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Reiche Freigelassene - Ansehen und Stellung in der römischen Gesellschaft

Title: Reiche Freigelassene - Ansehen und Stellung in der römischen Gesellschaft

Seminar Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Antje König (Author)

World History - Early and Ancient History
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Freigelassene sind, wie der Name schon sagt, ehemalige Sklaven, denen von ihrem Besitzer die Freiheit geschenkt wurde. Die sogenannte manumissio war ab der späten Republik zumindest in den Städten nichts ungewöhnliches mehr, es kam teilweise sogar zu regelrechten Massenfreilassungen, was unter Augustus zu einem sozialen Problem zu werden drohte und der Kaiser sich zu der Verabschiedung von Gesetzen veranlaßt sah (so zum Beispiel die lex Fufia Caninia und die lex Iunia, die Freilassungen erschweren und verhindern sollten, daß die Ex-Sklaven das volle Bürgerrecht erlangten).

Dies konnte jedoch die große Zahl der Freilassungen nicht eindämmen. Ein städtischer Sklave der frühen Kaiserzeit konnte, sofern er einigermaßen tüchtig und treu war, durchaus damit rechnen, irgendwann die Freiheit geschenkt zu bekommen. Auf dem Land standen seine Chancen allerdings weitaus schlechter. Eine Folge dieses Systems war, daß der „Beruf“ des Sklaven teilweise seinen Schrecken verlor oder gar attraktiv wurde, vor allem für die ganz arme Landbevölkerung: Als Sklaven werden sie ernährt und erlernen unter Umständen einen Beruf; werden sie dann freigelassen, erhalten sie das latinische oder sogar das volle römische Bürgerrecht, ein nicht unbeträchtlicher sozialer Aufstieg also. Viele Peregrine werden aus genau diesen Gründen ihre Kinder in die Sklaverei verkauft haben, zumal ein Leben als Haussklave in der Stadt sicher wesentlich angenehmer und sicherer war, als der riskante Dienst in der römischen Armee, der zum selben Ziel führte1. Manche Freigelassene hatten sogar noch mehr Glück und wurden nach ihrer manumissio reich, sei es durch geschicktes Wirtschaften, sei es durch Erbschaft, denn es kam vor, daß ein kinderloser Römer seinem Lieblingssklaven ein beträchtliches Vermögen vermachte. Diese liberti waren oftmals sagenhaft reich und befanden sich deshalb in einer paradoxen Situation: Durch ihr Vermögen besaßen sie Macht und Einfluß, hatten aber wegen ihrer Herkunft so gut wie gar kein Sozialprestige. Doch dazu später mehr.

Betrachten wir die Organisation der reichen liberti in den Städten, läßt sich folgendes sagen: Die vermögenden Freigelassenen zumindest der größeren Städte waren in einer ordoähnlichen oder auch ausdrücklich als ordo bezeichneten Körperschaft zusammengefaßt, den seviri Augustales, die zuständig sind für die Pflege des Kaiserkultes...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Freigelassene – Allgemeine Einleitung

Trimalchio und Pallas – Über das Ansehen reicher Freigelassener beim freigeborenen Part der Gesellschaft

Zur Frage nach der sozialen Stellung der reichen Freigelassenen in der römischen Gesellschaft

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die paradoxe soziale Situation reicher römischer Freigelassener, die trotz ihres enormen wirtschaftlichen Erfolgs und ihres Einflusses aufgrund ihrer Herkunft kein gesellschaftliches Prestige genossen. Dabei wird analysiert, wie diese Schicht innerhalb der römischen Sozialstruktur einzuordnen ist und ob man bei ihnen von einer Art "Mittelstand" sprechen kann.

  • Soziale Mobilität und Barrieren für Freigelassene im Römischen Reich
  • Die Rolle der seviri Augustales in den städtischen Gemeinschaften
  • Literarische und zeitgenössische Wahrnehmung der "neureichen" Aufsteiger (am Beispiel Trimalchio und Pallas)
  • Methodische Problematik der Schichtenmodelle in der römischen Sozialgeschichte

Auszug aus dem Buch

Trimalchio und Pallas – Über das Ansehen reicher Freigelassener beim freigeborenen Part der Gesellschaft

Obwohl viele blühende Städte der ersten zwei Jahrhunderte der römischen Kaiserzeit ihren wirtschaftlichen Reichtum zu einem nicht unwesentlichen Teil den Spenden und Stiftungen der zu Geld gekommenen Freigelassenen zu verdanken hatten, war das gesellschaftliche Ansehen dieser Gesellschaftsschicht wie schon gesagt gering.

