Grammatik im Französischunterricht


Seminararbeit, 2008

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Theoretische Positionen zur Grammatik in der Schule
2.1. Definition: Grammatik
2.2. Linguistische Grammatik vs. didaktische Grammatik
2.3. Fachdidaktische Diskussionsbereiche

3. Grammatik im Französischunterricht
3.1. Der Grammatikunterricht im Allgemeinen
3.2. Planung des Grammatikunterrichts
3.3. Methoden des Grammatikunterrichts
3.4. Struktur des Grammatikunterrichts
3.5. Grammatikübungen
3.6. Schwierigkeiten beim Grammatikunterricht

4. Unterrichtsentwurf
4.1. Datenteil
4.2. Klassensituation
4.3. Die Unterrichtsstunde
4.4. Lernziele der Stunde
4.5. Didaktische Analyse
4.6. Methodische Überlegungen
4.7. Detailplanung des Unterrichtsverlaufs

5. Fazit und Ausblick

6. Bibliographie

7. Anhang
7.1. Einstiegsübung: S. 68, „A vous“ oben – Tafelanschrieb
7.2. Tafelanschrieb
7.3. Übungen auf Folie
7.4. Übung: S. 71, Nummer 3a) – Folie
7.5. Partnerarbeit – Karteikarten
7.6. Arbeitsblatt für die Hausaufgabe

1. Einleitung

Der Fremdsprachenunterricht im Fach Französisch lässt sich in die Teilbereiche Phonetik, Wortschatz, Pragmatik, Landeskunde und Grammatik gliedern, in welchen jeweils spezifisches Wissen erlernt werden muss. Grundkenntnisse in jedem dieser Gebiete erlauben dem Sprachlerner, also im gymnasialen Kontext dem Schüler, sich in der Fremdsprache verständlich und normgerecht auszudrücken. Es ist Aufgabe des Lehrers, für die richtige Mischung zwischen diesen verschiedenen Gebieten zu sorgen und die Unterrichtsplanung an die vorherrschende Klassensituation und den jeweiligen Wissenskontext anzupassen. Dabei rücken in jüngster Zeit zunehmend pragmatische, kommunikative Ziele in den Vordergrund.

Während im 19. Jahrhundert noch hauptsächlich die Grammatik-Übersetzungs-Methode praktiziert wurde, bei der das Augenmerk einzig und allein der Schriftsprache galt, gelangte man im 20. Jahrhundert über eine Reihe von Reformen und neuen Ansätzen schließlich zum Prinzip der Einsprachigkeit, bei dem die Muttersprache im Fremdsprachenunterricht so weit wie möglich außen vor bleibt.[1]

Diese Tendenz zum Mündlichen wird noch deutlicher, wenn man die aktuellen Lehrpläne betrachtet: Im neuen G8-Lehrplan für die 6. Klasse, in der Französisch als 2. Fremdsprache erlernt wird, ist bspw. als erstes Lernziel aufgeführt, dass die Schüler „die kommunikativen Fertigkeiten und sprachlichen Mittel zur ersten elementaren Sprachverwendung entsprechend der Stufe A1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens[2] erwerben sollen. Eine ähnliche Formulierung ist auch an oberster Stelle bei anderen Klassenstufen zu finden. Man sieht hier bereits sehr deutlich, dass die dem Lateinunterricht ähnliche Vorgehensweise im Unterricht der modernen Fremdsprachen immer mehr in den Hintergrund rückt und die Pragmatik und der Wortschatz die Grammatik vom „Thron“ zu drängen scheinen. Dies mag das Französische als Unterrichtsfach, das gemeinhin als „schwer“ konnotiert ist, wieder reizvoller erscheinen lassen, es wirft aber zugleich die Frage auf, inwiefern dieser Weg fort von der Grammatik rechtzufertigen ist und wie dieser zu gestalten ist. Schließlich soll die Sprachkompetenz der Schüler nicht abnehmen. Diese Fragen und der Stellenwert der Grammatik im Fremdsprachenunterricht sollen im Folgenden näher erörtert und vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungskontextes betrachtet werden. Hierbei soll natürlich auch die Praxis der Grammatikvermittlung nach neuesten Erkenntnissen miteinbezogen und dann in einem Unterrichtsentwurf dargestellt werden.

