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Wie politisch war der junge Brecht? Seine Augsburger und Münchener Zeit im politischen Kontext.

Title: Wie politisch war der junge Brecht? Seine Augsburger und Münchener Zeit im politischen Kontext.

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 37 Pages , Grade: 2 (gut)

Autor:in: Lars Wächter (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Einleitung

„Das Klassische in Brecht zu sehen heißt nicht, ihn in ein Museum zu stellen, sondern ihn in seiner Entwicklung und in seiner Wirkung zu begreifen.“(1)
Bertolt Brecht gilt wohl als der bedeutenste deutsche Dichter und Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Zugleich ist er aber auch das enfent terrible der deutschen Literatur. In seinem Buch Erinnerung an Brecht sagt Hans Mayer –rückblickend auf die 20er Jahre– über Brecht:
„Er dachte, schrieb und sprach nicht wohlanständig, wie es sich für einen guten Schriftsteller geziemt, sondern ordinär, spöttisch und hochfahrend.“ (2)
Und die Handlung des Stücks Trommeln in der Nacht „ekelte“ ihn an:
„Mit diesem Brecht wollte ich nichts zu tun haben ...“(3)
Um Brecht in seiner Entwicklung und in seiner Wirkung begreifen zu können, kommt man nicht umhin, den damaligen gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die den jungen Brecht beeinflussten, hinreichend Beachtung zu schenken.
[...]
_____
1 Der Klassiker der Vernunft. Ein Essay von Siegfried Unseld. Siehe hierzu: http://www.suhrkamp.de/autoren/brecht/brechtess.htm (21.10.2001, 20:54 Uhr)
2 Ebenfalls auf einer Internetseite des Suhrkamp Verlages sind die von mir zitierten Auszüge Hans Mayers (Erinnerung an Brecht) zu finden: http://www.suhrkamp.de/autoren/brecht/brechtmay.htm
(21.10.2001, 21:05 Uhr)
3 Ebd

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Politische und Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

1. Das Weltmachtstreben des wilhelminischen Deutschlands

2. Der 1. Weltkrieg

2.1 Ursachen und Vorgeschichte

2.2 Auswirkungen des 1.Weltkrieges

2.3. Das Ende des 1.Weltkrieges und des Kaiserreiches

3. Der Übergang zur Weimarer Republik

3.1 Die Novemberrevolution

3.2 Die politische Linke

III. Wie politisch war Brecht? Eine Betrachtung seiner Augsburger und Münchener Zeit

1. Brechts Kindheit und Schulzeit

2. Brecht und der 1. Weltkrieg

3. Das Ende des 1. Weltkrieges und Revolution

IV. Die literarischen Anfänge

1. Lyrik – Der Brennende Baum

2. Drama – Trommeln in der Nacht

V. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Entwicklung des jungen Bertolt Brecht während seiner Zeit in Augsburg und München. Das zentrale Ziel ist es, den Einfluss der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, insbesondere des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution, auf Brechts persönliches Denken und sein literarisches Frühwerk kritisch zu hinterfragen und bestehende Mythen über sein politisches Engagement in diesen Jahren zu prüfen.

  • Analyse der politischen und gesellschaftlichen Bedingungen im Kaiserreich und der frühen Weimarer Republik
  • Untersuchung von Brechts Einstellung zum Ersten Weltkrieg und seinem Dienst als Sanitätssoldat
  • Kritische Auseinandersetzung mit Brechts frühen literarischen Arbeiten, speziell Der Brennende Baum und Trommeln in der Nacht
  • Abgleich von Brechts Selbstzeugnissen mit der wissenschaftlichen Sekundärliteratur
  • Reflexion über die Dynamik zwischen Brechts privater Haltung und seinem späteren politischen Wirken

Auszug aus dem Buch

3. Das Ende des 1. Weltkrieges und Revolution

Gegen Ende des 1. Weltkrieges verfolgt Brecht die politische Entwicklung im November 1918 mit großem Interesse und gehört etwas später auch einem Lazarett-Rat an, der einem Arbeiter- und Soldatenrat untersteht, worin er –nach Erinnerungen von Ernst Niekisch– jedoch „niemals besonders hervorgetreten [sei]“.

Wie politisch der junge Brecht war, lässt sich nur ungenau beantworten, da eine solche Einschätzung davon abhängig ist, unter welchen Aspekten man dieser Fragestellung nachgeht. Möchte ich die Frage beantworten, ob Brecht politisch interessiert war, ob er motiviert war, also möglicherweise eine politische Gesinnung befürwortete oder gar favorisierte? Oder ziehe ich Schlüsse aus seinem Verhalten? Beteiligte er sich aktiv in politischen Organisationen? Als überaus hilfreich erweist sich diesbezüglich eine Aufzeichnung Brechts aus dem Jahr 1935:

„Als ich schon jahrelang ein namhafter Schriftsteller war, wußte ich noch nichts von Politik und hatte ich noch kein Buch und keinen Aufsatz von Marx oder über Marx zu Gesicht bekommen. Ich hatte schon vier Dramen und eine Oper geschrieben, die an vielen Theatern aufgeführt wurden, ich hatte Literaturpreise erhalten, und bei Rundfragen nach der Meinung fortschrittlicher Geister konnte man häufig auch meine Meinung lesen. Aber ich verstand noch nicht das ABC der Politik und hatte von der Regelung öffentlicher Angelegenheiten in meinem Lande nicht mehr Ahnung als irgendein kleiner Bauer auf einem Einödshof. Bevor ich mich der Literatur zuwandte, hatte ich schon im Kriegsjahr 1917 ein Gedicht gegen den Krieg geschrieben, die `Ballade vom toten Soldaten´, [...]. 1918 war ich Soldatenrat in der USPD gewesen. Aber dann in die Literatur eintretend, kam ich über eine ziemlich nihilistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft nicht hinaus. [...]“

Das Brecht wenig Ahnung von Politik gehabt hat, wie er selbst zugab, verwundert nicht. Wo hätte er auch eine qualifizierte politische Bildung erhalten sollen? Die Schule hatte während des Krieges nicht das Ziel, Kinder und Jugendliche zu politisch-mündigen und aufgeklärten Bürgern zu erziehen. Das Gegenteil war der Fall. Ideologischer, nationalistischer Drill durch die Lehrer stand an der Tagesordnung. Ganz nach dem Motto: „Jeder Schuss ein Russ! Jeder Stoß ein Franzos!“ wurde „Kriegspädagogik“ betrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Vorstellung des Erkenntnisinteresses und der Fragestellung zur politischen Entwicklung des jungen Brecht.

II. Politische und Gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Darstellung der historischen Gesamtlage vom wilhelminischen Kaiserreich bis zur Novemberrevolution.

III. Wie politisch war Brecht? Eine Betrachtung seiner Augsburger und Münchener Zeit: Analyse von Brechts Sozialisation, seiner Haltung zum Krieg und seinem Dienst im Lazarett.

IV. Die literarischen Anfänge: Untersuchung der Gedichte und Theaterstücke des jungen Brecht auf gesellschaftskritische Motive.

V. Schlussbemerkung: Synthese der Forschungsergebnisse und Einordnung von Brechts politischer Unschärfe in jungen Jahren.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Erster Weltkrieg, Novemberrevolution, Weimarer Republik, Politische Entwicklung, Trommeln in der Nacht, Der Brennende Baum, Kriegsbegeisterung, Pazifismus, Literaturwissenschaft, Kaiserreich, Soldatenrat, Sozialisation, Gesellschaftskritik, Biografie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie politisch der junge Bertolt Brecht während seiner Zeit in Augsburg und München wirklich war, und analysiert den Wandel seiner persönlichen Einstellungen im Kontext des Ersten Weltkriegs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die historische Einordnung des deutschen Kaiserreichs, die Auswirkungen des Krieges auf den Alltag, Brechts Schulerlebnisse sowie die Analyse seines Frühwerks hinsichtlich politischer Tendenzen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Brechts frühe pazifistische oder gesellschaftskritische Äußerungen aus tiefer politischer Überzeugung stammten oder eher Anpassungsreaktionen an den Zeitgeist waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-biografische Analyse, die Brechts eigene Schriften und Tagebuchaufzeichnungen mit zeitgenössischen Dokumenten und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Rahmenbedingungen und eine spezifische Untersuchung von Brechts Kindheit, seiner Schulzeit, seiner Zeit im Sanitätsdienst sowie der Interpretation seiner frühen Stücke.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bertolt Brecht, Erster Weltkrieg, Novemberrevolution, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, politische Entwicklung und literarische Anfänge.

Welche Bedeutung hatte das Lazarett-Erlebnis für Brecht?

Der Dienst im Reservelazarett wird in der Literatur oft als Ausgangspunkt für Brechts späteren Pazifismus diskutiert, obwohl die Quellenlage zu seinen tatsächlichen Aktivitäten dort widersprüchlich ist.

Wie bewertet der Autor Brechts eigene Rückblicke auf seine Jugend?

Der Autor stellt fest, dass Brechts spätere Aussagen zur eigenen Jugend als „unpolitisch“ oft eine bewusste Distanzierung von einer Zeit darstellen, an die er sich aufgrund mangelnder Orientierung ungern erinnert.

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Details

Title
Wie politisch war der junge Brecht? Seine Augsburger und Münchener Zeit im politischen Kontext.
College
University of Kassel  (FB Literaturwissenschaften)
Course
Hauptseminar: Der junge Brecht
Grade
2 (gut)
Author
Lars Wächter (Author)
Publication Year
2001
Pages
37
Catalog Number
V2021
ISBN (eBook)
9783638112420
Language
German
Tags
Bert Brecht / Bertolt Brecht / Brecht /Literaturwissenschaft / Drama
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Wächter (Author), 2001, Wie politisch war der junge Brecht? Seine Augsburger und Münchener Zeit im politischen Kontext., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2021
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