Die Rolle des Gaius Marius im Jahr 100 v. Chr.


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,0

Katharina Berlind (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Der politische Aufstieg des Gaius Marius

III Die römische Innenpolitik vor der Jahrhundertwende – ein Überblick

IV Das Jahr 100 v. Chr. – Marius’ politisches Scheitern

V Kurzer Ausblick auf die Jahre nach der Krise

VI Schlusswort

VII Quellen- und Literaturverzeichnis

I Einleitung

Gaius Marius (158 – 86 v. Chr.) gilt als eine der interessantesten Persönlichkeiten der römischen Republik. Als Sohn einer Ritter-Familie auf dem Land geboren, arbeitete sich der nach Prestige hungernde homo novus Sprosse für Sprosse die römische Karriereleiter hoch.[1] Dabei schreckte er weder davor zurück, seinem Förderer Metellus im Wahlkampf und auf dem Kampffeld die Treue zu brechen (Kapitel II), noch hatte er Skrupel, Wahlstimmen zu kaufen. Zwar war das zweite Vorgehen keine seltene Praxis in Rom, der Treuebruch missachtete jedoch die ungeschriebene Grundregel, dem politischen Zieh-Vater gegenüber loyal zu sein.

Quästor, Volkstribun, fünfmaliger Konsul – Gaius Marius blickte 101 v. Chr. auf eine große Karriere zurück. Wie kam es ein Jahr später dazu, dass sein politisches Leben ein vorläufiges Ende nahm? Wieso verspielte er sein Ansehen bei den Popularen und den Optimaten? Weshalb verriet er seine politischen Verbündeten? Im Rahmen der Hausarbeit möchte ich versuchen, auf diese Fragen plausible Antworten zu finden. Zum Verständnis von Marius’ Charakter skizziere ich kurz seinen Lebensweg (Kapitel II), beleuchte dann die politische Situation von 107 bis 101 v. Chr. (Kapitel III), lege meinen Fokus anschließend auf das Jahr 100 (Kapitel IV) und gebe letztlich einen – wenn aus Platzgründen auch nur kurzen – Ausblick auf die Zeit nach Saturninus’ Tod (Kapitel V). Dabei liegt der Hauptaugenmerk stets auf Gaius Marius.

Meine Ergebnisse im Schlüsselkapitel IV stützen sich im wesentlichen auf Ernst Badian’s erhellenden Aufsatz The Death of Saturninus[2] . Dieser bietet überzeugende Argumente gegen die traditionelle Forschungsmeinung (die z.B. Karl Christ vertritt), dass es Marius’ Ziel war, das Ansehen der Nobilität zu gewinnen und dass ihn die gewaltsamen Methoden seiner politischen Freunde Saturninus und Glaucia abschreckten. Badian legt dar, dass Marius die amicitia vielmehr auflöste, da er sich von den beiden zunehmend bedroht fühlte und sie als Konkurrenten ansah.

Als Quellen verwende ich vor allem Appians „Die Bürgerkriege“ sowie Plutarchs Marius’ Biographie – bemühe mich aber um eine stetige Quellenkritik und einen Abgleich mit weiteren antiken Geschichtsschreibern.

Obwohl Marius’ Rolle in den Ereignissen von 100 v. Chr. von der Forschung bereits vielfach diskutiert wurde, sind mögliche Antworten und Erklärungsversuche stets nur Hypothesen. Sie können nur Hypothesen sein, da die antiken Geschichtsschreiber in ihren Berichten über die Ereignisse stark divergieren oder sehr subjektiv, stellenweise sehr feindlich über Marius urteilen. Auch meine Aufgabe kann deshalb nur sein, besonders plausible Hypothesen aufzustellen.

