Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Suizid im speziellen Kontext des
biologischen Alters.
Sich mit dem Tod und insbesondere mit dem Suizid auf eine erklärende, objektive und gar
wissenschaftliche Art und Weise auseinanderzusetzen erschien mir vorerst ungewohnt. Der Tod
wird in unserem Kulturkreis wahrscheinlich primär traurig, schmerzvoll und leidend
wahrgenommen, vielleicht auch gerade deswegen weil man sich in seinem Leben eventuell nicht
bewusst mit der Thematik auseinandersetzt. Konfrontiert mit dem Tod wird man vermutlich am
ehesten wenn ein Mensch aus dem eigenen Umfeld stirbt, obwohl uns täglich Nachrichten von
tödlichen Unfällen, Massakern oder Ähnlichem erreichen - vielleicht macht man sich zu diesen
Zeitpunkten Gedanken über die eigene Sterblichkeit oder man schiebt es weg - weil es ja „Andere“
betrifft. Je älter man wird, umso wahrscheinlicher wird es zu sterben und vermutlich gewinnt der
Gedanke über sein eigenes Ableben mehr an Präsenz, oder man „entschließt“ sich vielleicht sogar
es selbst zu bestimmen - sich zu suizidieren. Wobei die Frage, ob man sich objektiv für eine
Suizidierung entscheiden kann, unter anderem im Fokus dieser Arbeit stehen wird.
Nun stellt sich die Frage warum Menschen im Allgemeinen und speziell im Alter sich dazu
entschließen sich zu suizidieren und ob man in diesem Kontext von der eigenen, selbstbestimmten
und ungezwungenen Meinung sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Suizid
3.0 Suizid in Zahlen
4.0 Der Suizid als Resultat einer Krankheit?
5.0 Altersbilder
6.0 Soziale Einflussfaktoren für Suizidalität im Alter
7.0 Kann man über sein Leben Bilanz ziehen?
8.0 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Suizid im spezifischen Kontext des biologischen Alters. Ziel ist es, die Gründe für Suizidalität bei älteren Menschen zu beleuchten, aktuelle statistische Daten zu präsentieren und kritisch zu hinterfragen, inwiefern eine selbstbestimmte Entscheidung zum Suizid – insbesondere im Kontext des sogenannten Bilanzsuizids – wissenschaftlich und ethisch begründbar ist.
- Analyse von Suizidraten und statistischen Auffälligkeiten in Österreich
- Untersuchung von Krankheit und Multimorbidität als Risikofaktoren im Alter
- Reflexion gesellschaftlicher Altersbilder und deren mediale Darstellung
- Einfluss sozialer Faktoren wie Isolation und Beziehungsverlust
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Konstrukt des Bilanzsuizids
Auszug aus dem Buch
4.0 Der Suizid als Resultat einer Krankheit?
Wie kommt es nun zu diesen erheblichen Anstieg der Suizidrate bei alten Menschen? „Über den Zusammenhang von Alterungs- und Krankheitsprozessen gibt es bis heute kaum exakte wissenschaftliche Erkenntnisse.“ Selbst wenn man immer wieder von „aktiven Altern“ oder ähnlichem liest, scheint mit dem Alter, Krankheit einherzugehen oder wird gar als selbstverständlich angesehen. „So entsteht die für das Alter typische Form der Multimorbidität als Leiden an mehreren (per Definition an mindestens fünf) gleichzeitig bestehenden körperlichen Krankheiten.“
Meist werden psychische Krankheiten als Auslöser des Suizides beschrieben. „Psychische Krankheit ist einer, wenn nicht der wesentliche Risikofaktor für suizidale Handlungen, weshalb sich unter den Suizidenten mit Sicherheit signifikant mehr psychische Kranke befinden.“ Weiter heißt es in der Studie von Carlos Watzka, dass in der Steiermark die psychische Krankheit der Depression vor der Schizophrenie am häufigsten für den Suizid von Menschen festzumachen ist. Festzuhalten ist aber, dass die weit verbreitete Meinung, dass alte Menschen sich auf Grund einer Depression, die einer Demenz zufolge liegt, suizidieren, falsch ist.
