Inhaltsverzeichnis
Einleitung…………………………………………………………………………………………………………………………… 1
Die Symbolisten…………………………………………………………………………………………………………………. 4
Das Werk im Detail………………………………………………………………………………………………………….... 6
Fazit…………………………………………………………………………………………………………………………………… 9
Bibliographie……………………………………………………………………………………………………………………… 10
Anhang: Gedicht inkl. Übersetzung und Interpretation.…………………………………………………….. 11
Einleitung
Die traditionelle Literaturwissenschaft hat sich lange Zeit auf die ideographische Analyse von Einzelfällen beschränkt, die Werke sozusagen als Ausdruck einer „kreativen“ Individualität in ihrer Einzigartigkeit angesehen. Der daraus resultierende kritische Ansatz konzentrierte sich einzig auf das Werk als Untersuchungsgegenstand – gemäß einer internen Ästhetik, die vorschreibt das Werk als System zu sehen, das in sich selbst, in seiner Kohärenz, die für das Verständnis nötigen Prinzipien und Normen enthält. Dabei wird allerdings das soziokulturelle System, von dem das Werk umgeben ist, ausgeschlossen. Die Literatursoziologie versucht genau diese Lücke zu schließen und die Werke im Zusammenhang mit den ökonomischen, sozialen und kulturellen Umständen ihrer Entstehung zu sehen. Dieser non-dialektische Ansatz, der im Werk eine direkte Spiegelung von gegebenen sozio-ökonomischen Umständen sieht, vernachlässigt jedoch die Existenz der zahlreichen Zwischenstufen zwischen der Infrastruktur und dem eigentlichen kulturellen Produkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Symbolisten
3. Das Werk im Detail
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht "Art poétique" von Paul Verlaine vor dem soziologischen Hintergrund der Entstehung symbolistischer Gruppen. Dabei wird analysiert, inwieweit das Werk als programmatisches Manifest einer literarischen Bewegung fungiert oder als individuelle poetische Positionsbestimmung im Spannungsfeld zwischen verschiedenen literarischen Feldern und Machtstrukturen zu verstehen ist.
- Soziologische Analyse des literarischen Feldes nach Bourdieu
- Historische Einordnung der Symbolisten und ihrer Abgrenzung zum Parnasse
- Untersuchung der poetologischen Konzepte von Verlaine
- Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Position und ästhetischem Ausdruck
- Diskussion um den Status von "Art poétique" als literarisches Manifest
Auszug aus dem Buch
Die Symbolisten
Seit dem Literaturstreit zwischen Klassizisten und Anhängern eines romantischen Geschmacksideals war die Entwicklung der Literatur von der Entwicklung der Gesellschaft abhängig gemacht worden. Wenn aus den „Kindern der Revolution“ (Stendhal) tatsächlich ein neues Volk hervorgegangen ist wie Viktor Hugo behauptet, dann hatte ihm auch eine art nouveau zu entsprechen. Angewandte Wissenschaft, Industrie, Technik, Großstadt etc. waren längst dabei, die menschlichen Beziehungen unwiderruflich neu zu definieren. Wo sich jedoch transzendente Blickrichtungen zunehmend abschwächten, konnte deshalb die Lyrik in den ungewohnten Zugzwang geraten, sich „auf den Stand der Zeit“ zu bringen.
Baudelaire, als Vorreiter der Moderne, reagierte bereits auf die fühlbar werdende Entfremdung der Dichtung zu den Empfindungsweisen der Epoche mit der Vision einer neuen „poetischen Prosa“. Sie sollte „musikalisch ohne Rhythmus und Reim, geschmeidig und kantig“ zugleich sein, um einer „Beschreibung des modernen Lebens“ genügen zu können.
Die symbolistische Schule entstand letztlich, wie jede neue Gruppe im literarischen Feld, als neue ästhetische Häresie die sich in diesem Fall gegen die dominierende parnassische Orthodoxie formierte. Diese Opposition ging zunächst nur von einem Einzigen aus, nämlich Stéphane Mallarme. 1876 wird der zukünftige Symbolist von den Parnassiens exkommuniziert, weil sein Werk nicht mit dem Kanon konform ging. Nach einer ersten Phase von beinahe prophetischer Einsamkeit in der sein Werk nur von wenigen Bewunderern gewürdigt wurde, entsprach die skulpturale und sonore Poesie des Parnasse seit den Jahren 80-82 nicht mehr dem Geschmack der Zeit und die neue Generation forderte etwas Neues.
