Ebenen der Gewalt im Dreißigjährigen Krieg


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Die Gewalt und der Dreißigjährige Krieg

2) Militärihe Gewalt
2.1) ldner im Gefecht
2.2) ldner unter ch
2.3) Gewalt gegen Nichtkombattanten
2.4) Innermilitärihe Diiplinarmaßnahmen

3) Zivile Gewalt

4) Religiö Gewalt
4.1) Kalter Konfeionrieg

5) Darellung und Wahrnehmung der Gewalt

6) Literaturverzeichni

7) Quellenverzeichni

1) Die Gewalt und der Dreißigjährige Krieg

Mit dem Dreißigjährigen Krieg werden noch heute Stadtbrände, verwüstete Dörfer, Raub, Mord, Schlachten, Vergewaltigungen, Hexenverfolgung, Unterdrückung, erzwungene Konvertierungen, Vertreibungen, Pest, Tod und Zerstörung assoziiert1. Für Zeitgenossen und nachfolgende Generatio- nen war die Zeit zwischen 1618 und 1648 eine bis dato nie da gewesene Konzentration von Gewalt, die erst durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts relativiert wurde. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Gewalt hat zwar „Konjunktur“2, der Begriff bleibt allerdings weiterhin extrem unscharf. Gewalt bezeichnet in der Regel keine Brutalitäten und Gräueltaten, son- dern dient als Bezeichnung für ein allgemeines, oft politisches Macht- oder gar „Drohpotential“.3 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich allerdings mit der Gewalt als physischen und symbolischen Akt wider den Menschen im Kontext des Dreißigjährigen Krieges. Dabei wird nur kurz auf den Un- terschied zwischen legitimer und illegaler Gewalt eingegangen, da der Fokus auf den verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Bereichen, auf denen Gewalt passiert, liegt.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die vielen unterschiedlichen Ebenen, auf denen die Men- schen der Gewalt ausgesetzt wurden. In der folgenden Arbeit wird der Versuch unternommen, diese Ebenen voneinander zu trennen und zu beleuchten. Da die Gewaltebenen an den Menschen, bzw. dessen Beruf, Stand und Klasse gekoppelt sind, ist es sinnvoll diese Ausarbeitung in drei größere Abschnitte zu unterteilen. Zunächst wird die zentrale Gruppe des Krieges, das Militär, dargestellt. So kann man beispielsweise zwischen Gewalt im Gefecht und innermilitärischen Disziplinarmaß- nahmen unterscheiden. Ähnlich verhält es sich im Kapitel der zivilen Gewalt, bei der man zwischen den alltäglichen Auseinandersetzungen im Wirtshaus und den Aufständen der Bauern gegenüber dem Militär klare Grenzen ziehen kann. Im Konfessionskrieg darf dann natürlich nicht die Ge- waltausübung der verschiedenen Bekenntnisrichtungen außer Acht gelassen werden, die sowohl auf physischer als auch auf symbolischer Ebene ausgeübt wurde. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es in dieser Arbeit weniger auf die Motivation hinter den Ausübungen von Gewalt, sondern viel mehr um eine Entwirrung der verschiedenen, oftmals ineinander verwobenen und sich gegenseitig bedingenden Ebenen der Gewaltausübung geht. Unter Gewalt wird vor allen Dingen die Anwendung physischen Zwangs gegenüber dem Menschen verstanden.

2) Militärische Gewalt

Zu keiner anderen Zeit wurden Alltag und Leben der Menschen so vom Krieg bestimmt, wie im 17. Jahrhundert und der Dreißigjährige Krieg war mit seinen Gewaltorgien und Zerstörungshandlungen besonders prägend für diesen Abschnitt der Geschichte. Es war vor allem die Dichte der kriegerischen Auseinandersetzungen, die den Krieg charakterisierten. Ein großes Kapitel im Kontext dieser Arbeit stellt daher folgerichtig die militärische Gewalt dar. „Es ist kein Zufall, dass sich drei der Sektionsbeiträge mit Kriegs- und Besatzungszeiten im 17. Jahrhundert beschäftigen, denn die Intensivierung der Kriegstätigkeit und die Ausbildung stehender Heere ließ das Militär mehr denn je zum Inbegriff organisierter Gewalt und Gewalttätigkeit werden.“4

2.1) Söldner im Gefecht

Die Söldner und Landsknechte bildeten zur Zeit des Krieges eine „zahlenmäßig stark expandierende und unmittelbar in Erscheinung tretende soziale Großgruppe.“5Zeichnete sich das 16. Jahrhundert noch durch vergleichsweise kleine Armeen und wenige kurze Kriege aus, so brachte der Dreißigjährige Krieg über mehrere Jahrzehnte hinweg immer umfangreichere Heere hervor. Aus dem Söldner wurde ein ständig einsatzbereiter Soldat. Es ist naheliegend, in Söldnertagebüchern nach Belegen für Wahrnehmung und Darstellung von Gewalt zu suchen.

