Kollaboration in Griechenland während des 2. Weltkrieges


Seminararbeit, 2012

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Die Abschaffung der Metaxas-Diktatur und die Installierung einer deutschen Marionettenregierung
1.1 Griechische Kollaborateure und ihre Motive bis Ende 1942 und die Auswirkungen ihrer Kollaborationsbereitschaft auf die griechische Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
1.2 Die Regierung Rallis unter den Vorzeichen einer deutschen Niederlage

2. Wirtschaftspolitik der deutschen Okkupanten und die Kollaboration der griechischen Bevölkerung
2.1 Destabilisierung der griechischen Wirtschaft
2.2 Wirtschaftliche Kollaboration

III. Schlussbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Kollaborationsgeschichte des 2. Weltkrieges umfasst heutzutage ein sehr breites Spekt- rum der Geschichtswissenschaft, bezogen nicht nur auf die Kollaboration während des 2. Weltkrieges selbst, sondern auch auf die Zeit danach. Sie stellt noch bis heute in den meisten europäischen Ländern, die von Nazideutschland besetzt wurden, ein zentrales Thema der his- torischen Aufarbeitung des 2. Weltkrieges dar und kann immer noch bisweilen Kontroversen und z.T. bereits Jahrzehnte zurückliegende gesellschaftliche Spaltungen aufkommen bzw. aufbrechen lassen. Der Umgang und die Aufarbeitung der Kollaborationsgeschichte mit den Nazis offenbaren jedoch, je nach Land, unterschiedliche Merkmale und dementsprechend differierende Intensitäten und Ansichtsweisen mit der Beschäftigung dieser Historie. Dies hängt unter anderem mit der uneinheitlichen Okkupationspolitik der Nazis zusammen, die in den von ihnen besetzten Ländern primär auf die militärischen Bedürfnisse des Dritten Rei- ches ausgerichtet war. Die Nationalsozialisten traten, je nachdem, entweder als sich eher im Hintergrund zurückhaltende Besatzer auf, die eine von ihnen selbst installierte Regierung an die politische Spitze des Landes setzten und durch diese Kollaborationsregierungen das Land beherrschten, oder sie traten wesentlich deutlicher als Okkupanten auf, in dem sie z.B. wie im Falle Frankreichs rund die Hälfte des Landes militärisch besetzt hielten und eigenständig verwalteten.1 Im Fokus der Nazis standen fast überall das militärisch strategische und das wirtschaftliche Interesse. Die Bevölkerung der besetzten Länder wurde als ein nachrangiger Einflussfaktor betrachtet. Nach dem Verständnis der Nazis hatten sich die Menschen der ok- kupierten Länder den neuen Herrschern unterzuordnen und sich dienlich zu machen.2 Unter solchen Voraussetzungen stießen die Deutschen oftmals in breiten Schichten der Bevölkerung auf Ablehnung und unterschwelligen Hass, der in nicht wenigen Fällen auch im bewaffneten Widerstand mündete. Diejenigen, die sich den Nazis als Kollaborateure anboten oder aus wel- chen Gründen auch immer mit ihnen kollaborierten, wurden folglich von der Mehrheit der Bevölkerung als Verräter betrachtet. So entwickelte sich der Begriff „Kollaboration“ nach dem Krieg i.d.R. zu einer abwertenden Bezeichnung für all jene, die den Nationalsozialisten durch ihr Handeln Nutzen brachten, obgleich die Kollaboration neutraler, taktischer, bedingter oder bedingungsloser Natur war. Ähnlich wie die Bezeichnung „Nazi“ wurde auch der Begriff „Kollaboration“ in vielen Ländern Europas als Beleidigung empfunden.3 Während des Krie- ges hatte dieser Begriff aber eine vielfältige Bedeutung gehabt, mit der nicht immer eine ne- gative Assoziation verbunden wurde. Die Menschen, die mit den Nazis kollaborierten, be- trachteten sich nicht selten als eine auserwählte Elite und trugen diesen Begriff als ein Ehren- wort.4 In fast allen von den deutschen besetzten Ländern durchlief der Begriff „Kollaborati- on“ diesen eben grob umrissenen Prozess der Wandlung. Ein Land, das eine Ausnahme bilde- te, war Griechenland. Die besonderen Umstände, wie z.B. der nach der Besatzungszeit aus- brechende Bürgerkrieg, führten dazu, dass mit dem Begriff keine negativen Assoziationen bzw. Emotionen verbunden wurden, mit Ausnahme bei den kommunistischen Anhängern.5 Generell stellte Griechenland eine Besonderheit dar, nicht nur aufgrund der Aufteilung des Landes während der Besatzungszeit zwischen Italien, Deutschland und Bulgarien, sondern auch aufgrund der vorherrschenden politischen Verhältnisse und im Vergleich zu der in ande- ren Besatzungsgebieten recht ungewöhnlichen Besatzungspolitik (siehe im folgenden Verlauf der Arbeit) , die in hohem Maße vom taktischem Kalkül geprägt wurde.

Von besonders kriegswichtiger Bedeutung war für die Deutschen das Balkangebiet, vor allem Jugoslawien, mit seinen für die Kriegsführung wichtigen Rohstoffen. Das Land Griechenland lag jedoch nicht in der Interessensphäre der deutschen Kriegsführung und wurde nur in Folge des gescheiterten italienischen Angriffskrieges, vom Oktober 1940, in die Kriegsstrategie der Wehrmacht miteinbezogen. Ein Wehrmachtsangriff auf Griechenland wurde aber erst dann als eine Notwendigkeit betrachtet, als britische Truppenverbände, auf der Seite der griechi- schen Armee, im Kampf gegen die Italiener eingriffen. Mit der Landung der Briten entstand aus Sicht der Deutschen eine Situation auf dem Balkan, die den bevorstehenden Russland- feldzug in hohem Maße gefährden konnte. Durch die britische Präsenz resultierte eine Flan- kenbedrohung für die Heeresgruppe Süd, zudem lagen wichtige Ölquellen in Rumänien, die zur Versorgung der deutschen Kriegsmaschinerie von großer Wichtigkeit waren, in Reichwei- te britischer Bomber und die kriegswichtigen Rohstoffe in Jugoslawien befanden sich eben- falls in Reichweite des britischen Militärs.6 Das militärische Versagen Mussolinis spielte wahrscheinlich nur eine nachrangige Bedeutung bei den deutschen Überlegungen zum militä- rischen Eingreifen in Griechenland. Nach der Kapitulation Griechenlands (21. April 1941) sahen sich die Deutschen mit einer politisch und wirtschaftlich in hohem Maße unstabilen Lage konfrontiert. Die politische Zersplitterung des Landes und der wirtschaftliche Nieder- gang der vergangenen Jahre, der durch den Krieg beschleunigt wurde, schufen eine Atmo- sphäre im Land, die kurz davor war, in einen Bürgerkrieg umzuschlagen.7 Die Deutschen Plä- ne zur Besetzung des Landes sahen aber nur eine minimale militärische Präsenz vor und ein Ausbrechen von Unruhen wollte man um jeden Preis vermeiden, sodass versucht wurde, eine Politik zu betreiben, die darauf ausgerichtet war, Unruhen zu verhindern, nach Möglichkeit ohne den Einsatz von Waffengewalt.8 In diesem Zusammenhang beruht die These dieser Ar- beit darauf, dass die deutsche Besatzungspolitik primär darin bestand, die Zersplitterung und somit auch die vorherrschende nationale Uneinigkeit Griechenlands gezielt zu ihrem Nutzen zu verwenden, indem versucht wurde die einzelnen politischen Parteien gegeneinander auszu- spielen oder Voraussetzungen zu schaffen, die die einzelnen politischen Strömungen zusam- menführen sollten, um z.B. eine einheitliche Widerstandsfront zu verhindern oder wirtschaft- lichen Nutzen daraus zu ziehen. Die zentralen Fragen, die sich aus dieser These ergeben, be- treffen zum einen die politischen und wirtschaftlichen Vorgehensweisen sowie Maßnahmen der deutschen Besatzer und ihre Auswirkungen auf die griechische Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Zum anderen wird die Art der Kollaboration untersucht werden müssen, um fest- zustellen, inwieweit eine Kollaboration eventuell unabdingbar war, um z.B. das griechische Volk vor Willkür und Ausbeutung zu schützen, oder ob es sich lediglich um reine machtpoli- tische bzw. wirtschaftliche Bereicherungsaktionen seitens einzelner Personen, Gruppen und Parteien gehandelt hat. Die Beantwortung dieser Fragen soll wiederum Antworten auf die Schuldfrage der vorgefallenen Verbrechen während der deutschen Okkupationszeit liefern, sowohl die Schuld seitens der Deutschen als auch die der Kollaborateure und anderer beteilig- ter Akteure (Italiener, Bulgaren, Briten). Zum Abschluss dieser Arbeit werden die untersuch- ten Auswirkungen der Besatzungsperiode nochmal in Verbindung zum heutigen Griechenland gebracht und von einem sachlichen Standpunkt heraus analysiert, um die heute in Griechen- land und Deutschland heftig diskutierte Debatte der Besatzungsperiode (1941-1944) ohne ideologische, politische und emotionale Einflussnahme zu untersuchen. Dadurch soll unter anderem versucht werden, die Fragen zu klären, warum z.B. mehr als die Hälfte der griechi- schen Bevölkerung, darunter auch namhafte Ökonomen, Politiker, Historiker usw., der Mei- nung sind, dass Deutschland gegenüber Griechenland noch heute bis zu 162 Mrd. Euro Scha- densersatz für die deutsche Besatzung zahlen muss, oder warum 77 Prozent der Griechen glauben, dass Deutschland auf die Errichtung eines „Vierten Reiches“ hin arbeite.9 Durch die Klärung historischer Sachverhalte werden die zwischen den Deutschen und Griechen auftretenden Antipathien und die damit verbundenen Vorwürfe auf ihre historischen Ursprünge und zugleich auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Berechtigung untersucht.

Diese Arbeit wird mehrheitlich auf der Literatur deutscher Historiker basieren, wie z.B. Hagen Fleischer, Werner Rings oder Franz Seidler. Um aber den Vorwurf einer zu deutschlastigen Sichtweise zu umgehen, wird auch die Literatur von griechischen Historikern, wie z.B. Vaios Kalogrias, Verwendung finden.

II. Hauptteil

1. Die Abschaffung der Metaxas-Diktatur und die Installierung einer deutschen Marionettenregierung

Obwohl Griechenland unmittelbar nach der Kapitulation im April 1941 zwischen den Deut- schen (West- und Mittelmazedonien, Piräus, Kreta), Italienern (Großteil Griechenlands) und den Bulgaren (ostmazedonischer-thrazischer Raum) aufgeteilt wurde, bestand dennoch in allen Gebieten eine deutsche Oberhoheit, sowohl in der Wirtschaft als auch in politischen Fragen.10 Dass weder die Bulgaren noch die Italiener in entscheidenden Fragen ihre Interessen und Ziele durchsetzen konnten, wurde bereits in den ersten Tagen nach der Besetzung Grie- chenlands ersichtlich. Bei der Bildung einer Kollaborationsregierung, unter dem Generalleut- nant Georgios Tsolakoglou, wurde der italienische Wunsch, Griechenland in ein italienisches Protektorat unter einer Militärverwaltung umzuwandeln, von den Deutschen einfach übergan- gen. Stattdessen lösten die Deutschen das seit 1936 bestehende Diktaturregime unter Metaxas auf und stellten eigenmächtig eine fast nur aus Militärs bestehende Regierung, unter einem in der Bevölkerung wenn nicht beliebten, so doch zumindest bekannten General, auf.11 Was für Ziele verbargen sich hinter der Einsetzung dieser Regierung, dass sogar die dringlich vorge- tragenen Wünschen Mussolinis nach einem Protektorat, verbunden mit den Annektierungsge- lüsten der ionischen Inseln und dem längerfristigen Ziel, der Errichtung eines „imperialen“ Regimes, ohne Ausnahmen abgelehnt wurden? Die Deutschen nahmen sogar das Risiko in Kauf, dass das Verhältnis zum engsten Kriegsverbündeten dadurch hätte belastete werden könnte. Eine Erklärung bietet der damals bevorstehende Russlandfeldzug. Die deutschen Truppen in Griechenland wurden hinsichtlich dieses Feldzuges auf das Minimum reduziert und die verbliebenen deutschen Besatzer/Verwalter wurden quasi gezwungenermaßen dazu veranlasst, Verhältnisse zu schaffen, die Unruhen und Aufstände gegen die Okkupanten ver- hindern sollten, ohne in großem Maße militärisch präsent sein zu müssen. Um dies zu realisie- ren, nutzten die Deutschen zum einen die Furcht der Griechen vor einer Zerschlagung der nationalen/territorialen Einheit Griechenlands, was von den Italienern im Grunde gefordert und von den Bulgaren im Verlauf der Besatzung z.T. auch intensiv betrieben wurde, indem sie in den von ihnen besetzten Gebieten eine ethnische Homogenisierung betrieben, durch Maßnahmen, wie dem Verbot der griechischen Sprache, der Entlassung von griechischen Be- amten und anderen Repressalien gegenüber der griechischstämmige Bevölkerung.12

