Über die Grenzen von Nationalität und Ethnizität hinaus agieren pentekostale Bewegungen schon seit Jahrzehnten mit Hilfe von Fernsehsendungen und Radioshows in einem transnationalen, globalen Rahmen. Seit Beginn der 90er-Jahre etablierte sich jedoch ein neues, digitales Medium zunehmend als globale Verbreitungsmöglichkeit von Informationen: das Internet. Unabhängig von Kosten für Sendezeiten und politischen Beschränkungen kann jeder zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt Informationen empfangen und verbreiten. Den letzten Schätzungen von Internet World Stats zufolge, hatten 2011 allein in Europa 61,3% der Gesamtbevölkerung Zugang zum World Wide Web. Die Zahlen für Afrika stiegen in den letzten zehn Jahren von rund 4,5 Mio. Nutzern im Jahr 2000 auf ca. 139.875 Mio. im Jahr 2011, d.h. auf 13,5% der Gesamtbevölkerung des Kontinents.
„The Holy Ghost travels well on the Internet“ – was schon für Fernsehen, Radio und Printmedien galt, gilt auch für die neuen digitalen Medien. Zunehmend verlegen pentekostale Denominationen ihre Aktivitäten ins World Wide Web – die meisten betreiben schon seit Jahren eigene Webseiten, sind auf Videoportalen wie beispielsweise YouTube oder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter vertreten. Neben der Redeemed Christian Church of God ist die Christ Embassy eine der einflussreichsten und finanzkräftigsten neo-charismatischen Denominationen Nigerias. Sie unterhält zahlreiche Auftritte im Internet, ist in den global bedeutendsten Netzwerken vertreten und gründete verschiedene soziale Netzwerke, von denen Yookos, das im Januar 2011 ihr eigenes soziales Netzwerk, mit rund 6 Mio. Nutzern, das wohl erfolgreichste ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Pentecostal Churches in Westafrika
II.1 „Afrikanisches Christentum“ und neo-charismatische Bewegungen
II.2 Entstehung der neo-charismatischen Strömungen in Nigeria
II.3 Popularität
III. Medien
III.1. Entwicklung der Medienlandschaft Nigerias
IV. Das Seelenheil in der virtuellen Welt
IV.1 Christ Embassy, Nigeria
IV.2 Pastor Chris im Web 2.0
IV.2.1 Yookos
V. Der Einfluss des Internets auf das reale Gemeindeleben
V.1 Konventionelle Internetseiten
V.2 Soziale Netzwerke
VI. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht am Beispiel der nigerianischen Denomination „Christ Embassy“, wie neo-charismatische Bewegungen das Internet und das Web 2.0 zur globalen Verbreitung ihrer religiösen Botschaft sowie zur Organisation ihrer Gemeinschaft nutzen. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Zwecke die digitalen Medien verfolgen und wie sich die digitale Präsenz auf das reale Gemeindeleben und die lokalen Sozialstrukturen auswirkt.
- Entwicklung und Dynamik neo-charismatischer Bewegungen in Nigeria.
- Rolle der Medien und des Internetzeitalters für die Verbreitung religiöser Überzeugungen.
- Strategien der Christ Embassy zur Selbstinszenierung im Web 2.0.
- Analyse des sozialen Netzwerks „Yookos“ als transnationale Plattform.
- Einfluss virtueller religiöser Gemeinschaften auf reale soziale Beziehungen.
Auszug aus dem Buch
IV.1 Christ Embassy, Nigeria
Die Christ Embassy, die auch unter dem Namen Believers Love World Incorporated bekannt ist, ist eine der größten, einflussreichsten und auch finanzkräftigsten neo-charismatischen Denominationen Nigerias.
Gründer und Gallionsfigur ist Christian Oyakhilome, von seinen Anhängern vertraulich „Pastor Chris“ genannt, der gemeinsam mit seiner Frau Anita ein global agierendes Netzwerk und Medienimperium geschaffen hat. Wo für andere Kirchen und Religionsgemeinschaften Nigerias bereits wissenschaftliche Betrachtungen veröffentlicht wurden, existiert für die Christ Embassy bisher nichts dergleichen. Der Name taucht jedoch immer wieder in den Medien auf. Die Organisation wurde vor allem in jüngster Zeit vermehrt das Opfer von Bombenattentaten, wie im Februar 2012, als in Suleja während eines Gottesdienstes ein Anschlag verübt wurde. Zudem tauchen auch immer wieder Berichte auf, die kritisch mit der Christ Embassy umgehen.
