Jammu und Kaschmir - die Ursache der Rivalität zwischen Indien und Pakistan?


Hausarbeit, 2003
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Topographischer Überblick
2.1. Region Kaschmir und Bevölkerung

3. Geschichte der Entstehung des Kaschmirkonfliktes
3.1. Das koloniale Erbe
3.2. Interesse das Britische Empire auf dem indischen Subkontinent
3.3. Postkoloniale Phase

4. Der Staat Kaschmir – Streitobjekt zwischen Indien und Pakistan
4.1. Drei Kriegen um Kaschmir und „Kargil-Krieg“

5. Atomtests – Ursachen und regionale Konsequenzen
5.1. Wettrüsten zwischen Indien und Pakistan
5.2. Indiens nukleare Option
5.3. Nuklearprogram Pakistans: Ursachen und Strategie
5.4. Die nuklearen Raketen Indiens und Pakistans (Tabelle)

6. Die Perspektiven: Krieg und Frieden in Südasien
6.1. Politische Strategie USA in Südasien
6.2. Die Rolle China in Kaschmirkonflikt
6.3. Eine Lösung für Kaschmirkonflikt ?
6.4. Folgen des Konflikts

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ethnische und religiöse Konflikte und separatistische Bewegungen gefährden den inneren Zusammenhalt der Länder auf dem indischen Subkontinent. In innere Konflikte mischen sich oft die Nachbarnländer ein, was die Spannung noch erhöht. Hinzu kommt die nukleare Bedrohung und seit dem 11. September 2001, der „Krieg gegen den Terrorismus“[1]

Die Atomversuche Indiens und Pakistans vom Mai 1998, der unerklärte Krieg in Kargil im Sommer 1999, der Anstieg des indischen Verteidigungshaushalts 2003 um 30 Prozent, die neue indische Militärdoktrin des begrenzten Krieges gegen Pakistan, die nahezu täglich stattfindenden Feuergefechte an der Grenze und die Veröffentlichung von Satellitenaufnahmen vom pakistanischen Stützpunkt Sargodha, auf dem chinesische M-11 Raketen und Nuklearsprengköpfe stationiert sein sollen, verdeutlichen unbestreitbar die Krisenhaftigkeit der Region und lassen den indische Subkontinent als „gefährlichsten Platz der Welt“ ernennen.

Der Jammu und Kaschmirkonflikt ist der Zankapfel zwischen Indien und Pakistan und die schwerwiegende Ursache dafür, dass der indische Subkontinent zu einer Spannungsregion macht.

Der Kaschmirkonflikt ist die Rivalität in der Beziehungen zwischen Indien und Pakistan, die in über fünfzig Jahren ihrer Unabhängigkeit drei Kriege und ein vermeidende “Kargil-Krieg” geführt, ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung umfangreichen Rüstungsprogrammen zum Opfer gebracht und Südasien an den Rand einer nuklearen Katastrophe gedrängt haben. Kaschmir illustriert das Trauma der Teilung des indischen Subkontinents, manifestiert die ideologischen Gräben zwischen den Nachbarnstaaten und führt letztlich an den wunden Punkt des Selbstverständnisses der jungen Nationen Indien und Pakistan.

Die Komplexität des Kaschmirkonflikts lässt sich wie folgt umschreiben: „The problem of Kashmir is ethnic, democratic, communal, secular, federal, strategic, international and South Asian regional, all rolled into one“2

Gleichzeitig erinnern die reiche Geschichte Jammu und Kaschmir, die Verschmelzung verschiedener Kulturen und Religionen zu einer eigenständigen Identität und die politische, wirtschaftliche und administrative Vernetzung mit der Erben der britischen Kronkolonie an die verschütteten Gemeinsamkeiten Indiens und Pakistans. In Spannungsfeld von Nationen und Volk, territorialer Identität und Selbstbestimmung, Friedenswahrung und Gewaltverbot erweist sich die Suche nach einer Lösung des Kaschmirkonflikts als eine Operation am offenen Herzen der völkerrechtlichen Werteordnung in 21. Jahrhundert.

Das Ziel meiner Hausarbeit sehe ich daran, die Analyse der Ursache und der Entwicklung des Kaschmirkonflikts durchzusetzen. Durch die Geschichte der Teilung der indischen Subkontinets und den politischen Konfliktkonstellation geht das Leitmotiv des Konflikts das Bestreben des J&K nach seiner Unabhängigkeit. Jeder im Inhaltsverzeichnis genannte Teil erläutert ausführlich die Ursache der Rivalität zwischen Indien und Pakistan und lassen die von mir gestellte Frage beantworten, ob der Kaschmirkonflikt eine Lösung in Sicht hat.

