Der Einfluss, den das Online-Lexikon Wikipedia weltweit genießt, ist bereits in der Sekundarstufe I. zu erfahren. Kaum ein Schulreferat, das nicht zum entscheidenden Teil auf Angaben dieser Artikelsammlung basiert. Das Wort „Wikipedia“ setzt sich aus dem hawaiischen Wort wiki („schnell“), sowie dem Zusatz -pedia zusammen, entlehnt aus dem englischen encyclopedia. Im März 2001 gegründet, stellt die deutschsprachige Sammlung mit knapp 1.426.200 Einträgen die zweitgrößte nach der englischsprachigen (circa vier Millionen Beiträge) dar.1 Wikipedia gibt es in über 250 verschiedenen Sprachen.
Selbsterklärend, dass sich auch der Studienbetrieb der sechstgrößten Internetseite der Welt nicht entziehen kann. Was in der Sekundarstufe I. gängig ist, in der Oberstufe noch toleriert wird, bekommt im akademischen Betrieb ein Glaubwürdigkeitsproblem. Jeder kann mitmachen – das ist es, was Wikipedia ausmacht. Es handelt sich nicht um einen elitären Gelehrtenkreis, man muss keine Programmierfähigkeiten besitzen, um eigene Beiträge zu erstellen. Immer wieder wird auf Schwankungen in den verschiedenen Artikeln – qualitativ und stilistisch – hingewiesen, auf eine in Teilen ungewöhnliche bis exotische Breite der Themen, mangelhafte Belege und fragwürdige Zitationsweisen.
Der Blick fällt an dieser Stelle auf das kooperative Mitmach-Modell der Wikis, deren Möglichkeiten, Potenziale aber auch Schwierigkeiten und Gefahren: „Dass Potentiale und Grenzen von Wikis seit neuestem auch jenseits des Fachpublikums diskutiert werden, hat in erster Linie damit zu tun, dass sich nicht zuletzt um die großen Internetlexika Communities gebildet haben, die die Möglichkeiten der
Selbstorganisation weiterentwickeln.“
Das Prinzip von Wikipedia könne mit einer nackten Betonwand, die von
jedermann beschriftet werden kann, verglichen werden; jedoch mit dem
Unterschied, dass man auch über Entfernungsmittel für die Beschriftungen verfüge. (...)
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Wie Wikipedia funktioniert
2.1.) Die Vorgeschichte
2.2.) Nupedia, Jimmy Wales und Larry Sanger
2.3.) Wikipedias Funktionen
III. Phänomen Edit Wars
3.1.) Aufgabenteilung und Vandalismus
3.2.) „Neutral Point of View“
3.3.) Konkrete Beispiele
IV. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sogenannten „Edit Wars“ in Wikipedia, um Einblicke in interne Konflikte bei der Entstehung von Wissensartikeln zu gewinnen und der Frage nachzugehen, wie diese Prozesse die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit des Wissens beeinflussen.
- Funktionsweise und Entstehungsgeschichte von Wikipedia
- Strukturen und Rollenverteilung innerhalb der Wiki-Community
- Definition und Ausprägung von Edit Wars und Vandalismus
- Bedeutung des „Neutral Point of View“ als Konsensprinzip
- Analyse der Konfliktlösung bei kontroversen Themen
Auszug aus dem Buch
3.1.) Aufgabenteilung und Vandalismus
Jimmy Wales stellte den Versuch auf, die Aufgabenteilung einer Wiki-Community anhand von Gruppenbezeichnungen zu charakterisieren. Die Gruppe jener, die im Stillen einen unabdingbaren Dienst für Wikipedia leisteten, seien die „Bienen“. Zu ihren Aufgaben gehörten, neben dem Verfassen eigener Beiträge, das Korrekturlesen oder Vermittleraufgaben mit problematischen Autoren. Weiterhin nennt er neben „Sockpuppets“ (User, die Mehrfach-Identitäten annehmen) und „Richtern“ (zuständig für Konfliktbewältigung), auch „Motten“ und „Vandalen“. Gleich dem Tier, das sich zum Licht angezogen fühlt, fühlen sich genannte Motten zum leidenschaftlichen Streit hingezogen. Hierbei unterscheidet er zwischen gutartigen und bösartigen Motten: Gutartige suchen die Kontroverse und können auf ihre Weise Steine ins Rollen bringen. Letztere fänden sich schnell in einem „Flame Wars“ wieder – damit sind in der Fachsprache hitzige Rededuelle gemeint, die oftmals ins Beleidigende ausarten. Vandalen seien einseitig auf Zerstörung aus.
