‘White Trash’ in den Hollywoodfilmen 8 Mile und Million Dollar Baby


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Geschlechterrollen und -identitäten
A. Die Protagonisten beider Filme
A.1. Darstellung von Maggie Fitzgerald
A.2. Die traditionelle Frauenrolle
A.3. Die Rolle der Männer und die Darstellung von Jimmy ‚Rabbit’ Smith Jr
B. Mütter und Ersatzväter als Problemkessel
B.1. Die ‚White Trash’ Mütter
B.2. Vorbildfunktionen und Ersatzväter
C. Zerrissenheit der Protagonisten

II. Rasse als Identitätsträger im ‚White Trash’
A. Die Körper der Schauspieler
A.1. Hervorhebung weißer Körper durch schwarze Körper
A.2. Darstellung von weißen und schwarzen Körpern
B. Darstellung verschiedener Ethnien
B.1. Der ‚White Trash’ im Multikulturismus
B.2. Weiße in der Opferrolle

III. Klassenunterschiede als wichtigster Faktor im ‚White Trash’
A. From Rags to Riches
A.1. Raus aus dem Trailer Park
A.1.a. Protagonisten
A.1.b. Mütter im Trailer Park
A.2. Sport und Musik als einziger Ausweg

Zusammenfassung

Bibliographie

In den letzten Jahren wurde schon oft über ‚White Trash’ geschrieben und debattiert, jedoch hat das Thema soviel Aufsehen erregt, dass selbst Hollywood dieses Thema in zahlreichen Filmen schon aufgegriffen hat. Zwei dieser Filme, nämlich Million Dollar Baby und 8 Mile, werde ich bezüglich der ‚White Trash’-Thematik in Bezug auf Geschlecht, Rasse und soziale Schicht anhand der Protagonisten auf den folgenden Seiten besprechen. Ich werde versuchen auf zu zeigen, dass der ‚White Trash’ nicht nur eine Gemeinsamkeit grundlegend der Geschichte ist, sondern es auch dieser ist, der die Protagonisten in die Opferrolle drängt und sie somit auf die Suche nach ihrer Identitätsfindung schickt.

I. Geschlechterrollen und -identitäten

A. Die Protagonisten beider Filme

Erst einmal eine Definition von ‚White Trash’ . Es ist:

„an offensive term used to refer to a white person or a group of white people considered as possessing the stereotypical characteristics of a member or members of a lower-income group in society” (Encarter-World English Dictionary, 2124).

Nach dieser Definition zu urteilen ist „White Trash“ also ein beleidigender Ausdruck für sozialschwache Weiße, die zu dem noch der untersten Schicht angehören. Genau das sind die Protagonisten Maggie Fitzgerald (gespielt von Hilary Swank) und Jimmy ‚Rabbit’ Smith Jr. (gespielt von Eminem). Maggie ist eine weiße, 31 jährige Kellnerin aus Los Angeles. Sie kommt aus sehr armen Verhältnissen und wohnte mit ihrer Familie in einem Trailer Park. Jetzt schafft sie es grade so, eine Einzimmerwohnung ohne jeden ‚Luxus’, wie Fernseher und Videorecorder, zu finanzieren. Ähnlich gestaltet sich Jimmys Leben. Jimmy, ein junger Mann, ebenfalls weiß, wohnte jahrelang in einem Trailer Park im Vorort von Detroit. Der Verlust seines Jobs in einer Pizzabude und die jetzige niedrige Bezahlung im neuen Job, zwingen ihn wieder nach Hause zu seiner Mutter, deren jugendlichen Liebhaber und seiner kleinen Schwester in den Trailer Park ziehen.

