Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus"

Title: Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 27 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Axel Kannenberg (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Einleitung

Thomas Manns Roman ‚Doktor Faustus′ aufmerksam zu lesen, heißt: Standpunkt beziehen. Wie bei der berühmten Kippfigur Wittgensteins hängt es von unserem Blickwinkel ab, was wir erkennen, den Hasen oder die Ente. Das heißt in diesem Fall: Unser Vorwissen und unseren Interessen bestimmen, welche Verweise, Motive und Sinnzusammenhänge wir hinter der fiktiven Biographie erkennen, die uns erzählt wird von einem Chronisten, der vorgibt, wenig kompetent zu sein. Man mag nun einwenden, dass eigentlich jeder Lesevorgang eine Projektion von bestimmter Perspektive aus ist. Das ist richtig; aber nicht jedes Werk macht die perspektivische Brechung zu seinem ureigenen Grundsatz. Im ‚Doktor Faustus′ ist dies der Fall. Denn Vielschichtigkeit ist Strukturprinzip in diesem Roman: Schon der Versuch, ihn einer Gattung zuzuordnen, bereitet Schwierigkeiten. Ist es ein Zeitroman, ein Deutschlandroman, ein Künstlerroman oder vielleicht eher ein Bildungsroman? Diese unerschöpfliche Frage wird hier nicht beantwortet; eingegrenzter Standpunkt dieser Arbeit soll vielmehr sein: Nietzsche. Es soll den zahlreichen Anspielungen auf Nietzsche nachgegangen werden. Worauf genau wird angespielt? In welcher Weise? Wo kommen die Anspielungen vor? Welche Funktion erfüllen sie? Es wird sich dabei im Laufe der Untersuchung zeigen, dass Nietzsche sowohl bio-graphisch wie auch philosophisch rezipiert wird. Sein Leben ist Vorbild für Figuren des Romans und sein perspektivisches Denken eng eingewoben in die ambivalente Struktur des Romans. Ist ‚Doktor Faustus′ also in erster Linie ein Nietzsche-Roman? Ja. So wie der Hase in erster Linie eine Ente ist.

Excerpt


Gliederung

0. Präambel

1. Einleitung

2. Nietzsche von der ersten Seite an

3. Biographische Anspielungen

3.1. Zeitblom

3.2. Leverkühn

4. Die Experimente des Jonathan Leverkühn

4.1. Vererbungsmotiv

4.2. Chladnische Figuren

4.3. Die Art der Anspielung

5. Die Bordell-Episode

5.1. Motivzusammenhang

5.2. Nietzsche-Bezug

5.3. Der archaische Stil

6. Das Teufelsgespräch

6.1. Wahn oder Wirklichkeit

6.2. Der Perspektivismus der Teufels

6.3. Ecce homo

7. Fazit

8. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und analysiert, wie Leben und Philosophie Friedrich Nietzsches als Strukturprinzip und inhaltliche Vorlage in die Romanbiographie von Adrian Leverkühn und Serenus Zeitblom eingewoben sind.

  • Die biographischen Parallelen zwischen Nietzsche, Leverkühn und Zeitblom.
  • Die literarische Umsetzung von Nietzsches Perspektivismus innerhalb der Romanstruktur.
  • Die symbolische Bedeutung der naturwissenschaftlichen Experimente und des Bordell-Besuchs als Nietzsche-Allusionen.
  • Die Ambivalenz und Zweideutigkeit als zentrale, „dämonische“ Gestaltungsmittel.
  • Die Rolle des Teufelsgesprächs als Brennpunkt der Nietzsche-Rezeption.

Auszug aus dem Buch

4.2. Chladnische Figuren

„Zu den wenigen physikalischen Apparaten, über die Adrians Vater verfügte, gehörte eine runde und frei schwebende, nur in der Mitte auf einem Zapfen ruhende Glasplatte [..] Die Platte war nämlich mit feinem Sande bestreut, und vermittels eines Cellobogens [..] versetzte er sie in Schwingungen, nach welchen der erregte Sand sich zu erstaunlich präzisen und mannigfachen Figuren und Arabesken verschob und ordnete.“ Dieser physikalische Apparat ist ein wohlverborgenes Nietzsche-Zitat. Wir finden ihn als „chladnische Klangfigur“ in Nietzsches Frühschrift ‘Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn’ wieder. Er dient als Metapher einer skeptizistischen Sprachbetrachtung, die in einen umgreifenden Perspektivismus gebettet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Präambel: Einführung in den thematischen Kontext der Nietzsche-Rezeption im Werk von Thomas Mann durch Zitate und Korrespondenzen.

1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Deutungsmöglichkeiten des Romans unter besonderer Berücksichtigung der Nietzsche-Anspielungen.

2. Nietzsche von der ersten Seite an: Analyse der einleitenden Textstellen des Romans und Aufzeigen der ersten biographischen Parallelen zwischen Adrian Leverkühn und Nietzsche.

3. Biographische Anspielungen: Untersuchung der Übertragung von Nietzsches Lebensstationen und Ansichten auf die Romanfiguren Serenus Zeitblom und Adrian Leverkühn.

4. Die Experimente des Jonathan Leverkühn: Analyse der symbolischen Bedeutung naturwissenschaftlicher Versuche des Vaters für die Entwicklung des Sohnes und den Bezug zur Nietzsche-Philosophie.

5. Die Bordell-Episode: Deutung des zentralen Erlebnisses in Leipzig als biografische Referenz an Nietzsche und als Wendepunkt in der künstlerischen Entwicklung Leverkühns.

6. Das Teufelsgespräch: Untersuchung des Dialogs als Gipfelpunkt der perspektivischen Brechung und der philosophischen Auseinandersetzung mit Nietzsche.

7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Nietzsche-Rezeption als technisches und inhaltliches Strukturprinzip des Romans.

8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Doktor Faustus, Friedrich Nietzsche, Nietzsche-Rezeption, Adrian Leverkühn, Serenus Zeitblom, Perspektivismus, Biografie, Teufelspakt, Zweideutigkeit, Musik, Symbolik, Literaturwissenschaft, Moderne, Künstlerroman.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ als eine explizite Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche verstanden werden kann und wie dessen Biographie und Philosophie in den Roman integriert wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die biographische Spiegelung Nietzsches in den Romanfiguren, die Verwendung von Nietzsches Sprach- und Erkenntnistheorie (Perspektivismus) sowie das Motiv des Dämonischen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den „Doktor Faustus“ nicht nur als Roman über Musik oder den Teufelspakt zu lesen, sondern als ein Werk, das Nietzsches Denken in seine eigene Struktur und Ästhetik überführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman mit Nietzsches Schriften sowie biographischen Dokumenten und Sekundärliteratur vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen spezifischer Schlüsselstellen des Romans, darunter die Experimente von Leverkühns Vater, die Bordell-Episode in Leipzig und das zentrale Teufelsgespräch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Nietzsche-Rezeption, Perspektivismus, Doppelbiographie, Ambivalenz, Künstlertum und die Struktur des Vexierbildes zwischen Realität und Fiktion.

Wie deutet der Autor die Figur des Jonathan Leverkühn?

Jonathan Leverkühn wird als eine Figur charakterisiert, deren naturwissenschaftliche Laien-Experimente durch die Erzählweise Zeitbloms symbolisch aufgeladen werden und den Sohn bereits früh mit einer zweideutigen, „dämonischen“ Weltanschauung konfrontieren.

Inwieweit ist der Teufel im Roman ein Nietzscheaner?

Der Teufel nutzt in seinen Gesprächen mit Leverkühn Argumentationsmuster und Zitate, die unmittelbar aus Nietzsches Philosophie entlehnt sind, um traditionelle Moralvorstellungen zu demontieren und den Perspektivismus auf die Spitze zu treiben.

Excerpt out of 27 pages  - scroll top

Details

Title
Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für neuere deutsche Literatur)
Course
HS: Realismus und Naturalismus in Deutschland
Grade
1.0
Author
Axel Kannenberg (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V20263
ISBN (eBook)
9783638241960
Language
German
Tags
Nietzsche-Rezeption Thomas Manns Roman Doktor Faustus Realismus Naturalismus Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Kannenberg (Author), 2003, Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20263
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  27  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint