Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement


Fachbuch, 2012
36 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Was ist Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement?

Das Feedback-Prinzip

Thema 1: Das Problem und seine bisherige Bewältigung
Bewältigungsstrategien erforschen
Wozu sind Coping-Fragen gut?
Risiken einer zu intensiven Fokussierung auf Bewältigungsstrategien

Thema 2: Ausnahmen von dem Problem
Ausnahmen herausfinden oder konstruieren
Wozu sind Ausnahmen gut?
Risiken einer zu intensiven Fokussierung auf Ausnahmen

Thema 3: Sinn und Zweck des Zieles
Sinnfragen stellen
Wozu wird nach dem Sinn und Zweck des Zieles gefragt?
Risiken einer zu intensiven Fokussierung auf Sinnfragen

Thema 4: Die Hoffnung, das Ziel zu erreichen
Hoffnung schöpfen
Wozu wird nach der Hoffnung gefragt?
Risiken einer zu intensiven Erforschung der Hoffnung

Thema 5: Die Realisierbarkeit des Zieles
Realisierbarkeit hinterfragen
Wozu wird nach der Realisierbarkeit des Zieles gefragt?
Risiken einer zu intensiven Realisierbarkeitsfokussierung

Thema 6: Die einzelnen Schritte zum Ziel
Schritte zum Ziel planen
Wozu wird nach den Schritten zum Ziel gefragt?
Risiken einer zu intensiven Realisierungsfokussierung

Thema 7: Die Bewertung der Ergebnisse
Ergebnisse überprüfen
Wozu sollen Ergebnisse erfragt und bewertet werden?
Risiken einer zu intensiven Ergebnisfokussierung

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung: Was ist Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement?

Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement ist die Kunst, in oftmals schwierigen Situationen durch gezielte Schritte konstruktiv und entwicklungsfördernd mit sich selbst umzugehen.

Im Zentrum des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements stehen vier Fragen, mit denen sich wahrscheinlich jeder erwachsene Mensch schon einmal in irgendeiner Form beschäftigt hat:

1. Wie fördere ich meine Ressourcen, Stärken und Fähigkeiten?
2. Wie verringere oder beseitige ich meine Defizite?
3. Wie hinterfrage ich meine Ziele auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?
4. Wie hinterfrage ich meine Mittel und Wege (also meine Vorgehensweise) auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?

Auf diese Fragen gibt das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement realistische Antworten. Es erweist sich dabei immer wieder als äußerst pragmatisch.

Das hier dargestellte Ressourcenaktivierende Selbstmanagement ist aus einer bestimmten Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung[1] hervorgegangen. Diese spezielle Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung wiederum ist ursprünglich im Bereich der Suchtkrankenhilfe entstanden und wurde auch im Bereich der Psychiatrischen Hilfen, der Sozialen Integrationshilfen und im Projektmanagement angewendet.[2] Sie lässt sich darüber hinaus in vielen Bereichen des Berufs- und auch des Privatlebens sinnvoll nutzen. Daher verfügt auch das hier dargestellte Ressourcenaktivierende Selbstmanagement über ein ähnlich breites Anwendungsspektrum.

Ressourcenorientierte Gesprächsführung und Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement hängen also eng miteinander zusammen. Ressourcenorientierte Gesprächsführung ist das Werkzeug, mit dem beim Gesprächspartner Ressourcenaktivierung induziert werden kann. Coaching, Therapie und Beratung sollten meist mit Ressourcenaktivierung beginnen. Daher ist vor allem zu Beginn dieser Prozesse Ressourcenorientierte Gesprächsführung nötig und sinnvoll. Diese wiederum ist allerdings nur dann fruchtbar und in ihrer Wirkung nachhaltig, wenn sie beim Klienten zu einem kontinuierlichen Ressourcenaktivierenden Selbstmanagement führt.[3]

Gleichzeitig ist Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement unter anderem ein geeignetes Mittel, mit dem Berater, Coaches und Therapeuten ihre Fähigkeiten in Ressourcenorientierter Gesprächsführung gezielt verbessern, und ihr Verständnis darin vertiefen können. Darüber hinaus bietet das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement Klienten die Möglichkeit, sich unabhängig von ihrem Berater, Coach oder Therapeuten bzw. sogar ganz ohne Begleitung eigene Lösungen zu erarbeiten.

Solche Wechselwirkungen zwischen bestimmten Formen der Gesprächsführung und den jeweils damit korrespondierenden Arten von Selbsthilfe sind auch aus der Psychotherapie bekannt.[4]

Kurz gefasst: Ressourcenorientierte Gesprächsführung ist Unterricht und Training in Ressourcenaktivierendem Selbstmanagement. Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement kann allerdings auch ohne Ressourcenorientierte Gesprächsführung trainiert und angewendet werden.

