Das "Grüne Haus" ist der wohl berühmteste Roman von Llosa. Interessant ist neben dem dualistischen Weltbild (Urwald/Zivilisation, Kultur/Natur etc.) die verwirrende Zeitstruktur, die sich nicht an die klassischen Regeln des Romanschreibens im Sinne Stanzels hält. Die Analyse war ein für eine Hauptseminararbeit anspruchvolles Unterfangen, das aber doch belohnt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zeit in der Philosophie
1.1 Zeit in der Philosophie
1.2 Kants Konzept von Raum und Zeit in der KrV
2. Die Handlungsebene in casa verde
2.1 Vorbemerkungen zu casa verde
2.2 Die fünf Handlungsstränge in casa verde
3. Die Analyse der Zeitebenen in casa verde
3.1 Die Zeitachsen in casa verde
3.2 Analyse auf der Makroebene
3.3 Die Freilassung der Indiomädchen durch Bonifacia – eine Analyse auf der Mikroebene
3.4 Weitere Beispiele auf der Mikroebene
3.5 Weitere Aspekte der Zeitbetrachtung
4. Narrative Techniken und sprachliche Mittel in casa verde
Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Zeitstruktur im Roman "Casa Verde" von Mario Vargas Llosa und analysiert, wie der Autor durch verschiedene narrative Verfahren und philosophische Konzepte von Zeit versucht, seine literarische Vision des "totalen Romans" zu verwirklichen.
- Philosophische Grundlagen von Zeit (insb. Kant)
- Struktur der fünf Handlungsstränge
- Analyse der Zeit-Makro- und Mikroebenen
- Einsatz narrativer Techniken und sprachlicher Mittel
- Die Rolle der Figur Bonifacia als Brückenelement
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Freilassung der Indiomädchen durch Bonifacia – eine Analyse auf der Mikroebene
Damit können wir dazu übergehen, anhand konkreter Beispiele die zeitliche Mikrostruktur zu analysieren. Hier stehen die bereits besprochenen Zeitverflechtungen im Mittelpunkt. Explizite Zeitpermutation und Zeitüberlagerung sind die beiden am häufigsten verwendeten Verfahren. Alle Analepsen sind an die Betrachtungsweise der Figur gebunden. Auf die auktoriale Erzählweise wird weit gehend verzichtet. Der Erzähler verschwindet im Erzählen. Die analeptischen Einschübe sind in der Regel unabhängig vom „gegenwärtigen“ Geschehen. Licht ins Dunkel bringen nur die Motive und Lebensläufe der Figuren. Dabei werden verschiedene Präsentationstechniken verwendet, was anhand zweiter Beispiele demonstriert werden soll.
Diese Handlungssequenz ist in vier drucktechnische Segmente (cv 23 – 27; 43 – 48; 65 – 79; 85 – 91) eingeteilt. Madré Angélica und Bonifacia werden wiedergegeben, wobei die Kindheitstraumata Bonifacias durchschimmern. Jums Folterung wird angedeutet. Bonifacia zeigt sich renitent, denn die beiden Indiomädchen, die gewaltsam von Chicais nach St. María de Nieva verschleppt werden (cv 9 – 22), erinnern sie an ihr eigenes traumatisches Schicksal. In der Begegnung mit den beiden beginnt Bonifacia sich zu verwandeln, vergisst ihre Funktion als Aufseherin, ja ihre ganze christliche Nacherziehung und lässt die beiden Mädchen – stellvertretend für ihr eigenes Schicksal - frei. Auch die übrigen Indiomädchen ergreifen die Flucht. Bonifacia weiß sich anschließend nicht anders zu helfen, als sich in der Kapelle zu verstecken. Nach ihrer Entdeckung wird sie zur Oberin gebracht, bei der sie sich rechtfertigen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das literarische Schaffen von Mario Vargas Llosa und Darlegung der Zielsetzung, die Zeitstruktur des Romans "Casa Verde" zu analysieren.
Zeit in der Philosophie: Erläuterung der philosophischen Zeitkonzepte, insbesondere der kopernikanischen Wende bei Kant, als theoretische Grundlage für die Analyse der romanhaften Zeitgestaltung.
Die Handlungsebene in casa verde: Vorstellung der Schauplätze Piura und der Selva sowie detaillierte Beschreibung der fünf miteinander verwobenen Handlungsstränge.
Die Analyse der Zeitebenen in casa verde: Untersuchung der verschiedenen Zeitachsen, Zeitpermutationen und Zeitüberlagerungen sowohl auf Makro- als auch auf Mikroebene am Beispiel der Figur Bonifacia.
Narrative Techniken und sprachliche Mittel in casa verde: Zusammenfassende Darstellung der von Llosa eingesetzten narrativen Verfahren, wie z.B. "kommunikative Röhren" und versteckte Daten, zur Erzeugung der Romanwelt.
Schlussbemerkungen: Fazit über das Gelingen des "totalen Romans" durch die aufgezeigten komplexen narrativen und zeittheoretischen Strukturen.
Schlüsselwörter
Mario Vargas Llosa, Casa Verde, Zeitstruktur, Zeitpermutation, Zeitverflechtung, totaler Roman, Erzähltechnik, Bonifacia, Handlungsstränge, Analepse, Makroebene, Mikroebene, Literaturanalyse, Romanistik, Zeitbetrachtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Zeitstruktur des Romans "Casa Verde" von Mario Vargas Llosa und untersucht, wie diese zur Verwirklichung seines Ideals eines "totalen Romans" beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den philosophischen Grundlagen von Zeit, der Strukturierung der Handlungsstränge und dem Einsatz narrativer Techniken zur Gestaltung von Zeitebenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie komplexe Zeitverschränkungen und Erzählverfahren die Realität im Roman so abbilden, dass sie eine "totale" Wirkung entfalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine literaturwissenschaftliche Analyse an, die sowohl theoretische philosophische Ansätze (u.a. Kant) als auch narratologische Konzepte auf den konkreten Text anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Einordnung von Zeit, die Vorstellung der Handlungsebenen und eine detaillierte Untersuchung der Zeitpermutationen auf Makro- und Mikroebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zeitpermutation, Erzähltechnik, totale Roman, Handlungsstränge und die Figur Bonifacia.
Welche Rolle spielt die Figur Bonifacia in der Zeitstruktur?
Bonifacia dient als zentrale "Brücken-Figur", deren Werdegang und Handeln auf verschiedenen Zeitebenen maßgeblich zur Veranschaulichung der komplexen Zeitverfahren beiträgt.
Wie unterscheidet Llosa narrativ zwischen den Handlungsorten Piura und der Selva?
Der Autor nutzt spezifische "tiempos novelisticos", wie das tiempo singular für die brutalen Ereignisse im Urwald und das tiempo circular für das tägliche Leben.
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- Agnes Thiel (Author), 2010, Mario Vargas Llosa: "Casa Verde" – eine Analyse der Zeitstruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202563