Die Rolle des Ebro-Vertrages auf dem Weg in den 2. Punischen Krieg


Hausarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Karthago nach dem ersten punischen Krieg

3.1 Der Ebrovertrag
3.2 Die Ebrogrenze und Sagunt

4. Hannibal belagert Sagunt - Beginn des 2. Punischen Krieges

5. Die Rolle des Ebrovertrages zum Zeitpunkt der Kriegserklärung - Rechtslage und

Kriegsschuld

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als im Jahr 218 v. Chr. der zweite Punische Krieg begann, war sich wohl niemand unter seinen Zeitgenossen bewusst, welche Auswirkung dieser Konflikt auf die Weltgeschichte und die zukünftige Ordnung im Mediterranen Raum haben würde. Besonders Karthago würde nach diesem Konflikt verheerende Konsequenzen tragen müssen. Nicht nur die Unterwerfung durch einen römischen Frieden, sondern auch der Traum von einer alleinigen Vormachtstellung im Mittelmeerraum müsste begraben werden.

In dieser Arbeit möchte ich den Aspekt besprechen, der Historiker seit dem Altertum beschäftigt: wie kam es zu diesem Konflikt? Kann man, wie Fabius Pictor, „allein die Anmaßung und Herrschsucht des Hasdrubal und seines Nachfolger Hannibal für den karthagischen Konfrontationskurs“1 verantwortlich machen? Oder war der zweite punische Krieg ein Resultat römischen Expansionswillens?

Bis in die heutige Zeit wird diskutiert ob der Angriff Hannibals auf Sagunt oder die Überschreitung des Ebro Rom zur Kriegserklärung veranlasste. Mit dem Blick auf die historische Quellenlage müssen die beiden Varianten sich nicht unbedingt ausschließen, denn sowohl Polybios als auch Livius setzen die Ebro-Grenze in ihren Überlieferungen südlich von Sagunt2. Einige Wissenschaftler glaubten diesen Stellen durch die Annahme einer „Saguntklausel“ im Ebrovertrag einen Sinn zu verleihen, doch findet diese These in den übrigen Äußerungen des Polybios keine Stütze3 und lässt den Schluss zu, die „Saguntklausel“ sei „aus den Ereignissen herausgesponnen, die später zum Ausbruch des Hannibalischen Krieges geführt haben“. Gemäß der annalistischen Tradition bei Livius und Appian4.

Da hier die Problematik einer Festlegung des casus belli deutlich wird, vor allem im Hinblick auf die historischen Quellen, muss zuerst die Eroberung Sagunts durch Hannibal und die gegebenen Umstände untersucht werden, sowie die römische Reaktion, um im Anschluss die tatsächliche Rolle und Gewichtung des Ebrovertrags beurteilen zu können.

2. Karthago nach dem ersten punischen Krieg

Nach der Niederlage im ersten punischen Krieg und der dadurch bedingten finanziellen Erschöpfung Karthagos entbrannte in Lybien, und Sardinen, Söldneraufstände (237). Das kriegsmüde Karthago brauchte drei Jahre um die Meuterei niederzuschlagen. Als bitterere Konsequenz aus dieser langen Zeitspanne resultierte das abtreten von Korsika und Sardinien an Rom um einem erneutem Konflikt zu entgehen5.

„ Nach solchen Demütigungen stand Karthago vor einer leicht begreiflichen Alternative. Es konnte entweder den neuen Zustand anerkennen und versuchen, sein Leben innerhalb der noch verbliebenen Grenzen einzurichten.( … ) Die konservativen Elemente der karthagischen Aristokratie neigten in diese Richtung. Oder aber Karthago setzte alle Kraft an die Wiederherstellung der früheren politischen Position. “ 6

Karthago setzte in diesem Jahr 237 v. Chr. auf eine Expansion unter dem führenden Feldherrn Hamilkar Barkas, der im selben Jahr mit einem Heer auf die Iberische Halbinsel übersetzte. Begleitet wurde er von seinem Schwiegersohn Hasdrubal und seinem ältestem Sohn, dem etwa Zehn Jahre alten Hannibal7.

Die antike Geschichtsschreibung des Polybios wirft den Karthagern die Intention vor, einen erneuten Konflikt mit Rom zu suchen. Die Okkupativen Aktionen des Hamilkar dienen hier nur der Erschließung kriegsnotwendiger Ressourcen. In diesem Zusammenhang wird auch die umstrittene Anekdote eingeführt, wonach Hamilkar den Jungen Hannibal vor dem Auszug schwören lies „niemals den Römern Freund zu werden“8.