Als Quelle für den Einblick in die Gefechte dient hier ein Tagebuch, welches zufällig überliefert und nicht für eine Veröffentlichung vorstrukturiert wurde. Das Tagebuch führte ein unbekannter Söldner von 1625 bis 1649.6Man bekommt in solchen Werken einen klaren Einblick in das von Ge- walt geprägte Leben der Söldner während des Dreißigjährigen Kriegs. Dennoch bedarf es bei ihrer Interpretation einer umfassenden Reflexion der Situation des Soldaten im 17. Jahrhundert um be- fremdliche Elemente in den zeitgenössischen Kontext setzen und dann richtig deuten zu können. Im Krieg mussten die Söldner sich in distanzierten Artilleriegefechten oder Nahkämpfen (Schar- mützeln) mit Gewalt auseinandersetzen. Das Tagebuch gibt über Artilleriegefechte insofern weniger Aufschluss, als dass der Schreiber dieser Waffengattung nicht angehörte und dies nur als Beobach- ter schildern konnte. So finden sich in seinen Aufzeichnungen immer wieder Formulierungen wie „spielten brav mit Kanonen“ oder „diesen Morgen fing man [an], mit unseren 4 Stücken [i.e. Kano- nen] dem Feind einen guten Morgen [oder >>einen guten Sonntag<<] zu bieten.“7Zu beachten ist, dass der Begriff spielen ein technischer Begriff der Artilleriekunst ist. Dennoch wurde die Wirkung der Geschosse während der Verluste durch eine feindliche Kanonade erkannt und anschaulich be- schrieben. „Pradel stund an dem Trenchement und wurd mit einer Stückkugel recht durchs Herz und Leber getroffen, dass er über 10 Schritt davon tot niederfiel.“8

Die indirekten Infanteriegefechte Mann gegen Mann werden dramatischer geschildert. „Da ist die französische Arme kommen mit 70 tausendt man, uns in unser schanssen angegriffen undt auch ver- trieben, so sindt wir mit der Arme auff einen berg gezogen, mit den feindt gefochten tag undt nacht.“9

Der Kampf im Kollektiv brachte für die Söldner eine nicht zu unterschätzende Eigendynamik der Gewalt mit sich. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Exzesse der Soldaten, die nach langen Monaten der verlustreichen Belagerung Magdeburgs 1631 in ihrer Rache- und Beutelust von niemandem mehr gebremst werden konnten.

2.2) Söldner unter sich

Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, kommt es naturgemäß zu Konflikten. In ei- nem Lager von hauptberuflichen Kriegern, ist ein Konflikt, der mit Gewalt einhergeht unvermeid- bar. So kommt es nicht selten zu Auseinandersetzungen zwischen Söldnern unter Alkoholeinfluss, die fast immer mit erheblichen Blessuren oder in manchen Fällen sogar mit dem Tod eines der Beteiligten endeten. So hatte beispielsweise der uns unbekannte Söldner mit einem Gefreiten-Corporal „gerauffet, ihm einen grossen schaden zugefuhget durch den Arm.“10Ein weiteres Tagebuch erzählt von einer Situation in der auch Faktoren wie persönliche Abneigungen zu Eskalationen führen konnten. „Der Gefreite hatte den Thäter (welcher etwas trunken gewest und sich schlafen gelegt) aufgeweckt und auf die führen wollen und weilen er dazu etwas säumig gewesen, hatte ihm der Gefreite mit seinem Bajonett etliche Streiche über den Rücken gegeben, worauf der Musquetirer sein Gewähr anschlägt und den Gefreiten übern Haufen schießt.“11