Das Vorgehen in einem gezielten und systematischen Selbstmanagement ist zu Beginn des jeweiligen Prozesses häufig zwangsläufig defizitorientiert. Man beginnt mit einem Problem, das gelöst werden soll oder hat ein Defizit, das behoben werden soll.

Dieser Ausgangssituation trägt das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement dadurch Rechnung, dass es wie ein allgemeines Problemlöseschema aufgebaut ist. Dabei bringt man selbst die inhaltlichen Themen mit, die man bearbeiten will (wie z.B. Beziehungsprobleme, Stress bei der Arbeit, Sorgen um sein Kind). Das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement widmet sich dann dem Ablauf oder Prozess der Bearbeitung des Problems. Es mischt sich gewissermaßen mit seinen Prozess-Themen in die inhaltlichen (Problem-)Themen ein. Die Prozess-Themen des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements bilden dabei zusammengenommen ein allgemeines Problemlöseschema mit folgenden Schritten:

1. Feststellung des Problems und Untersuchung bisheriger Bewältigungsstrategien
2. Untersuchung problemfreier oder zumindest weniger problembehafteter Zeiten (die bereits real oder bisher nur in der Vorstellung existieren können)
3. Festlegung eines Zieles und Hinterfragung des Sinns dieses Zieles
4. Erkundung der Hoffnung, das Ziel zu erreichen
5. Erkundung der Realisierbarkeit des Zieles und der eigenen Bereitschaft, etwas zur Erreichung des Zieles zu tun
6. Festlegung der Schritte und Verantwortlichkeiten zur Erreichung des Zieles (Erstellung eines Handlungsplanes)
7. Bewertung der Ergebnisse

Innerhalb der einzelnen Schritte dieses Problemlöseschemas arbeitet der Anwender des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements überwiegend mit ressourcenaktivierenden Fragen. Diese Fragen werden weiter unten in den Kapiteln zu den einzelnen Prozess-Themen dargestellt (s.u.: Thema 1 bis Thema 7). Zu jedem Thema erfolgt eine kurze Erläuterung. Auf mögliche Risiken des Einsatzes der in dem jeweiligen Thema enthaltenen Fragen wird ebenfalls hingewiesen.

Für die hier dargestellte Form des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements gilt: Die Themen 1 und 2 haben ihren Ursprung hauptsächlich im lösungsfokussierten Ansatz nach DeSHAZER und BERG[5] , die Themen 3, 4, 5 und 6 gründen sich überwiegend auf die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) nach MILLER und ROLLNICK[6] und Thema 7 stammt aus dem Projekt-[7] und dem Qualitätsmanagement (QM)[8] .

Zu dem bis hierhin beschriebenen Vorgehen kommt ein Prinzip hinzu, das sich durch alle o.g. Themen zieht. Es ist das Feedback-Prinzip, das im nun folgenden Kapitel beschrieben ist.

Das Feedback-Prinzip

Im Verlauf des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements ist es von zentraler Bedeutung, regelmäßig selbst zu überprüfen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist und die Arbeit vorankommt. Hierzu sollte der Anwender des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements sich folgende Fragen selbst beantworten:

1. Inwiefern komme ich meinen Zielen näher?
2. Wie gut ist meine Vorgehensweise?
3. Wie gut ist meine Arbeitsbeziehung zu mir selbst?
4. Was müsste passieren, damit meine Zielerreichung, meine Vorgehensweise und meine Arbeitsbeziehung zu mir selbst besser wären?

Je nach den Antworten auf diese Fragen sollte der Prozess dann so angepasst werden, dass die eigenen Bedürfnisse in Bezug auf ein aus eigener Sicht sinnvolles Vorgehen berücksichtigt sind.

Dies kann manchmal zuerst etwas irritierend wirken, da man es nicht gewohnt ist, bewusst Anteil am Prozess und den Rahmenbedingungen eines bereits vorstrukturierten Selbstmanagements zu haben. Das in der beschriebenen Form regelmäßig von sich selbst erhobene Feedback ist jedoch wichtig, um auf einem für einen selbst richtigen Kurs zu bleiben und der eigenen Veränderungstheorie folgen zu können.[9]

"Feedback" kommt aus dem Englischen von "feed" (füttern) und "back" (zurück), bedeutet also "zurück füttern". Der Anwender des Ressourcenaktivierenden Selbstmanagements "füttert" durch seine Rückmeldungen an sich selbst den Selbstmanagementprozess mit wichtigen Informationen zur Steuerung des weiteren Vorgehens.