Wie die Mitglieder der Reichsaristokratie, die Leute also, die in Besitz von honos waren, die neureichen Emporkömmlinge wahrgenommen haben, zeigt uns das Kernstück von Petrons Werk Satyrica, der einzigen literarischen Quelle, die sich diesem Thema widmet.

C. oder T. Petronius Arbiter war Suffektkonsul im Jahre 62 n. Chr. und ein hoher Beamter am Hof Neros und wurde von diesem im Jahre 66 n. Chr. wegen angeblicher Beteiligung an einer Verschwörung zum Selbstmord gezwungen. Petron ist vor allem deswegen ein bemerkenswerter Autor, weil er der erste ist, der den Alltag verschiedener Gesellschaftsschichten ohne Stilisierung wiedergibt und seine Charaktere alle ihre eigene Umgangssprache sprechen läßt (zwar aus keinem anderen Grund, als sie der Lächerlichkeit preiszugeben, aber das schmälert den historischen Wert des Werkes nicht im geringsten).

Zusammenfassung der Kapitel

Freigelassene – Allgemeine Einleitung: Dieses Kapitel definiert die rechtliche und soziale Situation von Freigelassenen im Römischen Reich und erläutert ihren Aufstiegsweg sowie ihre Organisation in den seviri Augustales.

Trimalchio und Pallas – Über das Ansehen reicher Freigelassener beim freigeborenen Part der Gesellschaft: Anhand literarischer Quellen wie Petrons Satyrica und historischen Belegen zu Pallas wird die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Reichtum und fehlendem sozialen Prestige bei Aufsteigern aufgezeigt.

Zur Frage nach der sozialen Stellung der reichen Freigelassenen in der römischen Gesellschaft: Die Arbeit diskutiert kritisch moderne soziologische Schichtenmodelle und hinterfragt die Existenz eines römischen Mittelstands im Kontext der starren rechtlichen Strukturen der Antike.

Schlüsselwörter

Freigelassene, Römische Gesellschaft, Sozialprestige, Seviri Augustales, Trimalchio, Pallas, Soziale Mobilität, Honos, Oberschicht, Unterschicht, Historische Sozialstruktur, Antike, Kaiserzeit, Romanum Imperium, Parvenus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Stellung reicher Freigelassener im Römischen Reich und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen materiellem Reichtum und mangelndem sozialen Status.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die rechtlichen Barrieren für ehemalige Sklaven, die Rolle der Augustalen-Körperschaften und die zeitgenössische Wahrnehmung der "neureichen" Aufsteiger durch die aristokratischen Eliten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Einordnung reicher Freigelassener in die römische Sozialstruktur zu klären und zu prüfen, ob die historische Kategorie eines "Mittelstands" auf diese Gruppe anwendbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine sozialgeschichtliche Analyse, indem sie literarische Texte (Petron), Grabinschriften (Trimalchio/Pallas) und die moderne Forschungsliteratur (Alföldy, Vittinghoff, Abramenko) vergleichend auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Bild des "Parvenus" in der römischen Literatur, das Leben bedeutender Freigelassener wie Pallas sowie die Problematik vertikaler Schichtenmodelle in der antiken Geschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Freigelassene, soziale Mobilität, seviri Augustales, honos, römische Gesellschaft und sozioökonomische Stratifizierung.

Warum wird Trimalchio im Text als Paradebeispiel für den römischen Parvenu angeführt?

Trimalchio dient als literarischer Typus, bei dem sich ungeheurer Reichtum mit fehlender Bildung und mangelndem Geschmack paart, was ihn trotz seines Geldes zum Ziel von Spott und Verachtung durch die freigeborene Elite macht.

Welche Kritik äußert die Autorin an modernen Schichtenmodellen für die römische Antike?

Die Autorin schließt sich der Kritik Vittinghoffs an, dass moderne Begriffe wie "Mittelschicht" oder "Schichtung" die rechtlich und politisch fixierte Ungleichheit der römischen Wirklichkeit nicht adäquat abbilden können.

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Details

Title
Reiche Freigelassene - Ansehen und Stellung in der römischen Gesellschaft
College
University of Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte)
Course
Mittelseminar: Städtische Eliten im Imperium Romanum Imperium Romanum
Grade
1,0
Author
Antje König (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V20239
ISBN (eBook)
9783638241748
Language
German
Tags
Reiche Freigelassene Ansehen Stellung Gesellschaft Mittelseminar Städtische Eliten Imperium Romanum Imperium Romanum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antje König (Author), 2003, Reiche Freigelassene - Ansehen und Stellung in der römischen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20239
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