2. Topographischer Überblick

2.1. Region Kaschmir und Bevölkerung

Bis 1947 bezeichnete der Name Jammu & Kaschmir ein zu beiden Seiten des oberen Indus gelegenes Fürstentum in der nordwestlichen Himalaya-Region, die umgangssprachlich häufig als Kaschmir bezeichnet wird. Der Name leitet sich sowohl vom Kaschmir-Tal, das vom Jhelum-Fluss durchzogen wird, und der südlich davon bereits in der Ebene gelegener Stadt Jammu ab. Die von Indien, Pakistan und zu Teilen auch von China beanspruchte Region hat eine Gesamtfläche von 222.236 qkm.

Obwohl Indien Anspruch auf die Gesamtregion erhebt, verwaltet es faktisch nur einen Teil des Gebietes, der im folgenden als der Unionsstaat Jammu & Kaschmir beschrieben wird. Die anderen Teile werden von Pakistan und China kontrolliert.

Der indische Unionsstaat Jammu & Kaschmir setzt sich aus geographisch sowie kulturell unterschiedlichen Regionen zusammen. Dieses Gebiet, mit einem Anteil von etwa 45% Gesamt-Kaschmirs, erstreckt sich auf über 92.000 qkm, was etwa der Größe Ungarns entspricht. Es ist in 14 Distrikte unterteilt.

Der Unionsstaat wird im Westen und Norden durch die Line of Control (LoC) vom pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs getrennt. Im Südwesten grenzt Jammu & Kaschmir sowohl an den pakistanischen als auch indischen Teil des Punjab. Der südliche Nachbarstaat ist Himachal Pradesh, und im Südosten bzw. Osten liegt die Autonome Republik Tibet, die seit den 1950er JaVon der Sommerhauptstadt Srinagar sind es bis New Delhi knapp 900 Kilometer. Die Winterhauptstadt Jammu liegt etwa 300 Kilometer von der indischen Hauptstadt entfernt.

Von Südwesten nach Nordosten lässt sich die Region in sieben geographische Zonen einteilen. Der Tiefebene, in der Jammu liegt und die sich weder landschaftlich noch klimatisch vom benachbarten Punjab unterscheidet, folgen Berghänge. Diese steigen von ca. 600 m auf bis zu 2.300 m an und zeichnen sich durch ihre regenreichen fruchtbaren Tälern und Flüsse, die sich tief in die Landschaft geschnitten haben, aus. Nordöstlich der bis zu 5.000 m hohen Pir Pinjal Bergkette befindet sich das fruchtbare Hochtal von Kaschmir, mit seiner durchschnittlichen Höhe von 1.800 m, das landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Die landwirtschaftlich ungenutzten Flächen sind durch Zedernwälder, Pinien, Rhododendron, Walnussbäume und Wiesen geprägt.

Dem Kaschmir-Tal folgen der zentrale Himalaja mit seinen Bergspitzen von über 6.500 Metern und entlegenen, sehr trockenen Tälern. Das obere Indus-Tal in dem auch Leh die Hauptstadt Ladakhs liegt, hat eine alpine Vegetation, die extremer Kälte und Trockenheit entspricht. Die letzte der sieben geographischen Zonen, das Karakorum-Hochgebirge mit mehreren der höchsten Gipfel der Erde, die mehrheitlich im nördlichen, pakistanisch kontrollierten Gebiet liegen. Die Gletscher des Karakorum binden zugleich die größten Wasserreserven außerhalb des Südpols.

Die Bevölkerung des Unionsstaates zählt dem Zensus von 2001 zufolge über 10 Millionen Menschen. Dabei macht das Kaschmir-Tal mit seinen sechs überwiegend von Muslimen bewohnten Distrikten lediglich 15% der Fläche aus, stellt aber 52% der Bevölkerung. In den sechs Tal-Distrikten Anantnag, Badgam, Baramula, Kupwara, Pulwama und Srinagar haben Muslime einen Anteil von über 95 Prozent.

Die südlich des Chenab-Flusses gelegenen Regionen um Jammu, wo knapp 45% der Bevölkerung leben, werden meist als „hinduistisch geprägt“ dargestellt. Allerdings sind nur zwei Drittel der Einwohner der Region mit den Distrikten Jammu, Kathua, Udhampur und Doda Hindus.

In den nur dünn besiedelten Hochgebirgsregionen von Zanskar und Ladakh – mit ihren beiden Distrikten Leh und Kargil – hingegen leben Buddhisten und Muslime zu etwa gleichgroßen Bevölkerungsanteilen. Dennoch ist die starke Orientierung an Tibet, die sicherlich auf ihren kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit der östlich gelegenen Nachbarregion beruht, heute Vergangenheit.

