Untersuchung ausgewählter Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise von 2007 – 2009 nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes


Hausarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ablauf der Finanzkrise
2.1 Ursachen und Entstehung
2.2 Die Blase platzt

3 Der freie Markt: Theoretische Grundlagen heutiger Entscheidungen
3.1 Adam Smith (1723 – 1790)
3.2 John M. Keynes (1883 – 1946)
3.3 Milton Friedman (1912 – 2006)

4 Die Suche nach dem Fehler
4.1 Die Notenbanken
4.2 Die Ratingagenturen
4.3 Regierungen und Aufsichtsbehörden

5 Notwendige Regulierungen der internationalen Finanzmärkte
5.1 Neue Regeln für den Handel und eine neue Aufsichtsstruktur in der Europäischen Union
5.1.1 Zur Neuregelung der Mikroaufsicht
5.1.2 Zur Einführung einer Makroaufsicht
5.2 Alternative Reformvorschläge
5.2.1 Eine mögliche Reform der Ratingagenturen
5.2.2 EZB statt ESRB
5.2.3 Das Gespenst der Finanztransaktionssteuer

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Es heißt, dass man aus der Geschichte lernen kann. Der Umgang mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre des vorigen Jahrhunderts wird heute oft zum Vergleich herangezogen, wenn es um die politische Beherrschung des Marktversagens, also um die Vermeidung eines Staatsversagens geht. Dies soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt bleiben, da es zum Teil vergleichbare Momente der Krisen damals wie heute gab und diese durchaus einen Einfluss auf Entscheidungsoptionen der Akteure heute hatten.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Finanzkrise 2007-2009, genauer mit der Frage danach, welche Akteure oder Systeme vor und während der Krise versagt haben und somit die Entwicklung verursacht oder begünstigt haben. Immer unter dem Gesichtspunkt der handelnden Akteure stellen sich folgende Fragen: Wie konnte es zu solch sagenhaften Ausmaßen kommen? Wer hat wann, wie und warum gehandelt? War dieses Handeln krisenverschärfend oder hat es mildernd gewirkt?

Markt- und Staatsversagen sind hier nicht sinnvoll voneinander zu trennen. Zwar handelt es sich um verschiedene Ansätze zur Erklärung der Ursachen der Krise, jedoch kann von einem Staatsversagen sinnvollerweise nur dann gesprochen werden, wenn ein Marktversagen vorherrscht und dies allgemein bekannt und akzeptiert ist, oder wenn ein Marktversagen vorhersehbar ist. Erst dann kann ein Staat Regulierungsmaßnahmen ergreifen, um dem Versagen des allzu freien Marktes entgegen zu wirken.

Folglich stellt sich zunächst die Frage ob, und wenn wann, die Krise in ihrem aktuellen Ausmaß abzusehen war. Wann also bestand die Möglichkeit des Staates zu versagen? Oder ist das Versagen doch woanders zu suchen? Darf man, je nach Glaubensrichtung, überhaupt nicht von einem Fehler sprechen, sondern sind Finanzblasen vielmehr „natürliche“ Übel mit denen wir lernen müssen umzugehen? Mit der genaueren Betrachtung einzelner Handelnden versucht diese Arbeit einer Antwort auf in der Einleitung genannte Fragen näher zu kommen.

Im ersten Abschnitt, Kapitel zwei, wird grob der Ablauf der Finanzkrise skizziert, zum einen, um die Ursachen herauszuarbeiten, zum anderen, um Begrifflichkeiten des Finanzsektors einzuführen, ohne die ein Verständnis der Geschehnisse nicht möglich wäre.

Um oben genannte und ähnliche Fragen beantworten zu können, müssen wir uns zudem einen Überblick über die ideologischen Grundlagen der Beteiligten verschaffen. So werden in Kapitel drei einige Ideengeber vorgestellt, die das vorherrschende Meinungsbild zu freien Märkten deutlich geprägt haben. Hierzu gehören A. Smith, J. M. Keynes, sowie M. Friedman. Die Betrachtung der (neo-) liberalen Theorie als grundlegender Glaubensrichtung unseres heutigen Kapitalismus soll eine Nachvollziehbarkeit für die Handlungen der beteiligten Akteure beim Leser herbeiführen.