II Der politische Aufstieg des Gaius Marius

Gaius Marius betrat 119 v. Chr. die Bühne der römischen Politik. In diesem Jahr hatte er das Amt eines Volkstribuns inne – für den homo novus eine wichtige Stufe auf der römischen Karriereleiter. Dabei kamen Marius weder Herkunft noch Name (er hatte kein cognomen) zupass. Er stammte zwar aus einer vermögenden Familie, diese zählte aber nur zum Ritterstand, war also nicht von Adel. Sie gehörte „zur lokalen Führungsschicht in der Stadt Arpinum“, die etwa 100 Kilometer von Rom entfernt lag.[3] Keiner seiner Vorfahren war je Konsul oder Senator gewesen – Gaius Marius verdankte seine politischen Chancen zumindest in den Anfangsjahren einem anderen Faktor: der Unterstützung von Seiten der Metelli, einer einflussreichen, geradezu die politische Szene dominierenden adligen Familie.[4] Dass Angehörige der Nobilität junge, viel versprechende junge Männer vom Land protegierten und förderten, war in Rom gängige Praxis.[5] Vielleicht unterstützten die Metelli Gaius Marius bereits bei seinem Militäreinsatz unter Scipio Aemilianus vor Numantia (134 – 133 v. Chr.)[6] , jedoch sicherlich bei seiner Wahl zum Volkstribun – im selben Jahr, in dem Quintus Caecilius Metellus jedoch selbst Konsul war. Altruistisch agierte Metellus also nicht – er hoffte wohl vielmehr, das Volkstribunat kontrollieren zu können, indem er es mit einem Zögling besetzte.[7] Es war nämlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Nachwuchstalent, das in den Genuss einer solchen Förderung (contubernium) wie Marius gekommen war, seinem Förderer die Treue hielt. Marius beachtete diese römische Spielregel jedoch nicht und zeigte wenig Obrigkeitstreue. Als Volkstribun brachte er zwei Gesetzesanträge ein, die der Aristokratie missfielen.[8] Marius’ Karriere geriet daraufhin ins Stocken, er musste bei weiteren Ämterbewerbungen Rückschläge hinnehmen, die „eine nur allzu deutliche Quittung für diese sehr forschen Alleingänge des politischen Newcomers“[9] waren. Außenpolitische Gefahren boten Marius jedoch die Chance, sich zu profilieren. Der Krieg gegen den aufständischen Numiderkönig Jugurtha forderte politischen Zusammenhalt. Die Metelli versöhnten sich mit dem untreuen Schützling, Gaius Marius diente von 108 an als Metellus’ Legat in Afrika.[10] Doch wiederum kam es zu einem Zwist.

Marius hatte große Pläne, „schon während des Feldzugs bereitete er […] durch zielstrebige Aktivitäten seine Kandidatur für den Konsulat vor“[11] – und agierte dabei auch gegen seinen Vorgesetzten.[12] Doch der homo novus erreichte schließlich, was er angestrebt hatte: 107 v. Chr. wurde er zum Konsul gewählt. Metellus verlor den Oberbefehl über den Jugurthinischen Krieg an Marius. Sallust beschreibt in seinem Werk „Bellum Iugurthinum“ Metellus’ Reaktion auf den Verrat wie folgt:

Uns ist hinreichend bekannt, dass ihn mehr die Ehrung des Marius schmerzte als die ihm zugefügte Kränkung und dass er nicht so schwer daran getragen hätte, wenn die ihm weggenommene Provinz einem anderen als Marius übertragen worden wäre.[13]

Für Metellus muss die Tatsache, dass diese „Ehrung“ zu seinem politischen Schaden war, besonders bitter gewesen sein – hatte er doch denjenigen, der seiner Karriere ein vorläufiges Ende setzte, politisch aufgebaut. Marius’ Lebensweg erreichte dagegen weitere Höhepunkte. Von 104 bis 100 v. Chr. war er jedes Jahr Konsul. Er setzte der Gefahr, die seit 113 von wandernden Germanenstämmen ausging, ein Ende, indem er 102 die Teutonen und 101 die Kimbern besiegte.[14] Damit stand Gaius Marius 100 v. Chr. im Zenit seines gesellschaftlichen Ansehens. Er, der homo novus vom Land, hatte fünf Mal das Amt des Konsuls bekleidet und – wenn auch mit unlauteren und aggressiven Methoden wie Rufmord an Metellus – gezeigt, dass eine niedere Geburt kein unbezwingbares Hemmnis sein musste. Dennoch strebte Gaius Marius nach weiteren Ämtern, an einem Status als elder statesman hatte er kein Interesse.[15] Marius, immerhin schon kurz vor dem 60. Lebensjahr, zog sich also nicht aus der römischen Politik zurück, sondern spielte in den Ereignissen im Jahre 100 v. Chr. eine entscheidende Rolle. Um diese klären und einordnen zu können, muss ein Rückblick auf die Innenpolitik der Jahre 107 bis 101 v. Chr. geworfen werden.

III Die römische Innenpolitik vor der Jahrhundertwende – ein Überblick

Die Jahre 107 bis 101 v. Chr. waren von politischen Spannungen gekennzeichnet, die einerseits aus außenpolitischen Konflikten (Zwist mit Jugurtha, Germanenkriege), andererseits aus Machtkämpfen zwischen Ritterstand und Oberschicht, d.h. zwischen Volkstribunat und Senat, resultierten. Anlass der Auseinandersetzungen war zum Beispiel die Frage, wer das Monopol auf die Geschworenenbänke erhalten sollte.[16] Der Konsul des Jahres 106, Quintus Servilius Caepio, entzog dem Ritterstand dieses Vorrecht, verlor aber ein Jahr später seinen politischen Einfluss. Er hatte die katastrophale Niederlage gegen die Kimbern und Teutonen (Schlacht von Arausio) mitverschuldet. Diese Schmach nutzten die Volkstribune, um ein Gesetz zu verabschieden, das die Senatsmitglieder unter Druck setzte. Caepio war dessen erstes Opfer: Er verlor seine Amtsgewalt, sein imperium,[17] und wurde aus dem Senat gestoßen. Außenpolitische Fehler stellten die Überhöhung der Nobilität im politischen System in Frage und führten zu ihrer Antastbarkeit. Linke beschreibt diese Veränderungen so:

Ihr gesellschaftlicher Führungsanspruch [der der Nobilität] wurde nicht mehr als absolut selbstverständlich angesehen, sondern unterlag einer zunehmenden Bewertung durch die Bilanzierung der realen Leistungen. Diese entstehende kritische Distanz zwischen Volk und Oberschicht bildete für ehrgeizige Volkstribune eine hervorragende Chance, ihrem Amt […] eine eigenständige Qualität zu verleihen.[18]

Ein solch ehrgeiziger Politiker, der die Gunst der Stunde zu nutzen verstand, war Lucius Appuleius Saturninus. Er bekleidete zwischen 103 und 100 v. Chr. das Volkstribunat. 103 agierte er populistisch, indem er ein Gesetz einbrachte, das den Getreidepreis durch staatliche Subventionen senken und ihm den Zuspruch der Stadtbevölkerung sichern sollte. Dieses Vorhaben stieß auf so heftigen Widerstand, dass der amtierende Konsul Quintus Caepio mit Anhängern aufgebracht die Abstimmungsvorrichtungen zerstörte.[19] Daraufhin verschärfte sich der Konflikt. Saturninus brachte ein weiteres Instrument ein, das die Senatoren einschüchtern sollte: die lex de maiestate. Wer von nun an die „Majestät“ des römischen Volkes minderte, musste mit einer Strafe rechnen.

[...]


[1] Vgl. Linke, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, Darmstadt 2005, Seite 69.

[2] Badian, Ernst: Death of Saturninus, Chiron 14, 1984, Seite 101 – 147.

[3] Linke, Gracchen, 69

[4] Vgl. Linke, Gracchen, 64

[5] Vgl. Badian, Ernst: Marius and the Nobles, Durham University Journal, March 1964, Seite 142 – 154, hier Seite 142, 143. Ein weiteres prominentes Beispiel für einen geförderten Nachwuchspolitiker ist Marcus Tullius Cicero.

[6] Vgl. Linke, Gracchen, 69

[7] Vgl. Badian, Nobles, 145

[8] Vgl. Werner, Volker: Quantum Bello Optimus, Tantum Pace Pessimus. Studien zum Mariusbild in der antiken Geschichtsschreibung, Bonn 1995, Seite 242 – 243.

[9] Werner, Mariusbild, 243

[10] Vgl. Linke, Gracchen, 69

[11] Linke, Gracchen, 69

[12] Marius’ Biograph Plutarch sieht dieses Verhalten gegenüber seinem Vorgesetzten kritisch: […] er [Marius] dachte nicht daran, nur des Metellus Ruhm zu mehren und sich, wie die anderen, für ihn einzusetzen. Marius’ Verhalten gegenüber seinen Soldaten wird dagegen sehr positiv bewertet. (Plut. Mar. 7)

[13] Sal. bel. Jug. 82, 3: nobis satis cognitum est illum magis honore Mari quam iniuria sua excruciatum, neque tam anxie laturum fuisse, si adempta provincia alii quam Mario traderetur.

[14] Vgl. Linke, Gracchen, 74. Plutarch schreibt: Doch Neid, Hass und Verleumdungen gegen Marius zerstoben im Nu, als von Westen her eine neue Gefahr drohend vor Italien emporstieg. (Plut. Mar. 11)

[15] Vgl. Linke, Gracchen, 74

[16] Vgl. Linke, Gracchen, 76

[17] Vgl. Linke, Gracchen, 2

[18] Linke, Gracchen, 77

[19] Vgl. Linke, Gracchen, 79

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Gaius Marius im Jahr 100 v. Chr.
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V202414
ISBN (eBook)
9783656286400
ISBN (Buch)
9783656288114
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, gaius, marius, jahr
Arbeit zitieren
Katharina Berlind (Autor), 2008, Die Rolle des Gaius Marius im Jahr 100 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202414

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