Den eigentlichen Wendepunkt markiert 1884. In einem weit verbreiteten Schriftstück mit dem Titel Les Poètes maudits stellte Verlaine einige Dichter vor, die später als Meister des Symbolismus gelten sollten: Mallarmé, Rimbaud und Tristan Corbière. Was die Anhänger der poètes maudits antreibt, ist das Gefühl von Ungerechtigkeit, die zum Verkennen der „Meister“ geführt hat. Der Wille zur Wiedergutmachung, der die Dichter fast zu Märtyrern erhebt, inspiriert sie ebenso wie das Aufbegehren gegen die Parnassiens, die sich für die Exklusion verantwortlich zeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die literatursoziologische Perspektive nach Pierre Bourdieu und Erläuterung der Relevanz des Feldbegriffs für die Analyse literarischer Werke.
Die Symbolisten: Darstellung der Entstehung des Symbolismus als ästhetische Häresie gegen den Parnasse und Analyse der Rolle von Paul Verlaine als Wegbereiter für die neue Strömung.
Das Werk im Detail: Eingehende Untersuchung von Verlaines "Art poétique", seiner Genese und seiner Funktion als poetologisches Regelwerk sowie Distanzierung von traditionellen Formen.
Fazit: Abschließende Einordnung des Gedichts als persönliche Bilanz einer Ästhetik, die trotz gegenteiliger Intention des Autors als Manifest des Symbolismus rezipiert wurde.
Schlüsselwörter
Paul Verlaine, Art poétique, Symbolismus, Parnasse, Literatursoziologie, Pierre Bourdieu, Habitus, Feldtheorie, Lyrik, Ästhetik, literarisches Feld, Poetik, Décadents, literarische Moderne, Musikalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Gedicht "Art poétique" von Paul Verlaine und dessen soziologische Einbettung in die Entstehungsphase der symbolistischen Literaturströmung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die literatursoziologische Feldtheorie, die ästhetische Auseinandersetzung zwischen Symbolismus und Parnasse sowie die Entwicklung poetologischer Grundsätze im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie "Art poétique" als Instrument der Positionierung im literarischen Feld zu verstehen ist und ob es als programmatisches Manifest oder als individuelle ästhetische Reflexion Verlaines fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den literatursoziologischen Ansatz von Pierre Bourdieu, um das Werk, den Autor und die beteiligten Gruppen in ihrem sozialen und strukturellen Kontext zu verorten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziokulturelle Analyse der Symbolisten und eine detaillierte textimmanente Untersuchung des Gedichts sowie dessen Einordnung in das literarische Umfeld der Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Verlaine, Symbolismus, Bourdieu, literarisches Feld, Poetik, Ästhetik und die Opposition zwischen literarischen Strömungen.
Warum wird Verlaine im Zusammenhang mit dem "Habitus" analysiert?
Der Habitus-Begriff dient dazu, die sozialen Prägungen und die spezifische Positionierung Verlaines als Autor zu erklären, die sich in seinem Werk ästhetisch niederschlagen.
Welche Rolle spielt die Abgrenzung zum Parnasse für Verlaines "Art poétique"?
Die Abgrenzung ist essenziell, da Verlaine mit dem Gedicht bewusst mit den starren, parnassischen Idealen von Präzision und Technik bricht, um eine Poesie der Nuance und Musikalität zu fordern.
Handelt es sich bei dem untersuchten Text wirklich um ein Manifest?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es sich eher um eine persönliche ästhetische Bilanz handelt, die jedoch von Zeitgenossen geschickt als Manifest des Symbolismus instrumentalisiert wurde.
- Citation du texte
- Bianca Giesler (Auteur), 2008, Fallbeispiel zu Bourdieus Feldtheorie: Paul Verlaine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202022