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Der Diskurs um die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit und zur Jahrtausendwende

Titre: Der Diskurs um die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit und zur Jahrtausendwende

Dossier / Travail de Séminaire , 2011 , 29 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Sarah Merrett (Auteur)

Philologie Allemande - Divers
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Die Kultur eines jeden Landes ist durch seine verschiedenen Diskurse geprägt. So offenbart auch der Deutschlanddiskurs vieles über die Eigenschaften der deutschen Kultur: Welche Themen werden in diesen Diskursen behandelt, von wem werden sie wie, wann und warum diskutiert? All diese Fragen lassen sich für jede Kultur individuell beantworten. Hiermit wird deutlich, dass sich jede Kultur durch ihr spezielles Repertoire an Diskursen von anderen Kulturen unterscheidet.
Die Themen, die in den jeweiligen Diskursen behandelt werden, können sich gegenseitig bedingen und ein Themengeflecht bilden. Auch wenn jede Zeitperiode durch die Abhandlung gewisser Themen gekennzeichnet ist, können manche Diskurse auch zeitlos sein bzw. wiederholt aufgegriffen werden. So kommt es, dass manche Diskurse sich über mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg erstrecken.
Ein Beispiel hierfür stellt die nach Kriegsende immer wieder diskutierte Frage nach dem Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus dar. In diesem Zusammenhang standen nicht nur die Frage nach der Schuld und Verantwortung für all das Leiden im Zentrum des Diskurses, sondern – vor dem Hintergrund der Geschehnisse des 2. Weltkrieges – auch die Frage nach der zukünftigen Verantwortung Deutschlands. Selbst in jüngster Zeit noch, nachdem mehrere Jahrzehnte vergangen sind, bestehen noch Uneinigkeiten bezügl. des Selbstverständnisses Deutschlands sowohl sich selbst, als auch der Welt gegenüber: Sollte sich Deutschland bspw. an Kriegen beteiligen, um weitere Schrecken wie das des Holocausts zu verhindern, oder überwiegen doch noch die Schuldgefühle für die nationalsozialistischen Schandtaten, sodass jegliche Art der Intervention gemieden werden sollte, um der Gefahr zu entgehen, denselben Fehler erneut zu begehen? Und wie sieht die Rolle Deutschlands hinsichtlich seiner Geschichte auf innenpolitischer Ebene aus? Wie lautet das Selbstverständnis Deutschlands, welche Werte sollten vertreten werden? Können wir von einer deutschen Leitkultur sprechen oder nähern wir uns damit wieder nationalistischem Gedankengut?
Der Diskurs über die Schuldfrage bezüglich der Nazi-Verbrechen hat also offenbar im Laufe der letzten 65 Jahre einen großen Wandel durchlaufen, doch bis heute scheint er nicht abgeschlossen zu sein. In der folgenden Arbeit werde ich anhand von Text-Beispielen untersuchen, inwiefern sich der Blick auf die Schuldfragenthematik über 50 Jahre hinweg (von der Nachkriegszeit bis zur Jahrtausendwende) geändert hat.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Deutschlanddiskurs

2.1 Der „Diskurs“ – Versuch einer Begriffsbestimmung

2.2 Der Deutschlanddiskurs im Fachkontext der Interkulturellen Germanistik

2.3 Der Deutschlanddiskurs in der Zeit von 1945-2005

3. Analyse ausgewählter Texte zum Deutschlanddiskurs in den Jahren 1945-2005

3.1 Der Diskurs über die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit

3.1.1 Kurt Schumacher: Konsequenzen deutscher Politik (1945)

3.1.2 Konrad Adenauer: Grundsatzrede (1946)

3.2 Das Selbstverständnis Deutschlands gegenüber sich selbst und der Welt zur Jahrtausendwende im Hinblick auf die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges

3.2.1 Joschka Fischers Rede zum Nato-Einsatz im Kosovo (1999)

3.2.2 Friedrich Merz' Artikel „Einwanderung und Identität“ (2000)

3.3 Thematischer Zusammenhang der ausgewählten Texte

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Deutschlanddiskurses über einen Zeitraum von 65 Jahren, mit einem speziellen Fokus auf die Thematisierung der Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter politischer Reden und Artikel aufzuzeigen, wie sich der Diskurs von einer expliziten Auseinandersetzung mit individueller oder kollektiver Schuld in der unmittelbaren Nachkriegszeit hin zu einer impliziten, in andere politische Themenfelder eingebetteten Debatte zur Jahrtausendwende entwickelt hat.

  • Strukturelle Untersuchung des Diskursbegriffs im Kontext der Interkulturellen Germanistik.
  • Kontrastive Analyse von Texten aus der direkten Nachkriegszeit (Schumacher, Adenauer).
  • Untersuchung aktueller Diskurse zur Jahrtausendwende (Fischer, Merz).
  • Identifikation der Verschiebung von expliziter Schuldfrage zu impliziter Verantwortungsdebatte.
  • Einordnung des Deutschlanddiskurses in den breiteren wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Kurt Schumacher: Konsequenzen deutscher Politik (1945)

