The Politics of the Belly – Die Politik des Bauches: diese Metapher stammt von dem französischen Afrikaforscher Jean Francois Bayart und beschreibt die Korruption und Bestechlichkeit als Wesensmerkmale
des modernen Staates in Afrika (siehe 5). Doch kann man ein solches Gebilde, das von Bestechung und Bestechlichkeit geprägt ist, überhaupt noch Staat nennen? Und trifft dies auch auf Somalia zu oder ist das dortige Gewaltmonopol sogar in einem größerem Ausmaß erodiert? Eben diese Fragen möchte ich in meiner Arbeit unter dem Aspekt der Entstehung des Staatszerfalls in Somalia näher behandeln. Dabei werde ich zunächst einmal einen groben Überblick über die Aufgaben eines Staates im Allgemeinen geben und dann detaillierter auf die drei verschiedenen Formen der prekären Staatlichkeit eingehen. Ich werde mich jedoch hauptsächlich auf die in Somalia vorkommende Form des prekären Staates – den Staatszerfall –
konzentrieren und dessen Merkmale und Ursachen erörtern. Zudem möchte ich die Auswirkungen dieses Phänomens aufzeigen. Bevor ich dann auf das Fallbeispiel Somalia im Einzelnen näher eingehe, möchte ich
noch einen groben Überblick über die Vorkommen prekärer Staaten geben und unter anderem Somalias Position im globalen Zusammenhang der prekären Staaten nennen. Im dritten und letzten Teil dieser Arbeit soll es, wie bereits erwähnt, um das Land Somalia gehen. Zunächst
werde ich generelle Informationen über die geographischen Merkmale des Landes geben, bevor ich dann auf den Kern der Arbeit, den Staatszerfall in Somalia, zu sprechen komme. Dabei werde ich die Geschichte Somalias in vier chronologische Abschnitte unterteilen: Somalia während der Kolonialzeit, Somalia seit seiner Unabhängigkeit 1960, Somalia unter der Herrschaft von Siad Barre und Somalia nach dem Sturz Barres und ersten Interventionen durch die UNO in den 90er Jahren. Zum Schluss möchte ich dann noch die Zukunftsperspektiven erläutern, in dem ich die aktuelle Situation heranziehe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Staatszerfall
2.1 Der Staat - Aufgaben und Charakteristika
2.2 Politische Herrschaftsformen in Afrika
2.3 Phänomene der prekären Staatlichkeit
2.3.1 Staatsversagen
2.3.2 Staatsverfall
2.3.3 Staatszerfall
2.4 Ursachen von Staatszerfall
2.5 Auswirkungen von Staatszerfall
2.6 Bedeutung von Staatszerfall im globalen Kontext
2.7 Von prekärer Staatlichkeit betroffene Länder
2.8 The Failed States Index
3. Staatszerfall in Somalia
3.1 Geographie Somalias
3.2 Geschichte Somalias
3.2.1 Koloniales Somalia
3.2.2 Somalia seit der Unabhängigkeit in 1960
3.2.3 Somalia unter der Herrschaft Siad Barres
3.2.4 Die Ära nach Barre
3.2.4.1 Die humanitäre Intervention
3.2.4.2 Somalia nach der Intervention - ein hoffnungsloser Fall?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen des Staatszerfalls unter besonderer Berücksichtigung Somalias, um die Ursachen, Erscheinungsformen und globalen Auswirkungen dieses Prozesses zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen von Staatlichkeit und Staatszerfall
- Differenzierung zwischen Staatsversagen, Staatsverfall und Staatszerfall
- Analyse der historischen Entwicklung Somalias von der Kolonialzeit bis zur Ära nach Siad Barre
- Evaluierung der Auswirkungen internationaler Interventionen im somalischen Kontext
- Diskussion politischer Herrschaftsformen und ihrer Rolle bei der Erosion staatlicher Souveränität
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Staat – Aufgaben und Charakteristika
Der Staat stellt eine Institution dar, die bestimmte Aufgaben und Rechte besitzt, um in das Leben der Bürger regelnd und lenkend einzugreifen. Je nach politischer Auffassung sind diese Aufgaben und Rechte schwächer oder stärker ausgeprägt. Das Spektrum reicht hierbei von Minimalus anarcho-libertärer Ansätze, in denen sich der Staat allenfalls auf eine Staatenrolle zurückzuziehen hat (Nachtwächterstaat) und lediglich Leben und Eigentum seiner Bürger schützen soll, bis hin zu staatssozialistischen Vorstellungen, nach denen der Zentralstaat als gesellschaftlicher Regisseur in fast allen sozialen Lebenssituationen planend, verwaltend und versorgend eingreift (Schneider 1999: 18).