2. Theoretische Positionen zur Grammatik in der Schule

2.1. Definition: Grammatik

Bevor man beginnt, Diskussionen über Grammatik zu führen, muss der Begriff „Grammatik“, der keineswegs eindeutig ist, genau definiert werden. Jeder hat seine eigene prototypische Vorstellung von Grammatik und tendiert zur Generalisierung. Allgemein gibt es jedoch vier verschiedene Konzeptionen von Grammatik:

- Ein angeborenes Sprachlernprogramm
- Eine linguistische Darstellung des Sprachsystems
- Mentale Aktivitäten, die mithilfe eines Lehrenden zum Lernen von fremdsprachlichen Strukturen führen[3]
- Teilkompetenz bzgl. Chomskys Dichotomie der Grammatikalität vs. Akzeptabilität

2.2. Linguistische Grammatik vs. didaktische Grammatik

Die linguistische Grammatik bezeichnet ein einsprachiges, deskriptives Werk, welches die Struktur einer Einzelsprache unter dem Einbezug sämtlicher Ausnahmen und Besonderheiten aufrollt und dabei keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die didaktische Grammatik im Gegensatz dazu erstellt ein Lehrwerk für eine Fremdsprache, bei dem diese ständig mit der Muttersprache verglichen wird. So wird eine präskriptive Grammatik erarbeitet, die den Eindruck erweckt, vollständig zu sein und das Ziel verfolgt, dem Fremdsprachenlerner als Grundlage zu dienen.

In die lehrwerksbezogene Lerngrammatik, die die Grundlage des Grammatikunterrichts in der Schule darstellt und meist in Form des grammatischen Beihefts erhältlich ist, sollten beide Ansätze miteinbezogen werden.[4]

2.3. Fachdidaktische Diskussionsbereiche

In der Fachdidaktik kann man in jüngster Zeit eine starke Abkehr davon betrachten, die Sprachkompetenz als Gebilde einzelner Grammatikbausteine zu betrachten. Eine Sprache ist eine sich entwickelnde Größe, die bei jedem Lerner ihr eigenes Tempo und ihre eigene Ordnung verfolgt. So will man das Teilgebiet der Grammatik heute aufgrund der pragmatischen, kommunikativen Zielsetzung enger mit dem des Wortschatzes verknüpfen und verstärkt darauf achten, die Strukturen inhaltsbezogen darzubieten.

Ein in der Literatur immer wiederkehrendes Plädoyer für eine noch stärkere Weiterentwicklung in diese Richtung kommt von Freudenstein und lautet: „weg vom systematischen Grammatikpauken und hin zum persönlich motiverten Wortschatzlernen“[5] . Diese Forderung wurde in der Fachliteratur jedoch sehr kontrovers diskutiert. Man ist mittlerweile aber überwiegend auf die Ansicht übereingekommen, dass Grammatik in der Tat wichtig für den Spracherwerb ist und niemals ganz ausgespart werden kann.

Die Grammatik stellt das „Skelett der Sprache“ dar, wogegen aber Wortschatz und Pragmatik „Muskeln und Fleisch“ liefern.[6]

Das heißt, sie ist unverzichtbar, aber längst nicht alles und nicht der Dreh- und Angelpunkt des Fremdsprachenunterrichts. Nach dieser Erkenntnis muss man sich nun über die Art ihrer Vermittlung Gedanken machen.

Was dies anbelangt, hebt die neue fachdidaktiktische Literatur hervor, dass es sehr wichtig sei, dem Schüler im Grammatikunterricht die Möglichkeit zu geben, sein prozedurales, sprachunabhängiges, schon vorhandenes Wissen anzuwenden.[7]

Den Schülern muss auch klar sein, dass hier die Regeln eines idealisierten Sprechers beschrieben werden. Diese sind meist in den Büchern sehr eng gefasst. Deswegen sollte man die Lerner dazu anregen, sie kritischer und offener zu betrachten, bspw. durch ein authentisches grammatikalisch „falsches“ Textbeispiel. Der Lehrer soll allgemein immer mehr in den Hintergrund des Handelns rücken, Denkanstöße geben und die Voraussetzung für die Aktivität der Schüler schaffen.[8]

3. Grammatik im Französischunterricht

3.1. Der Grammatikunterricht im Allgemeinen

Wie wahrscheinlich jeder noch aus seiner eigenen Schulzeit in Erinnerung hat, ist die Erarbeitung und das Lernen von neuer Grammatik im Fremdsprachenunterricht das tägliche Brot der Lernenden. Dies stellt auch nicht nur eine Schülereinschätzung dar, sondern entspricht durchaus (noch) der Realität an deutschen Gymnasien.