2.3) Gewalt gegen Nichtkombattanten

Nichtkombattanten, also Quartiergeber, Dolmetscher, Lieferanten oder Bewohner einer belagerten Stadt, waren natürlich auch in das Kriegsgeschehen involviert. An dieser Schnittstelle wurden Frau- en vergewaltigt,12Frauen und Kinder verprügelt, Bauern erschossen und Quartierwirte belästigt oder drangsaliert. Ebenfalls muss die Zerstörung von Brücken und Gebäuden, die Tötung des Viehs oder die Vernichtung von Feldern als Gewalt des Militärs gegen Nichtkombattanten gewertet wer- den. Waren die Zivilisten in der Regel die Opfer der Gewalt, so gibt es auch einige Beispiele, bei denen Bürger oder Bauern Gewalt ausübten und die Söldner Leidtragende waren.13 Begründungen in den Einträgen für verschiedene Gewalttaten lassen darauf schließen, dass es auch in dieser Zeit der Gewaltorgien gewissen Toleranzschwellen gab, der Überschreitung einer Legiti- mierung bedurfte. Als beispielsweise Bauern in einem Schloss verbrannt wurden, begründete der unbekannte Tagebuchverfasser dies damit, dass die Landbewohner sich gegen die ganze Armee ge- wehrt hätten und ihrem Widerstand auch einige Soldaten zum Opfer gefallen seien.14

[...]


1 Vgl. Anton Schindling, Das Strafgericht Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Erfahrungsberichte und Konfessionalisierung. In: Matthias Asche und Anton Schindling (Hrsg.), Das Strafgericht Gottes. Kriegserfahrungen und Religion im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Beiträge aus dem Tübinger Sonderforschungsbereich "Kriegserfahrungen - Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit". Münster 2001, S. 46-47.

2 Vgl. Markus Meumann und Dirk Niefanger, Für eine interdisziplinäre Betrachtung von Gewaltdarstellungen des 17. Jahrhunderts. Einführende Überlegungen. In: Markus Meumann und Dirk Niefanger (Hrsg.), Ein Schauplatz herber Angst. Wahrnehmung und Darstellung von Gewalt im 17. Jahrhundert. Göttingen 1997, S.7.

3 Vgl. Eva Kormann, Violentia, Potestas und Potential - Gewalt in Selbstzeugnissen von Nonnen und Mönchen des Dreißigjährigen Krieges. In: Claudia Ulbrich (Hrsg.), Gewalt in der Frühen Neuzeit. Beiträge zur 5. Tagung der Ar- beitsgemeinschaft Frühe Neuzeit im VHD. Berlin 2005, S.145-146.

4 Vgl. Horst Carl, Gewalttätigkeit und Herrschaftsverdichtung. Die Rolle und Funktion organisierter Gewalt in der Frühen Neuzeit. In: Claudia Ulbrich (Hrsg.), Gewalt in der Frühen Neuzeit. Beiträge zur5. Tagung der Arbeitsge- meinschaft Frühe Neuzeit im VHD. Berlin 2005, S.141-143.

5 Vgl. Ralf Pröve, Violentia und Potestas. Perzeptionsprobleme von Gewalt in Söldnertagebüchern des 17. Jahrhun- derts. In: Markus Neumann und Dirk Niefanger (Hrsg.), Ein Schauplatz herber Angst. Wahrnehmung und Darstel- lung von Gewalt im 17. Jahrhundert. Göttingen 1997, S.24.

6 Vgl. Jan Peters (Hrsg.), Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg. Eine Quelle zur Sozialgeschichte. Berlin 1993.

7 Vgl. Jan Peters (Hrsg.), Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg. Eine Quelle zur Sozialgeschichte. Berlin 1993, S.22.

8 Ebd. S.67.

9 Ebd. S.114.

10 Ebd. S.90.

11 Vgl. Herbert Röhrig (Hrsg.), Das Tagebuch des Fähnrichs Zehe in den Türkenkriegen 1685-1688. In: Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 84. Hildesheim 1975, S.76.

12 Vgl. „Allhir habe ich für meine beute ein huebsses medelein bekommen.“ (Ebd. S.59).

13 Vgl. „Also sindt 3 Pauren in die hegken gestegket auff mich dor, wagker zu schlagen, mein Mantel, Ranssen, alles genommen.“ (Ebd. S.103).

14 Vgl. Jan Peters (Hrsg.) 1993, S.74f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ebenen der Gewalt im Dreißigjährigen Krieg
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der Dreißigjährige Krieg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V201814
ISBN (eBook)
9783656277781
ISBN (Buch)
9783656278863
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dreißigjährige Krieg, Söldner, Gewalt, Zivilie Gewalt, Religiöse Gewalt, Konfessionskrieg, Dreißigjähriger Krieg
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Sebastian Schellschmidt (Autor), 2010, Ebenen der Gewalt im Dreißigjährigen Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201814

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