Anschließend, in Kapitel vier, werden eben solche Handlungen spezifischer Akteure der Finanzkrise beleuchtet, mit dem Ziel, herauszufinden, welchem jeweiligen Handelnden eine mehr oder minder entscheidende Rolle in der Entwicklung der Krise zukommt. Hierbei stellt sich immer die Frage, ob die Krise der Finanzmärkte vermeidbar gewesen wäre oder zumindest in ihrem Umfang kleiner hätte ausfallen können. Die Hauptakteure in diesem wirtschaftlichen Drama sind in der weltweiten Hochfinanz zu finden. Hierbei handelt es sich insbesondere um große, internationale Banken und Investmentbanken, Ratingagenturen, sowie Notenbanken, die Bankenaufsichten und nicht zuletzt die Regierungen.

Ausgehend von der Analyse bestimmter Handlungen der verschiedenen Akteure wird in Kapitel fünf gezeigt, warum der Finanzmarkt reguliert werden muss um ähnliche Krisen in der Zukunft zu vermeiden, oder zumindest unwahrscheinlicher zu machen. Außerdem werden einige Regulierungsvorschläge aufgezeigt und auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft.

2 Ablauf der Finanzkrise

2.1 Ursachen und Entstehung

Um begreifen zu können, wie es zu einer derart überdimensionalen Verzerrung des globalen Finanzsektors kommen konnte betrachten wir zunächst die Vorbedingungen und begünstigenden Umstände. Nachdem zu Beginn des Jahrtausends die sogenannte „New Economy- Blase“ geplatzt war, fand zwischen 2003 und 2006 ein weltweites Wirtschaftswachstum statt[1]. Begünstigt durch immer niedrigere Leitzinsen der US-Notenbank „Federal Reserve“ (Fed) fielen die Preise für Kredite. Dies führte dazu, dass der ohnehin boomende Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten weiter an Schwung gewann[2]. Um zusätzliches Wachstum zu generieren, wurden nun auch Kredite an Bürger mit schlechter Bonität vergeben. Als Sicherheiten für die Kredite wurden die zu kaufenden Häuser akzeptiert, deren Preis allein zwischen 1996 und 2006 in den USA um über 50% stieg[3]. Um die zumeist variablen Zinsen decken zu können, mussten die neuen Hausbesitzer den stetigen Wertzuwachs ihrer Häuser fest mit einplanen. Die massenhaft vergebenen Kredite an die bonitätsmäßig schwachen Hausbesitzer fanden schnell einen Oberbegriff, der das hohe Risiko eines Ausfalls der Ratenzahlungen allenfalls andeutete. Man sprach von „subprime“, also „suboptimal“.

Eine bedeutende Innovation der Finanzbranche mit dem Namen „Collateralized Debt Obligations“ (CDO) ermöglichte es den Investmentbanken, die vergebenen Hypothekenkredite unterschiedlicher Qualität zusammenzufassen, um sie im nächsten Schritt in verschiedene Tranchen (Teile) zu zerlegen.

„Diese Tranchen unterscheiden sich danach, welche Vorrangigkeit die Käufer/Gläubiger im Falle von Zahlungsschwierigkeiten genießen. Dabei trägt die unsicherste Tranche alle Ausfallrisiken, während die sicherste Tranche von einem Kreditausfall erst getroffen wird, wenn alle anderen schon vom Zahlungsausfall betroffen sind und das Kreditparket gar nicht mehr bedient wird.“[4]

Diese Art der Verpackung und anschließendem Verkauf von Krediten wurde zur gängigen Praxis. Die zu erwartenden Renditen der Anleger, bei gleichzeitig niedrigen Zinsen und hohen Immobilienpreisen, waren groß. Offensichtlich hat sich diese Tatsache schnell herumgesprochen, jedoch scheinbar ohne die damit verbundenen Risiken wahrzunehmen. Ein Grund für das blinde Vertrauen der Anleger in die CDO war, dass die beiden weltweit marktführenden Ratingagenturen „Moody's“ und „Standard & Poor's“ den einzelnen Tranchen regelmäßig Bestnoten, AAA, gaben.

