Meine Hausarbeit für das Seminar „Interkulturelle“ Bildung, welches im Rahmen des Moduls gesellschaftliche Bedingungen von Erziehung angeboten wurde, wird sich vor allem mit soziologischen Aspekten von Bildung beschäftigen speziell der Bildungssoziologie. Da ich als Student der Sozialwissenschaften im Hauptfach Soziologie belegt habe, bietet sich dieser gefärbte Blickwinkel auf Bildung an.
Zunächst möchte in der Einleitung meine inhaltliche Gliederung vorstellen um im ersten Kapitel auf die Entwicklung und Besonderheiten der Bildungsforschung, besonders der Bildungssoziologie und Bildungsungleichheit eingehen. Im zweiten Teil meiner Hausarbeit möchte ich theoretische Aspekte der Bildungssoziologie benennen und die wichtigsten wissenschaftlichen Hauptströmungen benennen und mich im Laufe meiner Arbeit auf eine dieser Theorien fokussieren.
Im dritten Abschnitt widme ich mich, der für mich sehr inspirierende, Theorie der Kapitalsorten.
Im Anschluss der ausführlichen Betrachtung der theoretischen Aspekte Pierre Bourdieus, zeige ich die Praxisnähe seiner Theorie, die deshalb in der Soziologie im Fachterminus auch „Theorie der Praxis“ genannte wird, aufzeigen.
Deshalb möchte ich ein quantitatives Forschungsdesign erstellen, welches sich an der Kapitaltheorie orientiert um daraus Hypothesen zu generieren, welche der Fragestellung nachgehen sollen, ob ein ethnischer Hintergrund wesentlich mit dem Bildungserfolg im deutschen Schulsystem zusammenhängt.
Im letzten Kapitel möchte ich mich in der Schlussbemerkung zu dem Thema Bildungssoziologie und strukturelle soziale Ungleichheit positionieren und somit meinen wissenschaftlichen Beitrag zur Bildungsdiskussion leisten.
Ich wählte das Thema Bildungssoziologie und empirische Bildungsforschung auch deshalb, da der wissenschaftliche Diskurs sich noch im Prozess befindet und immer wieder in aktuellen Diskussionen in den Medien aufkommt; gerade die interkulturelle Bildung ist eine aktuelle Disziplin, die es interdisziplinär zu beforschen gilt. Wie oben bereits angekündigt, werde ich nun einen Einblick in die Geschichte der Bildungssoziologie und die der sozialen Ungleichheitsforschung geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungssoziologie und Bildungsforschung
3. Theorien der Bildungssoziologie
3.1 Modernisierungstheorie: sozialer Wandel und strukturelle Folgen
3.2 Humankapitaltheorie: von Rational Choice über Raymund Boudon
3.3 Bildungsprozesse als Ergebnis sozialer Konflikte
4. Zwischen Strukturalismus und Theorie der Praxis: Pierre Bourdieu
5. Kapitaltheorie und Interkulturelle Bildung: ein empirisches Experiment
6. Bildung als Privileg?: Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht soziologische Aspekte von Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem. Ziel ist es, durch die theoretische Linse der Kapitalsorten von Pierre Bourdieu zu analysieren, ob der ethnische Hintergrund in einem signifikanten Zusammenhang mit dem Bildungserfolg von Schülern steht.
- Entwicklung und Besonderheiten der Bildungssoziologie
- Theoretische Strömungen der Bildungsforschung
- Anwendung der Kapitaltheorie auf Bildungsentscheidungen
- Operationalisierung von Bildungsungleichheit
- Verknüpfung von sozioökonomischem Status und Schulerfolg
Auszug aus dem Buch
3.2 Humankapitaltheorie: von Rational Choice über Raymund Boudon
Die Humankapitaltheorie, wichtiger Bestandteil der so genannten Bildungsökonomie, versteht die Bildungsentwicklung als Ergebnis individueller Bildungsentscheidungen. Sie wurde zum ersten Mal von Schulz (1961) und Becker (1964) formuliert. Die Theorie hat ihre Wurzeln in der neoklassischen Volkswirtschaftslehre: als Marktteilnehmer, so die Ausgangsthese, wollen die Einzelnen ihr Bildungskapital vermehren und damit ihre Berufschancen verbessern (Nutzenmaximierung). Ihre nicht unumstrittene Geschichte führte zu einer Reihe kontroverser Diskussionen, aber auch zu einer Fortführung einer allgemeineren Rational Choice Theorie (vgl. Hill 2002). Von diesem Hintergrund wurde eine internationale Bildungsoffensive befördert, um wirtschaftliche Entwicklungsprozesse voran zu treiben, es galt die These in Menschen zu „investieren“. Bildung ist nach also nach dieser Vorstellung eine Investition, die einfach nicht in gleichem Masse Sinn macht. Wie bildet man nun aber diese Art Entscheidungsprozess modellhaft ab? Hierzu existieren eine Fülle von Modellen, die sich allerdings alle als Modelle rationaler Wahl verstehen und sich der Tradition von Rational Choice verschrieben haben. Einer der ersten Ideen stammt aus diesem Zusammenhang heraus von Raymond Boudon (1974):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, erläutert die soziologische Perspektive auf Bildung und stellt die geplante Gliederung sowie das Forschungsziel vor.
