Gewalt unter Schulkindern ist zweifellos ein sehr altes Phänomen. Die Tatsache, dass einige Schulkinder häufig und systematisch von anderen Kindern gemobbt und angegriffen werden, wurde bereits in unzähligen Werken der Literatur beschrieben die zeitlich gesehen sehr weit zurückreichen. Obwohl viele mit dem Problem „Gewalttäter/Gewaltopfer“ vertraut sind, wurden doch erst in jüngerer Zeit, genauer gesagt in der frühen 70er Jahren, systematische Untersuchungen bezüglich der Häufigkeit von Mobbing und Gewalttätigkeit unter Schulkindern durchgeführt.
Ein starkes gesellschaftliches Interesse weckte das Problem Gewalttäter/Gewaltopfer als Erstes in Schweden in den ausgehenden 1960er und frühen 1970er Jahren. Diesbezüglich wurde Anfang der 70er Jahre eine Kampagne gestartet, die ihre Schüler aufforderte, an einer Fragebogenaktion hinsichtlich Gewalttätigkeit an Schulen teilzunehmen.
Auf der Grundlage dieser landesweiten Erhebung lässt sich sagen, dass etwa 84.000 Schulkinder oder 15 Prozent der gesamten Schülerschaft der Grund- und weiterführenden Schulen (568.000 Schüler und Schülerinnen in den Jahren 1983 – 84) „hin und wieder“ bzw. „desöfteren“, als Gewalttäter und Gewalttäterinnen oder Gewaltopfer, an Gewalt beteiligt waren. Projizieren wir diese erschreckenden Tatsachen auf andere Länder und vergleichen hierzu die aus Deutschland stammenden Ergebnisse, stellen wir fest, dass hier zu Lande ausgehende von Datenerhebungen des Jahres 2009, bereits 35,2 Prozent aller Schüler an Gewaltakten beteiligt gewesen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Aggressivität und Gewalttätigkeit bei Schulkindern
2. Definition von Aggressivität, Gewalttätigkeit und Mobbing
2.1 Aggressivität
2.2 Gewalttätigkeit
2.3 Mobbing
3. Theoretische Erklärungsansätze (Gewalttätigkeit, Aggressionen
3.1 Psychologische Theorien
3.1.1 Triebtheorie nach Freud
3.1.2 Frustrationstheorie nach Dollard
3.2 Soziologische Theorien
3.2.1 Anomietheorie nach Merton
3.2.2 Subkulturtheorie
3.3 Integrative Theorien
3.3.1 Geschlechtsspezifischer Ansatz
4. Präventionsmaßnahmen
4.1 Primär-, Sekundär und Tertiärprävention
4.2 Allgemeine Möglichkeiten der Prävention
5. Interventionsmaßnahmen
5.1 Verschiedene Interventionsprogramme gegen Gewalt und Mobbing
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Phänomene Aggression, Gewalt und Mobbing im schulischen Kontext, analysiert deren theoretische Ursachen aus psychologischer und soziologischer Sicht und leitet daraus notwendige Präventions- sowie Interventionsstrategien für den Schulalltag ab.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Aggressivität, Gewalt und Mobbing
- Psychologische und soziologische Erklärungsmodelle für aggressives Verhalten
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Gewalthandlungen
- Systematische Ansätze der schulischen Gewaltprävention
- Praktische Interventionsmaßnahmen bei akuten Vorfällen
Auszug aus dem Buch
2.3 Mobbing
Unter Mobbing versteht man eine Art schulische Gewalt. Diese zeichnet sich durch vier klassische Definitionsmerkmale aus: „Einer Person (1) wird von einer oder mehreren anderen stärkeren Personen immer wieder(2) absichtlich (3)Schaden zugefügt, was(4) auf Dauer zu einem anhaltenden Gefühl der Hilflosigkeit auf Seiten des Opfers führt“ (OLWEUS, 1993).
(1): Kräfteungleichgewicht Hierbei handelt es sich um die körperliche Kraft, wobei das Opfer hinsichtlich dieser körperlichen Ausprägung, der des Täters unterlegen ist. Ebenfalls kann ein zu geringes Selbstwertgefühl ausschlaggebend sein.
(2): Wiederholungsaspekt Ein einmaliger Vorfall, zum Beispiel körperliche Gewalt an einem Mitschüler, wird nicht als Mobbing deklariert. Es geht vielmehr um permanente Angstzustände vor Übergriffen, Sicherheitsverlust und kein zu Ruhe kommen des betroffenen Opfers.
(3): Verletzende Absicht Bei Mobbing handelt es sich immer um den Aspekt der absichtlichen Verletzung.
(4): Hilflosigkeit Hilflosigkeit ist eine Folge, welche sich aus den vorher eingegangen Kriterien erschließt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aggressivität und Gewalttätigkeit bei Schulkindern: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über das Phänomen der Gewalt unter Schulkindern und präsentiert statistische Daten zur Häufigkeit von Mobbing.
2. Definition von Aggressivität, Gewalttätigkeit und Mobbing: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten wissenschaftlich definiert und voneinander abgegrenzt, um eine klare Diskussionsgrundlage zu schaffen.
3. Theoretische Erklärungsansätze (Gewalttätigkeit, Aggressionen: In diesem Abschnitt werden psychologische, soziologische und integrative Theorien beleuchtet, die die Ursachen für aggressives Verhalten erklären.
4. Präventionsmaßnahmen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Stufen der Prävention und Strategien, wie Schulen durch Strukturierung und pädagogisches Handeln Gewalt vorbeugen können.
5. Interventionsmaßnahmen: Der letzte inhaltliche Teil beschreibt das unmittelbare Eingreifen bei akuten Gewalthandlungen und führt gängige Interventionsprogramme auf.
Schlüsselwörter
Aggression, Gewalttätigkeit, Mobbing, Schule, Prävention, Intervention, Triebtheorie, Anomietheorie, Subkulturtheorie, Schulalltag, Konfliktlösung, Gewaltopfer, Gewalttäter, Hilflosigkeit, pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Erscheinungsformen, Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten von Gewalt und Mobbing im schulischen Umfeld.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Gewalt, die wissenschaftliche Theoriebildung zur Entstehung von Aggression sowie praktische Ansätze zur Prävention und Intervention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Phänomen „Gewalttäter/Gewaltopfer“ zu schaffen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse existierender psychologischer und soziologischer Konzepte sowie bewährter pädagogischer Interventionsmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Erklärungsansätzen (z. B. Triebtheorie nach Freud) sowie eine Analyse von Präventions- und Interventionsmaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gewaltprävention, Schulgewalt, Mobbing-Merkmale, Anomietheorie und der geschlechtsspezifische Ansatz.
Was unterscheidet Mobbing von einem einmaligen Vorfall?
Mobbing ist durch die Kriterien Kräfteungleichgewicht, Wiederholungsaspekt, absichtliche Verletzung und das daraus resultierende Gefühl der Hilflosigkeit beim Opfer definiert.
Wie unterscheiden sich Mädchen und Jungen in ihrem Gewaltverhalten?
Körperliche Gewalt ist eher ein Jungenphänomen, während sich Gewalt bei Mädchen häufiger nach innen richtet oder indirekte, relationale Formen annimmt.
Welche Ebenen der schulischen Gewaltprävention werden unterschieden?
Es werden drei Ebenen unterschieden: die individuelle Schülerebene, die Klassenebene und die übergeordnete Schulebene.
- Citation du texte
- Dominik Hoffmann (Auteur), 2012, Aggression und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202342