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Der Augsburger Religionsfrieden und seine Folgen - Die Auseinandersetzungen um den Geistlichen Vorbehalt auf dem Höhepunkt der Konfessionalisierung

Title: Der Augsburger Religionsfrieden und seine Folgen - Die Auseinandersetzungen um den Geistlichen Vorbehalt auf dem Höhepunkt der Konfessionalisierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: René Schlott (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Der Augsburger Reichsabschied vom September 1555 ist nach Martin
Heckel „das wichtigste Verfassungsgesetz des Konfessionellen Zeitalters“1
gewesen. Dessen weitreichendste Teile, die man meist als Augsburger
Religionsfrieden bezeichnet, beendeten die vorangegangenen
gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Religionsparteien im
Reich und setzten neben dem allgemeinen Landfrieden (§14)2, das ius
reformandi (§ 15) für die Reichsstände und das ius emigrandi (§ 24) für
deren Untertanen fest.
Der schwierige Friedensschluss, zustande gekommen durch das
juristische Instrument des Dissimulierens 3 und erreicht nur auf dem Wege
„politischen Taktierens, das auf lange Sicht den Kompromiß belasten
sollte“4, enthielt aus diesen Gründen komplizierte Ausnahmeregelungen
zu den genannten einfachen Grundprinzipien. Dazu gehören der § 27, der
für die Reichsstädte ein Nebeneinander von alter und neuer Konfession
vorsah, der § 19, welcher den Status der noch nach 1552 katholischen
reichsmittelbaren geistlichen Güter garantierte, und der in §18
festgeschriebene Geistliche Vorbehalt. Gerade am Wortlaut und an der
Durchsetzung des Geistlichen Vorbehalts entspannten sich nach 1555
verbale und auch gewaltsame Auseinandersetzungen, die im Mittelpunkt
der vorliegenden Arbeit stehen, denn „gleich nach dem Friedensschluß
ging das hundertjährige, wechselvolle Ringen um die Auslegung seiner
Artikel an, das die Epoche bis zum Westfälischen Frieden beherrschte.“5
So bestritten die Protestanten schon auf dem Reichstag von Regensburg
1556/57 die rechtliche Verbindlichkeit des GV und beantragten dessen
Aufhebung durch den Kaiser.6 [...]

1 Heckel, Zeitalter, S.33. Zur Forschungskontroverse um den Begriff und die
Periodisierung des Konfessionellen Zeitalters siehe Ehrenpreis, Stefan/ Lotz-Heumann,
Ute, Reformation und konfessionelles Zeitalter, Darmstadt 2002, S.62-80.
2 Die Paragraphenangaben wurden vom Abdruck des AR in Deutsche Geschichte in
Quellen und Darstellungen, Bd.3, S. 471-484, übernommen.
3 Vgl. Gotthard, Reich, S.61, im Prozess des Dissimulierens wurde „mit undeutlichen und
doppeldeutigen Begriffen jongliert, um nur überhaupt einen kompromissfähigen Text zu
Stande zu bekommen“.
4 Schilling, Aufbruch, S.259.
5 Heckel, Autonomia, S.158.
6 Ritter, Gegenreformation, Bd. 1, S.130 ff., 138, 191 ff.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bestimmungen des Geistlichen Vorbehalts und der Declaratio Ferdinandea und die juristische Argumentation um ihre Rechtsgültigkeit

3 Die Entwicklungen im Reich in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Religionsfrieden

4 Konfessionskonflikte um den Geistlichen Vorbehalt seit den 1580er Jahren

4.1 Der Kölner Krieg als erste gewaltsame Auseinandersetzung um den Geistlichen Vorbehalt

4.2 Die erneute gewaltsame Verteidigung des Geistlichen Vorbehalts im Straßburger Kapitelstreit

4.3 Die Lähmung der Reichsverfassung als Folge des Magdeburger Sessionsstreites

5 Ein „programmierter Unfriede“? – Bewertungen des Religionsfriedens

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die verfassungsrechtlichen und politischen Auseinandersetzungen um den „Geistlichen Vorbehalt“ im Heiligen Römischen Reich nach 1555. Das primäre Ziel ist es, den Ursprung und die Radikalisierung dieser Konflikte zu analysieren und die Frage zu beantworten, inwiefern der Augsburger Religionsfrieden als „programmierter Unfriede“ zu bewerten ist.

  • Rechtliche Grundlagen und Schwachstellen des Augsburger Religionsfriedens
  • Der Geistliche Vorbehalt als zentraler Streitpunkt der Konfessionalisierung
  • Gewaltsame Konfliktfälle: Kölner Krieg und Straßburger Kapitelstreit
  • Institutionelle Blockade und Lähmung der Reichsverfassung

Auszug aus dem Buch

4.1 Der Kölner Krieg als erste gewaltsame Auseinandersetzung um den Geistlichen Vorbehalt

Im Sommer 1582 hatte sich der seit 1577 amtierende Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg zur Konversion entschlossen, um das protestantische Stiftsfräulein Agnes von Mansfeld heiraten zu können. Dem Geistlichen Vorbehalt gemäß wollte er zunächst auf alle Ämter verzichten und seine Würden niederlegen. Doch die Familie der Stiftsdame und die protestantischen Grafen der Wetterau drängten Gebhard seine Würden im Falle des Übertritts nicht aufzugeben und die CA in Köln einzuführen.