Die Angst der Griechen vor einer Spaltung des Landes nutzten die Deutschen geschickt aus, indem sie sich im Grunde als „Puffer“ zwischen den Italienern und Bulgaren einerseits und dem griechischen Volk andererseits positionierten. Angesichts der bulgarischen und italieni- schen „Bedrohung“, die den Deutschen sicherlich gelegen kam und von ihnen nicht unterbun- den wurde, wurde die Tsolakoglou-Regierung von der großen Mehrheit der griechischen Be- völkerung zunächst sogar toleriert bzw. als eine Notwendigkeit im Sinne des griechischen Wohles gesehen.13 Zum anderen waren die Deutschen im gesamten Verlauf ihrer Besatzungs- zeit bestrebt, die politische Zersplitterung des Landes für ihre Zwecke zu nutzen bzw. zu ma- nipulieren. In der griechischen Politik herrschte nämlich bereits vor der Metaxas-Diktatur ein seit vielen Jahren währender Machtkampf zwischen Republikanern und Monarchisten, der nicht nur eine politische Spaltung, sondern auch eine gesellschaftliche Zerrissenheit in Grie- chenland zur Folge hatte. Auch die 1936 durch den griechischen König Georg II installierte Diktatur unter Metaxas vermochte keine politische und wirtschaftliche Ruhe herzustellen, was einer der Gründe dafür war, dass die griechische Bevölkerung die deutsche Marionettenregie- rung zu Beginn mehrheitlich akzeptierte. Verbunden wurde diese Akzeptanz in erster Linie mit der Hoffnung, dass es Tsolakoglou gelingen würde, Frieden und wirtschaftliche Stabilität herzustellen.14

In Anbetracht der vorherrschenden politischen Zersplitterung des Landes erwies sich das Kol- laborationsangebot von Tsolakoglou als eine günstige Gelegenheit für die Deutschen, die Re- publikaner und andere Gegner des Königs sowie des ehemaligen Metaxasregimes für die von den deutschen geplante Politik in Griechenland zu gewinnen und so das Land stabil zu hal- ten.15 Tsolakoglou, der zwar ein General in Diensten Metaxas war, galt jedoch als ein „unpoli- tischer Militär“ und wurde von den Deutschen aufgrund dieser Voraussetzungen dazu für fä- hig befunden, breite bürgerliche Schichten zur Kollaboration bewegen zu können.16 Die Tso- lakoglou-Regierung sollte aus dieser Unterstützung heraus wiederum ihre Legitimation schöp- fen und zugleich eine breite Akzeptanz zur Kooperation mit den Deutschen schaffen. Dies erklärt auch, warum die Deutschen Tsolakoglou an die „politische Spitze“ des Landes setzten und ihm die Freiheiten einräumten, den Staatsapparat und staatliche Institutionen von ehema- ligen Metaxasanhängern zu „säubern“ und Metaxasgegner, mehrheitlich republikanische Of- fiziere, zu rehabilitieren, obwohl das Metaxasregime ideologisch ähnlich ausgerichtet war wie die faschistoiden Regime Europas.17 Die Deutschen wollten durch die Regierung von Tsola- koglou aber nicht nur die Kollaborationsbereitschaft der bürgerlichen Schichten, die überwie- gend dem republikanischen Lager angehörten, fördern und dadurch der Zusammenarbeit zwi- schen den griechischen Politikern, Sicherheitsorganen, Wirtschaftsleuten usw. und den Okku- panten eine gewisse Legitimation bzw. Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung verschaffen, mit dieser Regierung sollte gleichzeitig ein legitimes Machtzentrum geschaffen werden, das der seit Sommer 1941 existierenden und von den Briten unterstützten Exilregierung den Rang einer offiziellen Regierungsautorität streitig machen sollte. Weder die unter dem anglophilen Einfluss stehende Exilregierung noch die von den deutschen eingesetzte Marionettenregierung waren jedoch jemals in der Lage, einen berechtigten und offiziellen Machtanspruch durchzu- setzen. Beide waren nicht aus Wahlen hervorgegangen und waren zu offenkundig die Mario- netten der beiden Großmächte Deutschland und England.18

Festzuhalten bleibt der deutsche Versuch, eine Regierung zu installieren, die konträr zum ro- yalistischen Lager und den Anhängern der ehemaligen Metaxasdiktatur stand. Das Ziel be- stand sicherlich darin, die im Volk und bei den Republikanern verhassten Metaxasanhänger, die mithilfe des Königs 1936 an die Macht gekommen waren, dafür zu nutzen, der Tsolakog- lou-Regierung innerhalb der Bevölkerung Zuspruch zu sichern und aus den bürgerlich- intellektuellen Schichten, vor allem dem republikanischem Lager, möglichst viele kollabora- tionswillige Partner zu gewinnen. Denn während der Metaxasdiktatur gehörten neben den Kommunisten die bürgerlichen Politiker und generell die Republikaner zu den Verfolgten und Unterdrückten des Regimes. Es überrascht somit nicht, dass es zu Beginn der Regierungszeit von Tsolakoglou eine breite Resonanz für seine Einsetzung gab, vor allem bei bürgerlichen Politikern und den republikanischen Offizieren.

Somit wurde gleich zu Beginn der Okkupationszeit von den Deutschen der Versuch unternommen, die in Rivalität stehenden politischen Richtungen gegeneinander einzusetzen. Die These, dass die Besatzungspolitik die in Griechenland vorherrschende politische und gesellschaftliche Uneinigkeit für ihre eigenen Pläne versucht hat zu nutzen, kann somit zumindest zu Beginn der Okkupationszeit als belegt betrachtet werden.

Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Deutschen mit der Einsetzung der TsolakoglouRegierung eine günstige Grundlage dafür schufen, um die von ihnen in Griechenland anvisierten Ziele zu erreichen. Diese bestanden, wie bereits erwähnt, primär in der politischen und wirtschaftlichen Kontrolle der von ihnen und ihren Juniorpartnern (Bulgarien und Italien) besetzten Gebiete, mit dem Bestreben, so wenig wie möglich deutsche Militär- und Verwalterpräsenz zeigen bzw. betreiben zu müssen.

Durch die Tsolakoglou-Regierung wurde in den ersten Monaten der Besatzungszeit verhin- dert, dass es zu einem national-politisch organisierten Widerstand gegen die Okkupanten kam. Unruhen in der Bevölkerung blieben aus und ein Großteil des antiroyalistischen Lagers kolla- borierte mit Tsolakoglou und den deutschen Besatzern, angesichts der bulgarisch- italienischen Bedrohung und der Rivalität zu den Royalisten. Ob wirtschaftliche Faktoren eine Rolle für die Kollaboration spielten, soll im Verlauf der Arbeit noch explizit untersucht wer- den.

