"Dickens" von Robert Walser - Die Fassungen von 1911 und 1916 im Vergleich


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Robert Walsers kleine Prosa

4. Das Buch „Kleine Prosa“

5.Dickens von 1911 und von 1917 im Vergleich

6. Zusammenfassung

Literaturangaben S

1. Einleitung

Robert Otto Walser war ein deutschsprachiger schweizerischer Schriftsteller und Dichter. Er erntete die Achtung anderer Schriftsteller, nie aber großen Ruhm oder eine breite Rezeption. Auch menschlich galt er als Außenseiter, der keine festen Bindungen hatte und sich mit seinen Prosastücken mehr schlecht als recht über Wasser halten konnte. Weder konnte er sich mit anderen Berufen anfreunden noch brachte ihm die Schriftstellerei viel Geld ein.

Wie zahlreiche Zitate von ihm selbst belegen, in Briefen oder seinen literarischen Alter Egos in den Mund gelegt, war dem Dichter seine zweifache Außenseiterposition durchaus bewusst. Er äußerte sich zum Beispiel zu seiner ungenügenden Anpassungsfähigkeit an den gewerblichen Literaturbetrieb.

Einen Hinweis auf ungenügendes dichterisches Können liefert der Text Dickens, welcher in zwei Fassungen vorliegt, die so verschieden sind, dass man von zwei Texten sprechen müsste. Es soll untersucht werden, inwiefern eine solche Erkenntnis bzw. ein solches Selbstbild in Robert Walser verankert war, indem die beiden Textfassungen verglichen und so charakteristische Merkmale, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, herausgearbeitet werden. Der Einfachheit halber werden die beiden Textfassungen bisweilen in chronologischer Reihenfolge Dickens I und Dickens II genannt.

Eingeleitet wird mit einem etwas umfangreicheren Lebenslauf des Dichters, da dieser für das Verständnis seines gesamten literarischen Werkes – nach geläufiger Gelehrtenmeinung – von besonderer Wichtigkeit ist.

2. Biographie

Robert Otto Walser wurde am 15. April 1878 in Biel im Kanton Bern geboren. Er war das siebte von acht Kindern des Buchbinders und Kaufmanns Adolf Walser und seiner Frau Elisa. Während er die Volksschule und das Progymnasium an der deutsch-französischen Sprachgrenze besuchte und zweisprachig aufwuchs, verschlechterten sich die elterlichen Verhältnisse: Die Geschäfte des Vaters liefen nicht mehr so gut, und seine Mutter, um dessen Aufmerksamkeit der spätere Dichter gekämpft hat, befiel eine schwere „Gemütserkrankung“. Weil sich die Familie eine weitere schulische Ausbildung nicht leisten konnte, begann Walser eine Lehre zum Bankkaufmann. In dieser Zeit musste er den Tod seiner Mutter erleben. Neben Trauer erfuhr er aber auch Freude am Theater und es wuchs in ihm der Wunsch, Schauspieler zu werden.[1]

Die Jahre von 1895 bis 1913 waren geprägt von häufigen Wohnungs- und Anstellungswechseln in der Schweiz und in Deutschland, z.B. als Verlagsangestellter in Basel, bei der „Hülfskasse“ in Solothurn, Besuch einer Dienerschule in Berlin und zahlreichen Aufenthalten in München, Stuttgart, Zürich usw., dem Platzen des Traumes von der Schauspielerkarriere, aber auch der ersten Veröffentlichung von Gedichten im Sonntagsblatt des Bund durch J. V. Widmann am 8. Mai 1898.

Auch wenn Robert Walser sich sonst nicht auf einen Ort oder einen Beruf festlegen konnte und auch wenn er einsah, dass seine Leidenschaft fürs Theater zumindest als Schauspieler keine Früchte tragen würde, dem Schreiben blieb er treu. Neben einigen, auch veröffentlichten Gedichten, verfasste er im Frühjahr 1899 vier Dramolette und im Juli desselben Jahres erschien sein erstes Prosastück Der Greifensee im Sonntagsblatt des Bund. Prosastücke sollten zukünftig Walsers meistverfertigte Literaturgattung werden.

In den Jahren um 1901 herum hatte der Schweizer erstmalig und einzigartig in seiner Biographie engeren Kontakt zu einer literarischen Gemeinschaft, nämlich dem Kreis um die „Insel“. Ansonsten galt er als Einzelgänger und auch als Sonderling, der kaum Kontakt zu anderen Schriftstellern oder Künstlern (außer seinem Bruder Karl, der erfolgreicher Künstler und Bühnenbildner war) suchte und bisweilen auch zu seinen Verlegern ein angespanntes Verhältnis hatte.

1905 begann die Berliner Zeit. In dieser Zeit entstanden und erschienen alle drei zu Lebzeiten veröffentlichten Romane, Geschwister Tanner, Der Gehülfe und Jakob von Gunten, im Verlag von Bruno Cassirer, dessen Sekretär Robert Walser zeitweilig war. Daneben entstehen zahlreiche Prosastücke in Zeitschriften, 1911 etwa erschien die Erstfassung von Dickens in der ebenfalls von Paul Cassirer herausgegebenen Zeitschrift Pan. Sein Werk wurde u.a. von Franz Kafka, Hermann Hesse und Walter Benjamin gelesen und geschätzt.

1913 kehrte er der Großstadt den Rücken und nach Biel zurück. Die folgenden Jahre waren ebenso wie die Berliner Jahre eine produktive Zeit. Zwar erschienen keine Romane mehr, wohl aber wurde das Verfassen kleiner Prosa zur finanziellen Lebensgrundlage des Dichters. 1917 erschienen allein drei Bände mit seinen „Prosastücklis“, wie der Dichter es selbst auf Schweizerisch auszudrücken pflegte, teils Sammlungen bereits veröffentlichter Texte: Der Spaziergang, Prosastücke und Kleine Prosa, in welchem sich auch die zweite, stark überarbeitete Fassung von Dickens findet.

Nach zwei weiteren Sammelbänden[2] , deren Veröffentlichung bereits mit den Schwierigkeiten verbunden war, einen Verleger zu finden, zog der leidenschaftliche Wanderer und Spaziergänger 1921 nach Bern, wo er, mittlerweile auf bestem Wege in die vollkommene Vereinsamung, in sieben Jahren fünfzehn Mal den Wohnsitz wechselte. 1925 erschien der letzte Prosaskizzen-Sammelband Die Rose. Die Zahl seiner Zeitschriften-Veröffentlichungen pro Jahr schwankte zwischen sehr wenig und zahlreich, allein ein Buch herauszubringen wollte nicht gelingen. Der 50. Geburtstag des einst hoffnungsvollen und vielversprechenden Dichters wurde kaum gewürdigt – Robert Walser war isoliert, privat wie medial. Zu schreiben hörte er allerdings nicht auf. In immer kleiner werdender, bis ins Mikroskopische schrumpfender Bleistiftschrift setzte er sein Werk fort. Diese Mikrogramme auf insgesamt 526 Zetteln konnten erst in den 1970er Jahren entziffert werden und enthalten ausgefeilte, vielschichtige Texte sowie unsicher entworfene Skizzen und auch einen ganzen Roman, Die Räuber.

1930 wurde er in die Nervenheilanstalt Waldau eingewiesen, 1933 gegen seinen Willen dort einbehalten. Erst zu diesem Zeitpunkt versiegte die literarische Produktion Walsers. 1936 besucht der Journalist und Schriftsteller Carl Selig den Dichter, begleitet ihn auf Wanderungen und schreibt über ihn (Wanderungen mit Robert Walser, 1957). 1956 fällt Robert Walser 78jährig einem Herzanfall zum Opfer – bei einem Spaziergang, seiner zweiten Leidenschaft, neben dem Schreiben.

3. Robert Walsers kleine Prosa

Robert Walsers Texte, welche weder Gedichte noch Romane oder Dramolette und von relativ kleinem Umfang sind, entziehen sich größtenteils einer eindeutigen Klassifizierung oder Kategorisierung (was durch die etwas holprige Formulierung dieses Satzes zwecks Vermeidung klassifizierender und kategorisierender Begriffe bereits angeklungen sein mag). Walsers Texte zeichnen sich durch ihre Sprünge aus. Sprünge von einem Thema zum nächsten, assoziative Gedankensprünge, Sprünge im Stil; kleine Hopser in die schweizerische Mundart und große Sprünge von einer literarischen Gattung zur anderen. Freilich wurde hier die Besonderheit des Walserschen Stils herausgestellt. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass auch gattungseindeutige

[...]


[1] Zur Biographie Robert Walsers siehe Assmann, Jürg: Robert Walser. Eine literarische Biographie in Texten und Bildern. Zürich/Hamburg 1995;

Greven, Jochen: Anhang, in: Walser, Robert. Der Spaziergang, Prosastücke und Kleine Prosa (Sämtliche Werke in Einzelausgaben, Bd. 5), hg. von Jochen Greven. Zürich u. Frankfurt/Main 2007, S. 267-285. (Im Folgenden zitiert als: Greven: Anhang)

[2] Poetenleben (1917) und Seeland (1920).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Dickens" von Robert Walser - Die Fassungen von 1911 und 1916 im Vergleich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Kleine Prosa - Theorie, Analyse und Vermittlung
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V202256
ISBN (eBook)
9783656284895
ISBN (Buch)
9783656285571
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walser, Robert Walser, Charles Dickens, Dickens, Avantgarde, Franz Kafka, Schweizer Autor, Literatur, Schweizerische Literatur, Kurzgeschichten, Prosa, Kurzprosa, Vergleich, 1911, 1916, deutschsprachige Literatur, Moderne, Literaturkritik, Prosastücke, Pan, Cassirer, Mikrogramme
Arbeit zitieren
B.A. Marek Firlej (Autor), 2009, "Dickens" von Robert Walser - Die Fassungen von 1911 und 1916 im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202256

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