Als Gebhard im Dezember 1582 seinen Glaubenswechsel öffentlich machte und für das Erzbistum Köln die Gleichberechtigung der beiden Konfessionen verkündete, verstieß er nach katholischem Rechtsverständnis eklatant gegen den Geistlichen Vorbehalt, denn er wollte nun an seinem Bischofsstuhl und seiner Kurfürstenstimme festhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Augsburger Reichsabschieds von 1555 als zentrales Verfassungsgesetz und skizziert die Problematik des Geistlichen Vorbehalts als Ausgangspunkt für langjährige konfessionelle Auseinandersetzungen.

2 Die Bestimmungen des Geistlichen Vorbehalts und der Declaratio Ferdinandea und die juristische Argumentation um ihre Rechtsgültigkeit: Dieses Kapitel analysiert den rechtlichen Status des Geistlichen Vorbehalts und der Declaratio Ferdinandea sowie die gegensätzlichen Argumentationen der Konfessionen hinsichtlich ihrer Verbindlichkeit.

3 Die Entwicklungen im Reich in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Religionsfrieden: Hier wird der Friedenszustand der ersten zwei Jahrzehnte nach 1555 beleuchtet, in denen trotz äußerer Ruhe erste Spannungen und theologische Lehrstreitigkeiten den Zusammenhalt im Reich zu schwächen begannen.

4 Konfessionskonflikte um den Geistlichen Vorbehalt seit den 1580er Jahren: Das Kapitel untersucht die Verschärfung der Konflikte, die zum Übergang von verbalen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führten.

4.1 Der Kölner Krieg als erste gewaltsame Auseinandersetzung um den Geistlichen Vorbehalt: Fokus auf die Konversion des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchseß von Waldburg und deren verheerende Folgen für die katholische Mehrheit im Kurfürstenrat.

4.2 Die erneute gewaltsame Verteidigung des Geistlichen Vorbehalts im Straßburger Kapitelstreit: Beschreibung des Konflikts um die Besetzung des Straßburger Kapitels und die gewaltsame Behauptung der katholischen Sache nach dem Kölner Vorbild.

4.3 Die Lähmung der Reichsverfassung als Folge des Magdeburger Sessionsstreites: Analyse der Blockade der Reichsorgane, insbesondere des Reichskammergerichts, durch den Streit um den Magdeburger Bischofssitz.

5 Ein „programmierter Unfriede“? – Bewertungen des Religionsfriedens: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsmeinungen zum Augsburger Religionsfrieden und dessen Rolle in der Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches bis zum Dreißigjährigen Krieg.

Schlüsselwörter

Augsburger Religionsfrieden, Geistlicher Vorbehalt, Konfessionalisierung, Declaratio Ferdinandea, Kölner Krieg, Straßburger Kapitelstreit, Reichsverfassung, Reichskammergericht, Konfessionskonflikt, Reformation, Gegenreformation, Kurfürstenrat, Reichsabschied, Reichsstände, Glaubenswechsel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die verfassungsrechtlichen Konflikte im Heiligen Römischen Reich, die sich aus der unterschiedlichen Auslegung des Geistlichen Vorbehalts nach 1555 ergaben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die rechtliche Ambivalenz des Religionsfriedens, die politische Bedeutung konfessioneller Übertritte geistlicher Fürsten und die daraus resultierende Lähmung reichspolitischer Institutionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Entwicklung von den ersten Kompromissversuchen 1555 hin zur gewaltsamen Eskalation der Konfessionskonflikte in der Zeit um 1600 zu verstehen und die Frage zu klären, ob der Frieden die Bedingungen für spätere Kriege bereits in sich trug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und der modernen fachwissenschaftlichen Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich drei konkreten Konfliktfällen: dem Kölner Krieg, dem Straßburger Kapitelstreit und dem Magdeburger Sessionsstreit, sowie deren Auswirkung auf das Funktionieren der Reichsverfassung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Geistlicher Vorbehalt, Augsburger Religionsfrieden, Konfessionalisierung, Reichsverfassung und die genannten territorialen Konfliktherde.

Warum war der Kölner Krieg von so großer Bedeutung für das Reich?

Der Kölner Krieg war deshalb so bedeutsam, weil er erstmals die katholische Mehrheit im Kurfürstenrat gefährdete und die Gefahr eines erneuten großen Religionskrieges durch massive Waffengewalt real werden ließ.

Welchen Einfluss hatte der Magdeburger Sessionsstreit auf die Institutionen des Reiches?

Der Streit führte zur Lähmung des Reichskammergerichts und des Visitationwesens, was die friedliche, rechtliche Konfliktaustragung zwischen den Konfessionen unmöglich machte und die Reichsverfassung in die Krise stürzte.

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Details

Title
Der Augsburger Religionsfrieden und seine Folgen - Die Auseinandersetzungen um den Geistlichen Vorbehalt auf dem Höhepunkt der Konfessionalisierung
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Der Augsburger Religionsfrieden 1555
Grade
1,7
Author
René Schlott (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V20270
ISBN (eBook)
9783638242028
Language
German
Tags
Augsburger Religionsfrieden Folgen Auseinandersetzungen Geistlichen Vorbehalt Höhepunkt Konfessionalisierung Augsburger Religionsfrieden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
René Schlott (Author), 2003, Der Augsburger Religionsfrieden und seine Folgen - Die Auseinandersetzungen um den Geistlichen Vorbehalt auf dem Höhepunkt der Konfessionalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20270
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