Jugendhilfe im Scheidungsfall: Chancen und Grenzen der Jugendhilfe im Rahmen von Scheidungsprozessen


Bachelorarbeit, 2012

45 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hochkonflikthafte Scheidungen und die Folgen für Kinder
2.1 Merkmale hochkonflikthafter Scheidungen
2.2 Daten und Fakten
2.3 Folgen für die Kinder

3 Chancen und Grenzen der Jugendhilfe
3.1 Problematik der gerichtlichen Verhandlung
3.2 Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe bei Scheidung der Eltern
3.3 Möglichkeiten der Intervention im Scheidungsprozess
3.3.1 Der Schutzauftrag der öffentlichen Jugendhilfe
3.3.2 Psychologische Beratungsstellen
3.3.3 Begleiteter Umgang
3.3.4 Mediation
3.3.5 Gerichtsnahe Beratung
3.3.6 Verfahrensbeistand
3.3.7 Kooperationsmodelle

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Diskurs und die intensive Forschung bezüglich der Scheidungsfolgen für Kinder existiert bereits seit geraumer Zeit und genießt auch aktuell noch immer starke gesellschaftliche Präsenz. Dass eine elterliche Trennung verheerend für deren Nachwuchs sein kann, bestreitet heute niemand mehr. Die Frage jedoch, wie die aus einer Scheidung resultierenden Folgen, insbesondere bei Hochkonflikthaftigkeit, verringert werden können, ist bei weitem noch nicht abschließend geklärt. Dies wird beispielsweise darin deutlich, dass die USA über wesentlich etabliertere Interventionsmöglichkeiten bei Scheidung verfügen als Deutschland.[1]

In dieser Arbeit werden daher die Chancen und Grenzen seitens der Jugendhilfe im Rahmen von Scheidungsprozessen aufgezeigt. Es sollen sowohl die Schwachstellen als auch die Ressourcen von Interventionen hervorgehoben werden.

Vorausgehend gilt es daher, die Forschungsergebnisse zu Scheidungsfolgen für Kinder generell, wie auch aus hochkonflikthaften Familien darzulegen. Anschließend wird ein kurzer Abriss bezüglich des Wandels der gesetzlichen Regelungen erfolgen und erörtert, welche Problematiken sich aus dem familiengerichtlichen System für Kinder ergeben können. Bezogen auf die verdeutlichten Scheidungsfolgen und der Schwierigkeiten auf verfahrensrechtlicher Seite, werden anschließend die Aufgaben der Jugendhilfe, mit einem besonderen Blick auf das beschleunigte Verfahren und Beratungsstellen, vorgestellt. Es soll ein Überblick über die bestehenden Interventionen erfolgen und gleichwohl eventuelle Schwierigkeiten beleuchtet werden.

Schlussendlich erfolgen ein daraus resultierendes Fazit und ein Ausblick.

2 Hochkonflikthafte Scheidungen und die Folgen für Kinder

In diesem Kapitel wird zunächst geklärt, wann Scheidungen überhaupt als hochkonflikthaft zu bezeichnen sind. Anhand der Aufzählung verschiedener Merkmale soll eine Rahmung für Hochkonflikthaftigkeit und eine Abgrenzung zu „regulären“ Trennungen nähergebracht werden.

Mittels aktueller Forschungsergebnisse werden anschließend Daten und Fakten zu Scheidungen, insbesondere zu hochkonflikthaften Trennungen, vorgelegt und deren Folgen für Kinder erörtert.

2.1 Merkmale hochkonflikthafter Scheidungen

Bisher existiert keine einheitliche Definition von „Hochkonflikthaftigkeit“. Daher können hier lediglich Übereinstimmungen aus den Versuchen, sich dem Begriff zu nähern, genannt werden.