Heute wird vermutet, dass diese Anekdote von Hannibal selbst erdichtet wurde, denn aus heutiger Sicht sind in dieser Kampagne, keine kriegerischen Absichten, weder von Hamilkar noch von Hannibal, her sichtbar. Infolge dessen muss man davon ausgehen, dass die Karthagische Intervention auf der Iberischen Halbinsel ausschließlich der Erhaltung des Staates diente.

3.1 Der Ebrovertrag

Nach seiner Ankunft in Spanien errichtete Hamilkar eine Basis in Gades, dem heutigen Cadiz. Innerhalb weniger Jahre unterwarf er etliche einheimische Stämme und schuf mit „Leuke Akra“ ein Zentrum für die Iberische Provinz. Die Römer schienen dieses Vorgehen bereits 231/30 kritisch zu beobachten. „Um nach dem Rechten zu sehen“, wie Cassius Dio sich ausdrückt, „schickten sie eine Gesandschaft zu Hamilkar.9 Die römische Delegation bekam „die freundlich ironische Auskunft, wenn die Römer ihre Kontributionen haben wollten, müßten sie Karthago auf die Mittel und Wege sinnen lassen, die Gelder […] zu beschaffen.“10

In Anbetracht der Keltengefahr aus dem Norden, gaben die Römer sich vorerst mit dieser Begründung zufrieden und Konzentrierten Ihre Truppen, wie Polybios berichtet, auf Oberitalien11 wo die Römer 200 000 Mann unter Waffen hielten12.

Als die Römer 226/25 unter großer Anstrengung mit den Kelten südlich des Po im Konflikt standen, begab sich erneut eine römische Gesandtschaft nach Iberien um eine militärische Eskalation mit der wieder aufkeimende Großmacht zu vereiteln.13 Zu dem Abkommen, das zwischen Hasdrubal und den Römern im Folgenden geschlossen wurde, lesen wir bei Polybios:

„ Im Augenblick freilich wagten sie nicht, den Karthagern Vorschriften zu machen oder den Krieg zu erklären, da die Furcht vor den Kelten ihr Handelnüberschattete, deren Einfall sie beinahe täglich erwarteten. So entschlossen sie sich Hasdrubal gegenüber zunächst zu einer Politik der Verständigung,( … ) denn niemals glaubten sie Italien beherrschen zu können, solange ihnen diese Menschen im Nacken s äß en. Aus dem selben Grund schlossen sie ( … ) einen Vertrag, worin von denübrigen Iberen keine Rede war, während es den Karthagern nicht erlaubt sein sollte, den Fluss Iber in kriegerischer Absicht zuüberschreiten “ 14

[...]


1 Zimmermann, Rom und Karthago, 2009, 2. Auflage, S. 45

2 Polyb. III 30,3, Liv. XXI 2,7; 18,9 ; Schwarte, Rechtsfrage und Überlieferung, S. 39

3 Schwarte, Rechtsfrage und Überlieferung, S. 39

4 Zimmermann, Rom und Karthago, 2009, 2. Auflage, S. 44

5 Zimmermann, Rom und Karthago, S. 38,39,40

6 Heuss, Römische Geschichte, S.75

7 Heftner, Der Aufstieg Roms, S.

8 Polyb. III 11-11,8 ; Heftner, Der Aufstieg Roms, S.

9 Zimmermann, Rom und Karthago, S 42 ; Heftner, Der Aufstieg Roms

10 Heuss, Römische Geschichte, S. 77

11 Polyb. 2,13,5-6 ; 22,7-11

12 Polyb. 2,24

13 Zimmermann, Rom und Karthago, S. 43 ; Heuss, Römische Geschichte, S. 77

14 Polyb. 2,13,3-7 = StV III 503

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Ebro-Vertrages auf dem Weg in den 2. Punischen Krieg
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V202376
ISBN (eBook)
9783668161894
ISBN (Buch)
9783668161900
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hannibal, Karthago, Punischer Krieg, Sagunt
Arbeit zitieren
Niklas Eyle (Autor), 2011, Die Rolle des Ebro-Vertrages auf dem Weg in den 2. Punischen Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202376

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle des Ebro-Vertrages auf dem Weg in den 2. Punischen Krieg


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden