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Mut zu unbequemen Inszenierungen!

Ein Plädoyer für postdramatisches Theater im Deutschunterrichts am Beispiel von René Polleschs Stück "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia"

Title: Mut zu unbequemen Inszenierungen!

Seminar Paper , 2012 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thérèse Remus (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Summary Excerpt Details

Ein Blick in den Berliner Rahmenlehrplan für die gymnasiale Oberstufe im Fach Deutsch zeigt, dass das Themenfeld „Theater“ mit durchaus hohen Ansprüchen an Schüler und Lehrer verankert ist. Unter dem Punkt Literatur und Sprache im Kontext anderer Kulturen, Künste und Medien werden die Inhalte „Film- und Theatertraditionen in ihren jeweiligen kulturellen Besonderheiten“, „Literatur und Theater im Spannungsfeld zwischen ästhetischem Anspruch, Medien und Publikumserwartungen“ und „Wechselwirkungen zwischen Bildender Kunst, Musik, Film und Literatur“ konkretisiert. Allerdings setzen diese Lern- und Erkenntnisziele einen Deutschunterricht voraus, der nicht ausschließlich beim dramatischen Text und dessen Interpretation verbleibt. Die Reduktion des Themenfelds „Theater“ auf die Analyse und Interpretation der klassischen Dramentexte ist jedoch größtenteils Unterrichtsrealität. Nach Göbel sei die ausschließliche Fokussierung auf die sprachliche Dimension des Dramas, den dramatischen Lesetext, mediendidaktisch falsch und deshalb fachdidaktisch unverantwortlich. Der Medienwechsel ist für das Drama geradezu konstitutiv. Gabriela Paule setzt diese Forderungen fort und beschreibt eine Zielsetzung für den Deutschunterricht, die sowohl Kompetenzen des Zuschauens als auch des Dramenlesens entwickeln möchte. Um Dramen kompetent lesen und dabei mentale Inszenierungen vornehmen zu können, muss eine Vorstellung von der Spielpraxis des Theaters vorhanden sein, die sich nur durch kontinuierliche Aufführungserfahrungen entwickeln kann.
Im Rahmen dieser Arbeit soll mit René Pollesch ein zeitgenössischer Regisseur und Autor in die Diskussion eingeführt werden, dessen Stücke sich m.E. eignen, um oben benannten Desideraten hinsichtlich eines aufführungsbezogenen Dramenunterrichts in der Oberstufe zu begegnen. Erstens erzwingen seine Stücke durch ein eigens verhängtes Nachspielverbot geradezu den Gang ins Theater. Weiterhin kommt man, wendet man sich Polleschs Stücken zu, der Forderung nach, zeitgenössische Kunst in den Deutschunterricht einzubeziehen. Es sollte bedenklich stimmen, dass Frisch und Dürrenmatt noch vielfach die Sparte „Gegenwartsdrama“ repräsentieren. Will man aber Theater nicht als „museale Stätte für die Reproduktion von bekannten literarischen Formen“, sondern als „Ort der lebendigen Auseinandersetzung mit Phänomenen und Fragen der Gegenwart“ vermitteln, muss man sich der Herausforderung des Neuen und Unbekannten stellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum Pollesch?

2.1. Postdramatisches Theater im Deutschunterricht

2.2. Pop-Kultur und Intermedialität

2.3. Die Kunst des Zuschauens und das Verstehen von Theatralität

3. Was tun? Überlegungen zum Stück Kill your Darlings! Streets of Berladelphia

3.1. Vorbereitungen

3.2. Erinnerungsprotokoll

3.3. Aufführungsanalyse

3.3.1. Körper

3.3.2. Musik

4. Fazit und Ausblick

5. Literatur

6. Internetressourcen

7. Anhang

7.1. Ansätze zur Vorbereitung

7.2. Erinnerungsprotokoll zum Stück Kill your Darlings! Streets of Berladelphia, Volksbühne Berlin, 26.01.2012

7.3. Ansätze zur nachbereitenden Aufführungsanalyse

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel der Arbeit ist es, postdramatisches Theater, speziell die Werke von René Pollesch, als einen zeitgemäßen und notwendigen Bestandteil des Deutschunterrichts in der Oberstufe zu etablieren, um die einseitige Fixierung auf dramatische Textanalyse aufzubrechen und Kompetenzen in der Aufführungsrezeption zu fördern.

  • Überwindung der Textdominanz zugunsten aufführungsbezogener Dramendidaktik.
  • Einführung in die Ästhetik des postdramatischen Theaters am Beispiel von René Pollesch.
  • Schulung der Wahrnehmung durch instrumentelle Ansätze wie das Erinnerungsprotokoll.
  • Untersuchung der Intermedialität, insbesondere der Verbindung von Pop-Kultur und theatralen Zeichen.
  • Förderung einer bewussten und kritischen Zuschauerhaltung gegenüber zeitgenössischen Inszenierungspraktiken.

Auszug aus dem Buch

3.3.1. Körper

Legt man ein Raster theatralischer Zeichen über das Bühnengeschehen von Kill your Darlings! Streets of Berladelphia, dann fällt die Zeichendichte in den Bereichen Requisiten, Dekoration, Kostüm, Frisur und Maske relativ gering aus. Bezogen auf die Körper der Schauspieler ist der Zuschauer Zeuge einer starken Reduktion all dessen, was die bloße Körperlichkeit des Schauspielers übersteigt. Alles Schmückende ist reduziert. Dennoch kann man die Erscheinung der Darsteller in Kill your Darlings! Streets of Berladelphia kaum alltäglich nennen. Bspw. ist überlegenswert, warum der Hauptdarsteller Hinrichs lediglich eine regenbogenfarbige Glitzerleggins trägt. Das Outfit wirkt poppig. Doch wodurch und was wird damit bezweckt? Welche andere Wirkung könnte noch intendiert sein? Wie funktioniert das Outfit im Gesamtensemble der Schauspieler? Kann man das Outfit der Darsteller Kostüm nennen? Worin bestehen Bedeutungsunterschiede zwischen beiden Begriffen? Um solche Fragen zu beantworten, muss man Reflexionen über das Zusammenspiel der körperlichen Erscheinung und der vorgeführten Handlungen sowie Bezüge zum post-dramatischen Konzept einer neuen Bühnen-Ästhetik anschließen.

Dass man kaum mehr üppige Kostüme auf der Bühne vorfindet, spricht für die Wendung gegen das Illusionstheater: Nicht länger werden Typen des dramatischen Rollenarsenals vorgeführt und wenn, dann um die Absicht einer Illusionsbildung ad absurdum zu führen. Der Purismus, der hier zur Schau getragen wird, lässt, da der Körper quasi „entschmückt“ wird, die verbale Nachricht zur Geltung kommen. Gleichzeitig wird der wirkliche Körper des Darstellers aber umso mehr betont, da er von einer auf eine bestimmte Rolle verweisenden Hülle befreit wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung konstatiert den Mangel an aufführungsbezogenem Theaterunterricht in der gymnasialen Oberstufe und führt René Pollesch als geeigneten Autor ein, um zeitgenössisches postdramatisches Theater in den Deutschunterricht zu integrieren.

2. Warum Pollesch?: Das Kapitel begründet die Auswahl von Polleschs Werken mit der Notwendigkeit, zeitgenössische Kunst zu vermitteln, popkulturelle Phänomene einzubeziehen und die Schüler zu einem reflektierten, aktiven Zuschauen zu befähigen.

2.1. Postdramatisches Theater im Deutschunterricht: Es wird die Abkehr von klassischen dramatischen Formen hin zu postdramatischen Strukturen beschrieben, die konventionelle Analysekategorien wie geschlossene Handlungen infrage stellen.

2.2. Pop-Kultur und Intermedialität: Dieses Kapitel thematisiert, wie Pollesch Pop-Musik und mediale Bezüge nutzt, um zeitgenössische Lebenswelten abzubilden und eine intermediale Theaterästhetik zu erzeugen.

2.3. Die Kunst des Zuschauens und das Verstehen von Theatralität: Es werden Rezeptionsroutinen wie das „Kippen“, „Pendeln“ und „Surfen“ eingeführt, die den Schülern helfen sollen, die Überforderung durch postdramatische Inszenierungen produktiv zu bewältigen.

3. Was tun? Überlegungen zum Stück Kill your Darlings! Streets of Berladelphia: Hier wird der theoretische Rahmen in eine praxisnahe Dramendidaktik übersetzt, die darauf abzielt, individuelle Wahrnehmung und fachliche Reflexion zu verknüpfen.

3.1. Vorbereitungen: Es werden methodische Ansätze vorgestellt, wie Schüler durch Trailer und Recherche auf die Irritationspotenziale postdramatischer Stücke eingestimmt werden können.