Scheidungen, welche als hochkonflikthaft gelten, sind gekennzeichnet von „langjährigen und hartnäckigen Streitigkeiten von getrennten Eltern, die durch alle gerichtlichen Instanzen und beraterischen Hilfen hindurch geführt werden“[2] . Merkmale von Hochkonflikthaftigkeit, oder auch Hochstrittigkeit, sind damit: fortgesetzte juristische Streitigkeiten, emotionale Themen, eine egoistische Instrumentalisierung der Kinder durch ihre Eltern und erfolglose Versuche einer außergerichtlichen Einigung.[3] Bei hochstrittigen Familien dauern die Konflikte noch lange nach der Scheidung oder Trennung an, sind von einer besonderen Intensivität und werden noch jahrelang regelmäßig vor Gericht verhandelt.[4]

Zur Einordnung von Konfliktfamilien hat Alberstötter ein Konzept von Glasl zu einem dreistufigen Eskalationsmodell erweitert. Dabei zeichnet sich die erste Stufe durch ein zeitweilig gegeneinander gerichtetes Reden und Tun aus. Hier ist die emotionale Intensität noch gering und die Ex-Partner sind noch dazu in der Lage, die Paar- und Elternebene voneinander zu trennen.[5] Dies bedeutet, dass die Konflikte, welche zwischen ihnen als Paar ehemals bestanden oder noch immer bestehen, sie nicht in ihrer Funktion als Eltern beeinträchtigen. Die Streitigkeiten reichen also nicht in die Ebene der Erziehung oder Regelungen bezüglich ihres Kindes hinein. Auf der zweiten Stufe sind bereits ein verletzendes Agieren und die Ausweitung des Konfliktfeldes festzustellen. Die Streitigkeiten werden zu einem chronischen Dauerzustand und es sind bereits professionelle Akteure als Helfer an der Situation beteiligt.[6] Mit „Beziehungskrieg - Kampf um jeden Preis“ ist die dritte und letzte Stufe bezeichnet. Hier sind Gefühle wie Verzweiflung und Hass handlungsleitend. Der Ex-Partner soll in seiner Existenz möglichst geschädigt oder gar vernichtet werden. Dabei werden Verleumdungen, Drohungen und auch tätliche Handlungen angewandt.[7] Ab der zweiten Eskalationsstufe ist von Hochstrittigkeit die Rede. Diese Eltern weisen in einem Konflikt zumeist stark negativ wirkende Charakter- oder Persönlichkeitseigenschaften aus. Beispielsweise eine gestörte Kommunikation oder „narzisstische Vulnerabilität“[8] . Letzteres beinhaltet eine durch die Trennung verursachte Kränkung des Selbstwertgefühls. Das geringe Selbstwertgefühl wiederrum veranlasst häufig den Drang danach, zu kämpfen und einen möglichen Kontrollverlust rückgängig zu machen. Auch ist es ihnen oftmals immens wichtig, eine bedeutende Rolle für ihre Kinder zu spielen. Dabei werden diese in die massiven Auseinandersetzungen der Eltern hineingezogen.[9]

Wurden hochstrittige Eltern in Interviews befragt, so ergeben sich häufig dichotome Bilder. Der jeweils interviewte Elternteil sieht sich zumeist in der Opferrolle, während der Ex-Partner als Täter wahrgenommen wird.[10] Es ist ein starkes Schwarz - Weiß - Denken vorzufinden. Entweder empfindet sich ein Elternteil als Verlierer oder aber Gewinner, als mächtig oder ohnmächtig.[11] Mitten in diesem Gefüge befindet sich das Kind als ein Teil des Streitgegenstandes und es erscheint zeitweise lediglich als ein umworbenes Objekt, gleichrangig mit anderen Vermögensgegenständen. Wie häufig Kinder in solche Prozesse verwickelt sind, wird im folgenden Abschnitt deutlich.

2.2 Daten und Fakten

Seit der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland haben die Ehescheidungen stark zugenommen. In den zehn Jahren von 1993 bis 2003 ist die Zahl der Scheidungen um 51,3 % angestiegen.[12] Im Jahr 2005 ließen sich etwa 388.500 Paare in Deutschland trauen, während sich im gleichen Jahr circa 201.700 Ehen wieder geschieden wurden.[13] Zudem sind in einem Scheidungsprozess zu 50 Prozent minderjährige Kinder involviert.[14] So waren im Jahr 2002 von den Ehescheidungen etwa 153.000 Kinder unter 18 Jahren betroffen.[15] Im Jahr 2005 waren es sogar 156.400. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der von einer Trennung ihrer Eltern tangierten Kinder noch wesentlich höher sein. Nämlich dann, wenn diejenigen hinzuzählen würden, welche aus einer beendeten, nichtehelichen Lebensgemeinschaft stammen. Diese können aber natürlicherweise statistisch nicht erfasst werden.[16]