Die geläufigste Definition eines Staates in den Sozialwissenschaften ist die von dem Juristen, Soziökonomen und Soziologen Max Weber. Seinen Ausführungen des Werkes „Wirtschaft und Gesellschaft“ (1980) ist zu entnehmen, dass der Staat als öffentliche Machtausübung durch ein Gewaltmonopol definiert werden kann. Diese Definition ist auch heute noch gängig unter den Soziologen. Laut Konvention von Montevideo, die am 26. Dezember 1933 sowohl die Definition als auch die Rechte und Pflichten der staatlichen Souveränität festlegte, weist ein Staat folgende Eigenschaften auf:
1.) ein Staatsvolk, d.h. eine mehr oder weniger stabile Bevölkerung
2.) ein Staatsgebiet bzw. ein Territorium mit klaren Grenzen
3.) eine durch eine Regierung ausgeübte Staatsgewalt
4.) „die Fähigkeit, mit anderen politischen Staaten in Kontakt zu treten, d.h. ein Völkerrechtssubjekt zu sein“ (siehe 6).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Staatszerfalls ein und erläutert die Relevanz des Fallbeispiels Somalia im Kontext prekärer Staatlichkeit.
2. Staatszerfall: Dieses Kapitel definiert den Staat, klassifiziert unterschiedliche Formen der prekären Staatlichkeit und beleuchtet die Ursachen sowie globalen Folgen des Staatszerfalls.
3. Staatszerfall in Somalia: Hier wird die historische und geographische Entwicklung Somalias analysiert, wobei besonders die Auswirkungen der Kolonialzeit, der Herrschaft von Siad Barre und internationaler Interventionen hervorgehoben werden.
4. Fazit: Das Fazit resümiert den Prozess des Staatszerfalls in Somalia und blickt auf die Bemühungen zur Wiedererrichtung einer funktionsfähigen staatlichen Ordnung.
Schlüsselwörter
Staatszerfall, Somalia, Staatlichkeit, Staatsversagen, Gewaltmonopol, Siad Barre, Intervention, Nationalstaat, Souveränität, Failed States Index, Clan-Politik, Post-Konflikt, politische Geographie, Afrika, Machtverfall.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Analyse des Phänomens "Staatszerfall", wobei die theoretischen Konzepte auf die spezifische Situation in Somalia angewendet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Definition von Staatlichkeit, die Ursachen und Auswirkungen des Staatszerfalls sowie die komplexe Historie Somalias vom Kolonialismus bis in die Gegenwart.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entstehung des Staatszerfalls in Somalia unter Berücksichtigung historischer und politischer Rahmenbedingungen nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die politische Theorien (z.B. von Max Weber oder Gero Erdmann) mit empirischen Daten zu Somalia verknüpft.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der prekären Staatlichkeit sowie eine chronologische Aufarbeitung der somalischen Geschichte und ihrer Auswirkungen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?
Begriffe wie Gewaltmonopol, Souveränität, Clan-Strukturen und der "Failed States Index" bilden den Kern der Analyse.
Welche Rolle spielte die UNO bei der Entwicklung in Somalia?
Die Arbeit analysiert die humanitäre Intervention der UNO und deren Auswirkungen auf die Friedensbemühungen und die Stabilität des Landes.
Wie beeinflusste Siad Barre die staatliche Souveränität Somalias?
Es wird untersucht, wie sein autoritäres Regime die staatlichen Strukturen langfristig schwächte und den späteren Zusammenbruch begünstigte.
Was ist mit der sogenannten "Apokalyptischen Trias" gemeint?
Dies ist ein von Gero Erdmann geprägter Begriff zur Einteilung von Phänomenen prekärer Staatlichkeit, der im theoretischen Teil der Arbeit erläutert wird.
Welche Aussichten sieht die Autorin für die Zukunft Somalias?
Das Fazit bewertet die Bemühungen um eine neue Nationalversammlung kritisch und beleuchtet die Hoffnung auf einen wiedererrichteten Zentralstaat.
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- Sarah Merrett (Author), 2006, Staatszerfall (mit Fokus auf Somalia), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202442