Geschlechterstereotype


Essay, 2011

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Frauen können nicht einparken, da ihnen das dazu notwendige räumliche Vorstellungsvermögen fehlt. Frauen sind Männern verbal überlegen. Indes haben Männer bessere mathematische Fähigkeiten. Dies sind Sätze, die man nicht selten hört und die wie beinahe unumstößliche Fakten aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um sogenannte Geschlechterstereotype. Generell versteht man unter Stereotypen gleichbleibende oder häufig vorkommende Muster. Bezogen auf die Dichotomie der Geschlechter ist eine Art Schubladendenken gemeint, also Erwartungen darüber, was typisch männlich oder typisch weiblich ist. Nach Asendorpf (2007) stellt ein Geschlechterstereotyp „ein kulturell geprägtes Meinungssystem über Eigenarten der beiden Geschlechter“ (S. 386) dar, welches auch unsere Wahrnehmung verändert. In der Wissenschaft hat man zur besseren Verständlichkeit das Geschlecht in ein biologisches (sex) und ein wie oben genanntes, kulturell geprägtes, psychologisches (gender) unterteilt. Die Beschäftigung mit Gender meint also die Beschäftigung mit Geschlechterrollen. Fraglich ist nun, ob es sich hierbei um tatsächlich vorhandene Unterschiede zwischen Männern und Frauen handelt, oder aber ob wir reinen Vorurteilen erlegen sind. Dieser Frage soll anhand von drei typischen Beispielen auf den Grund gegangen werden.

Zuerst möchte ich mich mit dem Stereotyp beschäftigen, dass Frauen mehr verbale Intelligenz besitzen, als Männer. Hierzu ist zu sagen, dass wissenschaftliche Studien diesen Geschlechterstereotyp falsifizieren konnten. So stellte Alfermann (2005) keinerlei Differenz zwischen den Geschlechtern fest. Eine weitere Studie (Hyde & Lynn, 1988; zitiert nach Asendorpf, 2007, S. 389) hat lediglich minimale Unterschiede festgestellt, welche aber nicht lediglich positiv für eines der beiden Geschlechter ausfielen. Die einzig feststellbaren Unterschiede sind im unteren Extrembereich auszumachen. So tauchen beispielsweise Legasthenie und hohe Leseschwierigkeiten um ein fünffaches häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf (Halpern, 1992; zitiert nach Asendorpf, 2007, S. 399). Hier wird aber darauf verwiesen, dass Stottern nicht als verbale Schwäche, sondern vielmehr als Ergebnis motorischer oder auch emotionaler Störungen zu sehen ist.

Ein nur allzu bekannter Stereotyp zwischen den Geschlechtern betrifft das räumliche Vorstellungsvermögen und die damit verbundene Fähigkeit des Einparkens. In den meisten Studien wird die räumliche Intelligenz noch unterteilt. So stellt Alfermann (2005) bei den Fähigkeiten, Figuren zu erkennen und zweidimensionale Figuren zu drehen, keine Differenz zwischen Männern und Frauen fest. Allerdings wird bezüglich des mentalen Rotierens, welches hier die Fähigkeit meint, gedanklich dreidimensionale Objekte zu drehen, ein Unterschied erkennbar. In diesem Fall besteht eine hohe Differenz zwischen den Geschlechtern zugunsten der Männer. Linn und Petersen (1985, zitiert nach Asendorpf, 2007, S. 396) hingegen unterteilen in das räumliche Visualisieren, die räumliche Wahrnehmung und ebenfalls in das mentale Rotieren. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen, wie Alfermann. So besteht bei dem räumlichen Visualisieren, also der Fähigkeit, sich im Geiste z. B. das Verschieben oder Falten von räumlichen Objekten vorstellen zu können, eine Effektgröße von d= 0,13. Dieser Wert weist auf minimale Differenzen zugunsten der Männer hin. Bei der Fähigkeit räumliche Beziehungen in Bezug auf den eigenen Körper wahrnehmen zu können, der sogenannten räumlichen Wahrnehmung, ist ebenfalls ein positiver Wert für die Männer mit d= 0,44 festzustellen. Eine noch stärkere Effektgröße wurde anhand der Studie von Vandenberg und Kruse (1978, zitiert nach Asendorpf, 2007, S. 397) mit d= 0,94 bezüglich des mentalen Rotationsvermögens ermittelt. Der Stereotyp, Männer hätten bessere räumliche Fähigkeiten als Frauen, kann also bestätigt werden. Allerdings schwanken hier die Werte je nachdem, welche Fähigkeit genau betrachtet wird.

Der letzte zu untersuchende Stereotyp ist die weit verbreitete Auffassung, Männer hätten bessere mathematische Fähigkeiten, als Frauen. Begonnen werden soll mit der Betrachtung der Leistungen im Grundschulalter. Gemäß Stürzer (2003) sind hier keine einheitlichen Ergebnisse zu erkennen. Sie verweist aber auf Untersuchungen, in denen die Mädchen den Jungen bezüglich der Mathematikleistungen sogar überlegen sind. So stellen Tiedemann und Faber (1994, zitiert nach Stürzer, 2003, S. 92) fest, dass die Mädchen in den Schulleistungen am Ende der ersten Klasse deutlich besser abscheiden, als die Jungen. Bereits in der Sekundarstufe I erzielen allerdings die Jungen bessere Ergebnisse in den Mathematiktests (LAU 5, 1996; zitiert nach Stürzer, 2003, S. 95). Bezogen auf das Erwachsenenalter lassen Hyde et al (1990, zitiert nach Asendorpf, 2007, S. 399) mit d= 0,20 eine relative Ausgeglichenheit zwischen Männern und Frauen erkennen Die Studie von Alfermann (2005) bestätigt dieses Ergebnis. Sie macht eine Differenz von null bis niedrig der Männer gegenüber den Frauen deutlich. Die Vertreter des männlichen Geschlechts sind dabei überlegen.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Geschlechterstereotype
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
6
Katalognummer
V202118
ISBN (eBook)
9783656280491
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechterstereotype, Geschlechter, Stereotyp, Geschlecht, Sozialisation, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Sabrina Seiffert (Autor), 2011, Geschlechterstereotype, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202118

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