Die besonders von starken Konflikten geprägten Scheidungen und die darin involvierten Kinder stellen aber eine Ausnahme dar. So sind zwei Drittel aller sich trennenden Familien in der Lage, beispielsweise den Umgang mit ihren Kindern selbstverantwortlich zu regeln.[17] Wird ein Verfahren vor dem Familiengericht eröffnet, kann in der Regel nach etwa einem halben Jahr ein endgültiger Beschluss gefasst werden, so dass nur ein Fünftel der Verfahren nach einem Jahr Anhängigkeit vor Gericht noch laufen.[18] Die Zahl der von Konflikten nach einer Trennung betroffenen Kinder in Deutschland steigt allerdings jährlich um mehr als 10.000.[19] Insgesamt sind momentan etwa 50.000 Kinder betroffen.[20]

Man spricht von ungefähr fünf Prozent der Gesamtheit elterlicher Trennungen, welche als hochstrittig angesehen werden.[21] Doch dieser scheinbar geringe Anteil stellt einen enormen Aufwand für die betroffenen, helfenden Institutionen dar. So kommen im Extremfall bei hochkonflikthaften Trennungen entsprechend der Eskalationsstufe drei auf ein Elternpaar ganze acht involvierte Hilfspersonen.[22] Darunter finden sich z. B. Familienrichter, Sozialarbeiter des Jugendamtes, Therapeuten, Berater, Sachverständigengutachter, Umgangs- und Verfahrenspfleger. Neben den finanziellen Einbußen, welche die Familien selbst durch ein Scheidungsverfahren hinnehmen müssen, sind auch die wirtschaftlichen Kosten, welche diese Gruppe verursacht, enorm. Ganz abgesehen von den psychischen Folgen für die betroffenen Kinder. Doch aus Sicht der Eltern während einer eskalierenden Scheidung leiden sie selbst stets am meisten unter der Situation. Ihre Kinder hingegen sind ihrer Ansicht nach nicht die Leidtragenden, oder wenn dann nur in sehr geringem Ausmaß.[23] Dies deutet auf eine verschobene Wahrnehmung und eine Verzerrung der Realität seitens der Eltern hin.

Welche Konsequenzen die Kinder tatsächlich aus einem „regulären“ oder gar hochkonflikthaften Scheidungsprozess zu erwarten haben, wird im nächsten Abschnitt thematisiert.

2.3 Folgen für die Kinder

Hierbei muss zunächst erwähnt werden, dass Schädigungen der Kinder in der Regel nicht bewusst von den Eltern vollzogen werden. Zumeist sind sie tief überzeugt davon, das Richtige für ihren Nachwuchs zu tun. Sie sind häufig nicht dazu in der Lage, angemessen Sorge für ihr Kind zu tragen, da sie noch allzu sehr selbst auf der Paarebene in Konflikte aus der Beziehung verwickelt sind. Im Allgemeinen gilt es als vorteilhafter, wenn die Eltern sich der mit ihrer Scheidung einhergehenden Probleme für ihre Kinder bewusst sind. Besonders bedrohlich wird es dann, wenn die Eltern die direkten und auch indirekten Folgen für ihren Nachwuchs bestreiten oder verdrängen.[24] Ebenfalls hervorgehoben werden soll, dass auch Konflikte an sich nicht per se als negativ zu betrachten sind.[25] Auseinandersetzungen der Eltern sollten daher nicht gänzlich vermieden oder vor den Kindern verheimlicht werden. Es liegt zwar nahe, dass starke Konflikte der Eltern folgenschwer auf den Kindern lasten. Doch auch nicht angesprochene, also still ausgetragene Konflikte führen zu einer Steigerung der Depressivitätswahrscheinlichkeit bei den belasteten Kindern.[26] Sind die Eltern in der Lage, ihre Streitigkeiten friedlich und respektvoll beizulegen, so gehen nicht nur diese zwei Parteien gestärkt aus der Situation heraus. Auch die Kinder können mittels Modelllernen von dem Verhalten der Eltern profitieren und erkennen, dass zum Leben in einer Beziehung ebenfalls Konflikte gehören, welche diese sogar noch stabilisieren können.[27] In den folgenden Erwähnungen ist allerdings stets von destruktiv ausgetragenen Konflikten auszugehen.

Die Literatur belegt mittlerweile, dass eine Scheidung an sich nicht zwingend nachhaltig belastend für die Kinder sein muss. Auch das Gegenteil kann der Fall sein. So „sind manche Scheidungskinder sozial kompetenter und weniger sozial auffällig als Kinder aus Zweielternfamilien.“[28] Insbesondere Mädchen zeigen im Erwachsenenalter überdurchschnittliche soziale Kompetenzen aufgrund der meist sehr engen Beziehung zur Mutter und der Tatsache, dass sie in der Regel früher selbstständig werden mussten als ihre Altersgenossinnen.[29] Dies bestätigt auch eine Studie von Hetherington, welche etwa 1400 Scheidungsfamilien bis zu 30 Jahre lang begleitete. Sie erläutert, dass ein kleiner Teil der mittlerweile erwachsenen Scheidungskinder bereichert aus der Situation herausgetreten sind. So wird von einer enormen Belastungsfähigkeit, Reife, Verantwortungsbewusstsein und Zielstrebigkeit berichtet.[30] Hier ist allerdings zu betonen, dass es sich ihren Angaben nach um eine Minderheit der befragten Scheidungskinder handelt.[31] Auch untersuchte eine Studie die Befindlichkeit und die Sozial- und Kompetenzentwicklung von 654 Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis achtzehn Jahren in verschiedenen Familienkonstellationen.[32] Es wurde herausgefunden, dass der jeweilige Familientyp, also Kern-, Mutter- oder Stieffamilie einen signifikanten Einfluss auf die soziale Integration und das körperliche Befinden der Kinder hat. So waren es unerwarteterweise die Kinder aus Stieffamilien, welche besonders gute Werte bezüglich somatischer Probleme und sozialer Integration zeigten.[33] Daraus wird deutlich, dass eine Trennung und das Leben in einer neuen Familienkonstellation für Kinder nicht automatisch negativ sein müssen.

Verschiedene andere Studien aus Deutschland und den USA belegen ebenfalls, dass die Folgen von Scheidungen für Kinder und deren Entwicklung nicht homogen sind.[34] Vermehrt wird der individuelle Fall, die variierende Vorgeschichte, die Umstände der Trennung usw. als bedeutsam für die jeweiligen Auswirkungen dargestellt.[35] Demnach kann auch das Ende einer enorm konfliktbelasteten Beziehung oder Ehe eine deutliche Erleichterung für das Leben der Kinder bedeuten.[36] Gleichwohl können „offen ausgetragene Konflikte der Eltern nach der Trennung zu erheblichen Belastungen für Kinder und Jugendliche beitragen.“[37] So wurde für Kinder aus hochkonflikthaften Familien festgestellt, dass die Trennung zwar vorerst eine Erleichterung für sie bedeutet, die Auseinandersetzungen in diesen Familien nach der Scheidung aber regelmäßig bestehen bleiben.[38]

An dieser Stelle muss eine Unterscheidung deutlich werden. Es ist eine Sache, wie intensiv und ob ein Kind, dank der Hilfe von eventuell vorhandenen Ressourcen, nach einer gewissen Zeit noch die Folgen der Trennung zu spüren bekommt. Die Scheidung als Lebensereignis an sich aber wird von jedem Kind zunächst einmal als schmerzhaft empfunden. So stellt die Trennung oder Scheidung der Eltern für Kinder grundsätzlich ein derart dramatisches Ereignis dar, dass es in seinem Ausmaß lediglich von dem Tod eines Elternteils übertroffen werden kann.[39] Es ist also relevant zu wissen, dass Kinder die Scheidung ihrer Eltern als schmerzhaft und negativ empfinden, selbst wenn in Untersuchungen keine Auffälligkeiten bezogen auf ihre psychologische Anpassung erkennbar werden.[40] Ein Scheidungskind durchläuft daher auch zwangsläufig Phasen, in denen es von Trennungs- und Verlustängsten geplagt ist, protestiert, Trennungsschmerz und auch Verzweiflung empfindet, ein anklammerndes oder auch gleichgültiges Verhalten zeigt. Wichtig zu wissen, besonders für die Eltern, ist, dass dies für eine solche Situation normale Reaktionen und Erfahrungen sind, welche das Kind erlebt.[41] Sie lassen auch wieder nach. Sind die Eltern in der Lage und auch gewillt, miteinander zu kooperieren, so gewinnt das betroffene Kind mit der Zeit ebenfalls an Stabilität. Einerseits Stabilität in sich selbst und auch zu den beiden Elternteilen und eventuellen neuen Partnern.[42]

