Der Begriff von Politik bzw. dem Politischen nach Niccolo Machiavelli und Carl Schmitt

Eine vergleichende Darstellung


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Legitimationsgrundlage des Politikverständnisses und bevorzugte Herrschaftsordnung

3. Menschenbild und Beziehung zwischen politischen Eliten und Volk

4. Verhältnis der Autoren zu Krieg und Frieden

5. Aufrechterhaltung der Herrschaft

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Selbstständigkeitserkärung

1. Einleitung

Niccolo Machiavelli und Carl Schmitt zählen zu den Klassikern der Politischen Theorie. Beide Autoren sind von den Rahmenbedingungen ihrer Zeit, die über 400 Jahre auseinander liegt, beeinflusst.

Machiavelli spricht in seinen zentralen politikwissenschaftlichen Werken „Der Fürst“ und „Discorsi“ vom Begriff „Politik“, Schmitt dagegen vom „Politischen“. Ziel dieser Arbeit ist es einen systematischen Vergleich des Verständnisses der beiden Denker vom Gegenstandsbereich von Politik bzw. des Politischen darzustellen. Dies erfolgt mittels vier ausgewählter analytischer Kategorien, die aufeinander aufbauen. Als Analysekategorien wählte ich zunächst die Legitimationsgrundlage des Politikverständnisses und die daraus resultierende bevorzugte Herrschaftsordnung um einen Einstieg in den Bereich zu finden. Anschließend wird das Menschenbild und die Beziehung zwischen der politischen Elite und dem Volk betrachtet. Es folgt eine der Darstellung der Autoren zu Krieg und Frieden. Danach wird erläutert, wie die bestehende Herrschaft aufrechterhalten werden kann. Ein Fazit bildet den Abschluss dieser Arbeit. Die analytischen Kategorien liefern dabei strukturierende Erkenntnisse. Diese Themen werden von beiden Theoretikern meines Erachtens als relativ zentral betrachtet, dabei häufig aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie sind deshalb untersuchungswert.

2. Legitimationsgrundlage des Politikverständnisses und bevorzugte Herrschaftsordnung

„Unbestreitbar enthält der „Principe“ die Grundzüge von Machiavellis Auffassung über Politik, die in anderen politischen und historischen Schriften teilweise modifiziert wiederkehren und auf denen die innere Einheit von Machiavellis politischem Denken beruht“ (Buck 1985: 58). Dabei denkt Machiavelli aus dem Blickwinkel von politischen Akteuren (vgl. Münkler 2005: 51). Diese Sichtweise ist dadurch gekennzeichnet, dass er Politik von den Herausforderungen in Krisenzeiten aus betrachtet und nicht vom politischen Routinebereich (vgl. ebd.: 57f.). Die römische Geschichte enthält laut Machiavelli viele Beispiele für richtiges politisches Handeln (vgl. Buck 1985: 6). Dabei stellt er eine Autonomie der Politik gegenüber der Moral heraus (vgl. ebd.: 21). Politik ist die „Summe der Mittel, die nötig sind um zur Macht zu kommen, an der Macht zu bleiben und von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen“ (Pfetsch 2003: 94). Dies impliziert, dass es in der Politik um das dauerhaft Erfolgreiche geht und nicht um das moralisch Gute (vgl. ebd.: 88f.). Die Tugendhaftigkeit wird mit dem Machtstreben gekoppelt (vgl. Machiavelli 1990b: 156). Die Handlungen werden dabei stets nach dem Erfolg bewertet (vgl. Machiavelli 1990a: 98). Dabei ist die höchste und schwierigste Aufgabe von Politik, die Existenz des Staates vor jeder Bedrohung zu bewahren (vgl. Buck 1985: 74). In den Discorsi beschreibt Machiavelli die Abfolge der sechs Regierungsformen, die er als Kreislaufmodell beschreibt. So folgt einer guten Herrschaftsform stets eine schlechte: eine Monarchie wird von einer Tyrannis abgelöst, anschließend kommt es zur Aristokratie, die in eine Oligarchie mündet, die Demokratie schließt sich an, die in einer Anarchie ausartet. Anschließend beginnt der Kreislauf von vorn (vgl. Machiavelli 1990b: 133f.). Die Revolutionen werden dabei von den Besitzenden verursacht, denn die Furcht erzeuge in Ihnen dasselbe Verlangen wie in jenen, die zu erwerben streben. Die Besitzenden aber können Umwälzungen hervorbringen, da sie mehr Macht haben (vgl. ebd.: 141). Eine Idealform wäre dabei die Republik: eine Mischform der drei guten Regierungsformen Monarchie, Aristokratie und Demokratie (vgl. ebd.: 135). Münkler beschreibt treffend über Machiavelli: „In seiner Sicht ist die Machtübertragung an einen Einzelnen eine Form der Krisenbewältigung in Situationen, in denen die bestehenden Institutionen überlastet sind, wohingegen die republikanische Regierungsform die beste Ordnung für den politischen Normalzustand darstelle“ (Münkler 2005: 56). Er ist dabei davon überzeugt, dass die menschliche Natur stets gleichbleibe. Somit können bei der Wiederkehr ähnlicher Lage allgemeine Verhaltensregeln abgeleitet werden (vgl. Buck 1985: 61).

Carl Schmitt beschreibt: „Das Politische muss (…) in eigenen letzten Unterscheidungen liegen, auf die alles im spezifischen Sinne politische Handeln zurückgeführt werden kann“ (Schmitt 1996: 26). Dieses Kriterium des Politischen ist die Unterscheidung von Freund und Feind. (vgl. ebd.: 26). Dabei sind die Begriffe in ihrem „konkreten, existenziellen Sinn zu nehmen“ (ebd.: 28). Diese Unterscheidung ist stets „seinsmäßige Wirklichkeit und (…) reale Möglichkeit“ (ebd.: 28f.). Aber es ist auch Neutralität möglich. Jedoch wenn es nur Neutralität gäbe, wäre es mit ihr selbst zu Ende; gleichzeitig wäre damit ein Ende der Politik gegeben (vgl. ebd.: 55). Außerdem sind Freund und Feind keine dauerhaften Klassifizierungen, es wird stets neu entschieden wer auf welcher Seite stehen muss (vgl. ebd.: 35). Es geht dabei lediglich um den öffentlichen Feind – inimicus - und nicht um den privaten Feind – hostis - (vgl. ebd.: 29). Dabei ist „der politische Gegensatz (…) der intensivste und äußerste Gegensatz und jede konkrete Gegensätzlichkeit ist umso politischer, je mehr sie sich dem äußersten Punkte der Freund-Feind-Gruppierung, nähert“ (ebd.: 30). Der Begriff des Feindes impliziert die „im Bereich des Realen liegende Eventualität eines Kampfes“ (ebd.: 33). Ohne die Eventualität eines Kampfes würde die Politik nichtig werden (vgl. ebd.: 55). „Das Politische liegt nicht im Kampf selbst (…), sondern (…) in einem von dieser realen Möglichkeit bestimmten Verhalten“ (Brodocz 2002: 288). Obwohl das Politische seine eigenen Kriterien hat, ohne ein eigenständiges Sachgebiet zu sein, kann es aus verschiedenen Kategorien erwachsen - so zum Beispiel aus moralischen, religiösen und ökonomischen Gegenpolen (vgl. ebd.: 38, 76). Diese Gegensätze können sich zu politischen Gegensätzen steigern; der maßgebende Gegensatz wird somit politisch und die Freund-Feind-Deklarierung ist eingeläutet (vgl. ebd.: 36ff). „In letzter Konsequenz kann aber nach Schmidt nichts dem Politischen entgehen“ bemerkt Heuer (Heuer 2010: 61). Der Staat ist dabei die maßgebende politische Einheit aufgrund seines politischen Charakters (vgl. Schmitt 1996: 44) und Verwirklichung des Wesens des Politischen. Dabei wird, genau wie bei Machiavelli, vom Ernstfall aus gedacht (vgl. Heuer 2010: 60). Der Pluralismus der Staatenwelt resultiert aus dem Politischen (vgl. Schmidt 1996.: 54). Schmitt favorisiert einen totalen Staat, indem alles der Möglichkeit nach Politisch ist (vgl. ebd.: 24). In Demokratien dagegen durchdringen sich Staat und Gesellschaft wechselseitig und dadurch werden neutrale Gebiete politisch (vgl. ebd.: 24).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Begriff von Politik bzw. dem Politischen nach Niccolo Machiavelli und Carl Schmitt
Untertitel
Eine vergleichende Darstellung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der politischen Theorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V202188
ISBN (eBook)
9783656283041
ISBN (Buch)
9783656283515
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Politikbegriff, Politikverständnis, Schmitt, Machiavelli, Politische
Arbeit zitieren
Christian Matysik (Autor), 2011, Der Begriff von Politik bzw. dem Politischen nach Niccolo Machiavelli und Carl Schmitt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202188

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