Der sprachliche Unterschied zwischen den Regionen ist gegenwärtig immer noch wichtig. Mit dem Kashmiri, einer dem Urdu verwandten Sprache, ist eine indio-europäische Mundart offizielle Amtssprache des Unionsstaates. Es wird ebenfalls wie das Urdu in persischen Schriftzeichen geschrieben. Das verwandte Hindi, das aber in der aus dem Sanskrit abgeleiteten Devanagari Schrift geschrieben wird, wird vor allem von der Hindubevölkerung benutzt. Weitere lokal genutzte Sprachen sind Dogri und Pahari. In weiten Teilen Ladakhs werden Purig und Ladakhi gesprochen, westtibetische Dialekte die auch in der Hochgebirgsregion Zanskar verwendet werden. Ladakhi besitzt dementsprechend eine eigene Schrift.

3. Geschichte des Ausbruches des Kaschmirkonfliktes

„Die Geschichte war alt und rostig, eine Maschine, die seit Tausenden von Jahren niemand mehr in Betrieb gesetzt hatte, und jetzt wurde ein Maximum an Arbeitsleistung von ihr verlangt. Dass es dabei zu Unfällen kam konnte niemanden überraschen“3

3.2. Das koloniale Erbe

Der indische Subkontinent stand seit zwei Jahrhunderte unter britischer Hegemonie, d.h. war der britischen Regierung unterworfen und bestand aus zwei Gruppen:

- Britische Indien (11 Provinz und eine der indischen Stammen)
- Königsstaaten (562 Staaten), die ein drittel des Indien umfasste und unter eigener Verwaltung standen.

Der Staat Jammu und Kaschmir gehörte unter anderen auch zu den Königsstaaten.

1846 schloss Herrscher der Dogra-Dynastie des Kaschmir-Tals, General Galub Singh einen Vertrag mit Großbritannien, das zu diesem Zeitpunkt den größten Teil Indiens beherrschte und durch diesen Vertrag auch Herrscher über Kaschmir wurde. So entsteht „quasi-selbständiger Staat Jammu und Kaschmir“4

Kaschmir war eines der großen unter den indischen Fürstentümern, die von der Kolonialmacht mit weitgehender innerer Souveränität ausgestattet wurde. Seit 1925 herrschte Maharadscha Hari Singh aus der hinduistischen Dogra-Dynastie über eine mehrheitlich moslemische Bevölkerung, die vor allem im Kaschmir-Tal dominierte, und eine starke Hindu-Minderheit, konzentriert im südlichen Landesteil Jammu, sowie eine buddhistische, ethnisch-kulturell dem benachbarten Tibet verwandte Minderheit in Ladakh. Die politisch einflussreichen Hindu –Brachmane und Pandide, darunter die Dschavaharlar Nehru und seine Familie stammen ursprünglich aus dem Kaschmir-Tal. Ein 1927 erlassenes Gesetzt untersagte anderen als den Untertanen des Staates die Ausübung von Ämtern im öffentlichen Dienst sowie den Erwerb von Boden. Die öffentlichen Ämter wurde jedoch vorwiegend von Dagra-Rajputen aus Jammu besetzt, ein Privileg, das dann auch den so genannten Kaschmiri-Pandits, d.h. im Kaschmir-Tal ansässigen Hindus, gewährt wurde. Das schuf ein Ungleichgewicht zwischen Hindus und Moslems und stand im Widerspruch zur Zusammensetzung der Bevölkerung. Anfang der 1930er entwickelte sich eine Protestbewegung gegen die autoritäre Herrschaft des Maharadscha (*1925; +1952), die von der Staatsmacht niedergeschlagen wurde.

1932 gründete Sheikh Abdullah die All Jammu und Kaschmir Moslem Conference mit dem Ziel, Kaschmir von der autoritären Herrschaft des Maharadscha zu befreien. Die Organisation verstand sich nicht als muslimisch-religiöse, sondern als säkulare politische Organisation und bezeichnete sich seit 1939 als National Conference. Sie stand der indischen nationalistischen Bewegung gegen den Kolonialismus sowie dem Indischen Nationalkongress nahe.

