Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren eine Rolle dabei spielen, dass Frauen – trotz offensichtlich ungleich verteilter Hausarbeit – das Gefühl haben, die Aufteilung sei gerecht. Der Fokus liegt dabei auf zwei der prominentesten
Theorien zu diesem Thema - der Austauschtheorie und der Theorie der distributiven Gerechtigkeit. Diese werden näher vorgestellt um anschließend Hypothesen abzuleiten, die in einem weiteren Schritt anhand von empirischen Forschungsergebnissen überprüft werden. Im abschließenden Fazit werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Austauschtheorie
2.2 Theorie der distributiven Gerechtigkeit
3 Forschungsstand
3.1 Effekt der relativen Ressourcen
3.2 Effekt der Qualität von Alternativen
3.3 Effekt des Ausmaßes der Geschlechtergleichstellung
3.4 Effekt der Geschlechterideologie
4 Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflussfaktoren auf das subjektive Gerechtigkeitsempfinden von Frauen in Bezug auf die ungleiche Verteilung der Hausarbeit innerhalb von Partnerschaften unter Anwendung soziologischer Theorien.
- Analyse der Austauschtheorie und ihrer Erklärungskraft für das Gerechtigkeitsempfinden.
- Untersuchung der Theorie der distributiven Gerechtigkeit und ihrer normativen Aspekte.
- Evaluation empirischer Forschungsergebnisse zu ökonomischen Ressourcen und Alternativen.
- Diskussion der Bedeutung von Geschlechterideologien und nationalen Kontexten für die Wahrnehmung von Gerechtigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Austauschtheorie
Die Austauschtheorie zählt zu den Ansätzen, welche die Hausarbeit aus einem pragmatischen Blickwinkel betrachten. Die Erklärung des Gerechtigkeitsempfindens bezieht sich vor allem auf objektive Komponenten wie individuelle Ressourcen und Macht- beziehungsweise Abhängigkeitsverhältnisse (Nordenmark / Nyman 2003: 183). Um die Überlegungen zum Gerechtigkeitsempfinden in den allgemeinen Theoriekontext einzubetten, werden zunächst kurz die wichtigsten Annahmen skizziert:
Die Thesen der Austauschtheorie basieren auf dem Rational-Choice-Ansatz, der – stark vereinfacht ausgedrückt – jedem Individuum eine bestimmte Ressourcenausstattung und das Streben nach Nutzenmaximierung unterstellt. Da Individuen stets versuchen, den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen, wählen sie unter den verschiedenen Alternativen zur Zielerreichung immer diejenige aus, die das beste Ergebnis liefert. Um eine Steigerung des Nutzenniveaus zu erreichen, sind Akteure gemäß der Austauschtheorie aufgrund ihrer begrenzten eigenen Ressourcenausstattung auf den Austausch mit anderen Akteuren angewiesen. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen somit vor allem soziale Interaktionen, welche als Tauschhandlungen interpretiert und aus einem ökonomischen Blickwinkel betrachtet werden: Jede Handlung wird nach Kosten und Nutzen bewertet (vgl. Esser 1996: 238; Hill / Kopp 2004: 107). Diese Kosten-Nutzen Kalkulation orientiert sich dabei an zwei Bewertungsmaßstäben, die Einfluss auf die Evaluation der Situation haben können: Das „comparison level“ repräsentiert als Vergleichsniveau die Erwartungen des Individuums und das, was das Individuum meint verdient zu haben. Das „comparison level for alternatives“ – Vergleichsniveau für Alternativen – entspricht dagegen der besten zur Verfügung stehenden Alternative. Auf das Thema der Hausarbeitsverteilung bezogen wäre diese Alternative beispielsweise das Austreten aus der Partnerschaft oder das Eintreten in eine andere Partnerschaft, in der die Verteilung dem eigenen Wunsch nah ist (Thibaut / Kelley 1959: 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen der realen, ungleichen Verteilung der Hausarbeit und deren subjektiver Wahrnehmung als gerecht durch Frauen, trotz der damit verbundenen Belastungen.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel stellt zwei zentrale theoretische Ansätze vor – die Austauschtheorie und die Theorie der distributiven Gerechtigkeit – und leitet daraus Hypothesen zur Erklärung des Gerechtigkeitsempfindens ab.
3 Forschungsstand: Hier werden empirische Studien diskutiert, welche die verschiedenen Hypothesen hinsichtlich Ressourcen, Alternativen, gesellschaftlichem Kontext und Geschlechterideologien prüfen.
4 Diskussion und Fazit: Das abschließende Kapitel führt die theoretischen Argumente mit den empirischen Ergebnissen zusammen und reflektiert, welche Faktoren das Gerechtigkeitsempfinden maßgeblich beeinflussen.
Schlüsselwörter
Hausarbeit, Gerechtigkeitsempfinden, Austauschtheorie, distributive Gerechtigkeit, relative Ressourcen, Geschlechterideologie, Geschlechtergleichstellung, Partnerschaft, Rational-Choice, Vergleichsniveau, soziale Interaktion, empirische Sozialforschung, Arbeitsteilung, Machtverhältnisse, Abhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologischen Hintergründe, warum Frauen eine ungleiche Verteilung der Hausarbeit in ihrer Partnerschaft oft als gerecht empfinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Gerechtigkeitsempfinden, ökonomische Austauschprozesse in Partnerschaften, geschlechtsspezifische Ideologien und der Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die dazu führen, dass trotz faktischer Ungleichverteilung bei der Hausarbeit ein subjektives Gefühl der Gerechtigkeit bestehen bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Herleitung sowie eine Literaturanalyse und Diskussion bereits existierender empirischer, quantitativer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil mit Hypothesenbildung und eine ausführliche Darstellung des Forschungsstandes zu vier spezifischen Effekten: Ressourcen, Alternativen, Gleichstellungsgrad und Geschlechterideologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Hausarbeitsverteilung, Gerechtigkeitsempfinden, Austauschtheorie und Geschlechterideologie.
Welche Rolle spielen "Alternativen" für das Gerechtigkeitsempfinden?
Alternativen zur aktuellen Beziehung sind ein zentraler Faktor: Je geringer die verfügbaren Alternativen (z.B. finanzielle Unabhängigkeit), desto stärker wird die aktuelle Beziehung gewichtet und eine ungleiche Aufgabenteilung akzeptiert.
Beeinflusst das Heimatland das Gerechtigkeitsempfinden?
Ja, laut Arbeit fungiert der nationale Grad der Geschlechtergleichstellung als Vergleichsstandard; in Ländern mit geringerer Gleichstellung wird eine ungleiche Arbeitsteilung eher als gerecht eingestuft.
Ist das Gerechtigkeitsempfinden von traditionellen Ideologien abhängig?
Die Studienlage ist hier komplex, aber aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass Frauen mit einer traditionellen Geschlechterideologie dazu neigen, die ungleiche Hausarbeitsverteilung eher zu legitimieren als Frauen mit egalitären Ansichten.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Elena Gratzke (Auteur), 2012, Ich mach' schon – Einflussfaktoren auf das Gerechtigkeitsempfinden von Frauen bei der Verteilung der Hausarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202131