A.1. Darstellung von Maggie Fitzgerald

Maggies Auftreten in Million Dollar Baby ist eher das einer toughen Frau, deren Erfolg ihr wichtiger ist als ihr Liebesleben. Im ganzen Film ist nicht eine Szene, in der sie einen Flirt hat. Vielmehr wagt sie es nicht einmal, überhaupt daran zu denken. Für sie zählt nur eines und das ist ihr starker Wille Boxchampion zu werden. Im Fall von Maggie wird somit Mike Hills These, die besagt, dass “although more obviously connected to race and class issues, whiteness sustains itself ultimately on sexual grounds“, widerlegt (157). Denn Maggie scheint sexuell nicht interessiert zu sein, da sie im Film auch keinerlei Anzeichen aussendet, überhaupt Beziehungen haben zu wollen. Man kann Maggies Sexualität also mit den Worten von Abby L. Ferber beschreiben: „Those who do not partake in the heterosexual performance are seen as not properly gendered. Sexuality becomes the performance of one’s gender“ (21). Maggie ist sozusagen das Boxgirl, das gegen das Rundengirl antreten muss, sprich es treten Härte gegen Sexyness an. Die zähe, brutale und nicht unterzukriegende Maggie verkörpert keinen Sexappeal im Vergleich zum Rundengirl, das als Sexsymbol vor dem Boxkampf ihren Auftritt hat. Das Sexsymbol wird dargestellt als vollbusige, schlanke, sexy Frau im Bikini, wohingegen Maggie als Mauerblümchen im Männer-Muskel-Kostüm auftritt. Sie ist zwar auch schlank wie das Rundengirl, aber zu dem noch durchtrainiert, mit Muskeln bepackt und hat eher eine männliche Statur, die sie wiederum unsexy erscheinen und eine Außenseiterrolle einnehmen lässt.

A.2. Die traditionelle Frauenrolle

Die Rolle der Frauen stellt sich vor allem in 8 Mile als eher passiv dar. Am Beispiel von Jimmys Mutter Stephanie (gespielt von Kim Basinger) kann man sehen, dass der Frauentyp eher blond, hübsch und passiv ist, jedoch immer versucht, den Menschen in der Umgebung zu gefallen. Dies wird insbesondere in der Szene deutlich, in der Stephanie ihren jungen Liebhaber Greg davon überzeugen will, dass die Mietzahlungen kein Problem seien. Indem sie sich hierbei ganz eng an ihn schmiegt, setzt sie ihren Sexappeal ein, um Greg zum Bleiben zu bewegen. Selbst Jimmys kleine Schwester, Lily, und dessen neue Flamme, Alex, erscheinen wie Engelsfiguren: blond, hübsch und passiv bzw. zurückhaltend. Die kleine Schwester ist dazu noch sehr ängstlich. So versteckt sie sich in obiger Szene während der Auseinandersetzung zwischen Jimmy, seiner Mutter und Greg, unter dem Tisch.

Auch in Million Dollar Baby gibt es eine Figur, die blond und passiv ist. Maggies Schwester, die noch zu Hause bei Muttern im Trailer Park wohnt und zu Unrecht Stütze bezieht, wird ebenfalls als helle, zerbrechliche Schönheit dargestellt und muss sich den mütterlichen Anweisungen beugen. Sie darf sich grundsätzlich in nichts einmischen.

Beispielhaft hierfür ist die Szene, in der Maggie ihrer Mutter ein Haus schenken will, womit Maggies Mutter, Schwester und deren Kind endlich aus dem Trailer Park ausziehen könnten.

A.3. Die Rolle der Männer und die Darstellung von Jimmy ‚Rabbit’ Smith Jr.

In beiden Filmen ist die Aufopferung der weißen Frau für den weißen Mann erkennbar, die ihm so zum Erfolg verhelfen kann. In Million Dollar Baby opfert sich Maggie für Frankie (gespielt von Clint Eastwood) auf. Als sie ihn zunächst fragt, ob er sie trainieren will, lehnt er ab, denn er trainiert keine Frauen. Aber nach mehreren Versuchen, ihn als Trainer zu gewinnen, nimmt er sie unter seine Fittiche und sie avanciert schnell zu seinem neuen Schützling und Boxtalent. Maggies Hingabe zum Boxen lässt ihn ihr Potential erkennen, aber auch er sieht sich bekräftigt in seinem Willen, Maggie zu trainieren, um mit ihr endlich seinen lang ersehnten Weltmeistertitelkampf zu bestreiten, etwas was er zuvor mit anderen Boxern nie geschafft hatte. Denn wenn es zum entscheidenden Moment kam, wechselten all seine Boxer zu anderen Managern, die ihnen zu Titelkämpfen verhelfen würden.

In 8 Mile taucht das Motiv der Aufopferung der weißen Frau auch auf. Hier allerdings in zwei Charakteren, und zwar einmal in Jimmys Mutter Stephanie und zum Zweiten in seiner neuen Freundin Alex. Stephanie opfert sich auf, indem sie ihren erwachsenen Sohn wieder bei sich wohnen lässt, obwohl der Platz im Wohnwagen schon für drei Personen nicht ausreicht. Aber er ist ihr Sohn und somit sieht sie sich verpflichtet, ihn aufzunehmen, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Als nette Geste ist auch das Auto gemeint, das sie Jimmy verfrüht zum Geburtstag schenkt, was sich aber doch eher als Klapperkiste herausstellt. Auch Alex opfert sich auf für Jimmy. Als sie hört, dass Jimmy ein Demoband aufnehmen will und im Shelter seine HipHop Battles abhält, unterstützt sie ihn, soweit sie nur kann. Sie kommt sogar zu Jimmys wichtigsten Battle, obwohl die beiden nicht mehr zusammen sind und drückt ihm die Daumen. Sie ist sozusagen seine mentale Stütze.