2. Bildungssoziologie und Bildungsforschung: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Entwicklung der Bildungssoziologie in der Bundesrepublik und thematisiert die Herausforderungen der empirischen Bildungsforschung.
3. Theorien der Bildungssoziologie: Es werden zentrale theoretische Hauptströmungen vorgestellt, die zur Erklärung von Bildungsphänomenen herangezogen werden.
3.1 Modernisierungstheorie: sozialer Wandel und strukturelle Folgen: Die Modernisierungstheorie wird als Ansatz zur Erklärung gesellschaftlichen Wandels und dessen Auswirkungen auf das Bildungssystem kritisch beleuchtet.
3.2 Humankapitaltheorie: von Rational Choice über Raymund Boudon: Der Fokus liegt hier auf der ökonomischen Sichtweise von Bildung als Investition und der Modellierung von Bildungsentscheidungen.
3.3 Bildungsprozesse als Ergebnis sozialer Konflikte: Dieser Abschnitt betrachtet Schule als Ort der Verteilung von Positionsgütern und analysiert die Rolle von Kultur bei der Aufrechterhaltung von Ungleichheit.
4. Zwischen Strukturalismus und Theorie der Praxis: Pierre Bourdieu: Das Kapitel führt in das Modell der Kapitalsorten Bourdieus ein und erklärt den Zusammenhang zwischen Habitus, sozialem Raum und Lebensstilen.
5. Kapitaltheorie und Interkulturelle Bildung: ein empirisches Experiment: Der Autor leitet auf Basis der Kapitaltheorie Hypothesen zum Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund ab.
6. Bildung als Privileg?: Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung der sozialen Herkunft für Bildungschancen und einem Exkurs zum Begriff der Bildung als Privileg.
Schlüsselwörter
Bildungssoziologie, Bildungsungleichheit, Pierre Bourdieu, Kapitalsorten, Humankapitaltheorie, Rational Choice, Sozialer Wandel, Bildungsforschung, Habitus, Migration, Bildungserfolg, Sozioökonomischer Status, Interkulturelle Bildung, Empirische Analyse, Soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit soziologischen Theorien der Bildungsforschung und deren Anwendung auf die Frage, wie strukturelle soziale Ungleichheit den Bildungserfolg beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Bildungssoziologie, verschiedene theoretische Erklärungsmodelle für Bildungsentscheidungen sowie die empirische Untersuchung von Bildungschancen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein quantitatives Forschungsdesign zu entwickeln, das prüft, inwiefern der ethnische Hintergrund und der sozioökonomische Status von Schülern deren schulischen Erfolg bedingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-deduktive Vorgehensweise, bei der soziologische Theorien (insbesondere von Pierre Bourdieu) herangezogen werden, um Hypothesen für eine quantitative empirische Analyse zu generieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Bildungssoziologie und die Vorstellung spezifischer Ansätze wie der Modernisierungstheorie, Humankapitaltheorie und der Theorie der kulturellen Reproduktion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Kapitalsorten, Habitus, Bildungsungleichheit, Rational Choice und soziale Herkunft definiert.
Wie definiert der Autor das Konzept des sozialen Kapitals im schulischen Kontext?
Soziales Kapital wird hier als Bündelung von Netzwerken und Sozialkontakten verstanden, die für die Positionierung im gesellschaftlichen Raum und den Bildungserfolg von Bedeutung sind.
Warum ist laut Autor die Theorie von Pierre Bourdieu für die Forschungsfrage besonders geeignet?
Die Theorie der Kapitalsorten erlaubt es, über rein ökonomische Faktoren hinauszugehen und auch kulturelle sowie symbolische Ressourcen bei der Analyse von Bildungschancen zu berücksichtigen.
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- Felix Bopp (Author), 2011, Interkulturelle Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201590