„…Giving your life a meaning“, Christian Oyakhilome erscheint wie die Personifikation des Leitspruchs der Organisation. Er ist Gründer dreier großer, christlicher Fernsehsender, LoveWorld TV mit Sitz in Großbritannien, LoveWorld SAT mit Sitz in Südafrika und LoveWorld Plus mit Sitz in Nigeria. Diese präsentieren sich als familienfreundliche Sender, d.h. sie bieten Programme für alle Alters- und Zielgruppen an. Im Gewand modernster Technik wird aktuelles Tagesgeschehen mit der christlichen Botschaft verknüpft, wobei die Verbindung zur Christ Embassy omnipräsent ist. Oyakhilome bezeichnet sich selbst als Televangelist und faith healer. Der Hauptsitz der Christ Embassy befindet sich in Lagos. Angaben über aktuelle Mitgliederzahlen sind nicht verfügbar, aber mit Großbritannien, den USA, Nigeria, Südafrika und Kanada werden fünf große Sitze der Organisation angegeben und allein im Hinblick auf die Nutzerzahlen von Yookos, einem der organisationseigenen sozialen Netzwerke, hat die neo-charismatische Denomination mehrere Millionen Anhänger und zieht „over 3.5 million in a single night's event“ an.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Arbeit führt in die globale Nutzung des Internets durch pentekostale Bewegungen ein und stellt die Christ Embassy als Fallbeispiel für die religiöse Medienlandschaft Nigerias vor.
II. Pentecostal Churches in Westafrika: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung und die Merkmale neo-charismatischer Bewegungen in Nigeria sowie deren wachsende Popularität im sozialen Kontext.
III. Medien: Es wird die Entwicklung der Medienlandschaft Nigerias analysiert und die zunehmende Bedeutung von Massenmedien sowie dem Internet für die Verbreitung religiöser Inhalte dargestellt.
IV. Das Seelenheil in der virtuellen Welt: Hier werden die digitalen Strategien der Christ Embassy, insbesondere der Einsatz von Web 2.0-Technologien und dem eigenen Netzwerk „Yookos“, untersucht.
V. Der Einfluss des Internets auf das reale Gemeindeleben: Die Auswirkungen der Internetnutzung auf reale Sozialstrukturen und die zwischenmenschliche Kommunikation innerhalb der Glaubensgemeinschaft werden kritisch hinterfragt.
VI. Konklusion: Das Fazit fasst zusammen, dass das Internet als geschützter öffentlicher Raum für die Christ Embassy fungiert, ohne jedoch das lokale Gemeindeleben zu ersetzen.
Schlüsselwörter
Nigeria, Christ Embassy, Neo-charismatische Bewegung, Pfingstbewegung, Internet, Web 2.0, Yookos, Pastor Chris, Religion, Medien, Wohlstandsevangelium, Digitale Missionierung, Transnationalität, Soziale Netzwerke, Gemeindeentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie neo-charismatische religiöse Organisationen in Nigeria, speziell die „Christ Embassy“, digitale Medien wie das Internet und soziale Netzwerke nutzen, um ihre Glaubensbotschaft zu verbreiten und ihre Gemeinschaft global zu organisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der nigerianischen Medienlandschaft, die Strategien zur „Digitalisierung“ von Religion, die Verbindung von populärer Kultur und Glauben sowie die soziologische Untersuchung der Auswirkungen virtueller Interaktionen auf reale soziale Strukturen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie und zu welchem Zweck neue digitale Medien von der Christ Embassy eingesetzt werden und inwiefern diese die Kommunikation innerhalb der Gemeinde sowie die soziale Vernetzung verändern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer fundierten theoretischen Literaturanalyse wurde im Rahmen der Arbeit eine empirische Umfrage unter Mitgliedern des sozialen Netzwerks „Yookos“ durchgeführt, um deren Nutzungsverhalten und die Auswirkungen auf ihr Gemeindeleben zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehung der Bewegung, die Analyse der christlichen Mediennutzung (einschließlich Web 2.0) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Plattform „Yookos“ sowie deren Einfluss auf die reale Gemeinschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nigeria, Christ Embassy, Neo-charismatische Bewegung, Web 2.0, Yookos, Pastor Chris, Digitale Missionierung und soziale Netzwerke.
Was macht die Christ Embassy im Web 2.0 so erfolgreich?
Die Organisation nutzt eine Kombination aus werbewirksamer Selbstpräsentation, moderner Technologie und einer starken Vernetzung über eigene Plattformen wie Yookos, die speziell auf ein afrikanisch orientiertes, globales Publikum zugeschnitten sind.
Welchen Einfluss hat Yookos auf die Gemeindemitglieder?
Die Umfrage ergab, dass die Plattform die Partizipation am Gemeindeleben fördert, den sozialen Austausch über weite Distanzen ermöglicht und den Mitgliedern hilft, ihre Religion strukturierter in den Alltag zu integrieren.
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- Svenja Heneka (Author), 2012, Holy Ghost 2.0 - Neo-charismatische Bewegungen im Internetzeitalter am Beispiel der Christ Embassy, Nigeria, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202717