3.2. Erinnerungsprotokoll: Das Kapitel erläutert das Erinnerungsprotokoll als zentrales Instrument der Aufführungsanalyse, das es Schülern ermöglicht, ihre unmittelbaren Zuschauererfahrungen zu strukturieren und zu reflektieren.

3.3. Aufführungsanalyse: Der Abschnitt bietet methodische Hinweise zur Analyse komplexer Inszenierungen, wobei die Notwendigkeit betont wird, das Kunstwerk als Gesamtsystem unter Einbeziehung verschiedener Zeichentypen zu begreifen.

3.3.1. Körper: Anhand von Kostümen und Bewegungsabläufen wird analysiert, wie der Schauspieler-Körper vom traditionellen Zeichenträger zum eigenständigen, polyfunktionalen Zeichen innerhalb der Inszenierung wird.

3.3.2. Musik: Es wird untersucht, wie Musik in Polleschs Inszenierung Rhythmus, Atmosphäre und Bedeutung steuert und in einem engen Wechselspiel mit den körperlichen Aktionen der Darsteller steht.

4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass die Irritationsbereitschaft der Rezipienten die Voraussetzung für eine Öffnung gegenüber postdramatischen Formen ist und fordert die Etablierung dauerhafter Räume für eine solche reflektierte Aufführungsrezeption.

Schlüsselwörter

Postdramatisches Theater, René Pollesch, Theaterdidaktik, Aufführungsanalyse, Erinnerungsprotokoll, Rezeptionskompetenz, Intermedialität, Pop-Kultur, Theatralität, Inszenierung, Dramenunterricht, Zuschauerrolle, Ästhetik des Performativen, Mediensozialisation, Körperzeichen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit plädiert dafür, im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe über die reine Dramenlektüre hinauszugehen und den Zugang zu zeitgenössischem, postdramatischem Theater zu ermöglichen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Im Zentrum stehen die Aufführungsrezeption, die Vermittlung von postdramatischen Theaterstrukturen, die Funktion von popkulturellen Elementen sowie die Bedeutung des Körpers und der Musik in der Inszenierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Schüler zu befähigen, kompetente und bewusste Zuschauer zu werden, die in der Lage sind, komplexe, nicht-lineare Theaterinszenierungen als Deutungsspielräume zu erschließen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf theaterdidaktische Konzepte, rezeptionspsychologische Modelle (wie das Kippen, Pendeln und Surfen) sowie semiotische Ansätze der Theateranalyse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil liefert konkrete didaktische Überlegungen und methodische Instrumente, wie z.B. das Erinnerungsprotokoll, und wendet diese exemplarisch auf die Analyse von Körperlichkeit und Musik in Polleschs Stück an.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postdramatisches Theater, Aufführungsdidaktik, Rezeptionskompetenz, Intermedialität und Ästhetik des Performativen charakterisieren.

Wie unterscheidet sich Polleschs Theater von klassischen Dramen?

Im Gegensatz zum klassischen Illusionstheater verzichtet Polleschs postdramatisches Theater weitgehend auf geschlossene Handlungsabläufe, lineare Figurenrede und Eindeutigkeit; stattdessen fokussiert es auf die Materialität der Aufführung und die Dekonstruktion von Bedeutung.

Welche Rolle spielt das Erinnerungsprotokoll in der Unterrichtspraxis?

Es dient als subjektives, aber methodisch reflektiertes Instrument, um die unbewussten Wahrnehmungen eines Theaterbesuchs im Nachgang zu verbalisieren, zu hinterfragen und als Ausgangspunkt für eine tiefere Analyse zu nutzen.

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Details

Title
Mut zu unbequemen Inszenierungen!
Subtitle
Ein Plädoyer für postdramatisches Theater im Deutschunterrichts am Beispiel von René Polleschs Stück "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Germanistik)
Course
Seminar: Der Text - ein Phänomen im Deutschunterricht
Grade
1,0
Author
Thérèse Remus (Author)
Publication Year
2012
Pages
35
Catalog Number
V202041
ISBN (eBook)
9783656279792
ISBN (Book)
9783656280231
Language
German
Tags
Deutschdidaktik Theaterdidaktik René Pollesch postdramatisches Theater postmodernes Drama Aufführungszentrierung modernes Drama zeitgenössisches Drama zeitgenössische Theaterpraxis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thérèse Remus (Author), 2012, Mut zu unbequemen Inszenierungen!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202041
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