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Die Memoria der Essener Äbtissin Theophanu

Title: Die Memoria der Essener Äbtissin Theophanu

Term Paper , 2012 , 19 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Romina Zeller (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Das Leben eines Menschen im Mittelalter endete nicht mit dem Tod, im Gegenteil, es begann eigentlich erst mit dem Tag seines Ablebens. Mit der Erwartung an das Jüngste Gericht, erhoffte man sich die Erlangung des ewigen Seelenheils und den Eintritt in das Paradies. Um den Eintritt nicht verwehrt zu bekommen, sollte das Gedächtnis des Toten erhalten bleiben und die irdischen Verfehlungen gesühnt werden. Es entstand eine „Gegenwart der Toten“. Die Memoria war also ein wichtiges Anliegen zu Lebzeiten für jeden im Mittelalter. Der Gedanke an einen selbst sollte erhalten bleiben und einen so als „Mitglied der Gemeinschaft“ festhalten.
Dieses wollte sich die Essener Äbtissin Theophanu auch erhalten. Sie stiftete zahlreiche Kunstgegenstände, war am Bau des Essener Münsters tätig und hinterließ uns sogar ein „Testament“ zur Sicherung ihrer Memoria. In der Forschung haben bis 2002 nicht nur die Essener Frauenkommunität, sondern auch die Äbtissin Theophanu wenig Beachtung gefunden. Die liegt zum großen Teil auch darin begründet, dass sehr wenige schriftliche Überlieferungen dafür vorhanden sind. Historiker wie Torsten Fremer und Thomas Schilp u.a. haben in der Vergangenheit jedoch zahlreiche Untersuchungen zur Verfassung und Lebenswelt in der Essener Frauenkommunität und ersterer auch zu Theophanu unternommen. Besondern die Memorialstiftungen Theophanus geben Auskunft über die Äbtissin. So wurden sie als Stifterin einiger Kunstwerke, Schreine und Bauwerke identifiziert und auch die Frage um die Bauherinnenschaft des Essener Westbaus wurde von endgültig geklärt. Denn nicht Theophanu, wie im Essener Kreuzgang vermerkt, sondern ihre Vorgängerin Mathilde war die Erbauerin dessen. Außerdem stellt Fremer die herausragende Rolle Theophanus für Frauengemeinschaft in Essen heraus. Seine umfangreiche Studie zu ihrer Person und ihren Stiftungen zeigen auf, welche Bedeutung sie für die Steigerung des Ruhms des Essener Stifts hatte.
In der folgenden Arbeit soll es ebenfalls um die Memoria der Theophanu gehen. Dazu soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich ein fester Plan hinter den Stiftungen Theophanus verbirgt und wie erfolgreich sie diesen durchführen konnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft der Essener Äbtissin Theophanu

3. Das Amt der Äbtissin

3.1. Theophanus Wirken im Amt der Äbtissin

4. Die Memoria der Äbtissin Theophanu

4.1. Das Testament der Theophanu

4.2. Die Stiftungen zu ihrem Seelenheil

4.3. Der Prachteinband des Theophanu – Evangeliars

5. Bedeutung der Heiligen auf dem Buchdeckel

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Wirken und die Memoria der Essener Äbtissin Theophanu. Ziel ist es, den geplanten Charakter hinter ihren zahlreichen Stiftungen und Bauten zu analysieren, um festzustellen, inwieweit sie ihr Ziel der Sicherung des eigenen Totengedenkens im Mittelalter erfolgreich verwirklichen konnte.

  • Mittelalterliche Memoria und Totengedenken
  • Herkunft und Status der Ezzonen-Familie
  • Amt der Äbtissin und politische Vernetzung
  • Stiftungspraxis als Instrument der Selbstdarstellung
  • Ikonographie und Heiligenverehrung auf dem Theophanu-Evangeliar

Auszug aus dem Buch

4.3. Der Prachteinband des Theophanus – Evangeliars

Eine des bedeuteten Stiftungen Theophanus ist der Buchdeckel, der das von ihr gestiftete Evangeliar umschließt. Wie schon erwähnt, machte sie Theophanu zum Zwecke ihrer Memoria zahlreiche Medien zum Nutzen. Auch hinter der Stiftung dieses Evangeliars liegt der memoriale Gedanke. Dies wird deutlich durch ihre Präsenz im Bildprogramm, wodurch sie heute noch erinnert wird. Dabei sollte das Evangeliar weniger gelesen, als gesehen werden.

Der Buchdeckel ist mit den wertvollsten Materialien verziert. Gold, Silber und Elfenbein bedeuteten im weltlichen Kontext „königlich[e] Repräsentation und Prachtentfaltung“. Im christlichen Kontext deuteten diese auf das Heiligste, Reinheit und Ewigkeit hin. „Die Darstellungen insgesamt lassen eine wohldurchdachte Komposition erkennen“. Der äußere Rahmen des Vorderdeckels ist eingeteilt in vier aufgespannte Trapezflächen, welche sich auf die Bildthematik im Zentrum beziehen. Dabei findet sich in der oberen Zone ein thronender nimbierter Christus, begleitet von zwei Engeln. Dieser thront auf einer halbrunden Schreibe, symbolisch für das Himmelreich stehend und ruht seine Füße auf einer halbrunden Scheibe, welche die Erde darstellt.

