„Alle Menschen sind gleich“ – so lautet ein häufig genutztes und plakatives Statement, das nicht nur von Menschenrechtsorganisationen und sozialen Hilfseinrichtungen gewählt wird, sondern auch der deutschen Gesetzgebung und internationalem Recht entspricht. Dabei wird allerdings häufig „gleich“ mit „gleichwertig“ verwechselt, was bei radikaler Fortführung der Gleichheitsidee zu gravierenden Problemen geführt hat und weiter führen wird, so wie es beispielsweise der Kommunismus gezeigt hat.
In dieser Arbeit ist allerdings nicht die Idee der Gleichheit wissenschaftlicher Gegenstand, sondern die Verpflichtung integrativen bzw. inklusorischen Unterrichts auf Grund der nationalen und internationalen Bestimmungen, die auf Chancengleichheit bzw. Chancengerechtigkeit abzielen. Anders formuliert: Wie kann die Gleichwertigkeit eines Menschen bei gleichzeitiger individueller Andersartigkeit in der Schule umgesetzt werden und wie kann trotz oder gerade wegen ausgesprochener Heterogenität gemeinsam gelernt und gelehrt werden, um eine fruchtbares und bereicherndes gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen?
Diese hochkomplexe Thematik lässt sich allerdings nicht in wenigen Seiten fassen, so dass in diesem Werk nur die Grundzüge, ideeller und pragmatischer Natur, dargestellt werden können. Da es hier bei Integration um die Eingliederung und die Eröffnung von Partizipationsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung geht, ist es erforderlich heilpädagogische Grundlagen zu erörtern und die rechtliche Situation darzustellen. Um die Praxisfähigkeit dieser Arbeit zu gewährleisten ist es im Folgenden erforderlich, schulische Implikationen sowie die aktuelle Situation an bayerischen Schulen aufzuzeigen.
Ferner bezieht sich Integration nicht auf ein spezielles Fach, sondern ist als fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsaufgabe zu verstehen, die bestimmte Möglichkeiten bietet, aber auch ihre Grenzen hat. Der Religionsunterricht bietet vielfältige Chancen und Gelegenheiten erfolgreich Integration umzusetzen, was ausgiebig erläutert werden wird.
Daran anschließend soll geklärt werden, ob es angebrachter ist von Integration oder Inklusion zu sprechen bzw. es soll herausgearbeitet werden, wo die Unterschiede genau liegen.
Abschließend erfolgen eine kritische Auseinandersetzung zur schulischen Umsetzung sowie ein zusammenfassendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen zur Thematisierung und Behandlung von Menschen mit Behinderung
2.1 Definition von Behinderung
2.2 Ursachen über die Entstehung von Behinderung
2.3 Rechtliche Grundlagen zu den Rechten von Menschen mit Behinderung
2.4 Schulische Implikationen
3. Aktuelle Situation von Menschen mit Behinderung an bayerischen Schulen
4. Soziale Integration als fächerübergreifende Aufgabe
4.1 Begründung
4.2 Möglichkeiten soziale Integration zu unterstützen
4.3 Lehren und Lernen von Menschen mit geistiger Behinderung – didaktische Implikationen
5. Chancen und Gelegenheiten zur Integrationsförderung im Religionsunterricht
5.1 Theologische Begründungslinien
5.2 Integrative Elemente in modernen religionsdidaktischen Konzeptionen
5.3 Prinzipien einer integrativen Religionsdidaktik
5.4 Methodische Konkretionen
5.5 Weitere Anregungen
6. „Inklusion“ als bessere Sichtweise
7. Kritische Anmerkungen zur praktischen Umsetzung
8. Fazit
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der schulischen Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller rechtlicher Rahmenbedingungen in Bayern. Dabei wird analysiert, wie ein gemeinsames Lernen trotz individueller Heterogenität gestaltet werden kann und welche spezifische Rolle der Religionsunterricht bei der Förderung der Teilhabe spielt.
- Grundlagen der Behindertenpädagogik und Definition von Behinderung
- Rechtliche Rahmenbedingungen und schulische Implikationen
- Die aktuelle Situation der Inklusion an bayerischen Schulen
- Soziale Integration als fächerübergreifende Bildungsaufgabe
- Religionsdidaktische Ansätze zur Förderung von Teilhabe
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition von Behinderung
Bisher gibt es keine eindeutige und unumstrittene Definition von Behinderung, da der Gegenstand sehr komplex ist und viele Facetten beinhaltet wie z.B. Einschränkungen der
- physischen Fähigkeiten (körperliche Behinderung)
- kognitiven Fähigkeiten (geistige Behinderung)
- psychisch-emotionalen Fähigkeiten (seelische Behinderung)
- sozialen Fähigkeiten (soziale Behinderung)
- Sinneswahrnehmung (Sinnesbehinderung).