Der Grammatikunterricht nimmt im Allgemeinen 40% - 60% des Gesamtunterrichts ein. Bezüglich dieser Dominanz gibt es natürlich von Lehrer- und von Schülerseite verschiedene Ansichten und Einstellungen.[9]

Während die Grammatikarbeit die Kompetenz des Lehrers bestätigt und für ihn eine strukturierende und disziplinierende Wirkung hat, erleben die Schüler diesen noch negativer als erwartet.

Sie empfinden den Grammatikunterricht als Last und assoziieren diesen mit Langweile, trockenem Auswendiglernen und unüberbrückbaren Schwierigkeiten.[10]

Oftmals werden diese Einstellungen von den Lehrern unbewusst noch geschürt, da diese wenig Toleranz bei Grammatikschwierigkeiten zeigen. Sie selber rechtfertigen auftretende Probleme häufig anhand der Schwierigkeit der französischen Sprache.[11]

Dadurch wird natürlich das Image der Sprache als „schwer“ noch gesteigert.

Die Lehrer selbst finden Grammatik auch deshalb oft sehr wichtig, weil ihre eigene Sprachausbildung darauf basiert hat und sich anderes dadurch schwer vorstellen lässt.

Zudem benutzen Lehrer die Grammatik auch gerne als einfachste und objektivste Form der Lernzielkontrolle in Form von Grammatikaufgaben in Schulaufgaben. Auch auf diese Weise wachsen die negativen Einstellungen durch die Verbindung mit Noten.

So wird die Sprache „nicht als ein aus verschiedenen Subsystemen bestehendes ganzheitliches Phänomen gesehen, das in komplexe Anwendungsbezüge integriert ist, sondern lediglich über eines seiner Subsysteme, nämlich die Grammatik, wahrgenommen.“[12] Die dadurch resultierenden Konnotationen übertragen sich natürlich leicht auf das gesamte Fach Französich, was dann zu Desinteresse und einer Abneigung gegenüber der Sprache führen könnte. Diese Entwicklung hätte natürlich verheerende Folgen auf den weiteren Sprachunterricht. Daher müssen negative Einstellungen dringend verhindert werden, was dann im Umkehrschluss wieder für einen reduzierten Stellenwert der Grammatikarbeit sprechen würde.

Die Grammatikarbeit wird nur als innerschulisch wichtiges Lernziel wahrgenommen und sowohl der Lehrplan, der den Bereich der Grammatik verglichen mit den anderen Teilbereichen sehr stark eingrenzt, als auch das Lehrwerk, dessen Übungsformen nicht modernen Kenntnissen entsprechen und auch dem Alter der Schüler oft nicht angemessen sind, unterstützen diese Ansicht und hindern den Lehrer daran, seine Verbesserungsansätze in vollem Maße durchzusetzen.[13]

Nach dieser Problematik und den neuen fachdidaktischen Erkenntnissen, die in der heutigen Debatte über Grammatikunterricht in aller Munde sind, werden von diversen Seiten Verbesserungsideen geliefert. So führt Zimmermann bspw. drei Ansätze auf:

- Erarbeitung verständlicherer Instruktionstexte
- Verbindung des Grammatikunterrichts mit wirklichkeitsbezogenem, lebendigem Lernen
- Schaffung von Möglichkeiten zur Eigeninitiative und Selbststeuerung für den Schüler[14]

[...]


[1] GNUTZMANN/STARK 1982: 20f.

[2] Lehrplan für das Gymnasium in Bayern.

[3] NIEWELER 2006: 191.

[4] BARRERA-VIDAL 1995: 49.

[5] FREUDENSTEIN 1995: 70.

[6] MEIßNER 1999: 206.

[7] LEUPOLD 2002: 298.

[8] LEUPOLD 1999: 5f.

[9] ZIMMERMANN 1984: 31ff.

[10] ZIMMERMANN 1995: 181.

[11] DÜWELL 2000: 29.

[12] DÜWELL 2000: 29.

[13] DÜWELL 2000: 32f.

[14] ZIMMERMANN 1995: 190.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Grammatik im Französischunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
Fachdidaktik
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V202348
ISBN (eBook)
9783656285427
ISBN (Buch)
9783656287261
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachdidaktik, Fremdsprachendidaktik, Französisch, Grammatik, Grammatikunterricht, Didaktik
Arbeit zitieren
Sandra Ilg (Autor:in), 2008, Grammatik im Französischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202348

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