Dadurch wurden aus deutscher Sicht günstige Voraussetzungen geschaffen, um die zahlreichen griechischen Insel rasch besetzen zu können und in ihrem Sinne politisch-wirtschaftliche Strukturen zu errichten.19 Der Reichsaußenminister Ribbentrop äußerte sich zur Einsetzung der Tsolakoglou-Regierung folgendermaßen: „… ein Geschenk des Himmels sei, denn mit sei ner Hilfe lie ß e sich die ausgebüchste Athener Regierung durch eine Regierung ersetzen, an deren Spitze ein Mann stände, dessen Name in Griechenland Klang hätte. “ 20

[...]


1 Vgl. Rings, W.: Europa im Krieg 1939-1945: Kollaboration und Widerstand. Zürich 1979, S. 52-53.

2 Vgl. Umbreit, H.: Die Rolle der Kollaboration in der deutschen Besatzungspolitik. In: Röhr, W. (Hrsg.): Europa unterm Hackenkreuz. Band 1, Berlin 1994, S. 34-35.

3 Vgl. Seidler, F.: Die Kollaboration. München 1995, S. 6-7.

4 Ebd., S. 6.

5 Ebd., S.40.

6 Vgl. Richter, H.: Griechenland im Zweiten Weltkrieg 1939-1941: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 2. Ruhpolding 2010, S. 146 ff.

7 Vgl. Fleischer, H.: Kollaboration und deutsche Politik im besetzten Griechenland. In: Röhr, W. (Hrsg.): Europa unterm Hackenkreuz. Band 1, Berlin 1994, S. 378-379.

8 Vgl. Dreidoppel, K.: Der griechische Dämon: Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941- 1944. Wiesbaden 2009, S. 12-13.

9 Vgl. 77% der Griechen glauben: Deutschland will das Vierte Reich: http://www.deutsche-mittelstands- nachrichten.de/2012/02/38713/ (Abgerufen am 15.07.2012).

10 Vgl. Dreidoppel, K.: Der griechische Dämon: Widerstand und Bürgerkrieg im besetzten Griechenland 1941- 1944. Wiesbaden 2009, S. 15.

11 Vgl. Kalogrias, V.: Makedonien 1941-1944: Okkupation - Widerstand - Kollaboration: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 39. Ruhpolding 2008, S. 27-30.

12 Vgl. Loulos, K.: Vergeltungsmaßnahmen der Besatzungsmächte und „enndogene“ Repressalien in Griechenland 1941-1944. In: Droulia, L. und Fleischer, H. (Hrsg.): Von Lidice bis Kalavryta: Widerstand und Besatzungsterror. Berlin 1999, S. 137 ff.

13 Vgl. Kalogrias, V.: Makedonien 1941-1944: Okkupation - Widerstand - Kollaboration: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 39. Ruhpolding 2008, S. 41-42.

14 Ebd., S. 36.

15 Vgl. Kalogrias, V.: Makedonien 1941-1944: Okkupation - Widerstand - Kollaboration: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 39. Ruhpolding 2008, S. 31.

16 Ebd., S. 29.

17 Vgl. Fleischer, H.: Kollaboration und deutsche Politik im besetzten Griechenland. In: Röhr, W. (Hrsg.): Europa unterm Hackenkreuz. Band 1, Berlin 1994, S. 389.

18 Vgl. Kalogrias, V.: Makedonien 1941-1944: Okkupation - Widerstand - Kollaboration: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 39. Ruhpolding 2008, S. 45.

19 Vgl. Eckert, R.: Vom Fall „Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“: Die deutsche Besatzungspolitik in Grie- chenland vom 6. April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt am Main 1992, S.59-60.

20 Vgl. Kalogrias, V.: Makedonien 1941-1944: Okkupation - Widerstand - Kollaboration: Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns Band 39. Ruhpolding 2008, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Kollaboration in Griechenland während des 2. Weltkrieges
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Geschichte und ihre Didaktik )
Veranstaltung
Die Auseinandersetzung mit Kollaboration und Widerstand im Zweiten Weltkrieg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V202366
ISBN (eBook)
9783656285380
ISBN (Buch)
9783656285991
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kollaboration, griechenland, weltkrieges
Arbeit zitieren
Dieter Schwarzkopf (Autor), 2012, Kollaboration in Griechenland während des 2. Weltkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202366

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