Das Fazit, das man daraus ziehen kann, ist, dass die männlichen Charaktere ohne die Frauen aufgeschmissen wären. Frankie könnte seinen Traum vom Weltmeistertitelkampf nicht wahr machen, wenn er Maggie nicht trainieren würde und Jimmy würde auf der Straße sitzen, wäre er nicht bei seiner Mutter im Trailer Park untergekommen.

Die Darstellungen von Jimmy und Frankie könnten nicht unterschiedlicher sein. Frankie, der im Film als weißer, alter, zerbrechlicher Mann dargestellt wird, bringt seinen Willen, seinen letzten großen Coup zugeben, so stark zum Ausdruck, dass er körperlich schwach

inszeniert wird. Sein dünner, unmuskulöser Körper scheint schwächer zu werden, weil ihm die mentale und emotionale Belastung Maggie zu trainieren, zu schaffen macht. Vor allem nach Maggies Boxunfall wird Frankie emotional gebrechlicher dargestellt, weil sie in der Zwischenzeit für ihn schon zur Ersatztochter geworden ist. Besonders sieht man diese Darstellung an seinen Geschichtszügen, die darauf hindeuten, dass er sich die Schuld an ihrem Unfall gibt.

Jimmy dagegen ist ein vitaler, energischer, junger, weißer Mann, der allerdings auch emotional angeschlagen ist. Er wird im Film muskulös und gut gebaut dargestellt. Aber selbst dieses Auftreten hilft ihm nicht, als er von den Mitgliedern der Free World Gang zusammengeschlagen wird. Als er in der ersten Battle-Szene im Shelter kein Wort herausbekommt, tritt er eher als schüchtern und ängstlich auf, was ihn jedoch nicht von seinem Traum abbringt, HipHopper zu werden. Seine emotionale Angeschlagenheit hilft ihm in seinem letzten Battle endlich allen zeigen zu können, was in ihm steckt. Dabei überträgt er seine emotionale Stärke auf seine körperliche Ausstrahlung und tritt als sehr starker Charakter auf.

B. Mütter und Ersatzväter als Problemkessel

Die Mütter scheinen in beiden Filmen die Problemherde für die Protagonisten zu sein. Beide sind dem ‚White Trash’ Muster angehörig und entsprechen mehr oder weniger dem klassischen Stereotypen. Da keine Väter in den Filmen vorkommen, kann ich bezüglich dessen nur auf die Ersatzväter eingehen, die einmal von Frankie und zum Weiteren von Greg verkörpert werden.

B.1. Die ‚White Trash’ Mütter

Die Mutter von Maggie in Million Dollar Baby ist die reine Verkörperung des ‚White Trash’ Klischees. Sie lebt im Trailer Park, ist extrem übergewichtig, hat ungekämmte, fettige Haare, ist schlampig gekleidet und lebt von der Sozialhilfe (welfare). Nach der Aussage des Regisseurs des Films Million Dollar Baby, Clint Eastwood, ist ‚White Trash’ „…people who are participatind in welfare fraud“. Besonders für Maggies Mutter ist auch der monatliche Scheck vom Staat ihr ein und alles, dafür lässt sie sogar das Angebot ihrer Tochter für ein Haus sausen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
‘White Trash’ in den Hollywoodfilmen 8 Mile und Million Dollar Baby
Hochschule
Freie Universität Berlin  (JFKI)
Veranstaltung
Conceptions of ‚Blackness’ and ‚Whiteness’ in Contemporary American Literature and Film
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V202058
ISBN (eBook)
9783656279655
ISBN (Buch)
9783656280811
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
White Trash, USA, Million Dollar Baby, Hilary Swank, Clint Eastwood, Eminem, From Rags to Riches, Trailerparks, Trailer Parks in den USA, Multikulturismus, Race, Gender, Amerikanistik, Film, Hollywood, Anglistik, Englisch
Arbeit zitieren
Magister Anke Werckmeister (Autor), 2007, ‘White Trash’ in den Hollywoodfilmen 8 Mile und Million Dollar Baby, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202058

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