Die Bachelorthesis zu der Aufgabenstellung ‚Untersuchung des Spannungsverhältnisses von Sozialer Arbeit und den rechtlichen Rahmenbedingungen bei Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung‘ beginnt inhaltlich mit einer Auseinandersetzung mit dem Kinderwunsch bei Menschen mit geistiger Behinderung. Hier wird der Wunsch nach einem eigenen Kind in Bezug zur heutigen Gesellschaft betrachtet und infolgedessen Vorurteile gegenüber einer Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung aufgegriffen. Nachfolgend findet eine Betrachtung der Kinderwunschgründe und Kinderwunschmotive statt. Auch soll in diesem Kapitel die vorhandene Situation anhand einer aktuellen Studie über Elternschaften von Menschen mit geistiger Behinderung aufgezeigt werden.
Anschließend werden die Bereiche für die Soziale Arbeit beschrieben. Augenmerk wird zum einen auf den Umgang mit dem Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung und zum anderen auf die tatsächliche Situation, wenn das Kind geboren ist, gelegt. Im Abschnitt „Mein Kind ist da… Und nun?“ – Unterstützungsmöglichkeiten wird die Bundesarbeitsgemeinschaft „Begleitete Elternschaft“ sowie weitere Angebote der Sozialen Arbeit am Beispiel unterschiedlicher Wohnformen vorgestellt. Im Folgenden werden die Parameter der Sozialen Arbeit benannt.
Die Rechtsgrundlagen zur Thematik bilden das nächste Kapitel der Arbeit. Entsprechende Artikel der übergeordneten Gesetze, wie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, die UN-Behindertenrechtskonvention, die UN-Kinderrechtskonvention sowie die Europäische Menschenrechtskonvention werden Betrachtung finden. Des Weiteren soll eine Erläuterung der rechtlichen Betreuung und Elterlichen Sorge stattfinden, wobei im Letztgenannten auch Kriterien der Aufsichts- und Erziehungspflicht sowie Merkmale um die Haftpflicht aufgegriffen werden. Gesetzliche Aspekte der Sozialgesetzbücher zur Materie um die professionelle Begleitung von geistig behinderten Eltern, ebenso eine Vorstellung der Garantenpflicht finden anschließend Platz.
Nachdem die Bereiche der Sozialen Arbeit und die Rechtsgrundlagen vertieft wurden, wird im darauffolgenden Kapitel das Verhältnis zwischen diesen ermittelt, beurteilt und im Abschnitt Darstellung des Spannungsverhältnisses vorgestellt.
Um eine inhaltliche Abrundung der Thematik zu gewährleisten, wird nachfolgend eine Erhebung vorgestellt, in der die Situation der Kinder von Menschen mit geistiger Behinderung rückblickend betrachtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung
2.1 Vorurteile gegen eine Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung
2.2 Kinderwunschgründe und Kinderwunschmotivation
2.3 Aktuelle Studie über Elternschaften von Menschen mit geistiger Behinderung
3 Bereiche für die Soziale Arbeit
3.1 Umgang mit dem Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung
3.2 „Mein Kind ist da… Und nun?“ – Unterstützungsmöglichkeiten
3.2.1 Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Begleitete Elternschaft“
3.2.2 Weitere Angebote am Beispiel unterschiedlicher Wohnformen
3.3 Parameter der Sozialen Arbeit
4 Rechtsgrundlagen
4.1 Übergeordnete Gesetze
4.1.1 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
4.1.2 UN-Behindertenrechtskonvention
4.1.3 UN-Kinderrechtskonvention
4.1.4 Europäische Menschenrechtskonvention
4.2 Rechtliche Betreuung
4.3 Elterliche Sorge
4.3.1 Kriterien der Aufsichts- und Erziehungspflicht
4.3.2 Haftpflicht
4.4 Aspekte der professionellen Begleitung nach SGB
4.5 Garantenpflicht
5 Darstellung des Spannungsverhältnisses
6 „Als ich Kind war…“ – Betrachtung einer Erhebung über die Situation als Kind von Eltern mit geistiger Behinderung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Sozialer Arbeit und rechtlichen Rahmenbedingungen bei Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung. Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwieweit geistig behinderte Personen das Recht auf Elternschaft haben, welche Barrieren bestehen und wie professionelle Unterstützung gestaltet sein muss.