Weiters werden auch „schwere körperliche Krankheiten als auslösende Situation für Suizidalität älterer Patienten genannt. Während körperliche Krankheiten bei den 20 - 39 jährigen Suizidenten 10 % der Fälle eine Rolle spielt, sollen sie bei über 60 jährigen Suizidenten in 35 % der Fälle ausschlaggebend sein.“ Überdies heißt es jedoch in einer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema, dass „keine gesicherten Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen körperlicher Erkrankung und Suizid vorliegen.“ „Entscheidend ist die subjektive Verarbeitung einer Krankheit, nicht der objektive Befund.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Suizids im Alter ein und stellt die Relevanz des Themas sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit dar.
2.0 Suizid: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen Definition des Suizids und grenzt den neutralen Begriff von historisch belasteten oder wertenden Bezeichnungen ab.
3.0 Suizid in Zahlen: Hier werden statistische Daten zur Suizidalität in Österreich präsentiert und geschlechterspezifische sowie regionale Unterschiede aufgezeigt.
4.0 Der Suizid als Resultat einer Krankheit?: Das Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen körperlichen sowie psychischen Erkrankungen und dem Suizidrisiko im Alter.
5.0 Altersbilder: Es erfolgt eine Analyse darüber, wie das gesellschaftliche Bild des Alterns konstruiert ist und welche Auswirkungen defizitorientierte Altersbilder haben.
6.0 Soziale Einflussfaktoren für Suizidalität im Alter: Dieses Kapitel betrachtet die Bedeutung von sozialen Netzwerken, Isolation und dem Verlust von Bezugspersonen als suizidgefährdende Faktoren.
7.0 Kann man über sein Leben Bilanz ziehen?: Es wird das kontroverse Konzept des Bilanzsuizids beleuchtet und hinterfragt, ob eine solche Entscheidung frei von pathologischen Einflüssen möglich ist.
8.0 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Reflexion des Autors sowie Hinweisen auf weiteren Forschungsbedarf im Bereich der psychosozialen Betreuung alter Menschen.
Schlüsselwörter
Suizid, Alter, Suizidalität, Multimorbidität, Bilanzsuizid, Altersbilder, Soziale Isolation, Suizidprävention, Depression, Autonomie, Lebensqualität, Psychosoziale Beratung, Österreich, Sterben, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik des Suizids im biologischen Alter und beleuchtet die medizinischen, sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe, die zu diesem Phänomen führen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Suizidstatistik, den Einfluss von Krankheiten, die Bedeutung von Altersbildern in den Medien sowie die Rolle sozialer Kontakte und Netzwerke für ältere Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu verstehen, warum Menschen im Alter Suizid begehen, und zu klären, ob in diesem Kontext von einer „selbstbestimmten“ Entscheidung gesprochen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und aktuelle wissenschaftliche Studien sowie statistische Daten auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die statistische Analyse, die Betrachtung von Multimorbidität und psychischen Leiden, die Medienanalyse zur Darstellung von Senioren sowie die Bedeutung von Isolation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Suizid, Alter, Bilanzsuizid, Altersbilder, Soziale Isolation und Suizidprävention.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Multimorbidität und Suizid im Alter?
Die Arbeit stellt dar, dass Multimorbidität zwar ein Risikofaktor ist, es jedoch entscheidend ist, wie der Betroffene die Krankheit subjektiv verarbeitet, anstatt nur den objektiven medizinischen Befund zu sehen.
Wie wird das Konzept des Bilanzsuizids bewertet?
Das Konzept wird kritisch hinterfragt; es wird aufgezeigt, dass ein „reiner“ Bilanzsuizid wissenschaftlich schwer belegbar ist und oft als Konstrukt dient, um gesellschaftliche Verantwortung zu verlagern.
Welche Rolle spielen die Medien bei der Wahrnehmung alter Menschen?
Die Medien zeichnen oft defizitorientierte Bilder (z.B. Pensionisten als Belastung für das System), was das gesellschaftliche Verständnis für die Bedürfnisse alter Menschen negativ beeinflussen kann.
Warum ist die Abgrenzung zur eigenen Biografie im Resümee wichtig?
Der Autor betont, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid tief emotional ist und eine professionelle Distanz erfordert, da man als Sozialarbeiter eine hohe Verantwortung trägt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Gutschi (Autor:in), 2012, Suizid im Alter in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202456