Problematischer und bedrohlicher ist es hingegen, wenn die Streitigkeiten der Eltern bereits vor der Trennung vorhanden sind, während des Scheidungsprozesses und auch danach noch anhalten. Insbesondere durch Retrospektivstudien konnte herausgefunden werden, dass sich die Entwicklung von Trennungskindern in dem Maße unterscheidet, wie die Kinder in die elterlichen Streitigkeiten mit einbezogen waren. So haben sich unterschiedliche Entwicklungsverläufe und Reaktionen zum Beispiel selbst bei Geschwistern gezeigt.[43] In Fällen einer Verwicklung in die Konflikte kann das Kind in mehrfacher Hinsicht belastet sein. Dies zeigt sich beispielsweise in einer Überforderung, wenn das Kind als Bündnispartner missbraucht wird oder zu sehr in intensive, nicht altersgerechte Gespräche verwickelt wird. Je nach Alter des Kindes besteht ferner eine Zukunftsangst, da alles Kommende ungewiss erscheint.[44] Ebenfalls finden sich in der Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern „mehr negative Interaktionen, Loyalitätskonflikte, sowie die Gefahr einer Parentifizierung.“[45] Unter Parentifizierung versteht man ein Vertauschen der Fürsorgerolle.[46] Die Kinder kümmern sich in diesem Fall um ihre Eltern, anstatt wie eigentlich üblich, umgekehrt. Häufig entsteht an dieser Stelle auch ein Drang danach, den schwächeren Elternteil retten zu wollen.

Es ergeben sich weitere, altersspezifische Reaktionen der Kinder auf die Scheidung ihrer Eltern. So fand die Kölner Langzeituntersuchung (1990-1996) zur Veränderung familiärer Beziehungen nach einer Trennung/Scheidung heraus, dass Kinder im Vorschulalter und im frühen Grundschulalter in besonderem Maße einer Gefahr aufgrund der Trennung ausgesetzt sind.[47] Es wurden 46 Kinder zwischen dem vierten und dem zehnten Lebensjahr viermal befragt. Während jüngere Kinder die Scheidung noch nicht so detailliert registrieren und ältere Kinder diese bereits besser einordnen und schrittweise auch verstehen können, so sind die Kinder in der genannten Altersspanne besonders stark betroffen. Sie empfinden für die Scheidung ihrer Eltern Schuldgefühle, was ihrem noch hoch ich-zentrierten Weltbild zuzuschreiben ist.[48] So glauben sie beispielweise häufig, den Auslöser für den Streit ihrer Eltern darzustellen und aus diesem Grund auch nicht mehr von ihnen geliebt zu werden. An dieser Stelle wird deutlich, dass ein offenes Gespräch und eine klare Ausräumung von Schuld immens wichtig für eine Entlastung der Kinder in dieser Situation sind. Diese Art der Interpretation einer Trennung lässt erst zwischen dem achten und dem zehnten Lebensjahr nach.[49] Hinzuzufügen ist noch die Tatsache, dass ein höheres Lebensalter während der Trennung die Kinder nicht vor der Intensität emotionaler Betroffenheit schützt, sondern vielmehr die bereits fortgeschrittene Fähigkeit zur Perspektivübernahme und somit das Verständnis für den Standpunkt der Eltern. Es sind also die altersbedingt erhöhten kognitiven Fähigkeiten, welche protektiv wirken.[50]

[...]