Seitlich befinden sich jeweils paarweise gegenüberliegend die Essener Stiftsheiligen Cosmas und Damian, sowie Apostelfürsten Paulus und Petrus. Im unteren Trapez wird die Dedikation des Evangeliars an die Essener Schutzpatronin Maria dargestellt. Diese hat den nimbierten Jesus auf ihrem Schoß und ist dem Betrachter direkt zugewandt. Theophanu selbst, zu erkennen an der Inschrift Theophanu abb(atiss)a, überreicht ihr dieses in Proskynese. Weiterhin befindet sich Theophanu in Begleitung der heiligen Frauen Pinnosa und Walburga (ebenfalls durch die Inschriften s(ancta) Pinnosa und s(ancta) VValdbvrg bezeugt). Diese halten die „demütig geöffneten Hände“ schützend über die Stifterin.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Konzept der Memoria im Mittelalter und die Forschungsgeschichte zu Äbtissin Theophanu.

2. Herkunft der Essener Äbtissin Theophanu: Beleuchtung der ezzonischen Abstammung und der engen politischen Verbindung zum ottonischen Königshaus.

3. Das Amt der Äbtissin: Erläuterung der rechtlichen und hierarchischen Rahmenbedingungen des Äbtissinnenamtes basierend auf der Institutio sanctimonalium.

3.1. Theophanus Wirken im Amt der Äbtissin: Analyse der Amtsführung Theophanus, ihrer Beziehungen zu Heinrich III. und ihrer Rolle bei der Marktentwicklung Essens.

4. Die Memoria der Äbtissin Theophanu: Untersuchung der Strategien zur Sicherung des Seelenheils durch kirchliche und soziale Gedenkstiftungen.

4.1. Das Testament der Theophanu: Interpretation des Testaments als Instrument der rituellen Memoria-Sicherung und des biblisch inspirierten Gedenkrhythmus.

4.2. Die Stiftungen zu ihrem Seelenheil: Katalogisierung der Stiftungen, darunter Kreuze, Reliquiare und Bauwerke, als mediale Erinnerungsträger.

4.3. Der Prachteinband des Theophanu – Evangeliars: Detailanalyse des künstlerischen Programms und der ikonographischen Bedeutung des Evangeliar-Einbandes.

5. Bedeutung der Heiligen auf dem Buchdeckel: Untersuchung der Auswahl spezifischer Heiliger zur Selbstdarstellung und als Schutzpatrone der Äbtissin.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Stiftungen als erfolgreiche Methode der Memoria-Sicherung über das Leben der Äbtissin hinaus.

Schlüsselwörter

Theophanu, Essener Stift, Memoria, Mittelalter, Äbtissin, Ezzonen, Stiftungstätigkeit, Totengedenken, Seelenheil, ottonische Kunst, Prachteinband, Heiligenverehrung, Heinrich III., Frauenkommunität, Evangeliar.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Person der Essener Äbtissin Theophanu im 11. Jahrhundert und ihrer gezielten Nutzung von Stiftungen zur Sicherung ihres persönlichen Totengedenkens (Memoria).

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der mittelalterlichen Memorialkultur, der politischen Herkunft aus dem Haus der Ezzonen sowie der kunsthistorischen Bedeutung ihrer Stiftungen für das Stift Essen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Die Autorin möchte herausfinden, ob hinter der regen Stiftungstätigkeit Theophanus ein systematischer Plan zur Sicherung ihrer Memoria stand und ob dieser nach historischer Betrachtung als erfolgreich einzustufen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Urkunden, Inschriften, Grabfunde und kunsthistorischer Zeugnisse (wie dem Evangeliar) basiert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung ihrer Herkunft, ihrer administrativen Ämter, ihres Testaments, ihrer diversen Memorialstiftungen sowie der ikonographischen Analyse des Evangeliar-Einbandes.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Wichtige Begriffe sind Theophanu, Memoria, Ezzonen, Essener Stift, Stiftungspraxis, Seelenheil und ottonische Äbtissinnen.

Welche Bedeutung kommt der Verwandtschaft zu den Ottonen für Theophanu zu?

Die Verwandtschaft war grundlegend für ihr Selbstverständnis als Äbtissin. Sie nutzte diesen Status, um ihren Einfluss zu festigen und ihre Repräsentationsansprüche innerhalb des Essener Stifts zu legitimieren.

Wie erfolgreich war Theophanu bei der Sicherung ihres Gedenkens?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ihr Plan erfolgreich war, da ihre Stiftungen – wie der Buchdeckel des Evangeliars oder ihre Bauten – noch heute als Zeugnisse ihrer Präsenz und ihres Wirkens existieren.

Was ist das Besondere am "Testament" der Theophanu?

Das sogenannte Testament ist keine klassische Erbnachlassregelung, sondern ein rein spirituelles Dokument, das konkrete liturgische Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung ihres Gedenkens festlegt.

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Details

Title
Die Memoria der Essener Äbtissin Theophanu
College
Ruhr-University of Bochum  (Historisches Institut)
Course
Stiften und Schenken im Mittelalter
Grade
1.0
Author
Romina Zeller (Author)
Publication Year
2012
Pages
19
Catalog Number
V202446
ISBN (eBook)
9783656286325
ISBN (Book)
9783656287551
Language
German
Tags
Theophanu Essen Stift Essen Frauenstift Essen Memoria Reliquien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Romina Zeller (Author), 2012, Die Memoria der Essener Äbtissin Theophanu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202446
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