet werden kann.13 Die Verwendung von Ironie kann dem Autor auch als ein Mittel der Distanzierung dienen. Indem er einen „unreliable narrator“, also einen unzuverlässigen Erzähler, einsetzt, welcher seine eigene imaginative Wirklichkeit schafft,14 kann er den Leser immer wieder „austricksen“ und hinters Licht führen, da die Realität des Erzählers nicht mit unserer Erwartungshaltung übereinstimmen muss. In einem so geschaffenen ästhetischem „Spielraum“ wird dem Autor die Möglichkeit gegeben, verpönte oder unantastbare Themen aufzugreifen, und freier zu behandeln. Im gleichen Augenblick kann gerade durch die Distanz auch eine größere Nähe zwischen Leser und Autor entstehen, da nur der Leser, der den Autor wirklich versteht, dessen Absichten und die künstlich geschaffene Distanz erst bemerkt.15

3.1. Ironie bei Nabokov

Vladmir Nabokov nutzt die Ironie in all ihren Spielarten - als rhetorische Tropen, Wiederholungen, als pures Ästhetisierungsmoment und durch das Einsetzen unzuverlässiger Erzähler, die obendrein noch dazu tendieren, sich selbst zu ironisieren. Während er sie in seinen frühen Werken noch spärlich und zaghaft auftreten lässt, entfalten sie in seinen späteren Schriften ihren vollen Umfang. Besonders in seinem Erfolgsroman Lolita, welcher hier im späteren Verlauf noch eingehender beleuchtet werden soll, lassen sich zahlreiche Mittel literarischer Ironie finden. Nabokovs Schriften zeichnen ihn als einen „großen Ironiker und [...] Stilisten“ aus, der die verschiedenen ästhetisierenden Momente der Ironie schichtet und übereinander legt16, ohne dabei mit hochgezogener Augenbraue nach der einzigen und echten Wahrheit zu jagen.

Liest man dann noch Interviews mit Nabokov, kann man sich gewiss sein, dass er auch im privaten Leben vor dem Gebrauch ironischer Wendungen nicht zurückschreckte. Allein die Bemerkung, er wäre ein „vollkommen normales, trilinguales Kind“ gewesen, lässt tief blicken, da sich die Trilingualität eines Sechsjährigen durchaus als etwas Außergewöhnliches bezeichnen lässt. In einem weiteren Interview beschreibt er sich, wieder die Kindheit betreffend, als einen Zauberer, der es liebte einfache Tricks zu vollführen - wie etwa Wasser in Wein zu verwandeln. Dies ist nicht nur eine ironische Anspielung auf seine eigene Brillianz, sondern könnte auch als ein parodistisch verpackter Seitenhieb des bekennenden Agnostikers17 auf eine der größten Heilsbringergestalten in den Weltreligionen, Jesus Christus, zu verstehen sein.

Beim Lesen Nabokovs fällt der häufige Gebrauch der Ironie als ästhetisches Mittel jedenfalls auf. Es kommt ebenfalls die Vermutung auf, dass der Autor großen Spaß an dieser sprachlichen Kür findet, mit der er es schafft, selbst dem eifrigsten Leser immer wieder neue Rätsel aufzugeben.

[...]


1 Http://www.libraries.psu.edu/nabokov/bio.htm

2 Ebenda

3 Donald E. Morton: Vladimir Nabokov, S.16 und 17

4 Http://www.libraries.psu.edu/nabokov/bio.htm

5 Donald E. Morton: Vladimir Nabokov, S.12

6 Http://www.libraries.psu.edu/nabokov/bio.htm

7 Donald E. Morton: Vladimir Nabokov, S. 20

8 Natalia Stagl: Muse und Antimuse - Die Poetik Vladimir Nabokovs, S.31

9 Http://www.libraries.psu.edu/nabokov/bio.htm

10 Kiana Ghaffarizad: Zur Funktion von Ironie in Skandalliteratur am Beispiel von Nabokovs Lolita, 2006, S.5

11 Ebd., S.6

12 Ebd., S.7

13 Ebd., S.7

14 Renate Hof: Das Spiel des unreliable narrator. , München, 1984, S.36

15 Kiana Ghaffarizad: Zur Funktion von Ironie in Skandalliteratur am Beispiel von Nabokovs Lolita, 2006, S.8

16 Donald E. Morton: Vladimir Nabokov, Hamburg, 1984, S. 13

17 Ebd., S. 15

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Nabokov's Ironie
Untertitel
Lolita vs. Maschenka
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Slawistik)
Veranstaltung
Körper, Gender und Erotik in der slawischen Literatur
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V201572
ISBN (eBook)
9783656281627
ISBN (Buch)
9783656283386
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nabokov, ironie, lolita, maschenka
Arbeit zitieren
Christl Hinte (Autor:in), 2012, Nabokov's Ironie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201572

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