[1] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 572.

[2] Walper, Sabine / Fichtner, Jörg / Normann, Katrin, Hochkonflikthafte Trennungsfamilien als Herausforderung für die Praxis, 2011, S. 7.

[3] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 21.

[4] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 572.

[5] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 589.

[6] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 589.

[7] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 589.

[8] Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 590.

[9] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 590.

[10] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 19.

[11] Vgl. Fichtner, Jörg / Halatcheva, Maya / Sandner, Eva, Diagnostik von hochkonflikthaften Eltern, 2011, S. 46.

[12] Vgl. Balloff, Rainer, Kinder vor dem Familiengericht, 2004, S. 17.

[13] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 571.

[14] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 1.

[15] Vgl. Balloff, Rainer, Kinder vor dem Familiengericht, 2004, S. 17.

[16] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 571.

[17] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg / Normann, Katrin, Hochkonflikthafte Trennungsfamilien als Herausforderung für die Praxis, 2011, S. 7.

[18] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg / Normann, Katrin, Hochkonflikthafte Trennungsfamilien als Herausforderung für die Praxis, 2011, S. 7.

[19] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg / Normann, Katrin, Hochkonflikthafte Trennungsfamilien als Herausforderung für die Praxis, 2011, S. 8.

[20] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 19.

[21] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 21.

[22] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 22; Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 590.

[23] Vgl. Bröning, Sonja, Charakteristika von Hochkonflikt-Familien, 2011, S. 34.

[24] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 3.

[25] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 93.

[26] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 98.

[27] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 93.

[28] Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 5.

[29] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 579.

[30] Vgl. Hetherington, Mavis / Kelly, John, Scheidung. Die Perspektiven der Kinder, 2003, S. 19.

[31] Vgl. Hetherington, Mavis / Kelly, John, Scheidung. Die Perspektiven der Kinder, 2003, S. 19.

[32] Vgl. Walper, Sabine, Einflüsse von Trennung und neuer Partnerschaft der Eltern, 2002, S. 25.

[33] Vgl. Walper, Sabine, Einflüsse von Trennung und neuer Partnerschaft der Eltern, 2002, S. 34.

[34] Vgl. Walper, Sabine, Einflüsse von Trennung und neuer Partnerschaft der Eltern, 2002, S. 25.

[35] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 91.

[36] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 91.

[37] Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 96.

[38] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 5.

[39] Vgl. Jopt, Uwe, Die Trennungsfamilie – Eine systemische Betrachtung, 2002, S. 54.

[40] Vgl. Walper, Sabine / Bröning, Sonja, Bewältigungshilfen bei Trennung und Scheidung, 2008, S. 578.

[41] Vgl. Balloff, Rainer, Kinder vor dem Familiengericht, 2004, S. 48.

[42] Vgl. Balloff, Rainer, Kinder vor dem Familiengericht, 2004, S. 48.

[43] Vgl. Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 98.

[44] Vgl. Balloff, Rainer, Kinder vor dem Familiengericht, 2004, S. 48.

[45] Walper, Sabine / Fichtner, Jörg, Zwischen den Fronten, 2011, S. 97.

[46] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 6.

[47] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 3.

[48] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 3.

[49] Vgl. Hötker-Ponath, Gisela, Scheidungskinder im Blick, 2008, S. 3.

[50] Vgl. Schmidt-Denter, Ulrich, Differentielle Entwicklungsverläufe von Scheidungskindern, 2001, S. 300.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Jugendhilfe im Scheidungsfall: Chancen und Grenzen der Jugendhilfe im Rahmen von Scheidungsprozessen
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
45
Katalognummer
V202114
ISBN (eBook)
9783656291053
ISBN (Buch)
9783656291633
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungswissenschaft, Scheidung, Jugendhilfe, Trennung, Kinder, Intervention, Jugendamt, Eltern, Beratung, Beratungsstellen, Scheidungsfolgen, Familiengericht, Gericht, Richter, Anwälte
Arbeit zitieren
Sabrina Seiffert (Autor), 2012, Jugendhilfe im Scheidungsfall: Chancen und Grenzen der Jugendhilfe im Rahmen von Scheidungsprozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202114

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