„Tatsächlich aber ist ein AAA für eine CDO-Tranche ein Urteil über die relative Vorrangigkeit gegenüber anderen, nicht dagegen eines über die Qualität der im ganzen Paket versammelten Kreditverträge.“[5]

Auf die Rolle der Ratingagenturen wird im späteren Verlauf genauer eingegangen[6].

Zumindest hatten die CDO für die Banken den großen Vorteil, die von ihnen vergebenen Kredite und deren Risiken durch Weiterverkauf aus ihrer Bilanz zu entfernen, um somit die Eigenkapitalquote unberührt zu lassen. So hatten die Banken die nahezu unbegrenzte Möglichkeit, günstige Hypothekenkredite zu vergeben[7]. Ein weiterer wichtiger Faktor war, dass nun auch Investmentbanken, welche nicht der Bankenaufsicht unterstanden, in den Handel mit Krediten einsteigen konnten, ohne die dafür nötigen Eigenkapitalreserven zu halten.

2.2 Die Blase platzt

Vom Jahresbeginn 2006 an fielen die Immobilienpreise in den USA bis Anfang 2009 um ca. 30%[8]. Somit verloren vor allem die ärmeren der neuen Hausbesitzer an Bonität und konnten ihre Immobilien nicht weiter beleihen. Hinzu kam, dass die Fed vom 30.06.2004 an den Leitzins schrittweise erhöhte, und zwar von 1,25% auf 5,25% am 29.06.2006[9]. In den USA ist es üblich, Kredite mit variablen Zinssätzen zu versehen. Die Geldmarktpolitik der „Fed“ schlug somit direkt auf den Kreditmarkt durch. Hypothekenkredite wurden innerhalb von zwei Jahren deutlich teurer.

Beides, das Absacken der Immobilienpreise und die schrittweise Erhöhung des Leitzinssatzes hatte zur Folge, dass die ohnehin risikoreichen Kredite noch unsicherer wurden und teilweise überhaupt nicht mehr bedient werden konnten. Dies führte letztlich dazu, dass der Wert der zu Paketen gebündelten Kredite, CDO, drastisch nach unten korrigiert werden musste.

Im Laufe der Jahre 2007-2008 kam es dann zu einer Umstrukturierung im globalen Bankensektor. Viele Banken hatten deutlich zu wenig Eigenkapitalrücklagen gebildet, um die massive Abwertung der CDO aus eigener Kraft auffangen zu können. Hierbei mangelte es nicht an Regelungen, wie viel Eigenkapital eine Bank relativ zu ihren Verbindlichkeiten aufweisen musste, sondern vielmehr daran, dass die mit CDO handelnden Banken diese meistens an sogenannte Zweckgesellschaften („Special Purpose Entity“ (SPE)) weitergaben, welche sie selbst zu eben diesem Zweck gründeten. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung über die bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften beschreibt treffend, wie es Banken möglich war, bestehende Bilanzierungsvorschriften zu umgehen und wie es folglich zu einem solch hohen Volumen der gehandelten Kreditpakete kommen konnte:

„Der Initiator der SPE veräußert Forderungen an die SPE und erhält im Gegenzug Finanzmittel. Die SPE wiederum refinanziert den Forderungskauf durch Ausgabe von ABS-Wertpapieren (Anleihen, Commercial-Papers, Medium-Term-Notes etc.) am Geld- und Kapitalmarkt, die meist an institutionelle Anleger ausgegeben werden. Die erworbenen Forderungen dienen gleichzeitig als Sicherheit für die emittierten Wertpapiere.“[10]

ABS (Asset-Backed Security)- Wertpapiere sind „Forderungbesicherte Wertpapiere“, die als Hypothekenkredite mehrfach und bunt gemischt in den hier häufiger angesprochenen CDO- Papieren gebündelt wurden[11].

