Wie lebe ich mit dem Tod


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung: Wie lebe ich mit dem Tod?
1.1) Rituale von Früher:
1.2) Der Tod in der Moderne:
1.3) Der neue unschicke Tod:

2) Die Medikalisierung:
2.1) Das Verschwimmen der Grenze zwischen Leben und Tod:

3) Die Verdrängung des Todes:

4) Über den Tod sprechen:
4.1) Beratungsliteratur:
4.2) Das Sterben eines Anderen:

5) Fazit:

6) Quellenverzeichnis:

Einleitung:
1) Wie lebe ich mit dem Tod?

Der Tod lebt unter uns. Jeden Tag sterben mehrere Tausend Menschen auf der ganzen Welt. Der Tod ist immer irgendwo präsent und jedes Lebewesen muss eines Tages sterben. Nichts in unserem Leben ist so sicher, wie die Tatsache sterben zu müssen. Jeder muss es und keiner weiß wann es passiert. Trotzdem findet der Tod in unseren gesellschaftlichen Gesprächen einen kaum nennenswerten Platz. Vorherrschend sind eher Unverständnis gegenüber der Endlichkeit menschlicher Existenz sowie daraus resultierend eine radikale Unvertretbarkeit dem Tod gegenüber.

Durch die Nichterfahrbarkeit des Todes stellt sich die Frage, wie der Mensch seinen Alltag beschreitet und was passiert, wenn man doch mit dem Tod in Berührung gekommen, aber selber verschont geblieben ist? Wie kann man dann mit dem Tod leben und das Erlebte, den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten?

Rituale von früher werden in der modernen Gesellschaft nicht mehr praktiziert und können so keine Vertrautheit mehr in der Sterbebegleitung liefern. Auch die Betreuung Trauernder wird in unserer Gesellschaft immer mehr zur unüberbrückbaren Hürde, weil nicht nur der Tod ausgebürgert zu sein scheint, sondern auch die Hinterbliebenen.

Im Alltag denkt ein junger Mensch kaum an das Sterben und an den Tod. Beides liegt in der Ferne und man fühlt sich dem gegenüber unantastbar. Der Tod scheint etwas in unserer Gesellschaft zu sein, das man so weit wie möglich von sich fern halten muss. Etwas, das es zu verhindern gilt und nicht thematisiert werden soll.

Diese wissenschaftliche Arbeit soll sich mit dem Thema auseinander setzen, was ein Individuum tun kann, wenn er mit dem Tod konfrontiert wird. Zwischen Tabuisierung und Geschwätzigkeit soll ein Weg gefunden werden mit dem Tod leben zu können, ohne ihn verhindern oder davonlaufen zu wollen. Diese Arbeit soll einen Weg auftun, den Tod nicht als Feind ansehen zu müssen, sondern ihn als Teil eines Ganzen betrachten zu können. Sie soll verdeutlichen, wie wichtig die Diskussion um die Probleme der Sterbebegleitung in unserer modernen Gesellschaft ist und aufzeigen, dass auch wenn das Sterben mit Sicherheit das sensibelste Thema ist, es trotzdem einen hohen Stellenplatz in Gesprächen einnehmen sollte. Es gilt, den Sterbenden und ihren Angehörigen Möglichkeiten aufzutun, in denen sie sich auch in dieser Phase ihres Lebens in sozialen Beziehungen wiederfinden und nicht in die Einsamkeit verbannt werden.

1.1)
Rituale von Früher

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Tod eines Verstorbenen in der ganzen Gemeinde zelebriert. Die Nachricht des Todes wurde an der Haustür des Verstorbenen angeschlagen und so konnte jeder der das Bedürfnis der letzten Ehre verspürte, eintreten und sich beim Leichnam verabschieden. Auch am Gottesdienst in der Kirche versammelte sich die gesamte Gemeinde. Anschließend geleitete ein langsamer Trauerzug den Sarg zum Friedhof. „Die Trauerzeit war mit Besuchen ausgefüllt“ (Ariés, Philippe: „Geschichte des Todes“, München 2009, Seite 715). Es kamen Verwandte und Bekannte zum Friedhof und verabschiedeten sich von der Seele des Verstorbenen. Die Besuche von Angehörigen und deren Freunden fand zudem auch bei der Familie zuhause statt.