Um im Bild zu bleiben: Ohne dieses Feedback könnte das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement gewissermaßen "verhungern". Dies würde sich dann z.B. ganz konkret daran zeigen, dass der Anwender das Ressourcenaktivierende Selbstmanagement abbricht, oder schlicht und einfach keine, zu wenige, oder die falschen Ressourcen aktiviert werden.

Der Anwender hat durch das Feedback-Prinzip also größere Chancen auf ein für ihn erfolgreiches Selbstmanagement. Gleichzeitig dürfte er dadurch auch in seinem Umfeld und bei seinen Mitmenschen besser Ressourcen aktivieren können.

[...]


[1] Siehe Langosch, Andreas: Ressourcenorientierte Gesprächsführung. GRIN Verlag GmbH, München 2012, ISBN 978-3-656-16987-1

[2] Zur ursprünglichen Ausgestaltung dieser speziellen Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung siehe Langosch, Andreas: Die Empowerment-Maschine. Praxismanual für lösungsfokussierte, motivierende Gesprächsführung und outcome-orientiertes Empowerment in schwierigen sozialen Arbeitsbereichen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Selbstverlag Andreas Langosch, Kiel 2010, ISBN 978-3-00-031591-6, S. 9-15, S. 17-23 und S. 29-37

[3] Ressourcenorientierte Gesprächsführung und Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement sind also gewissermaßen zwei Seiten einer Medaille. Daher sind die Bücher "Ressourcenorientierte Gesprächsführung" und "Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement" in einigen Teilen wortgleich, auch wenn der jeweilige Schwerpunkt verschieden gesetzt ist. Vgl. Langosch, Andreas: Ressourcenorientierte Gesprächsführung. GRIN Verlag GmbH, München 2012, ISBN 978-3-656-16987-1

[4] Vgl. z.B. Hesse, Joachim: Lösungsorientierte Psychotherapie als Selbsthilfe? In Hesse, Joachim (Hrsg.): Systemisch-lösungsorientierte Kurztherapie. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-45726-X, S. 53

[5] Zur Behandlung der Themen "Bewältigungsstrategien" und "Ausnahmen vom Problem" in der lösungsfokussierten Kurztherapie siehe De Jong, Peter; Berg, Insoo Kim: Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. 4. Auflage. verlag modernes lernen, Borgmann KG, Dortmund 2002, ISBN 3-8080-0398-7, S. 125-127, S. 149-152 und S. 255-264

[6] Zu wichtigen Motivationsfaktoren in der Motivierenden Gesprächsführung siehe Miller, William R.; Rollnick, Stephen: Motivierende Gesprächsführung. Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau 2004, ISBN 3-7841-1566-7, S. 25-30 und S. 183-190

[7] Zur Projektüberwachung, Projektsteuerung und zum Projektabschluss siehe Cronenbroeck, Wolfgang: Projektmanagement. Zweisprachig: deutsch-englisch. Herausgeber: Kießling-Sonntag, Dr. Jochem. 1. Auflage. Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, Berlin 2008, ISBN 978-3-589-23944-3, S. 102-145

[8] Zur Messung, Analyse und Verbesserung im Qualitätsmanagement siehe Brauer, Jörg-Peter: DIN EN ISO 9000:2000 ff. umsetzen. Gestaltungshilfen zum Aufbau Ihres Qualitätsmanagementsystems. Herausgeber: Kamiske, Prof. Dr. Ing. Gerd. 3. Auflage. Unter Mitarbeit von Horn, Thomas. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München 2002, ISBN 3-446-21865-3, S. 104-121

[9] Zur Bedeutung der Veränderungstheorie vgl. Duncan, Barry L.; Miller, Scott D.: Die Veränderungstheorie des Klienten: Den Klienten im integrativen Prozess beratend um Rat fragen. In Schemmel, Heike; Schaller, Johannes (Hrsg.): Ressourcen. Ein Hand- und Lesebuch zur therapeutischen Arbeit. dgvt-Verlag, Tübingen 2003, ISBN 3-87159-041-X, S. 123 ff.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V202371
ISBN (eBook)
9783656285359
ISBN (Buch)
9783656285618
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstmanagement, Ressourcen, Ressourcenorientierung, Ressourcenaktivierung, Case Management, Psychotherapie, Soziale Arbeit, Projektmanagement, Resilienz, Empowerment, Ressourcenorientiertes Arbeiten, Beratung, Coaching, Sozialpädagogik, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Andreas Langosch (Autor), 2012, Ressourcenaktivierendes Selbstmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202371

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