- Rechtliche Grundlagen der Elternschaft bei Menschen mit geistiger Behinderung
- Umgang mit Vorurteilen und gesellschaftlichen Tabus
- Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit (z. B. "Begleitete Elternschaft")
- Bedeutung der Garantenpflicht für Mitarbeiter der Sozialen Arbeit
- Lebenssituation von Kindern von Eltern mit geistiger Behinderung
Auszug aus dem Buch
2.1 Vorurteile gegen eine Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung
Wie eben berichtet, wurden 1995 eine Handvoll Annahmen in Bezug auf den Kinderwunsch bei Menschen mit geistiger Behinderung zusammengefügt. Einige nicht nachgewiesene Grundsätze konnten aber durch die MitarbeiterInnen der Forschungsgruppe schon damals entkräftet werden. In diesem Kapitel findet neben der Benennung der Hypothesen auch eine kurze Auseinandersetzung zur Thematik statt.
Voran, und auch in der Gesellschaft noch heute verbreitet, steht die Annahme, Menschen mit geistiger Behinderung bekämen auch behinderte Kinder. Doch Behinderungen sind nach damaligen und gegenwärtigen Untersuchungen nicht vererbbar. Weiter wird angenommen, dass die Familien mit einem oder beiden Elternteilen mit geistiger Behinderung als Großfamilien betitelt werden sollten, denn Menschen mit geistiger Behinderung sollen besonders viele Kinder zur Welt bringen und dementsprechend Großfamilien züchten. Doch auch dieser und der folgende Mythos konnten widerlegt werden. Es wurde formuliert, dass Menschen mit Behinderung kein angemessenes Elternverhalten erlernen könnten. Außerdem wurde betont, Eltern mit einer geistigen Behinderung würden ihre Kinder missbrauchen und sogar vernachlässigen. Die Autorin Pixa-Kettner artikuliert, dass zwar die zuletzt genannte Hypothese, die Kinder würden vernachlässigt werden, eine Tatsache sein könnte. Vorangehend wurde zu dieser Aussage von den WissenschaftlerInnen um Llewellyn erwähnt, dass wenn eine Vernachlässigung stattfindet, diese unbeabsichtigt und aus Mangel an Wissen entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das gesellschaftliche Tabu der Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung und führt in die zentrale Problemstellung der Arbeit ein.
2 Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung: Dieses Kapitel analysiert Mythen, Vorurteile und die Motive hinter dem Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung.
3 Bereiche für die Soziale Arbeit: Es werden Unterstützungsformen wie die "Begleitete Elternschaft" sowie allgemeine Parameter professionellen Handelns in diesem Feld beschrieben.
4 Rechtsgrundlagen: Dieses Kapitel erläutert die relevanten Gesetze, die rechtliche Betreuung, das Sorgerecht sowie die strafrechtliche Garantenpflicht für Sozialarbeiter.
5 Darstellung des Spannungsverhältnisses: Hier wird der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Normalisierung/Selbstbestimmung und den institutionellen/rechtlichen Eingriffen analysiert.
6 „Als ich Kind war…“ – Betrachtung einer Erhebung über die Situation als Kind von Eltern mit geistiger Behinderung: Eine Auswertung biografischer Interviews gibt Einblicke in die Lebensrealität erwachsener Kinder von Eltern mit geistiger Behinderung.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und konstatiert, dass geistige Behinderung per se kein Ausschlussgrund für elterliche Kompetenz darstellt.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, Elternschaft, Kinderwunsch, Soziale Arbeit, Normalisierung, Selbstbestimmung, Kindeswohl, Rechtsgrundlagen, Sorgerecht, Betreuungsgesetz, Begleitete Elternschaft, Garantenpflicht, Fremdunterbringung, Inklusion, Unterstützungssysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung und den rechtlichen sowie sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen rechtliche Grundlagen, professionelle Unterstützungsansätze der Sozialen Arbeit, gesellschaftliche Vorurteile und die tatsächliche Lebenssituation der Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, ob Menschen mit geistiger Behinderung ein Recht auf eigene Kinder haben und welche Unterstützung notwendig ist, um das Kindeswohl bei Wahrung der Selbstbestimmung zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Studien, rechtlicher Texte sowie einer Auswertung biografischer Interviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Unterstützungsangebot, die gesetzliche Lage (insb. BGB und SGB) sowie die Rolle der Sozialen Arbeit als Garanten für den Kinderschutz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Elternschaft, geistige Behinderung, Normalisierung, Kindeswohl, Sorgerecht und Soziale Arbeit.
Warum ist die "Begleitete Elternschaft" so bedeutsam?
Sie bietet einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz, der Familien hilft, ihre Kompetenzen zu fördern, statt vorschnell Trennungen zu vollziehen.
Was besagt die Garantenpflicht im Kontext dieser Arbeit?
Sie verpflichtet Sozialarbeiter dazu, zum Schutz des Kindeswohls aktiv zu werden, was bei Fehlern in der Gefahrenabwehr zu strafrechtlicher Verantwortung führen kann.
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- Carmen Schrader (Author), 2012, Geistig behinderte Menschen wünschen sich auch Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202017