Der Tod eines Menschen ging die ganze Gemeinde etwas an. Die Hinterbliebenen wurden mit ihrer Trauer nicht alleine gelassen, jeder nahm an dem Tod und an der Trauer teil. Das ganze Dorf, die gesamte Gemeinde, das heißt, eine „soziale Gruppe war vom Tod angerührt worden und hatte kollektiv reagiert“ (Ariés, Philippe: „Geschichte des Todes“, München 2009, Seite 715).

Nicht nur Oberhaupte starben öffentlich, sondern Jedermanns Tod war ein öffentliches Ereignis, das die gesamte Gemeinde bewegte.

Doch die Trauer um den Verstorbenen wurde von der Tatsache beruhigt, dass man daran glaubte, er erlöse den Menschen von dem Elend des Menschlichen.

Nicht das Leben hat früher gezählt, sondern der Tod. Er galt als „…Anrecht darauf, eines Tages der erdrückenden Last des Elends und der Ungerechtigkeit des irdischen Lebens zu entrinnen“ (Ariés, Philippe: „Geschichte des Todes“, München 2009, Seite 712). Der Glaube an das Jenseits, also des Lebens nach dem Tod, gab den Hinterbliebenen den Trost, dass es ihren verstorbenen Familienangehörigen oder Freunden an einem anderen Ort, weit weg des irdischen Leidens, besser ginge. Jede Kultur, ganz gleich welcher Religion sie angehörig war, glaubte an eine Form des Lebens nach dem Tod. Es wird an das Paradies oder an die Hölle geglaubt, an einen Hades oder an die Wiedergeburt. In allen Kulturen oder Religionen glaubt man daran, dass das Leben nach dem Tod sich dem des irdischen Lebens gegenüber gerechtfertigt verhält. Wenn also ein Sterbender ein frommer und guter Mensch war, so musste er sich nicht vor dem Tod fürchten, denn alle glaubten auf Besserung nach dem seine Seele den Körper verlassen würde.

Die Mythologie um das „gemeinsame Weiterleben der Toten (...) ist die älteste und häufigste Form des menschlichen Bemühens, mit der Endlichkeit des Lebens fertigzuwerden.“ (Elias, Norbert: „Über die Einsamkeit der Sterbenden. Humana condito. Frankfurt/M. 2002, Seite 9)

Der Glaube an ein schönes Leben nach dem irdischen Tod begründet die Trauerfeier. Zwar trauerten die Hinterbliebenen um ihren Verlust, doch wurden sie damit nicht alleine gelassen und konnten in der schönen Vorstellung von Paradies oder Wiedergeburt einen Trost finden. Die Religion hatte für die Menschen von früher eine viel größere Bedeutung. Zudem kam noch, zu Zeiten des Mittelalters beispielsweise, dass die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten war und auch Hungersnöte für eine, im Vergleich zu heute niedrige Lebenserwartung verantwortlich waren. Der Tod war dadurch ein ständiger Begleiter des Lebens. Durch den Glauben an das Leben nach dem Tod hatte man die Sterbenden niemals alleine gelassen.

In der westlichen Welt, in der das Christentum vorherrschte, kam ein Priester an das Sterbebett und nahm dem Totkranken seine Beichte ab. Auch Leute, mit denen der Sterbende Streit hatte, wurden zur Versöhnung an das Sterbebett gebeten. Durch eine sogenannte Absolution fühlte sich der Sterbende von seinen Sünden gereinigt und konnte glauben, nach seinem Tod in ein anderes Leben im Paradies überzugehen.

Der Tod erfolgte dementsprechend nicht alleine und in Einsamkeit. Sterbende wurden mit ihrer Krankheit bis zum Ende nicht alleine gelassen sondern bis in den Tod hinein begleitet. Ein Tod in Einsamkeit wünschte man niemanden und wurde immer zu vermeiden versucht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wie lebe ich mit dem Tod
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V202851
ISBN (eBook)
9783656292401
ISBN (Buch)
9783656294177
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tod, Todeserfahrung, Trauer, Ausbürgerung
Arbeit zitieren
Tara Shawket (Autor), 2012, Wie lebe ich mit dem Tod, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202851

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