Auch ist es sehr strittig festzulegen, ab wann eine Beeinträchtigung als Behinderung einzustufen ist (vgl. Gradwanderung Sinnesbehinderung Sehschwäche – Blindheit).
Da aber mit Behinderungen auch rechtliche Implikationen berücksichtigt werden müssen und in der BRD im Regelfall spezifische soziale Leistungen verbunden sind (vgl. dazu: SGB IX), werden Behinderungen auch klassifiziert (insbesondere ICD-10/international classification of diseases) und es erfolgen Einteilungen nach eindeutig festgelegten Kriterien. Dieses „In-eine-Schublade-stecken“ begünstigt allerdings auch die Prozesse der Stigmatisierung und somit der Isolation bzw. Segregation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Gleichheitsthematik im Bildungssektor und definiert die Arbeit als Untersuchung zur Umsetzung integrativer bzw. inklusorischer Unterrichtsmodelle.
2. Grundlagen zur Thematisierung und Behandlung von Menschen mit Behinderung: Dieses Kapitel erörtert fachliche Definitionen von Behinderung, deren Ursachen sowie die damit verbundenen rechtlichen und schulischen Voraussetzungen.
3. Aktuelle Situation von Menschen mit Behinderung an bayerischen Schulen: Hier wird der Status quo des bayerischen Schulwesens analysiert, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung des Inklusionsprofils und der vorhandenen Kooperationsformen.
4. Soziale Integration als fächerübergreifende Aufgabe: Der Abschnitt betrachtet Integration als komplexen Prozess, der über fachliche Inhalte hinausgeht und die Interaktion in der gesamten Schulumwelt erfordert.
5. Chancen und Gelegenheiten zur Integrationsförderung im Religionsunterricht: Dieses Kapitel zeigt auf, wie theologisch begründete Menschenbilder und spezifische religionsdidaktische Methoden Integration im Unterricht unterstützen können.
6. „Inklusion“ als bessere Sichtweise: Es erfolgt eine begriffliche Differenzierung zwischen Integration und Inklusion sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Zwei-Gruppen-Theorie.
7. Kritische Anmerkungen zur praktischen Umsetzung: Hier werden die enormen Anforderungen an Regelschullehrkräfte und das Fehlen struktureller Unterstützung thematisiert.
8. Fazit: Das Fazit würdigt die Idee der Inklusion als wichtiges Leitmotiv, betont jedoch die hohen Hürden bei der praktischen Umsetzung im Schulalltag.
9. Schluss: Der Schluss ordnet die inklusive Schule als ein langfristiges Ziel ein, das ein hohes Berufsethos und ein positives Menschenbild von Pädagogen erfordert.
Schlüsselwörter
Integration, Inklusion, Behinderung, Religionsunterricht, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Schule, Kooperation, Teilhabe, Didaktik, Inklusive Bildung, Schulleben, Chancengleichheit, Bildungsauftrag, Pädagogik, Barrierefreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung und praktischen Umsetzung von schulischer Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die pädagogische Definition von Behinderung, der rechtliche Rahmen, schulische Kooperationsmodelle und religionsdidaktische Konzepte zur Förderung der Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, wie Gleichwertigkeit in der Schule umgesetzt werden kann und welche Rolle der Religionsunterricht als fächerübergreifende Aufgabe dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung rechtlicher und offizieller Dokumente, um didaktische Strategien für eine inklusive Schule abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen, die spezifische Situation in Bayern, didaktische Prinzipien für den Unterricht mit behinderten Schülern sowie die Abgrenzung von Integration und Inklusion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Inklusion, Integration, Behinderung, Religionsunterricht und sonderpädagogischer Förderbedarf.
Wie bewertet der Autor die Situation an bayerischen Schulen?
Der Autor sieht zwar formal die Weichen durch das bayerische Schulrecht gestellt, erkennt jedoch eine große Lücke zwischen den hohen Anforderungen an die Lehrkräfte und der tatsächlichen strukturellen Unterstützung.
Welche Rolle spielen Rituale im religionsdidaktischen Kontext?
Rituale dienen als Strukturierungshilfe, die Gefühle von Geborgenheit und Sicherheit vermitteln und besonders Kindern mit geistiger Behinderung die Teilhabe erleichtern, da sie keinen reinen Wissenserwerb voraussetzen.
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- Anonym (Author), 2012, Integration - ein hehres Ziel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202089