Der Vandalismus sei kein gravierendes Problem bei Wikipedia: „In Systemen mit großer Besucherfrequenz fallen die Störungen schnell auf, wie Systeme mit vielen Beteiligten dazu tendieren ‚stabiler‘ zu sein.“ Wie teilweise schon in Kapitel 2.3 erläutert, bietet Wikipedia verschiedene Funktionen, dem entgegenzusteuern. Ein Wiki dokumentiert frühere Fassungen eines Artikels und kann diese – nach einer etwaigen Beschädigung – im Handumdrehen wiederherstellen. Häufig zerstörte Seiten kommen auf eine gesonderte Beobachtungsliste. Wiederum kann sie komplett gesperrt werden, sollte der Vandalismus im Einzelfall nicht einzudämmen sein. Dies gilt jedoch als letztmögliche Maßnahme.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den massiven Einfluss von Wikipedia als Informationsquelle und thematisiert das damit einhergehende Glaubwürdigkeitsproblem im akademischen Umfeld.
II. Wie Wikipedia funktioniert: Dieses Kapitel erläutert die technologische Vorgeschichte, die Entstehung aus dem Projekt Nupedia sowie die zentralen Funktionen, die eine kooperative Zusammenarbeit ermöglichen.
III. Phänomen Edit Wars: Hier werden interne Konfliktdynamiken wie Vandalismus, Edit Wars und der neutrale Standpunkt detailliert analysiert und anhand konkreter Beispiele veranschaulicht.
IV. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung bewertet Wikipedia als zukunftsweisendes Projekt, das trotz systemimmanenter Schwankungen in Qualität und Umfang durch eine engagierte Community stabil funktioniert.
Schlüsselwörter
Wikipedia, Edit Wars, Wiki-Prinzip, Vandalismus, Neutral Point of View, Konsensbildung, Internet-Lexikon, Wissensmanagement, Online-Enzyklopädie, Community, Flame Wars, digitale Kollaboration, Selbstorganisation, Informationsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den internen Dynamiken und Konfliktprozessen der Online-Enzyklopädie Wikipedia, insbesondere dem Phänomen der sogenannten „Edit Wars“.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die Entstehungsgeschichte von Wikipedia, das Wiki-Funktionsprinzip, die Rollenverteilung in der Community sowie Methoden zur Konfliktbewältigung bei strittigen Artikeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Einblicke in die Entstehung von Wissensartikeln zu geben und zu prüfen, inwieweit offene Entstehungsprozesse zuverlässiges Wissen hervorbringen können.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Arbeit verfolgt einen deskriptiven Ansatz, der auf der Analyse von Fachliteratur zu Wikis und Internet-Soziologie basiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Aufgabenteilung, das Vandalismus-Problem, das Prinzip des „Neutral Point of View“ und führt konkrete Fallbeispiele für Edit Wars an.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Wikipedia, Edit Wars, Konsensbildung, Vandalismus und Online-Enzyklopädie stehen im Zentrum der begrifflichen Auseinandersetzung.
Wie definiert der Autor „Edit Wars“?
Der Autor definiert sie als Auseinandersetzungen zwischen mindestens zwei Parteien über die Deutungshoheit eines Eintrages, bei denen Versionen wechselseitig überschrieben werden.
Welche Rolle spielen „Bienen“ und „Motten“ im Wikipedia-System?
Dies sind Metaphern für das Nutzerverhalten: „Bienen“ leisten konstruktive Arbeit im Stillen, während sich „Motten“ zum leidenschaftlichen, teils destruktiven Streit hingezogen fühlen.
Wie geht Wikipedia laut der Arbeit mit Vandalismus um?
Wikipedia nutzt technische Funktionen wie die Dokumentation früherer Artikelversionen, Beobachtungslisten sowie administrative Sperrmaßnahmen, um Vandalismus entgegenzuwirken.
Welche Rolle spielt der „Neutral Point of View“ bei Konflikten?
Er dient als regulierendes Ideal, das den Anspruch stellt, kontroverse Inhalte so darzustellen, dass sie auch für rational denkende, unterschiedliche Standpunkte vertretbar sind.
- Citation du texte
- Carlo Clemens (Auteur), 2012, Edit Wars in Wikipedia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201967