In ihrer Reihe gab es Bemühungen, unter der heterogenen Bevölkerung des Staates die Idee eine Kaschmeri-Identität zu propagieren. Die Organisation nahm 1944 ein Grundsatzprogramm für ein „Neues Kaschmir“ an, das eine Verfassung säkularen Charakters, die Gleichstellung der Frau, Demokratisierung der Verwaltung und radikale Umgestaltungen der Agrarstruktur durch die Beseitigung parasitäre Elemente und eine Bodenreform zugunsten der tatsächlichen Bearbeiter des Landes vorsah.

Inzwischen hatte sich in Indien 1940 die Moslemliga für die Zeit nach der Kolonialherrschaft im Sinne der Zwei-Nationen-Theorie zugunsten der Konstituierung separater souveräner Staaten in Provinzen mit einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung ausgesprochen, während der Indische Nationalkongress für ein einheitliches, föderales Indien eintrat. In Opposition zur National Conference in Kaschmir wurde dort 1941 die Moslem Conference wieder belebt; sie idefizieren sich mit der Position der Moslemliga und sprach sich für den Anschluß Kaschmirs an ein künftiges Pakistan aus.

In Frühjahr revoltierte die bäuerliche moslemische Bevölkerung im Gebiet Poonch gegen unerträgliche neue Abgabenforderungen des Maharaja. Die Revolte ließ sich nicht völlig unterdrücken. Sie war jedoch Vorwand für das Eindringen sog. Stammeskrieger, d.h. ethnischer Paschtunen, aus der Nordwest-Grenzprovinz nach Kaschmir, um als „Freiwillige“ ihren Glaubensbrüdern in Poonch und Jammu zu Hilfe zu eilen und sie gegen die von den Behörden tolerierten Pogrome seitens Hindus und Sikhs zu schützen. Pakistan entsandte Truppen zum „Schutz der unterdrückten Muslime“. Streitkräfte des Maharaja gingen im August 1948 gegen die Rebellen in Poonch vor, die für den Anschluss Kaschmirs an Pakistan demonstrierten und im Oktober eine unabhängige Regierung eines „Freien (Azad) Kaschmir“ ausriefen. Als Folge dieser Auseinandersetzung flohen große Teile der moslemischen Bevölkerung aus Jammu.

3.2. Interessen der britische Herrschaft auf dem indischen Subkontinent

Alle historischen Ereignisse in dem Staat Kaschmir im Zeitraum von 1846 bis zu 1947 hängten mit der strategischen Politik Großbritannien zusammen. Sie verfolgte vorwiegend das Ziel, den Staat Kaschmir, vor allem Gilgit-Gebit unter Kontrolle zu haben. Die Region Jammu und Kaschmir hat sich von anderen Staaten durch geographische Überlegenheit unterscheidet. Die Region Kaschmir setzt sich größtenteils aus Gebirge zusammen, umfasst eine Fläche von 222 236 km2 und hatte Grenze mit Tibet, chinesischer Sinzsjanprovinz, Afghanistan und lag nah durch afghanischen Korridor Wakghan zur Sowjetunion. Geographische Lage der Region ermöglichte Großbritannien die britischen Streitkräfte zu stationieren und zu China, Afghanistan und Zentralasien nah liegende Grenze gegen Eindringlinge zu verteidigen.

Die britische Regierung beanspruchten allerdings nach der Verwaltungsübergabe den indischen Lidern eigene Interessen zu behalten.

Zwischen der britischen Regierung in Indien und den Fürstenstaaten bestand ein Verhältnis feudaler Lehnsabhängigkeit.5 Die Kabinettsmission hatte die Bildung einer Indischen Union empfohlen, die Britisch-Indien und die Führstenstaaten vereinigen würden. Die Staaten sollten die Zentralgewalt die Kontrolle über die Auswärtigen Angelegenheiten, Verteidigung und das Nachrichtenwesen übertragen, sämtlichen anderen Befugnisse aber behalten. Dieser Vorschlag wurde mit zahlreichen Vorbehalten am 29. Januar 1947 von den Fürsten in der folgenden Resolution angenommen:

1. Die Staaten treten der Union auf der Basis der Übereinkunft bei; die endgültige Entscheidung bleibt jedem einzelnen Staat vorbehalten… und wird erst fallen, wenn der gesamte Verfassungsentwurf vorliegt
2. Alle Rechte, die von den Staaten auf die Oberhoheit übergegangen waren, kehren zu den Staaten zurück. Die geplante indische Union wird dagegen nur solche Funktionen bezüglich der Staaten als Unionsmitglieder ausüben, die ihr von den Staaten zugesprochen worden sind. Jeder Staat behält seine Souveränität mit allen Rechten und Machtbefugnissen außer denen, die er ausdrücklich der Union übertragen hat.“6

Es hat also über drei Hunderte gedauert bevor das Britische Empire auf dem indischen Subkontinent gegründet worden war und wurde während 70 Tagen durch Indien und Pakistan geteilt.

3.3. Postkoloniale Phase

Im August 1947 entstanden die Staaten Indien und Pakistan, zunächst mit dem Status von Dominien im Britischen Empire. In Jammu und Kaschmir hatte sich eine kritische Situation entwickelt. 77 % der Bevölkerung waren Moslems, aber der Herrscher war Hindu. Pakistan bestand aus dem größeren Westpakistan und dem durch 1400 km indischen Territoriums davon getrennten Ostpakistan. Den Herrschern der sog. Fürstenstaaten blieb theoretisch freigestellt, sich für den Anschluss an einen der beiden neuen Staaten zu entscheiden. Der Maharadscha von Kaschmir verzögerte eine Entscheidung in der Hoffnung, seine Selbständigkeit bewahren zu können. Angesichts der fortdauernden Rebellion gegen einen Herrschaft, der massiven Infiltration von Paschtunen aus der zum Staatsgebiet Pakistans gehörenden Nordwest-Grenzprovinz und der Wirkungslosigkeit seiner Unterdrückungsmaßnahmen sah sich der Maharadscha im Oktober 1948 gezwungen, Indien um Hilfe zu ersuchen und den Beitritt Kaschmirs zur Indischen Union zu erklären.

Aus indischen Sicht war die Beitrittserklärung des Maharadscha zur Indischen Union rechtsgültig und der Einsatz des Militärs gegen Eindringlinge ein Akt der Verteidigung seiner territorialen Integrität.

Pakistan dagegen bezeichnete den Beitritt als illegal und bestritt generell Indiens Anspruch auf Kaschmir. Lieder der Moslemliga Mochamad Alli Dschinna beansprucht den Beitritt Kaschmirs zu Pakistan und bezeichnete den künftigen Staatsname Pakistan als Buchstabenordnung das zu Pakistan gehörenden Gebiets.

Pakistan lautet „P“- Staat Pendschab, „A“ – gegenwärtige Nordwestprovinz Patan in Afghanistan, „K“- Staat Kaschmir, „I“ – in Urdu-Sprache fehlende Buchstabe, „S“ – Provinz Sind und „tan“ – letzte Buchstaben der Provinz Belutschistan, so Mohamed Alli Dschinna.7

Seit der Teilung der Indien die Grenzfrage um Kaschmir zwischen Indien und Pakistan bleibt ergebnislos und streitbar. Im Frühjahr 1965 bot Pakistan eine Wiederbelebung des Disputs um die indisch-pakistanische Grenze am Rann von Kutch an.

Das Rann von Kutch ist ein Marschgebiet, das von Mai bis Oktober jeden Jahres durch die Wirkung des Monsuns überschwemmt wird. Pakistan wollte es daher als Meeresarm betrachtet wisse, in dem die internationale Grenze in der Mitte verlaufen müsse. Indien betrachtet das Gebiet als Festland, das schon immer zu dem ehemaligen indischen Fürstenstaaten Kutch und nicht zu Provinz Sind, die nach der Teilung Pakistan kam, gehört hatte.

[...]


[1] Der instabile indische Subkontinent, in: Le Monde diplomatique, Atlas der Globalisierung, 2003, S.164

2 Ghosh Partha S., Kaschmir. An Alternative Perspektive, in: Mainstream, 3. August 1996, S. 15

3 Salman Rushdie, Literatur über die Geschichte Pakistans nach 1947, in: Scham und Schande ,1965, S. 98

4 Michael Edwards, Illustrierte Geschichte Indiens von den Anfängen bis zur Gegenwart, München, 1960, S. 396

5 Michael, Edwards, Illustrierte Geschichte Indiens von den Anfängen bis zur Gegenwart, München, 1961, S. 396

6 Michael, Edwards, Illustrierte Geschichte Indiens von den Anfängen bis zur Gegenwart, München,1961, S. 397

7 Alexander Wasiljew, Die Geschichte Indiens, Moskow, 1967, S. 164

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Jammu und Kaschmir - die Ursache der Rivalität zwischen Indien und Pakistan?
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Seminar für Politische Wissenschaft)
Note
2,0
Autoren
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V20250
ISBN (eBook)
9783638241847
ISBN (Buch)
9783638759175
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Jammu, Kaschmir, Ursache, Rivalität, Indien, Pakistan
Arbeit zitieren
Olga Nikitina (Autor)O. Güner (Autor), 2003, Jammu und Kaschmir - die Ursache der Rivalität zwischen Indien und Pakistan?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20250

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