Kurt Schumacher wurde im Jahre 1895 in Culm (Westpreußen) geboren. 1914 zog er als Soldat in den Ersten Weltkrieg, musste aber diesen Kriegsdienst schon nach 4 Monaten beenden, als er wegen des Verlusts seines rechten Arms Kriegsinvalide wurde. Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus veränderte daraufhin seine Einstellung zum Krieg, sodass er sich binnen kürzester Zeit zum bedingungslosen Kriegsgegner entwickelte. 1930 wurde Schumacher als SPD-Mitglied in den Reichstag gewählt, wo er sich zwei Jahre später wegen seiner Kritik an den Nationalsozialisten bei diesen unbeliebt machte. Dies trug Konsequenzen mit sich: Jahrelang, bis er schließlich 1943 entlassen wurde, wurde Schumacher in Konzentrationslagern inhaftiert. Kurz nach Kriegsende, im August 1945, wandte sich der Sozialdemokrat in seinem Aufruf, „mit dem das Büro Schumacher [...] der Partei ihre erste programmatische Plattform für die westlichen Besatzungszonen gab“, u.a. der Frage zu, wer für die Verbrechen des Nationalsozialismus verantwortlich sei. Ein Einblick in einen Ausschnitt dieser Rede, „Konsequenzen deutscher Politik“, soll aufzeigen, welche Position Schumacher im Hinblick auf die Kriegsschuldfrage vertrat.

Der untersuchte Ausschnitt beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Schumacher sieht die Deutschen jetzt, kurz nach Kriegsende, in der schwersten Zeit ihrer Geschichte und vergleicht die Hoffnungslosigkeit der aktuellen Lage Deutschlands mit der Situation nach dem Dreißigjährigen Krieg. Gleich im Anschluss daran benennt er die Hauptschuldigen an dieser miserablen Lage, nämlich all diejenigen, die „sich in die Sackgasse des Nazismus, des Nationalsozialismus und Militarismus verrannt haben“. Dabei sieht er nicht nur jene als schuldig an, die aktiv an den schrecklichen Verbrechen beteiligt waren. Auch prangert er jene an, „die sich durch ihre Passivität und ihren Diktaturglauben mitschuldig gemacht haben“. Weiterhin wird kritisiert, dass die meisten Nazis stur und hartnäckig bleiben und keine Einsicht, Scham oder Reue zeigen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Diskursen für die deutsche Kultur ein und skizziert die Forschungsfrage nach dem Wandel des Umgangs mit der Schuldfrage seit 1945.

2. Der Deutschlanddiskurs: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des Diskursbegriffs und verankert den Deutschlanddiskurs innerhalb der Interkulturellen Germanistik sowie im historischen Kontext.

3. Analyse ausgewählter Texte zum Deutschlanddiskurs in den Jahren 1945-2005: Der Hauptteil analysiert vier ausgewählte Texte, um die Verschiebung der Schuldthematik von einer expliziten, moralischen Debatte hin zu einer impliziten, politisch-pragmatischen Einordnung aufzuzeigen.

4. Fazit: Das Fazit resümiert die wesentlichen Ergebnisse der Analyse und bestätigt den Wandel des Deutschlanddiskurses in Bezug auf die Schuldfrage über die vergangenen 65 Jahre.

Schlüsselwörter

Deutschlanddiskurs, Schuldfrage, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Interkulturelle Germanistik, Kollektivschuld, Kulturbegriff, Identität, Leitkultur, Erinnerungskultur, politischer Diskurs, Nachkriegszeit, Jahrtausendwende, Diskursanalyse, Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Wandel der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in Deutschland zwischen 1945 und 2005.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das deutsche Selbstverständnis, der Diskurs um Schuld und Verantwortung im Kontext des Nationalsozialismus sowie deren Veränderung über verschiedene Jahrzehnte hinweg.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, mittels der Untersuchung ausgewählter Reden und Artikel aufzuzeigen, wie sich die Schuldthematik von einer zentralen, expliziten Fragestellung der Nachkriegszeit zu einem impliziten Aspekt modernerer politischer Diskurse gewandelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?

Es wird eine diskursanalytische Methode angewandt, bei der ausgewählte Texte als Teil eines Korpus untersucht werden, um die Art und Weise der Thematisierung von Schuld in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten zu verdeutlichen.

Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?

Im Hauptteil werden Reden von Kurt Schumacher und Konrad Adenauer der Nachkriegszeit aktuellen Texten von Joschka Fischer und Friedrich Merz gegenübergestellt, um den Wandel der Debatte zu belegen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Deutschlanddiskurs, Schuldfrage, kollektive vs. individuelle Schuld, Leitkultur, Identitätsbildung und der Wandel der Erinnerungskultur.

Inwiefern unterscheidet sich die Argumentation Schumachers von der Adenauers?

Während Schumacher vor allem eine Mitschuld auch bei den passiven Teilen der Bevölkerung und den Nationalsozialisten sieht, betont Adenauer die individuelle Mitschuld und kritisiert zudem die moralische Haltung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen vor der Machtübernahme der Nazis.

Wie verändert sich der Fokus in Joschka Fischers Rede von 1999?

Fischer argumentiert vor dem Hintergrund des Kosovo-Krieges und versucht, eine militärische Intervention als Konsequenz aus der deutschen NS-Vergangenheit moralisch zu legitimieren, um Völkermord zu verhindern.

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Résumé des informations

Titre
Der Diskurs um die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit und zur Jahrtausendwende
Université
University of Bayreuth
Cours
Interkulturelle Germanistik
Note
1,0
Auteur
Sarah Merrett (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
29
N° de catalogue
V202441
ISBN (ebook)
9783656285816
ISBN (Livre)
9783656286004
Langue
allemand
mots-clé
diskurs schuldfrage zweiten weltkrieges nachkriegszeit jahrtausendwende
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sarah Merrett (Auteur), 2011, Der Diskurs um die Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit und zur Jahrtausendwende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202441
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Extrait de  29  pages
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