Weiter heißt es in der Studie:

„Bei geschickter Konstruktion, wie z.B. der Art der verkauften Forderungen, des vom Initiator gehaltenen Eigenkapitalanteils an der SPE sowie die Anzahl der Stimmrechte, kann eine Konsolidierung der SPE umgangen werden. Die Forderungen können somit nicht nur aus der Einzelbilanz des Initiators eliminiert werden, sondern auch aus der Konzernbilanz.“[12]

Jede Bank also, die ihre Kreditrisiken in eine von ihr selbst initiierte Zweckgesellschaft ausgliedern konnte, bereinigte ihre Bilanz von ebendiesen Risiken. Trotz dieses Buchhaltertricks waren die Risiken nicht aus der Welt geräumt. Mehreren Banken drohte die Insolvenz aufgrund der massiven Wertverluste der CDO. Schließlich hatten die Banken Garantien für ihre Zweckgesellschaften ausgegeben. Um den Bankrott abwenden zu können, musste schnell viel frisches Geld her. Das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit zwischen den Banken sank gegen null, da niemand genau wusste, welche Bank, einschließlich ihrer Zweckgesellschaften, in welchem Ausmaß auf möglicherweise wertlosen CDO-Papieren saß. Dies hatte zur Folge, dass eine Liquiditätskrise heraufzog, welche nur noch von staatlicher Seite her behoben werden konnte, indem entweder günstige Kredite vergeben oder direkte Beteiligungen an den Banken seitens des Staates[13] erworben wurden. Weiterhin wurde in wenigen Fällen der Aufkauf einer Bank durch eine nächste von staatlicher Seite subventioniert, so geschehen bei dem Verkauf der Investmentbank Bear Stearns an JP Morgan Chase[14].

[...]


[1] Vgl.: OECD: Country statistical profiles 2009: United Sates, sowie: http://www.economic-growth.eu/Seiten/20-Jahres-Ueberblick/Wachstum-20_Jahre.html.

[2] Vgl.: Sachverständigenrat: Die Finanzkrise meistern – Wachstumskräfte stärken, S. 119.

[3] Vgl.: http://www2.standardandpoors.com/spf/pdf/index/CSHomePrice_History_23716.xls.

[4] Zeise, Lucas: Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft, S. 56.

[5] Zeise, Lucas: Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft, S. 57.

[6] Siehe Kapitel 4.3.

[7] Vgl.: Zeise, Lucas: Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft, S. 82f.

[8] Vgl.: http://www2.standardandpoors.com/spf/pdf/index/CSHomePrice_History_033114.xls.

[9] Vgl.: http://www.leitzinsen.info/usa.htm.

[10] http://www.boeckler.de/pdf/p_edition_hbs_177.pdf (Seite 41).

[11] ABS dient als Oberbegriff aller forderungsbesicherter Wertpapiere, CDO sind lediglich eine bestimmte Art dieser.

[12] http://www.boeckler.de/pdf/p_edition_hbs_177.pdf (Seite 41).

[13] Zum Beispiel die direkte Beteiligung des Staates an der Commerzbank. Vgl.: Zeise, Lucas: Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft, S. 158f.

[14] Vgl.: Zeise, Lucas: Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft, S. 138f.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Untersuchung ausgewählter Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise von 2007 – 2009 nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Aktuelle Probleme Politischen Entscheidens
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V202823
ISBN (eBook)
9783656292050
ISBN (Buch)
9783656293965
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Immobilienkrise, Finanzkrise, Finanzmarktregulierung, Entstehung der Finanzkrise
Arbeit zitieren
Sascha Lankers (Autor), 2011, Untersuchung ausgewählter Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise von 2007 – 2009 nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202823

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